Motorräder mit maximaler Power

Super-Bikes: Die können vor Kraft kaum stehen

200 PS auf 2 Rädern

Top 10 der Super-Bike: Ein Kräftemessen in der Königsklasse der Maschinen mit 200+ PS  – mehr Motorrad geht einfach nicht

 
 
21. Dezember 2015

Besser als viel Leistung ist nur: noch mehr Leistung. Supersportmotorräder sind die Exoten – unter den Fortbewegungsmitteln. Anders als vierrädrige Supersportwagen bieten sie meistens nur Platz für eine Person. Die stark nach vorn geneigte Sitzposition schließt entspanntes Fahren nahezu aus. Und ohne Ledervollkombi sollte man gar nicht erst aufsteigen.

So etwas muss man schon wollen. Und offenbar wollen das immer mehr Fahrer. Das Motorrad-Marktsegment „Supersportler“ hat von Januar bis November 2015 um 25,5 Prozent zugelegt. In Stückzahlen entspricht das 5.677 Neuzulassungen, rund 1.150 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Damit liegt der Marktanteil jetzt immerhin bei 5,7 Prozent (Vorjahr: 4,8%). Zum Vergleich: Das Sportwagensegment bei Autos hat lediglich einen Marktanteil von 1,3 Prozent – inklusive „gemäßigter“ Modelle wie Mercedes CLK oder Hyundai Veloster, deren Pendants bei der Zweirad-Zählung unter „Sport“ fallen würden (MA 31,7%).

Die Räume werden enger

Woran liegt es? Am bloßen Geschwindigkeitskick beim Sprint von null auf 100, auf 200, auf 250 km/h? Den bieten große Reise-Enduros und klassische Sportmotorräder in ähnlicher Form auch – bei gleichzeitig deutlich mehr Komfort und moderateren Preisen.

Am aberwitzigen Tanz auf der Rasierklinge bei 300 km/h? Spielt vermutlich eine Rolle, wenngleich die Räume dafür immer enger werden. Und selbst auf den meisten, für Privatfahrer zugänglichen Rennstrecken sind solche Tempi überwiegend theoretische Werte.

Denn dort sind solch lebensgefährliche Aggregatzustände inzwischen durch enge Schikanen entschärft. Nur die Schräglage gibt dann noch eine Ahnung davon, wie diese grellbunten Projektile um die Kurve ziehen – schauen Sie mal in der => Bildergalerie.

PS-Rausch mit Assistenz-Fallschirm

Also muss noch etwas anderes die Käufer solcher Geschosse begeistern. Wie bei schnellen Autos steckt eine große Passion für Beschleunigung dahinter, klar. Und dank immer aufwändigerer Assistenzsysteme wird es zunehmend „einfach“, die Leistung der straßenzugelassenen Supersportmotorräder auch auf die Straße zu bringen, ohne Rennerfahrung zu haben.

Mehrfach verstellbare Traktionkontrolle, fein justierbare Launch Control, Hochleistungsbremsanlagen mit ABS, Fahrmodi für alle Strecken- und Wetterbedingungen – was heutzutage in modernen Motorrädern steckt und problemlos vom Fahrer auf seine Bedürfnisse feinjustiert werden kann, war bei der letzten Generation Motorräder noch undenkbar.

Fast alle brechen durch die 200-PS-Mauer

Gleiches gilt für die Leistungsobergrenze. Die einst magische Mauer von 200 PS für Zweiräder ist markenübergreifend gefallen. Nur Marktführer BMW leistet sich den Luxus der Selbstbeschränkung: Die S 1000 RR – das mit Abstand meistverkaufte Hightech-Alltags-Superbike – hat 199 PS auf dem Datenblatt stehen.

Zum Modelljahr 2015 hatte BMW seinen 2009 aufgelegten Superrenner vollständig überarbeitet. Mit 204 kg inklusive ABS und Traktionskontrolle ist die „Doppel-R“ vier Kilogramm leichter geworden – bei sechs PS mehr Leistung. Das hätten auch locker sieben oder mehr werden können.

Bescheidenheit zahlt sich offenbar doch aus: Die BMW S 1000 RR ist das einzige Superbike, das zuverlässig in den Top 20 der deutschen Motorrad-Hitliste zu finden ist. Allein im Oktober 2015 haben noch einmal 1.144 Käufer zugegriffen. Andere Supersportbikes schaffen nicht einmal die Hälfte davon im Gesamtjahr.

Nackte Neuheiten und pure MotoGP-Technik

Aber das kann ja noch werden: Für die Saison 2016 haben die Hersteller die Krallen ihrer Superbikes nachgewetzt. Kawasaki geht mit der neuen Ninja H2 mit Kompressor an den Start. Die Hardcore-Tester überschlagen sich vor Begeisterung. Länger die Arme nie waren, singen sie im Chor.

Wer ohne Vollverkleidung auskommt, kann den grandiosen 200-PS-Viertakter aus der Yamaha R1 auch in der neuen Yamaha MT-10 erleben. Das neue Topmodell der erfolgreichen MT-Baureihe hat im November 2015 auf der EICMA in Mailand Premiere gefeiert. Passender Slogan zum martialischen Auftritt: Die dunkle Seite der Macht.

Hondas Beitrag zur Superbike-Spaßklasse sind die legendäre, wenn auch „nur“ 181 PS starke CBR1000RR Fireblade – und die extrem extravagante Honda RC213V-S, das teuerste Straßenrennmotorrad der Welt. 188.000 Euro (!) kostet die vollgetankt nur 170 kg schwere Über-Honda.

Bezahlbare Alternativen zur MotoGP-Honda mit Straßenzulassung und weitere Neuheiten in der ehrenwerten Liga der Ü200-Superbikes zeigt die => Bildergalerie.

Jetzt Super-Bikes suchen

Fahren im Grenzbereich: Bei einem Leistungsgewicht von mehr als 1 PS auf 1 kg hört man sinngemäß schon mal die Englein singen... – hier gibt es die Sportgeräte für den kleinen Beschleunigungs-Kick zwischendurch:

Super-Bikes bei mobile.de

Text: Ralf Bielefeldt / fayvels büro