Start-Stopp-Automatik

Schalt' mal ab

Der Geizkragen im Auto: Die Start-Stopp-Automatik

Beim Halt am Bahnübergang besser Motor ausschalten

Das Prinzip der Start-Stopp-Automatik ist so simpel wie effektiv: Ein Motor, der nicht läuft, verbraucht auch keinen Sprit. Trotzdem dauerte es fast 15 Jahre bis zum Durchbruch der Technik.

Denn neu ist die Idee, den Motor während Standphasen automatisch abzuschalten, nicht. Schon 1993 brachte VW im Golf Ecomatic erstmals eine Motorabschalt-Automatik. Allerdings arbeitete das damalige VW-System anders, als heute üblich. Denn die Technik schaltete den Motor nicht nur aus, wenn der Wagen stand, sondern auch wenn er rollte. Durch die heutige Schubabschaltung ist das nicht mehr nötig. Dieser Mechanismus sperrt die Spritzufuhr, wenn der Wagen bei eingelegtem Gang rollt und der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt.

Dass nur rund 2000 Stück vom Golf Ecomatic verkauft wurden, lag aber wohl an anderen Eigenheiten des Autos, das mit nur 4,4 Liter Diesel Norm-Verbrauch auf dem Papier eine gute Figur machte. Einerseits waren 2320 Mark Aufpreis (umgerechnet rund 1186 Euro) für das Auto im Jahr 1993 ein starkes Stück.

Springt er auch wirklich wieder an?

Zudem schwang nicht nur in damaligen Testberichten immer wieder die Angst mit, ob der Golf denn auch tatsächlich wieder anspringt. Zwar tat er das zumeist – doch es blieb das unbehagliche Gefühl, plötzlich ohne Motor unterwegs zu sein oder am Ende ganz liegen zu bleiben. Viele Autofahrer werden sich wohl nicht gerade mit Freude an ihre Zeit in der Fahrschule erinnern, wenn man beim Umspringen der Ampel auf grün unbeholfen den Motor abwürgte und schon nach ein paar Sekunden das Hupkonzert von hinten einsetzte. Solche Erfahrungen prägen für ein ganzes Autofahrerleben und erklären die Zurückhaltung der Menschen gegenüber der neuen Technik.

BMW verhalf der Technik zum Durchbruch

Einen weiteren Anlauf in Sachen Start-Stopp-Automatik machte VW dann 1999 mit dem Lupo 3L TDI, dem ersten vollwertigen 3-Liter-Auto überhaupt. Der hohe Preis des Kleinstwagens (ab 15.225 Euro im letzten Jahr der Produktion 2005) verhinderte aber ebenfalls einen Erfolg. Erst BMW verhalf der Technik im Zuge seiner Spritspartechnik unter dem Namen Efficient Dynamics ab 2007 zum Durchbruch. Wohl vor allem, da das System von BMW serienmäßig angeboten wird und nicht Sondermodellen vorbehalten ist oder Aufpreis kostet. Inzwischen gibt es nach Angaben des ADAC rund 250 Modelle mit einer Start-Stopp-Automatik auf dem deutschen Markt – und es werden kontinuierlich mehr. Das Einsparpotenzial geben die Hersteller mit fünf bis 15 Prozent an.

Ein Vergleich ist schwierig

Ob sich das System aber auch wirklich rechnet, ist gar nicht einfach herauszufinden. Denn die meisten Hersteller verkaufen die Start-Stopp-Automatik nicht einzeln, sondern nur im Paket oder in speziellen Spritsparversionen, wie es etwa VW mit den Modellen BlueMotion oder BlueMotionTechnologiy praktiziert. Bei Ford tragen die optimierten Spritsparer das Label ECOnetic. Toyota liefert seinen modernen 1,33-Liter-Benziner ausschließlich mit dieser Technik aus.

Je mehr man fährt, desto schneller rechnet es sich

Es gibt allerdings auch Hersteller, die dem Autofahrer die Entscheidung für Start-Stopp-Automatik leichter machen. So verlangt etwa Kia für die Funktion im kompakten Cee`d 300 Euro Aufpreis, und Volvo bietet den C30 und den S40 in der Öko-Version DRIVe sowohl mit als auch ohne Start-Stop-Automatik an – Aufpreis: jeweils 400 Euro. Beim S40 1.6D DRIVe gibt Volvo den Verbrauch mit 4,5 Litern an, der 1.6D DRIVe Start/Stop kommt auf 3,9 Liter. Bei einer angenommenen Fahrleistung von 10.000 Kilometern im Jahr und einem Dieselpreis von 1,20 Euro pro Liter kommt der herkömmliche 1.6D auf 540 Euro Spritkosten im Jahr, der 1.6D mit Start/Stop auf 468 Euro. Wer nur die reinen Kosten vergleicht, fährt also nach etwa fünfeinhalb Jahren ins Plus. Wer allerdings 20.000 Kilometer im Jahr fährt, für den rechnet sich Volvos Start/Stop schon nach der Hälfte der Zeit. Und für die Umwelt lohnt sich die Investition sowieso – weniger Verbrauch bedeutet weniger CO2-Ausstoß.

Text: Roland Wildberg