Dekra Gebrauchtwagenreport 2016

Ohne Mängel bei der Hauptuntersuchung

Die besten Gebrauchtwagen

Die Prüfer von Dekra haben in den vergangenen zwei Jahren mehr als 15 Millionen Hauptuntersuchungen durchgeführt. Welche Automodelle dabei am besten abschnitten, zeigt der aktuelle Mängelreport 2016.

  • Die jährliche HU-Statistik der Dekra zeigt, welche Modelle am wenigsten Mängel aufwiesen.
  • Zur besseren Vergleichbarkeit wird in Fahrzeugklassen und Laufleistung eingeteilt.
  • Die besten Typen haben unter 5% erhebliche Mängel (bis 50.000 km Laufleistung).

15 Millionen HU-Resultate ausgewertet

HU – das ist einer der Spitzenreiter in der Gruppe unangenehmer bis furchteinflößender Abkürzungen: Denken Autofahrer an die HU (Hauptuntersuchung), sind sie mindestens genervt, im schlimmsten Fall auch latent beunruhigt. Denn besteht ihr Vehikel den alle zwei Jahre anstehenden Tauglichkeitstest nicht, wird’s in der Regel teuer.

Die Prüforganisation Dekra hat, wie schon in den Vorjahren, mehr als 15 Millionen HU-Prüfungen der letzten zwei Jahre ausgewertet. Im aktuellen Gebrauchtwagenreport sind Profile von 474 Automodellen enthalten. Eingang fand jedes Modell, das mindestens 1000mal geprüft wurde.

Der Gebrauchtwagenreport gibt Autokäufern somit handfeste Informationen darüber, welche Autos am häufigsten die HU bestehen – und wo am häufigsten Mängel gefunden wurden. Da Autos (wie alles) mit dem Abnutzungsgrad anfälliger werden, wurden zusätzlich die Daten jedes Modells in drei Laufleistungs-Klassen eingeteilt.

Laufleistung statt Fahrzeugalter

Die erste Klasse stellen die jungen Gebrauchtwagen bis zu einer Laufleistung von 50.000 km dar – das entspricht in etwa 2-3-jährigen Mittelklasseautos oder 4-5-jährigen Kleinwagen. Die zweite Klasse geht von 50.000 bis 100.000 km, nach durchschnittlicher Nutzung entspricht das einem Fahrzeugalter von 5-8 Jahren.

Die dritte Klasse (100.000-150.000 km) erlaubt bereits eine Einschätzung der Langzeitqualität – und gibt somit auch bei Fahrzeugen Hilfestellung, die eine noch größere Laufleistung aufweisen: Die Lebensdauer moderner Autos kann ohne Weiteres mehr als 250.000 km betragen. Die besten Konstruktionen kommen auf eine Mängelquote von unter 5% (in der Laufleistungsklasse unter 50.000 km) – das heißt: Bei weniger als fünf von 100 HU-Prüfungen wurde die Plakette nicht ausgeteilt.

Diese Einteilung stellt übrigens einen wesentlichen Unterschied zum => TÜV-Report dar, der ebenfalls jährlichen Statistik vom Dekra-Mitbewerber TÜV – sie erscheint zum Ende jedes Jahres. Dennoch zeigt der Vergleich: TÜV und Dekra haben oftmals deckungsgleiche Favoriten, wie sollte es auch anders sein?

Immer mehr Modelle im Report

Vor fünf Jahren listete die Dekra-Statistik nur 232 Modelle auf. Der Grund für dieses Wachstum liegt nicht nur darin, dass immer mehr Varianten für immer kleinere Marktnischen in den Markt gedrückt werden, sondern auch in einer Ausweitung des Gebrauchtwagenreports: So hat die Dekra inzwischen eine Sonderstatistik für populäre Altwagen, => so genannten „Volumen-Klassiker“, eingeführt.

Diese Statistik betrachtet isoliert Automodelle, die mindestens 15 Jahre alt sind und ebenfalls mindestens 1.000 mal geprüft wurden. Von diesem Alteisen fährt noch sehr viel umher, und die HU-Daten zeigen, dass es sich vielfach um zuverlässige Produkte handelt – sofern sie dauerhaft gepflegt wurden.

Denn mit zunehmendem Alter lässt die Bedeutung der Herstellungsqualität nach; in den Vordergrund tritt nun immer mehr die Pflegebereitschaft der Vorbesitzer. Haben sie geknausert, stellt sich schnell ein Wartungsstau ein, der irgendwann so teuer behoben werden muss, dass die Kosten an den Zeitwert des Autos stoßen. Zugleich zeigt sich im Alter, wo Verschleißteile nicht haltbar genug ausgelegt waren und wo die Konstruktion schwächelt.

Eine Übersicht der 30 besten Gebrauchtwagen, aufgeteilt nach Klassen, sehen Sie in der Bildergalerie.

Jetzt auch Klassiker im Dekra-Report

Eine weitere Sonderklasse wurde im neuen Gebrauchtwagenreport eingeführt: die „Oldtimer“ – damit meint Dekra Modelle, die 30 Jahre und älter sind. Da auch hier die Statistik repräsentativ sein sollte, handelt es sich lediglich um 16 weitverbreitete Modelle vom VW Ur-Golf I bis zum Geländewagen Lada Niva.

Diese Spezialauswertung führt ein wenig an die Grenzen des Dekra-Reports: Bei so alten Autos wäre es leichtsinnig, sich allein auf dieser schmalen Daten-Basis einen bestimmten Klassiker zu kaufen. Denn dass ein Citroen 2CV „Ente“ Probleme mit Korrosion haben kann, ist wirklich eine sehr allgemeine Information.

Wer ein so altes Auto erwerben möchte, sollte sich unbedingt breit über die technischen Spezifikationen, Schwachpunkte und Ersatzteilkosten informieren – und tut dies in der Regel auch. Die Oldtimer-Klasse im Gebrauchtwagenreport hilft Neueinsteigern zumindest, sich eine sehr grobe Übersicht zu verschafften. Und raubt jede Illusion, was Aufwand und Mühe des Oldie-Fahrens betrifft.

Reparaturen sind oft Verkaufsgrund

Denn das müssen sich Gebrauchtwagenkäufer immer vor Augen halten: Wichtigstes Motiv für den Verkauf eines Autos sind teure Reparaturen, die unmittelbar anstehen. Insbesondere beim Kauf von Privat – und dann besonders bei älteren Fahrzeugen – müssen Sie also darauf achten, dass alles aus dem Vorleben des Fahrzeugs auf den Tisch kommt.

Nicht nur hier ist eine gründliche Prüfung unbedingt zu empfehlen: Ist der Gebrauchtwagen älter als 5-6 Jahre oder geht es um einen hohen Kaufpreis, sollten sie unbedingt die Hilfe von Experten suchen – und zwar über einen Gebrauchtwagencheck, den zum Beispiel => der mobile.de-Partner Hüsges, aber auch die großen Prüforganisationen Dekra, TÜV, GTÜ und KÜS anbieten.

Eine solche Prüfung beinhaltet die Durchsicht des Autos wie bei einer HU, bedeutet also auch die Inspektion von Fahrwerk, Bremsen, Rahmen und Karosserie – der Prüfer sieht Verschleiß, Unfallschäden und Korrosion, die Sie als Laie kaum erkennen können, noch dazu nicht ohne Hebebühne. Eine Prüfgebühr von ca. 100 Euro ist immer gut angelegtes Geld angesichts eines Vielfachen an Reparaturkosten, das im Falle nicht entdeckter Mängel später auf Sie zukommt.

Was steht nicht in der Statistik?

Der Gebrauchtwagenreport kann nicht alles. So fehlen seltene Fahrzeuge, die es nicht auf die statistisch relevante Zahl von 1.000 HU-Prüfungen gebracht haben. Dazu zählen => natürlich auch Elektroautos wie der VW e-Golf oder der Tesla Model S. Beim Golf und anderen Modellen können die Daten des Grundmodells zurate gezogen werden; bei Autos wie dem Tesla, die nur als Elektroauto existieren, ist ein => Gebrauchtwagencheck umso ratsamer.

Käufer sollten auch beherzigen, dass der Dekra-Report – wie alle HU-Statistiken – nicht die absolute Mängelquote nennt: Viele Autofahrer lassen ihren Wagen bereits vor der HU in einer Werkstatt durchsehen und Mängel beheben.

Und viele Reparaturbetriebe arbeiten mit HU-Prüfern zusammen, die bei Vorab-Terminen Autos bereits begutachten und auf vorhandene Mängel hinweisen. Die Konsequenz: Die bei der HU festgestellten Mängel sind nur ein Teil der Gesamtmängel.

Die Ergebnisse des DEKRA Gebrauchtwagenreports 2016 stehen online unter www.gebrauchtwagenreport.com. Die kostenlose App für iPhone und iPad sowie für Android-Geräte ist ebenfalls in der neuen Version auf den entsprechenden Plattformen verfügbar. Am Kiosk gibt es das Sonderheft der Zeitschrift auto motor und sport auf Basis der Daten des DEKRA Gebrauchtwagenreports.

Eine Übersicht der 30 besten Gebrauchtwagen, aufgeteilt nach Klassen, sehen Sie in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt / fayvels büro