Deutschlands größter Fahrzeugmarkt
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Eine Person betrachtet einen blauen Nissan Leaf der ersten Generation auf seinem Laptop-Bildschirm.
Quelle: Unsplash / Maximilian Funk
Bei der Suche nach einem elektrischen Gebrauchtwagen müssen teils andere Kritieren angewendet werden.

Die Hersteller treten bei der Elektrifizierung ihrer Modellpaletten ordentlich aufs Pedal. Im vergangenen Jahr hatte die Hälfte aller neu zugelassenen Autos entweder einen reinen Elektro- oder zumindest einen Hybridantrieb. Quasi als Nebeneffekt profitiert auch der Gebrauchtwagenmarkt von dieser Entwicklung. Das Angebot an Secondhand-Stromern wird von Jahr zu Jahr größer. Eine Auswertung zeigte, dass sich im Januar 2023 auf unserer Plattform 25.528 E-Autos befanden. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stellte dies eine Steigerung um satte 106 Prozent dar.

Gleichzeitig hat auch die Nachfrage deutlich angezogen. Die gebrauchten Elektrofahrzeuge waren im Schnitt nur 38 Tage inseriert, während die durchschnittliche Standzeit bei herkömmlich angetriebenen Autos 54 Tage betrug. Du stehst auch unter Strom und möchtest Dir deshalb ein neues oder gebrauchtes E-Auto zulegen? Die folgenden Tipps haben wir zusammen mit der renommierten Fahrzeug-Ingenieurin und Kfz-Sachverständigen Laura Kukuk sowie mit Deutschlands „Tesla-Guru“ Ove Kröger erarbeitet. Er ist ebenfalls Kfz-Sachverständiger und hat sich auf Elektroautos spezialisiert. Die Tipps werden Dir dabei helfen, das beste gebrauchte Elektrofahrzeug zu finden.

Nur im abgesicherten Bereich arbeiten!

Das Wichtigste zuerst: Die Batterietechnik im Elektroauto ist Hochvolttechnik. Sie kann schnell tödlich sein oder zu schwersten Verletzungen führen. Daher gilt, niemals an der Batterie arbeiten! Dieser Teil des E-Autos darf nur mit geeignetem Personal und am richtigen Ort untersucht werden. Die Sachverständige Laura Kukuk hat einen wichtigen Appell an alle Autofahrer: "Wer sich mit der Batterie oder der Elektronik eines Stromers beschäftigt, sollte immer einen Spezialisten hinzuziehen. Das kann ein Sachverständiger für Hochvoltfahrzeuge sein oder ein Mechaniker, der auf Elektroautos geschult ist. Zudem muss man die Lokalität dafür haben, etwa eine Werkstatt, die den abgesicherten Bereich für E-Autos zur Verfügung stellt."

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Kenne Dein Fahrprofil

Skeptiker der E-Mobilität geben oftmals immer noch die Reichweitenangst als ihren größten Vorbehalt an. Für die meisten Anwendungsfälle dürfte aber selbst ein Stromer mit einer kleinen Batterie genug Reichweite bieten. Statistisch gesehen legt ein Pkw im Schnitt nämlich nur knapp 40 Kilometer pro Tag zurück. Wenn Du jedoch im überregionalen Außendienst tätig bist, Dein Auto regelmäßig für längere Urlaubsfahrten nutzt oder oft schwere Anhänger mit ihm ziehst, solltest Du Dich definitiv nach einem besonders reichweitenstarken E-Auto mit einer ordentlichen Anhängelast umschauen. Spitzenmodelle kommen mit einer Batterieladung unter realen Bedingungen heute teilweise schon über 600 Kilometer weit. Ove Kröger meint dazu: "Für eine hohe Reichweite würde ich immer 60 kWh plus nehmen, für die Stadt reicht auch eine niedrigere Batteriekapazität."

Checke die Ladeinfrastruktur in Deiner Umgebung

Der nahezu lautlose und lokal emissionsfreie Elektroantrieb spielt vor allem in der Stadt sein volles Potenzial aus. Doch wer in einer Stadtwohnung lebt und keinen Stellplatz mit integrierter Lademöglichkeit hat, kann sich beim Füllen der Stromspeicher seines E-Autos mitunter schwertun. Wenn es in Deiner Umgebung kaum öffentliche Ladesäulen gibt oder diese stark ausgelastet sind, läufst Du Gefahr, dass Deinem Auto der Saft ausgeht. In diesem Fall ist es besonders wichtig, dass die Batterie schnell geladen werden kann. So lässt sich beispielsweise an einer DC-Schnellladestation innerhalb weniger Minuten genug Gleichstrom (DC = direct current) zapfen, um damit mehrere Hundert Kilometer Autobahn zurückzulegen. Auch die Dauer des Supermarktbesuchs lässt sich auf diese Weise prima für das Laden nutzen. Wenn Du jedoch eine Garage oder einen Carport zu Hause hast und mit Deinem Auto vor allem kurze Strecken zurücklegst, kannst Du auch mit einem älteren Modell ohne Schnellladefunktion glücklich werden.

Ein blauer Nissan Leaf der ersten Generation von vorne im Abendlicht fotografiert.
Quelle: Nissan
Der erste Nissan Leaf ist günstig zu haben. Bei der Technik muss man aber Abstriche machen.

Sei Dir Deiner Bedürfnisse und Deines Budgets bewusst

Mittlerweile gibt es bei E-Modellen eine ähnlich große Auswahl wie bei den klassischen Verbrennern. Vom elektrischen Leichtfahrzeug bis zum luxuriösen Oberklasse-SUV ist für fast jeden Anspruch und Geldbeutel etwas dabei. Bevor Du jedoch auf die Suche gehst, solltest Du Dir wie bei jedem Autokauf Deine Bedürfnisse und Dein Budget bewusst machen. Wenn Du überwiegend alleine und vor allem in der Stadt unterwegs bist, reicht auch ein elektrischer Kleinwagen à la Renault Zoe. Familien brauchen logischerweise ein Auto mit einem großzügigeren Platzangebot, hier dürften E-SUV wie das Tesla Model Y oder der VW ID.4 die richtige Wahl sein. Aerodynamische und komfortable Elektrolimousinen wie der Mercedes EQE oder das Tesla Model S kommen vor allem für gut betuchte Vielfahrer in Frage.

Laura Kukuk bringt es auf den Punkt: "Ich muss zunächst mein Fahrverhalten analysieren. Erst dann kann ich auch die Frage beantworten, wie viel Reichweite ich tatsächlich benötige." Laut Ove Kröger gibt es brauchbare Secondhand-Elektroautos wie den Renault Zoe schon ab etwa 6.000 Euro. "Den klassischen Spruch – Elektromobilität ist zu teuer für mich – kann ich in den meisten Fällen nicht mehr gelten lassen", bekräftigt der Experte.

Ein Renault Zoe der ersten Generation vor einem malerischen Panorama fotografiert.
Ein Renault Zoe der ersten Generation vor einem malerischen Panorama fotografiert.
Renault Zoe

Der Renault Zoe war lange Zeit Europas erfolgreichstes E-Auto. Ältere Exemplare gibt es für wenig Geld.

Achte auf die Batterie eines gebrauchten E-Autos

Batterien sind das entscheidende Kriterium, wenn Du dir ein gebrauchtes E-Auto kaufen möchtest. Die meisten Hersteller geben zwischen sechs und acht Jahre (oder 160.000 Kilometer) Garantie auf die Batterie. Dem Herzstück eines E-Autos gilt also beim Kauf besondere Aufmerksamkeit.

Auf diese Fragen solltest Du vor dem Kauf Antworten haben:

  • Was passiert, wenn meine Batterie beschädigt sein sollte? Kann ich sie dann wechseln lassen und bietet das der Hersteller überhaupt an?
  • Falls der Hersteller einen Tausch anbietet, ist der Wechsel auch bei mir in der Umgebung umsetzbar?
  • Ist eine mögliche Ersatzbatterie zeitnah verfügbar?

Das Alter der Batterie ist ein wichtiges Merkmal eines gebrauchten Elektroautos, aber nicht das einzige. Expertin Kukuk rät: "Man muss sich mit dem Gesundheitszustand, also dem sogenannten State of Health, der Batterie auseinandersetzen." Ove Kröger hält dies sogar für einen Vorteil gegenüber gebrauchten Verbrennern, der Zustand klassischer Otto- und Dieselmotoren kann nämlich nicht so genau analysiert werden wie der eines Lithium-Ionen-Akkus. "Das Schöne beim Elektroauto ist, dass man die Batterie vor dem Kauf auslesen kann. Ich sehe genau, wie sie behandelt wurde. Wurde sie oft schnell oder überwiegend langsam geladen? Wie hoch ist die Degradation, also wie viel Kapazität hat sie verloren?"

Ich würde niemals ein Elektroauto kaufen, ohne dessen Batteriezustand zu kennen. Im Leben nicht.
Ove Kröger

"State of Health", kurz SoH, meint die Alterung der Batterie des Elektroautos. Batterien altern immer, das lässt sich nicht verhindern. Je älter sie sind, desto weniger Kapazität besitzen sie. Den Effekt kennen die meisten von uns von ihrem Handy oder Laptop. Die gute Nachricht: Im Gegensatz zu diesen Geräten verfügen die meisten E-Autos über ein intelligentes Batteriemanagement, das die Haltbarkeit der Batterien laut ADAC wirklich zu verlängern scheint. Die Tester des Automobilclubs fanden heraus, dass zum Beispiel die Kapazität der Batterie eines 2014er BMW i3 nach fünf Jahren und rund 100.000 Kilometern Fahrleistung noch rund 86 Prozent betrug. Nach gut 200.000 Kilometern, schätzen die Münchner, dürften immerhin noch rund 70 Prozent zu erwarten sein.

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Um den SoH der Batterie eines Stromers möglichst lange zu schonen, raten die meisten Hersteller, die Fahrzeuge möglichst selten mit hoher Leistung zu laden, die Batterie nicht immer komplett zu füllen und eine Entleerung – etwa durch eine lange Standzeit des Autos – zu vermeiden. Eine sogenannte Tiefentladung kann übrigens auch die Garantie gefährden. "Ich würde niemals ein Elektroauto kaufen, ohne dessen Batteriezustand zu kennen. Im Leben nicht", unterstreicht Ove Kröger die Wichtigkeit des SoH-Checks.

Die SoH-Prüfung kann direkt beim Hersteller oder von einem Kfz-Sachverständigen mit Elektroauto-Know-how durchgeführt werden. Die Autobauer sind aber teils sehr intransparent, wenn es um das konkrete Prüfverfahren geht, und manche Vertragshändler führen den Check nur durch, wenn das Auto bei ihnen erworben wurde.

Falls der Verkäufer im Voraus keine SoH-Prüfung durchgeführt hat und Du keinen Sachverständigen bei der Besichtigung dabei hast, gibt es laut Ove Kröger noch eine weitere Möglichkeit, den Batteriezustand zumindest ungefähr zu erfahren. "Bitten Sie den Verkäufer darum, das Auto vor der Besichtigung auf 100 Prozent zu laden. Die auf dem Bildschirm im Fahrzeug angezeigte Reichweite können Sie dann mit realitätsnahen Reichweitenangaben aus Autotests vergleichen."

Laura Kukuk empfiehlt, wenn möglich außerdem herauszufinden, ob das Fahrzeug immer nur Kurzstrecke gefahren ist oder auch ab und zu auf der Langstrecke bewegt wurde. Denn das gibt Hinweise auf die Art der Ladezyklen. Allgemein gilt natürlich: je weniger Ladezyklen, desto besser.

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Auch beim Stromer spielt die Laufleistung eine Rolle

Viele Fahrzeugteile beim Elektroauto sind vom Antrieb unabhängig und unterliegen den gleichen Verschleißprozessen wie beim Verbrenner. Einige sogar noch mehr, weil die Stromer durch ihre Batterien häufig ein höheres Fahrzeuggewicht aufweisen. Die zurückgelegte Distanz gibt Dir also einen ersten Anhaltspunkt dafür, wie stark die Komponenten des Autos beim Vorbesitzer belastet waren und mit welchen Schwachpunkten und Reparaturen Du eventuell rechnen musst.

Trotzdem hält Ove Kröger die Laufleistung nicht für das wichtigste Kriterium: „In meinen Augen ist die Laufleistung bei Elektroautos nicht so hoch zu bewerten wie bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.“ Diese Einschätzung begründet er mit der niedrigeren Komplexität des Antriebsstrangs: „Im Motorraum eines Verbrenners laufen ja bis zu 4.000 Teile, die nur dafür sorgen, dass Du überhaupt vorwärts kommst. Bei einem Elektroauto sind es dagegen nur 150. Die Gefahr, dass etwas kaputt geht, ist beim Verbrenner also deutlich größer.“Dazu kommt, dass die Bremsanlage aufgrund der Rekuperation nicht so stark beansprucht wird wie bei einem konventionell angetriebenen Fahrzeug.

Den Tachocheck solltest Du aber immer gemeinsam mit dem Gesamteindruck vom Fahrzeug betrachten. Auch bei Elektroautos kann die Laufleistung manipuliert werden, sodass sie weniger Kilometer anzeigen, als das Auto tatsächlich abgespult hat. Solche illegalen Eingriffe lassen sich eher feststellen, wenn man sich den Gesamtzustand des Fahrzeugs genau anschaut.

Informiere Dich auf mobile.de und lass Dich inspirieren

Du möchtest, dass Dein nächstes Auto elektrisch fährt, weißt aber noch nicht, welches Modell gut zu Dir passt? Als Hilfestellung findest Du im mobile.de Magazin eine Vielzahl von E-Mobilitätsthemen. Wenn du beispielsweise noch an der Umweltfreundlichkeit der Stromer zweifelst, kann unser Artikel „Ökobilanz von Elektroautos: Wie gut ist sie wirklich?“ dir die Entscheidung für einen Stromer eventuell erleichtern. Wenn es so weit ist, empfehlen wir dir unsere Aufstellung „Die besten gebrauchten Elektroautos“. Wenn Du wissen willst, ob Du auch beim Kauf eines gebrauchten Stromers Geld vom Staat erhältst, findest Du die Antwort in unserem Artikel „E-Auto-Förderung 2023“.

Auf Mobile.de gibt es jetzt neue Filter speziell für die Suche nach dem passenden Elektroauto.
Quelle: Peter Besser
Die neuen Filter auf mobile.de erleichtern die Suche nach dem passenden Stromer.

Nutze die neuen Spezial-Filter für Elektroautos auf mobile.de

Auf mobile.de gibt es neue Filtermöglichkeiten, welche Dir die Suche nach dem richtigen Elektroauto deutlich erleichtern. Wenn Du in der Desktop-Version des Portals bei den weiteren Filtern „Elektro“ als Kraftstoffart auswählst, klappt ab sofort ein neues Untermenü mit zusätzlichen Reitern auf. So kannst Du bei der Suche nach Deinem Wunsch-Stromer jetzt auch die gewünschte Mindestreichweite festlegen sowie die Ladedauer an herkömmlichen Ladepunkten und Schnellladesäulen eingrenzen. Auf der Inserateseite der jeweiligen Fahrzeuge wird neuerdings auch der Steckertyp angezeigt.

Zudem kannst Du festlegen, wie groß die Batteriekapazität des Stromers sein soll. Da einige Hersteller die Batterien ihrer E-Autos separat vom eigentlichen Fahrzeug vermieten beziehungsweise verleasen, kannst Du auswählen, ob der Stromspeicher beim Kauf inklusive sein soll oder ob Du ihn mieten möchtest. Du kannst aber auch einstellen, dass Du nach einem Auto ohne Batterie suchst.

Informier Dich einfach zu Leasing

Der technische Fortschritt schreitet im Bereich der E-Mobilität rasant voran. Fahrzeuge, die sich heute auf dem aktuellen Stand der Technik befinden, können daher schon nach wenigen Jahren veraltet sein. Dies schlägt sich natürlich auch beim Restwert nieder. Daher kann Leasing bei Elektroautos eine attraktive Alternative für Dich sein. Teilweise bieten Händler kurze Leasinglaufzeiten an, damit sich die Neulinge unter den E-Autofahrern an die neue Antriebsart gewöhnen können. Auf mobile.de gibt es aktuell über 2.000 E-Auto-Leasing-Angebote. Die monatlichen Raten starten schon bei 152,70 Euro. Es lohnt sich also auf jeden Fall, sich diesbezüglich zu informieren.

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Autofahrer sitzt im Kofferraum eines E-Autos und spielt mit ferngesteuerten Autos
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