Wallfahrtsort für Youngtimer-Fans

Wo die Wiege der Sportwagen steht

Als Porsche noch klein war

Das Porsche-Museum befindet sich Stuttgart – so weit, so gut. Aber der Wallfahrtsort für echte Fans ist natürlich dort, wo der allererste Porsche gebaut wurde: Im österreichischen Gmünd steht das kleine, feine „Porsche Automuseum“.

17. August 2015

Es könnte eine Quizfrage sein: Wo entstand der erste Porsche? Weder in Stuttgart noch in Wolfsburg. Ein beschauliches Städtchen in Österreich sah einst den ersten Sportwagen dieser Marke.

Kennt jemand Gmünd in Kärnten? Wer Porsche kennt, vielleicht schon. Denn der Vater des VW Käfer war, anders als viele meinen, gar kein Deutscher. Er wurde erst zu Propagandazwecken quasi „heim ins Reich“ geholt.

Denn der geniale Konstrukteur und Firmengründer Ferdinand Porsche war Österreicher: Am 3. September 1875 wurde er in Maffersdorf im damaligen Königreich Böhmen, Teil von Österreich-Ungarn, geboren. Nach dem Zerfall der Donaumonarchie nahm er die tschechische Staatsbürgerschaft an 

 
 

 

Gut getarnt in Gmünd

Der Ingenieur war zu Beginn seiner Karriere kein freier Konstrukteur. Ab 1923 arbeitete Porsche in Festanstellung für Daimler, was den späteren Porsche-Firmensitz in Stuttgart erklärt. Erst 1930 machte sich Porsche selbstständig. Dies führte unter anderem auch zu dem Auftrag, für die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ einen Volkswagen zu konstruieren.

Im Zweiten Weltkrieg engagierte sich der Ingenieur stark im Rüstungsgeschäft, beispielsweise war er an der Konstruktion des Schwimmwagens und verschiedener Panzer der Wehrmacht beteiligt.

Als die Gefahr durch Luftangriffe immer größer wurde, verließen viele „kriegswichtige“ Unternehmen die Städte. Porsche verlegte das Konstruktionsbüro von Stuttgart nach Gmünd, weil nur 30 km von seinem privaten Anwesen entfernt.

Die Stunde des Sohnes

Nach dem Krieg verbrachte Ferdinand Porsche 22 Monate in französischer Gefangenschaft. Wie sollte es in dieser Zeit mit der Firma weitergehen? Das war die Stunde des 1909 geborenen Sohnes, Ferry Porsche.

Im Juli 1946 begann er, der bisher immer in der zweiten Reihe gestanden hatte, in Gmünd mit der Konstruktion des allerersten Autos, das auch den Namen Porsche trug.

„Am Anfang schaute ich mich um, konnte aber den Wagen, von dem ich träumte, nicht finden. Also beschloss ich, ihn mir selbst zu bauen“, soll sich Ferry Porsche damals gesagt haben. Heute steht dieses Zitat über dem Porsche Pavillon auf dem Gelände der Autostadt Wolfsburg.

Startschuss für den Porsche Nr. 1

In Gmünd also begann die Produktion der legendären Sportwagenschmiede. Unter Bedingungen, die heute wie Steinzeit anmuten. Weitgehend von Hand wurden die Fahrzeuge zusammengeschweißt, die Karosserien gedengelt, die Motoren montiert. Der erste Wagen hieß schon Porsche 356 wie die späteren Serienmodelle, aber das Modell mit dem Beinamen „Nr. 1 Roadster“ hatte konzeptionell nicht viel mit den späteren Porsches zu tun.

Die größte Abweichung des ersten von allen anderen späteren Porsche 356 war sicher die Anordnung des Motors: Dieser war noch kein Heckmotor, vielmehr war die Nummer 1 ein waschechter Mittelmotorsportwagen.

Dieser Wagen steht heute im Porsche-Museum in Stuttgart. Aber in Gmünd ist immerhin die Nr. 20 zu sehen.

Alles Handarbeit: die erste Serie

Dort wurden insgesamt noch die ersten 52 Porsche 356 der Serienversion hergestellt: 44 Coupés und acht Cabrios. Bis zu 300 Menschen brauchte es, um monatlich gerade einmal fünf Autos zu bauen. Nach drei Jahren verlagerte Porsche 1951 die Produktion nach Stuttgart.

Vom ersten Porsche-Werk Karnerau blieb nur das Konstruktionsbüro. Es ist noch heute erhalten und berherbergt das Clubheim der 356er-Freunde von Gmünd.

Unweit der Überreste der alten Produktionsanlagen gründete der Antiquitätenhändler Helmut Pfeifhofer Anfang der 1980er-Jahre das erste private Porsche Museum Europas. Heute, mehr als 30 Jahre später, führt Sohn Christoph die Geschäfte.

Vom Porsche-Virus befallen

„Damals begann auch mein Porsche-Fanatismus“, erinnert sich Helmut Pfeifhofer. „Als zehnjährige Junge ging ich mit einigen Söhnen der Konstrukteure zur Schule und erlebte die Begeisterung für Porsche .“ 1965 kaufte er den ersten Porsche 356.

Es folgten VW Kübelwagen, Brezelfenster-Käfer und jede Menge andere Fahrzeuge – überwiegend jedoch Porsche. Der Stolz der Sammlung ist ein Porsche aus der allerersten Gmündner Serie mit handgehämmerter Alu-Karosse mit der Fahrgestellnummer 356 0020. Unschwer zu erkennen: Dies ist der 20. jemals gefertigte Porsche. Unschätzbar wertvoll

Die jüngste Anschaffung ist der einzige Porsche 911, der jemals als reguläres Einsatzfahrzeug der österreichischen Polizei unterwegs war. Natürlich in offizieller Dienstkleidung. Wichtig zu erwähnen: Auch österreichische Behörden schwimmen nicht im Geld; das Auto war seinerzeit (2005) ein Geschenk der Porsche AG.

Hier erklärt der Chef selbst

Wer das Museum betritt – immerhin tun das rund 60.000 Menschen jährlich –, hat übrigens gute Chancen, ein Wort mit dem Museumsgründer zu tauschen. Zwar übernahm Sohn Christoph vor 14 Jahren die Geschäfte, aber Gründer Helmut Pfeifhofer ist sich nicht zu schade, auch mal die Kasse zu übernehmen.

Direkt hinter dem Eingang wartet ein Vorführraum mit einer Dokumentation über die Geschichte der Firma Porsche, aber auch Motoren und weiteren Devotionalien auf den Besucher.

Gleich daneben steht das wahrscheinlich ungewöhnlichste Exponat: der schon erwähnte 20. Porsche mit handgefertigter Alu-Karosserie.

Renn- und Serienwagen

Beeindruckend ist auch der Nachbau eines Holzgestells, mit dessen Hilfe damals die Karossen geformt wurden. Im ersten Stock geht es weiter: Neben dem schwimmfähigen Porsche-Jagdwagen, dem einzigen Polizei-Porsche 911 oder dem Siegerauto der Rallye Paris–Dakar zeigt das einzige private Porsche-Museum weitere Highlights: Neben einem seltenen 959 können in Gmünd einige der erfolgreichsten Rennfahrzeuge der Markenhistorie bewundert werden.

Beispielsweise der Porsche 911 GT1 von 1996, dessen wassergekühlter Biturbo-Motor 600 PS leistet. Der ehemalige Siegerauto der 6-Stunden von Watkins Glen wurde ab 1998 vom Team Champion Racing erfolgreich in den USA eingesetzt.

Das Mekka für 356-Fans

Der Schwerpunkt liegt neben den Rennwagen aber auf dem ersten Serienmodell Porsches, dem 356. Manche der Exponate sind in einem unrestaurierten, aber hervorragenden Zustand mit echter Patina. Die meisten davon sind Cabrios, die regelmäßig bewegt werden.

Ein Besuch lohnt auf jeden Fall. Im Museum bekommt man auch Informationen über die Lage und Reste des alten Sägewerks, in dem die Produktion begann. Denn diese sind in Teilen noch erhalten – das ist dann wirklich die Stelle, an der die Geschichte eines legendären Werkes begann.

Mehr Info: Porsche Automuseum, Riesertratte 4a, 9853 Gmünd, www.auto-museum.at

Wallfahrtsort für Porschefans: Mehr aus dem Museum in Gmünd sehen Sie in der Bildergalerie.

Text: Portal-Manufaktur / Stephan Hellmund
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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