Käufer bauen Corvette-Motoren

Zu Besuch in der Corvette Motorenproduktion

Selbst ist der Fan

Was dem Deutschen sein Porsche 911 ist dem Amerikaner seine Corvette. Echte Fans können bei ihrem Traumwagen ab sofort Hand anlegen und den Motor selbst bauen.

Sportwagenfans lieben Devotionalien. Da wird das Markenlogo auffällig am Schlüsselanhänger getragen, man schmückt sich im bunten Lifestyle-Outfit des Herstellers oder überzieht das eigene Büro mit Bildern und Postern des Traummobils. Doch es geht noch wilder. Corvette bietet seinen Hardcore-Fans seit einigen Monaten ein unvergleichliches Erlebnis-Paket an.

Wer sich für eine Sportversion vom Typ Corvette Z06, ZR-1 oder Grand Sport entscheidet, kann das Herz seines Small-Block-Boliden selbst zusammenbauen - handwerkliches Interesse vorausgesetzt.

Näher kann man seinem Schmuckstück kaum sein. Das ungewöhnliche Vergnügungspaket kostet rund 6.000 Euro. "Wir bieten diesen Service hier in den USA seit gut neun Monaten an", erläutert Carl Pickelman, Manager des Performance Build Centers.

Uramerikanisch sind nicht nur die Motoren

Die Motoren der Power-Corvettes vom Typ ZR-1, Z06 und Grand Sport entstehen nicht im normalen Produktionswerk in Bowling Green. Für die leistungsstarken Performance-Triebwerke hat General Motors eine eigene kleine Produktionsanlage in Wixom, nahe Detroit, geschaffen.

Kaum jemand in der Umgebung weiß, dass in dem unauffälligen Flachdachbau die stärksten Corvette-Motoren entstehen.

Mitarbeiter Mike Priest ist ein ruhiger Typ. "Ich arbeite seit über 35 Jahren für GM; habe viel miterlebt." Vier Tage die Woche kommt Mike Priest in das kleine Motorenwerk.

Wie jeden Tag blickt er vor seiner Schicht auf eine strahlende Corvette ZR-1 im Eingangsbereich. Dahinter glänzt der Schriftzug "World's Best Engines". Die Amerikaner sind kaum für ihre Zurückhaltung bekannt. Wieso sollte das bei dem amerikanischsten aller Sportwagen anders sein?

Die ruhige Fabrikhalle lässt Fanherzen höher schlagen

Das Motorenwerk in Wixom ist eine echte Manufaktur. Laut arbeitende Roboter sucht man hier vergeblich. Auf drei unscheinbaren Produktionslinien entstehen die besten Triebwerke des GM-Konzerns. Die 13 Corvette-Motorenbauer produzieren am Tag derzeit rund 20 Triebwerke. "Pro Jahr sind es knapp 5.000 Motoren, die wir von hier aus ins Stammwerk nach Bowling Green bringen", erläutert Manager Carl Pickelman. Das ist rund ein Drittel aller Corvette-Triebwerke.

Kaum zu glauben, dass hier in der heiligen Motorenproduktion ungeschulte Arbeitskräfte den Job von Mike und seinem Team machen sollen. Denn heute beaufsichtigt Mike einen Kunden: Miguel da Silva. Der Corvette-Fan aus New York verwirklicht seinen Traum und baut seinen eigenen Motor.

"In meiner Tagesschicht baue ich normalerweise drei dieser Motoren", erzählt Mike Priest, "doch mit dem Kunden haben wir alle Zeit der Welt." Miguel ist bereits mächtig aufgeregt, stürzt seinen Kaffee herunter und hüpft von einem Bein auf das andere. Seit seiner Kindheit ist der spanischstämmige New Yorker Corvette-Fan.

Kürzlich hat er sich für eine neue Z06 entschieden. "Sie ist ein phantastischer Sportwagen. Sieben Liter Hubraum, über 500 PS - genau das was ich immer wollte", erzählt da Silva weiter, "dass ich den Motor nun selbst zusammenbauen kann, ist das Größte."

Mike Priest macht eine lässige Handbewegung und stapft zusammen mit Miguel da Silva hinüber in die helle Montagehalle. Der Boden ist sauber, und es ist ziemlich still. Priest bindet sich eine Schürze um wie ein Sternekoch, und der amerikanische Corvette-Fan reibt sich aufgeregt die Hände, bevor er Arbeitshandschuhe anlegt.

Besondere Momente für besondere Kunden

Der Z06-Motor besteht aus rund 90 Modulen, die von 250 Schrauben zusammengehalten werden.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich den Motor wirklich komplett selbst zusammen baue. Das ist richtige Arbeit", wundert sich da Silva erfreut. Seine Hände sind ölverschmiert, das Shirt bereits leicht verschmutzt. Die Leute, die hier ihren eigenen Motor bauen, sind keine normalen Kunden, sondern haben eine echte Liebesbeziehung zu ihrem Sportwagen.

Über drei Stunden bastelt das Team an dem V8-Smallblock herum. Jetzt kommt der große Moment. Mike nickt, Miguel hält den Atem an. Während an der Station Vier sonst der GM-Monteur eine Plakette mit seinem Namen auf die Motorabdeckung klebt, wird Miguel selbst tätig. Sein V8-Motor trägt nun seinen Namen.

Das Team aus Profi und Laie ist am Ziel

Die Restarbeiten am Z06-Triebwerk sind verhältnismäßig unspektakulär. Einspritzanlage, Zündkerzen und Trockensumpfschmierung sind ebenso fertig montiert wie Wasser- und Ölpumpe.

Nach Abschluss aller Arbeiten und Tests geht der Eigenbaumotor zusammen mit anderen LS7-Triebwerken per Lastwagen auf die Acht-Stunden-Fahrt zur Corvette-Karosseriemontage nach Bowling Green. In knapp einer Woche heiratet der V8 die silberne Wunschkarosse von Miguel da Silvas Z06. Sein erster Blick wird unter die Motorhaube führen - versprochen.

Text: Stefan Grundhoff; press-inform