Matsch-Marathon mit Maverick

Dieser Mini-Offroader wühlt sich einfach durch

Die ganz harte Tour

Sprechen wir es doch frei heraus: SUV sind was für Warmduscher. Wer wirklich vorankommen will (und zwar über Stock und Stein), steigt in ein Dampfhammer-SSV wie den Maverick Turbo

29. Januar 2016

Nehmen wir mal an, Sie wären auf der Suche nach einem ganz besonderen fahrbaren Untersatz, der Sie wirklich überall hin trägt. Und wären Sie bereit, dafür einiges auszugeben. Was könnte da in Frage kommen?

Ihre primären Auswahlkriterien: Preis bis 27.500 Euro, Leistung bis 148 PS, Benzin, Automatik. Ganze 55.919 Ergebnisse (Stand: 22.01.2016) ergibt die Suche von mobile.de, gibt man ihr lediglich diese vier Parameter vor. Schränkt man dann noch die Anzahl der Sitzplätze auf zwei ein (Sie halten einfach nichts von Gruppenreisen), bleiben 6.546 Angebote übrig.

Teuerste Offerte ist ein Smart-Unikat mit 117 PS und 7.000 km auf der Uhr. Günstigstes Angebot ist ebenfalls ein Smart, 180.000 km gelaufen, 54 PS im Heck, bald 16 Jahre alt. Dazwischen tummeln sich Mini Roadster, Pontiac Solstice, Maxda MX-5. Die üblichen Verdächtigen. Nichts, was Menschen, die das Besondere suchen für den täglichen Überlebenskampf im Asphaltdschungel, wirklich vom Hocker zu reißen vermag. Zu konventionell. Zu zivilisiert. Zu normal.

Ein echtes Querfeldein-Biest

Nein, wer mit seinem Führerschein der Klasse B (neu) bzw. 3 (alt) ausbrechen will aus der Rund-um-Wohlfühlzone Auto und dennoch uneingeschränkt mobil bleiben möchte, der braucht etwas anderes. Ein Gefährt, das ihn im Kampf mit den Elementen und den Fragmenten der Zivilisation nahezu unbesiegbar macht. Etwas Unkaputtbares. Ein echtes Querfeldeinbiest. Ein SSV.

Das steht für Side-by-Side-Vehicle. Und bedeutet: Jetzt geht es ans Eingemachte! Schiere Technik auf Rädern. Gut 40 Zentimeter Federweg, armdicke Doppeldreieckslenker, offener Motorraum. Roh, brutal, nackt. So herrlich unvernünftig. Und doch extrem parkplatzfreundlich mit gerade einmal drei Meter Gesamtlänge.

Helm und Neoprensitze als Wetterschutz

Der ungekrönte Dschungelkönig dieser Spezies ist der neue Can-Am Maverick X ds Turbo. V-Twin-Motor von Rotax mit 976 cm3. Bärige 131 PS stark. Schlappe 635 Kilogramm schwer. Radikal offen, selbst wenn die unverkleideten, gegen Aufpreis erhältlichen Blechtüren montiert sind und das optionale Dach drauf ist. Beides mag Anzugträgern unverzichtbar erscheinen auf dem täglichen Weg zur Arbeit. Aber pah – wozu gibt es Helm (Pflicht) und Neoprensitze? Eben!

Unter der kampfrobotermäßig zerklüfteten Verkleidung steckt im Prinzip ein großes All Terrain Vehicle (ATV), gemeinhin Quad genannt. Fahrer und Beifahrer sitzen aber nicht hintereinander, sondern Seite an Seite, „side by side “, daher der Name. Gaspedal statt Gashebel, Lenkrad statt Lenker, Sicherheitsgurt – Autofahrer finden sich hier sofort zurecht.

Mit dem ersten werksseitig eingebauten Turbolader schickt Can-Am-Mutter BRP sein bislang stärkstes und modernstes Hightech-Muli ins Rennen. Zehn PS mehr Leistung, weniger Wartungsintervalle, aufwändigeres Fahrwerk, neu abgestimmte stufenlose Automatik (CVT).

Arbeitsauftrag: Attacke!

Weniger Verbrauch, mehr Leistung – die Marschrichtung kennt man aus der Automobilbranche. 70 Prozent aller Motoren haben die Kanadier fürs Modelljahr 2016 überarbeitet. Wirklich sparsam werden ATV und SSV natürlich nie sein: Zehn bis 15 Liter jagt die elektronische Benzineinspritzung locker durch den 1000R Turbo, je nach Geländebeschaffenheit und Arbeitsauftrag. Und der lautet meistens: Rauf da! Und zwar zackig!

Die aberwitzig souveräne Art, mit der Can-Ams Topmodell kniehohe Wurzelgebirge überrennt und archaische Hinkelsteinfelder erklimmt, ist schlicht beeindruckend. Selbst lammfromme Familienvan-Fahrer spüren auf Schotter und Kies schlagartig den Peterhansel in sich. Nächstes Jahr Dakar mitfahren? Das passende Gefährt scheint gefunden.

25.699 Euro ruft BRP für den Can-Am Maverick X ds Turbo auf. Das ist amtlich. Dafür gibt es auch zwei Dacia Duster inklusive zweiwöchiger Urlaubsfahrt. Obendrauf kommen noch einmal rund 1.000 bis 1.250 Euro für die sogenannte LOF-Umrüstung (u.a. Anhängerkupplung). Damit werden ATV/SSV/Quad zulassungsrechtlich zur „land- oder forstwirtschaftlichen“ Zugmaschine. Bedeutet: Sie dürfen mit voller Leistung auf Deutschlands Straße fahren. Alternativ müssten sie auf 20 PS gedrosselt werden (EC-Version).

Freie Fahrt überall? Leider nein

Wie jedes andere Kraftfahrzeug mit mehr als 50 ccm auch müssen SSV versichert werden. Die Höhe der Prämie kann wie bei Autos und Motorrädern je nach Region, Anbieter und Umfang erheblich abweichen. Der Maverick X ds käme im baumschulfreundlichen Landkreis Pinneberg auf eine Prämie (SF 6, Teilkasko mit 150 € SB) von 254 bis 648 Euro im Jahr. Die Steuer beträgt bei der gewichtsbesteuerten LOF-Zulassung charmante 45 Euro/Jahr.

Freies Blasen in der deutschen Wildnis müssen sich SSV-Interessenten nach wie vor abschminken (sehr zum Kummer der Quad-Szene): Forststraßen und Waldwege sind nicht für den öffentlichen Verkehr bestimmt, sondern ausschließlich Kraftahrzeugen oder Fuhrwerken vorbehalten, die der Pflege des Waldes dienen. Schranken und Fahrverbotsschilder sprechen hier in der Regel eine klare Sprache.

Wilde Offroad-Ausflüge können richtig teuer werden

Bei Zuwiderhandlung droht erheblicher Ärger. In Bayern zum Beispiel geben Naturschutzgesetz, Waldgesetz sowie Straßenverkehrsordnung und –gesetz Strafen von bis zu 25.000 Euro her. Obendrauf kommt gern noch der zivilrechtliche Schadensersatzanspruch des Waldeigentümers (Land, Bund oder privat). Der kann sogenannte Flurschäden geltend machen durch das unerlaubte Furchen ziehen auf seinem Grund und Boden.

Rechtlicher Ärger droht auch bei „mutwilliger Jagdstörung“, die bei einer ausgiebigen ATV- oder SSV-Hatz aus Jägersicht natürlich gegeben ist. Frei von drohendem Ungemach austoben können sich SSV-Fahrer auf deutschem Boden nur in offiziellen Offroadparks und -geländen. Wo die zu finden sind, offenbart => ein Blick ins Internet. Freies Fahren mit dem eigenen Quad gibt es dort teilweise schon ab 10 Euro/Tag.

Das ist der Maverick: Eine Spaßmaschine, die durch brachichale Fahrleistungen beeindruckt. Zu was der kleine Kraft-Karren imstande ist, zeigt am besten die Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt / fayvels büro
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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