Lässt sich der Schadenfreiheitsrabatt übertragen?

Schadenfreiheitsklasse übertragen: Wann es sich lohnt

Ob sich die Schadenfreiheitsklasse übertragen lässt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Informiere Dich hier, welche das sind.

  • Veröffentlicht am 20.03.2022, 00:01
Rückansicht von zwei Männern, die in einem Auto sitzen
Quelle: UnsplashInnerhalb von Familien können Schadenfreiheitsklassen meistens problemlos übertragen werden – bei vielen Versicherungen sogar von Eltern auf ihre nicht-leiblichen Kinder

Schadenfreiheitsklasse übertragen: Welche Voraussetzungen gelten?

Von der Großmutter auf den Enkel, dem Vater auf die Tochter oder der Frau auf den Ehemann: Innerhalb der Familie lässt sich die Schadenfreiheitsklasse normalerweise schnell und unkompliziert übertragen. Die sogenannte SF-Klasse kann bei vielen Versicherern sogar an nicht-leibliche Kinder weitergeben werden – zum Beispiel an den Schwiegersohn.

Und auch nach einem Todesfall ist eine Übertragung der Schadenfreiheitsklasse möglich. Allerdings nur innerhalb eines Zeitrahmens von etwa zwölf Monaten. Diese Frist kann, je nach Versicherer, länger oder kürzer sein. Informiere Dich also am besten direkt bei Deinem Versicherer.

Damit die Schadenfreiheitsklasse übertragen werden kann, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Manche Versicherer verlangen zum Beispiel, dass Überträger und Empfänger der SF-Klasse im selben Haushalt wohnen.

Bei einigen Versicherern müssen außerdem folgende Voraussetzungen auf den Empfänger zutreffen:

  • Versicherungsart: Der Empfänger besitzt eine Kfz-Haftpflicht- oder Vollkaskoversicherung – Teilkasko reicht nicht aus. Denn bei dieser Versicherungsform gibt es keine SF-Klassen, da sie nur bei Schäden greift, die der Fahrer nicht selbst verursacht hat. Dazu gehören Marderbisse oder Sturmschäden.
  • Fahrpraxis: Der Empfänger ist in der Vergangenheit regelmäßig mit dem Pkw gefahren, für den die zu übertragende Schadenfreiheitsklasse gilt. Einige Versicherungen verlangen sogar, dass der Empfänger der SF-Klasse bereits als Hauptfahrer des Autos gemeldet ist.
  • Antrag: Die Übertragung der Schadenfreiheitsklasse wurde beim Versicherer schriftlich beantragt. Das geht ganz einfach vor Ort beim Anbieter oder per Post.

Beachte, dass die Kriterien je nach Versicherungsanbieter variieren können. Erfrage sie deshalb am besten vorab.

Wann ist die Übertragung der Schadenfreiheitsklasse sinnvoll?

Eine Übernahme der Schadenfreiheitsklasse lohnt sich, wenn der Empfänger dadurch einen Schadenfreiheitsrabatt bekommt. Das ist ein Preisnachlass, durch den die Kfz-Versicherung günstiger wird. Wie hoch der Rabatt ist, hängt von der Anzahl der unfallfreien Jahre ab. Die Faustregel lautet: je mehr unfallfreie Jahre, desto höher die SK-Klasse und desto niedriger der jährliche Versicherungsbeitrag.

Eine Übertragung der SK-Klasse rentiert sich zum Beispiel in folgendem Fall: Deine Oma besitzt ein Auto und ist es viele Jahre unfallfrei gefahren. Dadurch hat sie eine hohe Schadenfreiheitsklasse erzielt und einen hohen Schadenfreiheitsrabatt. Weil sie sich mittlerweile unsicher beim Fahren fühlt, beschließt sie, den Wagen zu verkaufen – an Dich. Übernimmst Du neben dem Auto auch die SF-Klasse Deiner Oma, gewährt Dir Dein Versicherer einen Rabatt auf Deine Kfz-Versicherung. Du sparst also bares Geld.

Detailaufnahme eines auf der Seite liegenden Glasbehälters, aus dem verschiedene Euromünzen herausgefallen sind
Versicherungsvergleich

Haftpflicht, Teil- oder Vollkasko: Ein Vergleich hilft bei der Entscheidung, welche Versicherung am besten zu einem passt.

Wichtig ist, dass Du zum Zeitpunkt der Übernahme schon möglichst lange einen Führerschein besitzt. Der Grund: Du kannst maximal die Anzahl an schadenfreien Jahren übernehmen, die Du selbst bereits hinterm Steuer sitzt. Hast Du den Führerschein erst seit fünf Jahren, kann Deine Oma nur fünf Jahre auf Dich übertragen – auch wenn sie die letzten fünfzehn Jahre unfallfrei unterwegs war. Die restlichen zehn Jahre verfallen.

Das bedeutet: Fahranfänger profitieren nicht davon, wenn sie die Schadensfreiheitsklasse übernehmen. Denn ihnen kann kein oder maximal ein Jahr angerechnet werden. Sie müssen also bei einer niedrigen SF-Klasse einsteigen und höhere Versicherungsbeiträge zahlen.

Generell lässt sich festhalten: Mit Ausnahme von Fahranfängern ist eine Übertragung der Schadenfreiheitsklasse fast immer sinnvoll – zumindest für den Empfänger. Bist Du allerdings die Person, die die SF-Klasse abgibt, sieht die Sache anders aus. Dann verlierst Du den Anspruch auf den Schadenfreiheitsrabatt unwiderruflich. Gegebenenfalls müsstest Du dann bei einem neuen Auto von vorn anfangen, schadenfreie Jahre zu sammeln. Daher gilt: Wäge die Vor- und Nachteile ab, bevor Du Dich entscheidest, ob Du Deine SF-Klasse übertragen möchtest.

Ist die Schadenfreiheitsklasse beim Versicherungswechsel übertragbar?

In den meisten Fällen kannst Du die Schadenfreiheitsklasse zu einem neuen Versicherer mitnehmen. Frage aber am besten vor dem Wechsel nochmal beim neuen Anbieter nach, ob diese Möglichkeit besteht. Gibt er das Okay, beantrage die Rabattübertragung schriftlich. Das benötigte Formular stellen die meisten Versicherer auf ihrer Website bereit.

Wichtig: Gib auf dem Antrag die Schadenfreiheitsklasse an, die zum Zeitpunkt des Versicherungsbeginns besteht. Beantragst Du also zum Beispiel einen Wechsel zum 1. Januar 2022, zählt die SF-Klasse des Jahres 2022 – nicht die von 2021.

Beim Versicherungswechsel übernimmt der neue Anbieter die Schadenfreiheitsklasse, die der alte Anbieter festgestellt hat. Den Schadenfreiheitsrabatt muss er dagegen nicht eins zu eins übernehmen. Angenommen Du hattest bei Deinem früheren Versicherer die SF-Klasse 15 und einen Schadenfreiheitsrabatt von 35 Prozent. Dann bleibt die SF-Klasse 15 bestehen, doch der Preisnachlass könnte bei unter oder über 35 Prozent liegen. Der Grund: Da es keine einheitlichen Regeln gibt, kann jeder Versicherer selbst festlegen, wie hoch der Rabatt genau ist.

In zwei Fällen ist es nicht möglich, die SF-Klasse zu einem neuen Versicherer mitzunehmen:

  • erstens bei einem kostenpflichtigen Rabattschutz und
  • zweitens bei einer Sondereinstufung.

Der sogenannte „Rabattschutz“ ist ein Zusatzschutz, den Du als Versicherungsnehmer freiwillig zur Kfz-Versicherung hinzubuchen kannst. Er bewahrt Dich davor, dass Du nach einem Unfall in eine niedrigere Schadenfreiheitsklasse eingestuft wirst. Das bedeutet, Du zahlst trotz Unfall weiter den gleichen Versicherungsbeitrag. Beim Wechsel zu einem anderen Anbieter verfällt der Rabattschutz allerdings. Gegebenenfalls kommt es dann zu einer Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse. Der neue Versicherer ordnet Dich dann der SF-Klasse zu, die Dir laut der Anzahl Deiner tatsächlichen unfallfreien Jahre zusteht.

Ähnlich verhält es sich bei der sogenannten „Sondereinstufung“. Dabei stuft Dich der Versicherer in eine höhere Schadenfreiheitsklasse ein, als Dir offiziell laut Deiner unfallfreien Jahre zustehen würde. Wechselst Du zu einem neuen Versicherer, muss dieser die Einstufung aber nicht übernehmen – er kann Dir eine neue SK-Klasse zuordnen.

Detailaufnahme von Euro-Scheinen, die auf einem Haufen liegen
Infos zum Rabattschutz

Lohnt sich ein kostenpflichtiger Rabattschutz bei der Kfz-Versicherung? Und was ist ein Rabattretter? Hier gibt’s die Antworten.

Schadenfreiheitsklasse aus dem Ausland übertragen – geht das?

Grundsätzlich lässt sich eine im europäischen Ausland erworbene Schadenfreiheitsklasse auf einen deutschen Versicherungsvertrag übertragen. Wer beispielsweise lange im Ausland gelebt hat und jetzt – samt Auto – wieder nach Deutschland zurückkommen möchte, kann seine SF-Klasse mitnehmen.

Das ist bei vielen Versicherern auch möglich, wenn Du im Ausland bleibst und die SF-Klasse an Dein Kind oder Deinen Partner in Deutschland weitergeben möchtest. Allerdings müssen einige Kriterien zutreffen, damit Du die Schadenfreiheitsklasse mitnehmen oder übertragen kannst. Es darf zum Beispiel keine deutsche Vorversicherung geben.

Schadenfreiheitsklasse mitnehmen oder übertragen: weitere Voraussetzungen

  • Es liegt ein Nachweis über die ausländische Versicherung vor – im Original und als deutsche oder englische Übersetzung. Das Dokument enthält die Namen des Versicherers und des Versicherungsnehmers, den Beginn und das Ende der Versicherung sowie alle Schäden, die während der Vertragszeit entstanden sind.
  • Derjenige, der die SF-Klasse übernehmen möchte, ist gleichzeitig der Fahrzeughalter – oder aber dessen eingetragener Lebens- oder Ehepartner. Auch das Kind des Fahrzeughalters kann die SF-Klasse aus dem Ausland übernehmen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Steuervergünstigung nach § 3a KraftStG vorliegt. Das ist eine Vergünstigung für Pkws, die für schwerbehinderte Personen zugelassen sind.
  • Die europäische Kfz-Versicherung endete vor maximal sechs Monaten – andernfalls ist es zu spät für eine Übertragung. Kündigst Du Deine ausländische Versicherung und ziehst nach Deutschland, musst Du Dich also innerhalb eines halben Jahres um die Übertragung der Schadenfreiheitsklasse kümmern.

Sind diese Anforderungen erfüllt, kannst Du beim deutschen Versicherer beantragen, dass die Schadenfreiheitsklasse übertragen wird. Achtung: Der Schadenfreiheitsrabatt des deutschen Versicherers kann von dem des ausländischen Versicherers abweichen. Das liegt daran, dass alle europäischen Versicherungsgeber selbst festlegen, wie sie den Rabatt berechnen.