XPeng G9: Viel Auto für weniger Geld – aber mit Abstrichen
Der XPeng G9 kostet weniger als ein BMW X5, lädt schneller als fast jeder Konkurrent und bietet einen Innenraum, der sich nicht vor deutschen Premiummarken verstecken muss. Doch ein paar Ecken und Kanten hat er noch.
- Das Wichtigste in Kürze
- XPeng G9: Einordnung und Modellhistorie
- Wie fährt sich der XPeng G9?
- Motoren und Antrieb: Welche Variante passt zu dir?
- Karosserie und Abmessungen
- Ausstattung: Was ist serienmäßig, was kostet extra?
- Bekannte Probleme und Rückrufe
- Stärken und Schwächen auf einen Blick
- Fazit: Für wen lohnt sich der XPeng G9?
Das Wichtigste in Kürze
- Drei Ausbaustufen: Standard Range (59.600 €), Long Range (63.600 €) und AWD Performance (72.600 €)
- 800-Volt-Ladetechnik mit bis zu 300 kW DC – im ADAC-Test wurden 293 kW Spitze gemessen
- 465 km Reichweite im ADAC-Ecotest (Long Range mit 98-kWh-Akku)
- Hochwertiger Innenraum mit zwei großen Touchscreens und serienmäßiger Vollausstattung
- Sieben Jahre Fahrzeuggarantie (160.000 km), acht Jahre auf die Hochvoltbatterie
Der XPeng G9 ist ein elektrisches SUV der oberen Mittelklasse mit 800-Volt-Ladetechnik, bis zu 570 km WLTP-Reichweite und einem Innenraum auf Premium-Niveau.
Chinesische Elektroautos haben in Deutschland lange einen schweren Stand gehabt – zu unbekannt die Marken, zu groß die Skepsis. Das ändert sich gerade.
XPeng ist seit Mai 2024 mit eigenen Händlern in Deutschland vertreten und bringt mit dem G9 ein SUV, das auf dem Papier einiges verspricht:
- 800-Volt-Ladetechnik
- üppiger Innenraum
- sieben Jahre Garantie
Ob er die Versprechen hält, hat der ADAC im Frühjahr 2026 geprüft. Das Ergebnis: Gesamtnote 2,1. Gut, aber nicht ohne Einschränkungen. Wir zeigen, wo der G9 überzeugt und wo er noch Nachholbedarf hat.
Der XPeng G9 wiegt in der Long-Range-Version 2.210 kg – und schafft laut ADAC trotzdem eine Reichweite von 465 km. Zum Vergleich: Viele leichtere Kompakt-SUVs kommen im realen Betrieb kaum weiter.
XPeng G9: Einordnung und Modellhistorie
XPeng gehört zu den chinesischen Herstellern der zweiten Generation – gegründet 2015, heute mit rund 15.000 Mitarbeitern und einem klaren Fokus auf Elektromobilität und Software.
In Europa tritt die Marke seit 2022 auf, in Deutschland erst seit Mai 2024. Das Händlernetz wächst: Bis Ende 2026 sollen laut XPeng rund 120 Standorte in Deutschland entstehen.
Im deutschen Markt bietet XPeng drei Fahrzeuge an: das kompakte SUV G6 (ab August 2024), die Limousine P7+ sowie den G9 als Flaggschiff der Marke.
Eine zweite Generation des G9 oder ein Facelift ist für Deutschland bislang nicht angekündigt. Alle Angaben in diesem Artikel beziehen sich auf das Modelljahr 2024 (MY24), Preisliste Stand Dezember 2024.
Der Hyundai IONIQ 9 ist ein geräumiges Elektro-SUV mit bis zu sieben Sitzen. Es spricht vor allem Familien an, die viel Platz und eine hohe Reichweite benötigen.
Wie fährt sich der XPeng G9?
Schon nach wenigen Kilometern wird klar, dass XPeng beim G9 nicht am Fahrkomfort gespart hat. Das Fahrwerk ist auf Langstrecke ausgelegt:
- weich genug, um Autobahn-Unebenheiten wegzubügeln,
- straff genug, um nicht zu schwimmen.
Die Luftfederung – ausschließlich in der AWD-Performance-Version verbaut – kann dabei besonders überzeugen.
Auffällig ist die Stille im Innenraum: Bei 130 km/h misst der ADAC 65,0 dB(A) – ein Wert, der bei einem fast fünf Meter langen SUV nicht selbstverständlich ist.
Dazu trägt auch die Bereifung bei: Die verbauten Michelin-Pilot-Sport-EV-Reifen haben eine Schaumstoffschicht im Inneren, die Abrollgeräusche spürbar dämpft.
Der Nio EL6 ist ein chinesisches Premium-SUV, das mit einem einzigartigen Batterietausch-Service punktet: In wenigen Minuten ist die leere Batterie gegen eine volle getauscht.
Weniger überzeugend ist die Lenkung. Sie gibt kaum Rückmeldung über den Untergrund, wirkt in engen Kurven träge und passt ihren Widerstand nicht stimmig an die Geschwindigkeit an.
Das ist kein Sicherheitsproblem, aber es fehlt das Vertrauen, das eine gute Lenkung vermitteln sollte. Auch die Fahrassistenz hat noch Lücken: Der Abstandstempomat reagiert mitunter ruckartig, und der Spurhalteassistent korrigiert die Linie weniger gleichmäßig als vergleichbare Systeme im Kompaktsegment.
Wer die AWD-Performance-Variante mit 405 kW (551 PS) wählt, erlebt einen anderen Charakter: 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind bei einem Fahrzeug dieser Größe und dieses Gewichts eine Ansage. Im Alltag braucht man diese Leistung nicht – aber sie ist da, wenn man sie will.
Vergleichbare Modelle
- BMW iX xDrive40: Stärkere Fahrdynamik und größeres Händlernetz, aber Einstiegspreise deutlich über 77.000 Euro
- Nio EL6: Ähnliche Fahrzeugklasse mit einzigartigem Batterietausch-Konzept, Einstieg ab 65.500 Euro (inkl. Batterie)
- Hyundai IONIQ 9: Geräumiges Familien-SUV mit bis zu sieben Sitzen, günstigerer Einstiegspreis, andere Zielgruppe
Der BMW iX ist das elektrische Flaggschiff aus München und überzeugt mit ausgewogener Fahrdynamik, starker Verarbeitung und einem der dichtesten Händlernetze in Deutschland.
Motoren und Antrieb: Welche Variante passt zu dir?
Drei Ausbaustufen, zwei Akkugrößen, zwei Zellenchemien – die Motorenpalette des G9 ist übersichtlich, aber gut durchdacht. Alle Versionen teilen sich die 800-Volt-Plattform und den CCS2-Ladeanschluss.
| Variante | Leistung | Antrieb | Akku (netto) | 0–100 km/h | Preis (UVP) |
|---|---|---|---|---|---|
| RWD Standard Range | 230 kW (313 PS) | Hinterrad | 75,8 kWh (LFP) | 6,4 s | 59.600 € |
| RWD Long Range | 230 kW (313 PS) | Hinterrad | 93,1 kWh (NCM) | 6,4 s | 63.600 € |
| AWD Performance | 405 kW (551 PS) | Allrad | 93,1 kWh (NCM) | 3,9 s | 72.600 € |
Empfehlung: Die RWD Long Range für 63.600 Euro ist das attraktivste Angebot. Der größere NCM-Akku mit 93,1 kWh netto bringt nicht nur mehr Reichweite (570 km nach WLTP), sondern auch die höhere DC-Ladeleistung von bis zu 300 kW.
Die Standard Range mit LFP-Akku ist zwar günstiger, aber mit 260 kW maximaler Ladeleistung und 460 km Reichweite spürbar eingeschränkter. Die AWD Performance lohnt sich nur, wenn die 551 PS tatsächlich nötig sind – und man bereit ist, dafür 8.000 Euro mehr zu zahlen.
Karosserie und Abmessungen
Den G9 gibt es ausschließlich als fünftüriges SUV. Andere Karosserieformen sind nicht geplant. Mit knapp 4,90 Metern Länge bewegt er sich auf dem Niveau eines BMW X5.
- Länge: 4.891 mm
- Breite: 1.937 mm
- Höhe: 1.680 mm (Standard Range/Long Range) bzw. 1.670 mm (AWD Performance mit Luftfederung)
- Radstand: 2.998 mm
- Kofferraumvolumen: 660 l (Hersteller)/445 l gemessen (ADAC); dachhoch bis 1.605 l
- Frunk unter der vorderen Haube: 71 Liter
- Leergewicht: 2.235 kg (Standard Range)/2.210 kg (Long Range)/2.340 kg (AWD Performance), jeweils ohne Anhängerkupplung
- Anhängelast: 750 kg ungebremst/1.500 kg gebremst (alle Varianten)
- Maximale Zuladung: bis zu 570 kg (Long Range ohne Anhängerkupplung)
Hinter einem auf 1,85 Meter eingestellten Fahrersitz finden auch Personen über zwei Meter Körpergröße ausreichend Bein- und Kopffreiheit – das ist in dieser Fahrzeugklasse keine Selbstverständlichkeit.
Ausstattung: Was ist serienmäßig, was kostet extra?
XPeng hat beim G9 auf Aufpreislisten weitgehend verzichtet. Die Serienausstattung ist üppig:
- Zwei 14,96-Zoll-Touchscreens (Fahrer und Beifahrer) sowie ein 10,25-Zoll-Digitalcockpit
- Apple CarPlay und Android Auto (ab Modelljahr 2025 per OTA-Update nachrüstbar)
- Sitzheizung für alle fünf Plätze, Sitzbelüftung und Memory-Funktion vorn
- Adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Totwinkelwarner, Türöffnungswarner
- Vehicle-to-Load (V2L): 3,3-kW-/230-V-Steckdose serienmäßig in allen Varianten
- Panoramaglasdach, Soft-Close-Türen, rahmenlose Türen, versteckte Türgriffe
- Over-the-Air-Updates, XPeng-App-Steuerung, induktives Laden
Wer mehr möchte, greift zum optionalen Premium-Paket für 3.960 Euro. Es bringt Nappaledersitze, Massagefunktion für vier Sitze, das Dynaudio-Xopera-Soundsystem mit Dolby Atmos und eine Beifahrer-Sonnenblende mit Premium-LED-Spiegel. Für Familien oder Vielfahrer ist das Paket eine sinnvolle Ergänzung.
Die elektrisch schwenkbare Anhängerkupplung kostet 1.260 Euro extra und erlaubt bis zu 1.500 kg Anhängelast.
Bekannte Probleme und Rückrufe
Der G9 ist seit Mai 2024 in Deutschland erhältlich. Langzeiterfahrungen aus dem deutschen Alltag fehlen damit noch weitgehend.
Zum Stand April 2026 listet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) keine öffentlichen Rückrufe für den XPeng G9. Käufer sollten die KBA-Rückrufdatenbank regelmäßig im Blick behalten.
Der ADAC-Test hat unterdessen diese Schwachstellen aufgedeckt:
- Tempolimiterkennung: Die Kamera erkennt Schilder überdurchschnittlich häufig falsch und warnt dann trotzdem lautstark – das nervt im Alltag
- AC-Laden: Die 11-kW-Grenze ist ein Konstruktionsentscheid, den man bei einem Fahrzeug dieser Klasse hinterfragen kann. An öffentlichen Wechselstrom-Säulen bedeutet das längere Standzeiten
- Touchscreen-Pflicht: Auch Funktionen wie Licht oder Außenspiegel lassen sich nur über Menüs bedienen – drei Klicks für die Nebelscheinwerfer sind zu viel
- Lenkung: Keine präzise Rückmeldung, besonders bei höherem Tempo und in Kurven
Stärken und Schwächen auf einen Blick
Pro
- DC-Laden bis 300 kW: einer der schnellsten Lader am Markt
- Innenraum auf echtem Premium-Niveau
- 8 Jahre Garantie auf die Hochvoltbatterie
- Sehr niedriger Geräuschpegel im Innenraum
- Vehicle-to-Load (V2L) serienmäßig ab Basisversion
- Frunk mit 71 Litern zusätzlichem Stauraum
Con
- AC-Laden bei nur 11 kW – öffentliche Säulen bieten 22 kW
- Lenkung ohne klare Rückmeldung, besonders in Kurven
- Fahrassistenz noch nicht auf europäischem Spitzenniveau
- Fast alles läuft über den Touchscreen – auch Licht und Spiegel
- 24,5 kWh/100 km im ADAC-Ecotest: kein sparsames Auto
- Große Räder (21 Zoll) schlucken Unebenheiten im Stadtverkehr schlechter
- Sprachassistent anfangs nur auf Englisch verfügbar
Fazit: Für wen lohnt sich der XPeng G9?
Der G9 ist kein Auto für alle. Wer ein bewährtes Markennetz, eine ausgereifte Fahrassistenz und eine präzise Lenkung erwartet, wird sich bei etablierten europäischen Herstellern wohler fühlen. Auch das schwache AC-Laden mit 11 kW ist ein echter Nachteil für alle, die regelmäßig an Wechselstrom-Säulen laden.
Wer aber ein großes, gut ausgestattetes Elektro-SUV mit beeindruckender DC-Ladetechnik, einem hochwertigen Innenraum und einer langen Garantie sucht, sollte den G9 ernsthaft in Betracht ziehen. Dies gilt vor allem dann, wenn nicht das Budget für einen BMW iX vorhanden ist.
Die Long-Range-Version für 63.600 Euro ist dabei der überzeugendste Einstieg: ausreichende Reichweite, volle Ladeleistung, solides Gesamtpaket.
Wir nutzen digitale Systeme zur Recherche, prüfen die Inhalte sorgfältig und ergänzen mit unserer langjährigen Expertise. So entsteht ein Beitrag, hinter dem wir voll und ganz stehen. Diesen hier hat André Borbe für dich erstellt.