Wie man einen Ford Mustang zureitet

Youngtimer-Kaufberatung: Ford Mustang

Edles Ross oder lahmer Gaul?

Einmal im Leben Ford Mustang fahren, davon träumen viele. Doch inzwischen ist der Youngtimer-Markt derart überflutet, dass die Preise für die begehrten Pony Cars teils rückläufig sind. Pfusch ist an der Tagesordnung, gute Mustangs sind rar geworden.

 
 
  • Ford Mustang der 1. Serie sind extrem beliebte Youngtimer; aber der Preis scheint zu stagnieren
  • Viele Import-Mustangs haben versteckte Mängel, die mehr oder weniger gut kaschiert wurden
  • Liebhaber müssen daher sehr geduldig sein, wollen sie ein authentisches Modell finden

48.000 km, ungeschweißt, rostfrei

Wer ein gutes Wildpferd fangen möchte, der muss natürlich aufs Land fahren. Vielleicht ist es also ein gutes Zeichen, dass der Ford Mustang, den wir uns genauer anschauen wollen, mitten in der Brandenburgischen Prärie steht – einer von => über 100 Mustang der 1. Serie bei mobile.de.

Und tatsächlich: Auf dem Hinterhof eines Gebrauchtwagenhändlers steht es, scheinbar makellos in „Wimbledon White“, eines der berühmten Pony Cars der Serie I (1964-1973). 21.900 Euro möchte der Händler für das Hardtop-Coupé aus dem Jahr 1966 haben. Bis vor kurzem bot er es auch bei mobile.de an, inzwischen ist es allerdings verkauft worden.

Das US-Import (es gibt nur wenige Originalfahrzeuge mit Erstzulassung in Europa) hat nach Angaben des Verkäufers nur 48.000 km gelaufen. Und: „Der Unterboden ist ungeschweißt und rostfrei“, sagt René Scholz, der sich mit seinem Betrieb auf US-Oldtimer spezialisiert hat. Ein guter Kauf für diesen Preis?

Großserientechnik und eine heiße Karosse

Der Händler redet nicht nur, er tut auch etwas: Bereitwillig stellt er den Mustang auf die Hebebühne, so dass ein Blick auf den Unterboden möglich ist. Und der stiftet noch mehr Vertrauen: Das Blech sieht weitgehend „sauber“ aus – mehr Details in der => Bildergalerie.

Fans von klassischen Ami-Schlitten würde jedenfalls schon bei diesem Anblick das Wasser im Mund zusammenlaufen. Denn wenn es so etwas wie eine Weltliga der automobilen Meilensteine gibt, dann gehört der Mustang sicherlich dazu. 1964 präsentiert die Ford Motor Company den Wagen als Sportgerät für Jedermann.

Das Rezept: Man nehme preiswerte und zuverlässige Großserientechnik aus einem Massen-Modell wie dem Ford Falcon und verpacke sie in eine heiße Karosse. Das Ganze biete man dann an zu einem Einstiegspreis von unter 2.500 Dollar an.

Lieber Small Block als Big Block

Fords Konzept kam gut an: Vom Start weg verkaufte sich der Mustang – der als Hardtop-Coupé, Convertible (Cabriolet) und als schnittiges Fastback erhältlich war – enorm gut. Ja er begründete sogar eine eigene Fahrzeugklasse: die der sogenannten Pony Cars. Das waren für damalige US-Verhältnisse eher kleine Coupés und Cabrios mit kernigen Sechs-, aber noch lieber großvolumigen Achtzylinder-Motoren.

Der Ford Mustang, den wir uns in der Brandenburger Provinz angeschaut haben, trägt einen 289er V8 unter der Haube. Dieser so genannt „Small Block“ mit 4,7 Litern Hubraum und 190 PS gilt beim Mustang als beste Wahl, weil er besonders häufig geordert wurde und die Teileversorgung entsprechend gut ist. Die gewaltigen Big-Block-Motoren mit 390 bis 429 CUI (Cubic Inch) bringen zwar mehr Schub, gelten von der Technik her aber als deutlich empfindlicher und kostenintensiver.

Experten raten deshalb davon ab, sich als Laie einen Mustang mit Big Block zu kaufen: „Alle schreien nach Big Blocks, aber für Normalsterbliche sind diese Aggregate absolut fehl am Platze”, unterstreicht Ralf Martin Wurm, Vorsitzender des First Mustang Club of Germany e.V.

Zubehör machte Basis-Mustang teuer

Wurm fährt seit 32 Jahren Ford Mustang. Als er sich mit Anfang 20 den ersten zulegte, waren eigentlich andere Fahrzeuge „cool“: ein 57er Ford Thunderbird beispielsweise oder eine Chevrolet Corvette. „Für uns Mustang-Fahrer waren diese Autos weit weg“, erinnert sich der Siegerländer.

Tatsächlich war der Ford Mustang in den Staaten über viele Jahre ein Billig-Auto. Für einen Einstiegspreis von 2.500 Dollar konnten die Käufer ja auch nicht viel Ausstattung erwarten. Einstieg hieß Mitte der Sechziger: Sechszylinder, 3-Gang-Handschaltung (!) und Trommelbremse.

Wer einen standesgemäßen V8 oder ein Automatikgetriebe für sein Pony Car wollte, musste etliche Scheine drauflegen. „Die Zubehörliste umfasste fast 500 Produkte“, sagt Experte Wurm, der mit seiner Firma „All About Mustangs“ das Hobby zum Beruf machte.

Preis erst kürzlich leicht gefallen

Der Handel mit Mustangs ist hierzulande längst ein florierender Geschäftszweig geworden. In den vergangenen Jahren kamen derart viele Mustang über den Atlantik, dass Experten zwischenzeitlich von einer Art Mustang-Schwemme sprachen. Ein Überangebot.

Wer bei mobile.de nach => Modellen aus den Jahren 1964 bis 1973 sucht, bekommt fast 700 Treffer angezeigt. Von einem Exoten kann man da wohl nicht mehr sprechen. Die Folge: Bei einem Top-Klassiker wie dem Mustang, gestern noch eine sichere Bank in Sachen Geldanlage, sinkt plötzlich der Wert.

Das bestätigt auch Marius Brune vom Marktbeobachter „Classic Data“: Beim Mustang der ersten Generation (aus der Bauzeit 1964 bis 1966) errechnete man vor fünf Jahren noch einen Durchschnittswert von knapp 22.000 Euro. 2015 lag er dann bei 21.000 Euro Die Zahlen gelten für ein Two Door Hardtop Coupé mit Sechszylinder – Modelle mit V8 und insbesondere Topmodelle wie der Shelby GT 500 sind natürlich teurer.

Nicht als Spekulationsobjekt geeignet

„Der Wertverlust resultiert daraus, dass es sehr viele Fahrzeuge auf dem Markt gibt“, erklärt Analyst Brune. Und auch wenn sich die Preise 2016 bisher scheinbar stabilisiert haben – „der Ford Mustang ist kein Spekulationsobjekt“, betont er. „Aber er ist ein ehrliches Auto zum Fahren und Spaß haben.“

Und der ideale Einstiegs-Youngtimer. Die Technik gilt als relativ simpel und leicht zu reparieren. Und Ersatzteile gibt es praktisch ohne Ende. Man muss nicht einmal in den USA suchen, weil auch deutsche Händler Teile anbieten.

Dass man einen Mustang selbst am besten vor Ort in Amerika in den regenarmen „Sunny States“ und nicht im ostamerikanischen „Rust Belt“ kauft – das ist fast schon eine Binsenweisheit. Doch wer ein Auto im Internet entdeckt, daraufhin ein Flugticket bucht und hinreist, erlebt oft sein blaues Wunder.

Wenig gute Fahrzeuge sind übrig

Entweder, der Wagen ist schon wieder weg. Oder er ist noch da, aber die Beschreibung des Fahrzeugs im Inserat stimmt oft nicht mit dem tatsächlichen Zustand überein. „Viele Autos, die man sich ansieht, sind einfach nur grauenhaft“, berichtet René Scholz, der den abgebildeten Mustang in den USA erwarb. „Oder man fährt 800 Meilen weit ins Land hinein, und dann verweigert der Verkäufer eine Probefahrt.“

Pfusch und Mogelei ist eigentlich die größte Schwachstelle des an sich soliden Ford Mustang. Weil er heute als Klassiker so begehrt ist, hat sich ein undurchsichtiger Markt um ihn entwickelt. Da werden Autos oberflächlich hübsch gemacht und für viel Geld verkauft. Unentwegt kommen daher neue Mustang-Fuhren an den großen Überseehäfen wie Bremerhaven oder Rotterdam an.

Ein Großteil davon hat Macken: „Etliche Händler wandern in den USA über die Schrottplätze, sammeln dort vergammelte Fahrzeuge auf und schmeißen sie hier auf den Markt“, berichtet auch der Mustang-Experte Ralf Martin Wurm. Natürlich gebe es immer wieder einmal „den Mustang vom Opa auf dem amerikanischen Land aus erster Hand“. Doch „die guten Fahrzeuge sind fast alle weg.“

Matching Numbers garantieren Originalität

Und das heißt nicht nur, dass der Wagen rostfrei ist und ohne Mucken anspringt. Gerade wer seinen Mustang irgendwann ohne großen Wertverlust weiterverkaufen möchte, sollte darauf achten, dass alles zusammenpasst. „Matching Numbers“ lautet das Zauberwort. Es bedeutet, dass die wesentlichen Bauteile schon bei der Auslieferung da waren und nicht etwa das Auto aus Altteilen zusammengepuzzelt wurde. Überprüfen lässt sich dies durch übereinstimmende Plaketten etwa im Motorraum oder auf dem Chassis. Stimmen diese beiden Nummern nicht überein, wurde zumindest ein Austauschmotor montiert.

Beim Brandenburger Modell war eine Prüfung der Motornummer nicht möglich. Eine Recherche im Internet ergab allerdings, dass der Wagen 1966 tatsächlich mit V8 und den weiß-blauen Sitzen ausgeliefert wurde. So gesehen ist die Originalität gesichert. Für weitere Übereinstimmungen möchte der Verkäufer seine Hand allerdings lieber nicht ins Feuer legen.

Grundsätzlich ergeben sich auch wertvolle Hinweise aus dem Zustand eines Fahrzeugs: Hier müssen Käufer regelrecht zu Detektiven werden; also das Auto gründlich inspizieren und jedes Indiz für Pfusch und Mogelei richtig bewerten. Aber man darf auch nicht zu misstrauisch sein: Wie schon erwähnt, wurden im Mustang viele Falcon-Teile verbaut, die auch folgerichtig die Falcon-Teilenummer tragen. Wer das nicht weiß, wittert Betrug am falschen Ende.

Experten zur Begutachtung mitnehmen

Wer meint, ein vernünftiges Exemplar gefunden zu haben, sollte zur Fahrzeugbesichtigung (siehe => Bildergalerie) unbedingt einen Experten mitnehmen, der sich mit dem Mustang auskennt. Das kann zum Beispiel der Markenexperte eines Oldtimer-Clubs sein.

Empfehlenswert sind zudem Wertgutachten vom mobile.de-Partner Hüsges oder anderen unabhängigen Prüforganisationen wie TÜV, Dekra oder GTÜ. Ein solches Youngtimer-Gutachten kostet zwischen 150 und 200 Euro und ist grundsätzlich immer zu empfehlen.

Der Vorteil daran ist, dass die frische Hauptuntersuchung hier inklusive ist. Dabei wird auch überprüft, ob der US-Klassiker fachgerecht für den deutschen Straßenverkehr umgerüstet wurde - vor allem im Bereich der Beleuchtung (Standlichter, Schlussleuchten) ist das unvermeidlich.

Weitere Details sowie Tipps zu Stärken und Schwächen vom Begründer der Pony Cars, dem Ford Mustang, finden Sie in der Bildergalerie.

Mustang-Suche bei mobile.de

Mustang ist nicht gleich Mustang: Das sportliche Modell wurde während der vergangenen 50 Jahre in nicht weniger als sechs Serien gebaut. Die aktuelle (seit 2014) hat mit der ersten Serie ungefähr so viel Ähnlichkeiten wie der VW Käfer mit dem VW Golf. Von der gesamten Mustang-Herde gibt es bei mobile.de derzeit mehr als 2.200 Stück zu kaufen.

Doch wer nur ein Auge auf die 1. Serie I, gebaut von 1964 bis 1973, geworfen hat, findet bei mobile.de derzeit immerhin noch 700 Exemplare. Allerdings sind davon viele ganz offensichtlich Bastlerfahrzeuge: Nutzen Sie in der Detailsuche die Filter „fahrtauglich“ und „HU 12 Monate“, schrumpft die Zahl der angebotenen Mustangs der 1. Serie auf 132 zusammen:
Mercedes W124 T bei mobile.de

Text: Haiko Prengel / fayvels büro
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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