Der Turbolader ist anfällig für Schäden, besonders bei rasanter Fahrweise

Defekter Turbolader: Anzeichen, Reparatur und Kosten

Turbolader steigern die Leistung moderner Motoren. Die teuren Bauteile werden allerdings stark belastet und können vorzeitig kaputtgehen. Wir sagen Dir, was die typischen Merkmale eines defekten Turboladers sind und was eine Turbolader-Reparatur kostet.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Turbolader gehören zu den verschleißintensivsten Teilen in einem Auto.
Quelle: picture alliance/dpa Turbolader gehören zu den verschleißintensivsten Teilen in einem Auto

Moderne Diesel- und Benzinmotoren werden fast immer mit Turboladern ausgestattet. Diese steigern die Leistung des Autos. Dadurch machen sie den Einsatz kleinerer Motoren, die weniger Kraftstoff verbrauchen, möglich.
Das Prinzip ist einfach: Zwei kleine Turbinen sind auf einer Welle miteinander verbunden. Wird das sogenannte Turbinenrad vom Abgasstrom in Bewegung gesetzt, kann das gegenüberliegende Verdichterrad Frischluft in die Brennräume des Motors drücken und so die Motorleistung des Autos steigern.
Nachteile der Turbolader-Technik liegen in der mechanischen und thermischen Belastung: Die Turbinenwelle dreht sich mit bis zu 300.000 Umdrehungen pro Minute. Auf der Abgasseite werden Temperaturen von bis zu 600 Grad Celsius und mehr erreicht. Das macht die Turbolader zu sensiblen Bauteilen, die vorzeitig Schaden nehmen können. Um den Schaden zu beheben, kann eine teure Reparatur nötig sein.

Vertragswerkstätten tauschen den Turbolader bei einer Reparatur meist komplett aus.
Quelle: picture alliance / Sina Schuldt Vertragswerkstätten tauschen den Turbolader meist komplett aus, statt zu reparieren

Woran erkennt man einen defekten Turbolader?

Defekte Turbolader machen nicht mit einem Warnlämpchen im Cockpit auf sich aufmerksam. Was allerdings aufleuchten kann, sind die Leuchten für mangelnden Öldruck beziehungsweise für fehlerhaften Ladedruck. Sehr charakteristisch ist auch ein deutlicher Leistungsabfall des Fahrzeugs, der sich mit schlechter Beschleunigung bemerkbar macht. Auf einen Schaden deuten auch eine bläuliche Rauchentwicklung aus dem Auspuff, Ölleckagen am Turbolader, allgemeiner Ölverlust des Fahrzeugs sowie ungewöhnliche Pfeif- und Klopfgeräusche hin.

Wodurch können diese Schäden verursacht werden?

Eine vergleichsweise harmlose Ursache ist ein Defekt an den Steuerungselementen eines Turboladers. Eine Unterdruckdose ermittelt, wie viel Ladedruck der Turbolader erzeugen darf. Bei Bedarf öffnet sie ein Überdruckventil. Dabei kann es zu Schäden am Stellmechanismus kommen, ohne dass das Teil selbst beschädigt ist. Turbolader bei Dieselmotoren verfügen oft über die sogenannte Variable-Turbinen-Geometrie (VTG). Zu viel Ruß im Abgas kann dazu führen, dass die VTG-Steuerelemente verklemmen und somit zu wenig Leistung aufgebaut wird. Ein Austausch der Unterdruckdose beziehungsweise eine Reinigung der VTG-Steuerelemente bringt das Fahrzeug wieder in Schwung.
Teuer wird eine Reparatur, wenn Verschmutzungen sowie zu wenig oder falsches Öl die hochpräzisen Lager der Turbinenwelle zerstören. Dann kann es passieren, dass die Schaufeln der Verdichter- und der Turbinenräder gegen ihre Gehäuse schlagen. Sie können beschädigt oder sogar vollständig zerstört werden. Ebenso können Fremdkörper im Frischluft- und Abgasstrom die rotierenden Schaufeln des Turboladers beschädigen. Dann ist der Austausch unumgänglich.
Unsachgemäßer Umgang kann ebenfalls eine Ursache für große Schäden sein. Wer etwa einen heiß gefahrenen Turbolader-Motor einfach abstellt, ohne ihn zuvor bei langsamer Fahrt abkühlen zu lassen, riskiert Folgeschäden wegen Überhitzung. Solltest Du die Leistungsfähigkeit Deines Motors nachträglich steigern wollen und dafür die Steuerparameter der elektronischen Motorsteuerung verändern (sogenanntes Chip-Tuning), kann es zur Überlastung einzelner Komponenten des Laders kommen. Auch dann ist eine Turbolader-Reparatur nicht zu vermeiden.



Was kostet die Turbolader-Reparatur? Wann lohnt sie sich?

Ein beschädigter Turbolader muss sofort instand gesetzt werden. Geschieht das nicht, können auch andere Motorenteile schnell in Mitleidenschaft gezogen werden. In der Vertragswerkstatt werden allerdings ausschließlich Neuteile montiert, was Nettokosten zwischen 1.000 und 2.500 Euro verursachen kann. Hinzu kommen die Arbeitsstunden in der Werkstatt, unter anderem für den Ausbau des alten Geräts und den Einbau des neuen Turboladers. Bei älteren Fahrzeugen lohnt sich dieser Aufwand zumeist nicht.
Spezialisierte Instandsetzungsbetriebe hingegen tauschen bei größeren Schäden den defekten Turbolader gegen ein überholtes Ersatzteil aus. Gute Firmen geben auf die von ihnen überholten Teile eine Garantie von bis zu drei Jahren. Die Preise liegen hier zwischen 200 und 600 Euro zuzüglich der Arbeitsstunden in der Werkstatt.
Falls möglich, kann auch der eigene Turbolader instand gesetzt und wiederverwendet werden. Spezialisten zerlegen und prüfen vorab das Bauteil. Nach Austausch der defekten Teile und einer Reinigung wird es wieder zusammengebaut und nach Herstellerangaben eingestellt. Die Preise für diese Instandsetzung liegen bei rund 350 Euro.

Checkliste für einen defekten Turbolader

SymptomWahrscheinliche UrsacheMaßnahme
Ladedruck zu hochLadedrucksteuerung defektSteuerungselemente austauschen
Leistungsverlust (VTG-Lader)Verklemmte VTG-LeitschaufelnTurbolader zerlegen und reinigen
LeistungsverlustVerdichter- und/oder Turbinenrad beschädigt oder zerstörtTurbolader instand setzen
Erhöhter ÖlverbrauchLagerschaden am TurboladerTurbolader instand setzen. Ölleitungen auf Verstopfungen prüfen
Pfeifen des TurboladersWelle von Verdichter- und Turbinenrad  beschädigt  Turbolader instand setzen
Geräusche am TurboladerVerdichter- und/oder Turbinenrad beschädigtTurbolader instand setzen
Blauer RauchÖlundichtigkeit im TurboladerTurbolader instand setzen

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