Die Zukunft des Fahrzeugbaus?

Strati: Das Auto aus dem 3D-Drucker

Das Druck-Erzeugnis

Viel Nützliches haben 3D-Drucker noch nicht herstellen können. Aber jetzt druckt Local Motors in den USA damit das Plastik-Auto Strati. Es wiegt nur halb so viel wie ein normaler Pkw. Sein Antrieb stammt von einem kleinen Europäer.

18. November 2014

"In ein paar Jahren, vielleicht aber auch schon im kommenden Jahr, können wir ein maßgeschneidertes Auto anbieten. Unter normalen Umständen würde dies Millionen an Entwicklungs- Produktionskosten verschlingen", verrät James Earl, Ingenieur bei Local Motors, und schraubt zufrieden weiter an Strati.

Strati ist ein Elektroauto, das in einem gewaltigen 3D-Drucker aus ABS-Kunststoff Stück für Stück aus dem Nichts wächst. Der fertige Torso wiegt rund 500 Kilogramm. Nachdem er aus dem Drucker gezogen ist, wird er zur weiteren Bearbeitung auf Stützen gestellt. James Earl und sein Team sind gerade dabei, die Teile anzubauen, die nicht gedruckt werden können – noch nicht. Dazu gehören Reifen, Felgen, zwei Ledersitze, das Lenkrad, die Federung und der gesamte Antriebsstrang inklusive Motor.

Dass sich ein Hersteller 3D-gedruckter Bauteile bedient, ist natürlich nicht neu. Doch anders als bei Fahrzeugen wie dem Urbee, bei dem die Chassisteile einzeln gedruckt und anschließend zusammengesetzt wurden, bestehen Karosserie und Chassis des Strati aus einem Druck. Genauer gesagt haben die 212 Schichten des kleinen, schwarzen Autos insgesamt 44 Stunden Druck- und nochmals acht Stunden Fräsarbeit hinter sich.

 

 
 

 

Das Plastikauto besteht aus 50 Teilen

Dieser Prozess des "direct digital manufacturing" erklärt auch den Namen des Sonderlings. Aus dem Italienischen übersetzt, bedeutet Strati nichts anderes als: Schichten. Diese Art der Fertigung soll in naher Zukunft auf rund 24 Stunden reduziert werden.

Local Motors benutzt zahllose mit Glasfasern verstärkte Plastik-Pellets anstelle der üblichen Filamente. Diese Pellets bestehen aus demselben Material, wie die beliebten Kinderspielzeug-Bauklötze aus dem Hause Lego: Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat, kurz ABS.

„Besteht ein normales Fahrzeug aus bis zu 10.000 Konstruktionsteilen, sind es bei uns weniger als 50. Wir gehen davon aus, dass wir solch ein Auto bald für 18.000 bis 30.000 Dollar anbieten können“, erklärt Local Motos-Chef Jay Rogers.

Der Antrieb ist französisch

Bis es allerdings soweit ist, verblüffen Fahrzeuge wie der Strati die staunenden Besucher von Fachmessen und YouTube-Videos. Besitzer eines Renault Twizy wird die Fahrdynamik des Strati mehr als nur bekannt vorkommen, denn Batterie, Motor, Verkabelung und vieles mehr kommen direkt aus Frankreich – genau, vom Twizy.

So können sich in Zukunft Kunden eines Strati, genauso wie auch die eines Twizy, zwischen einem fünf und einem 18 PS starken Elektromotor mit 33 oder 57 Newtonmeter Drehmoment entscheiden.

Vor allem in puncto Höchstgeschwindigkeit ist der Unterschied zu spüren. Hier stehen 45 gegen 80 Kilometer pro Stunde. Der schwarze Zweisitzer kommt dank einer 6,1 kWh-Batterie auf eine Reichweite von rund 100 Kilometern. Das Aufladen dauert 3,5 Stunden.

Es mangelt noch an Stabilität

Noch nicht gelöst: die Unfallsicherheit. Die heckgetriebene Kunststoffkarre wiegt rund 860 Kilogramm; diese Masse droht sich bei einem heftigen Aufprall nahezu widerstandslos zu verformen. Das Fehlen von Blechteilen hat eben auch seine Nachteile.

Knautschzonen werden hier vergebens gesucht. "Es ist wie ein Fels, der auf eine Mauer trifft", drückt Jay Rogers es leicht beschönigend aus. Man muss ergänzen: Ein Fels aus Kunststoff. Aber bald schon werden 3D-Drucker sicher auch Karosserien aus Metallpulver fusionieren können.

Bis dahin bleibt es beim Experimentieren im Labor. Bis der 2,15 Meter lange und 1,52 Meter breite Strati auf die Straße kommt, wird es wahrscheinlich länger dauern, als es dem kleinen Hersteller aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona lieb ist.

Mehr über den Strati finden Sie in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Marcel Sommer