Was tun, wenn der Reifenwechsel ansteht?

Coronavirus: Kfz-Werkstätten dürfen Sommerräder aufziehen

Werkstätten sind vom Corona-Shutdown ausgenommen. Auch Sommerreifen dürfen sie wie gewohnt montieren. Denn gute Pneus sind wichtig für die Verkehrssicherheit.

  • Haiko Prengel
  • Veröffentlicht am 04/10/2020, 07:30 AM
Abgefahrener Reifen Detailansicht
Quelle: Picture Alliance Reifen sind Verschleißteile. Ihre Auslegung muss für eine optimale Leistung zur Witterung passen. Daher gibt es Sommer- und Winterreifen. Alle Infos zum Reifenwechsel während der Corona-Krise liest Du hier

Die Sonnenstrahlen wärmen die Nase, die ersten Bäume beginnen ihre Blüte: Genau jetzt wäre Reifenwechsel-Hochsaison. Millionen Autofahrer tauschen im Frühjahr von Winterreifen auf Sommerreifen. Die Orientierung „von O bis O“ mag nur grob zutreffen. Weder der Härtegrad von Gummimischungen noch die Außentemperatur oder die Fahrbahnbeschaffenheit kümmern sich um Kalendertage. Trotzdem: Die Faustregel, dass von Oktober bis Ostern Winterreifen aufgezogen sein sollten, sorgt rund um die Feiertage für Hochbetrieb in den Werkstätten, weil Millionen Deutsche Sommerreifen auf ihre Autos montieren lassen.


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Trotz Corona: Zu den wichtigen Inspektionen gehört der Reifenwechsel

Doch gilt das auch in der Corona-Krise 2020? Das Wetter sagt ja, der Frühling ist vielerorts bereits eingezogen. Aber dürfen Werkstätten Reifen wechseln? Ist der Reifenwechsel ein triftiger Grund, der eine Ausnahme von der von vielen Landesbehörden auferlegten Ausgangsbeschränkung sowie den bundesweit geltenden Kontaktbeschränkungen rechtfertigt?

Ja, grundsätzlich bleibt der Reifenwechsel möglich. Das erklärt der Automobilclub ADAC. Kfz-Werkstätten sind vom Shutdown des öffentlichen Lebens ausgenommen und dürfen ihre Service-Dienste weiter anbieten. Damit tragen sie dazu bei, die Mobilität der Bevölkerung sicherzustellen. Das betrifft nicht nur wichtige Reparaturen und Inspektionen, sondern auch den Reifenwechsel.

Die Witterungsverhältnisse dienen zur ersten Orientierung für den Zeitpunkt des Reifenwechsels.
Quelle: Picture Alliance Für den Zeitpunkt des Reifenwechsels gibt es die Faustregel "Oktober bis Ostern". Als grobe Orientierung ist das für die meisten Autofahrer ausreichend

Dies gilt, das ist mittlerweile klar, auch im Freistaat Bayern. Dort gilt für alle Bürger eine besonders strenge Ausgangsbeschränkung. Wer während dieser Regelung vor die Tür will, braucht einen triftigen Grund. Das Innenministerium habe jedoch den Reifenwechsel als triftigen Grund eingestuft, Haus oder Wohnung zu verlassen, erklärt der bayerische Kfz-Gewerbeverband. Auch in Bundesländern, wo lediglich eine Kontaktsperre gilt, ist der Reifenwechsel im Fachbetrieb möglich.

Ratgeber: Der beste Zeitpunkt für den Reifenwechsel 

Falsche Reifen sind ein potenzielles Sicherheitsrisiko

Ein wichtiger Grund: Die Beschaffenheit der Reifen am Auto ist genauso sicherheitsrelevant wie etwa der Zustand der Bremsen. Zu wenig Profiltiefe auf den Reifen oder zu alte Reifen mit verhärteter Gummimischung sind ein Sicherheitsrisiko. Auch ein Verzicht auf den saisonalen Wechsel kann die Fahrsicherheit einschränken, da Winterreifen im Sommer weniger Grip haben als Sommerreifen.



So werden die Bremswege mit Winterreifen im Sommer länger, wie Tests zum Fahrverhalten gezeigt haben. Auch die Fahrstabilität leidet. Der Grund ist die unterschiedliche Gummimischung. Winterreifen sind aus weicherem Material und weisen ein Lamellenprofil auf. Bei kalten Temperaturen führt dies zu mehr Grip auf vereister oder verschneiter Fahrbahn. Bei zu hohen Temperaturen wird der Reifen jedoch weich, was unter sommerlichen Bedingungen zu einem schwammigen Fahrgefühl führen kann. Darüber hinaus steigen Spritverbrauch und Reifenverschleiß, wenn man auf Winterreifen im Frühling und Sommer weiterfährt.

Eine Profiltiefe von 1,6 Millimeter ist gesetzlich vorgeschrieben und sollte unbedingt eingehalten werden.
Quelle: Picture Alliance Eine Profiltiefe von 1,6 Millimeter ist gesetzlich vorgeschrieben

Corona: Vorab Termin mit der Werkstatt vereinbaren

Panik muss deswegen nicht aufkommen. Ein paar Tage mit dem Räderwechsel zu warten, ist kein Problem. Für die Verkehrssicherheit habe ein leicht verzögertes Wechselintervall keine dramatischen Folgen, erklärt der Bundesverband Reifenhandel BRV. Allerdings rechnet der Verband mit längeren Wartezeiten. Autofahrern wird empfohlen, sich vorab nach einem Termin für den Reifenwechsel zu erkundigen.

Viele Werkstätten arbeiten derzeit mit weniger Personal. Zudem werden wegen des Corona-Abstandsgebots teils weniger Kunden bedient als üblich. Möglich ist auch, sich das Auto am Wohnort abholen und wieder bringen zu lassen. Diesen Sonder-Service bieten derzeit zahlreiche Kfz-Werkstätten an. Auf Sauberkeit und gründliche Desinfektion achten die Betriebe in diesen Tagen besonders – etwa mit Einweg-Kunststoffabdeckungen für Lenkrad, Schaltknauf und Fahrersitz.


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Räder selbst wechseln: Gute Alternative

Die Alternative zum Werkstatt-Besuch: die Reifen selbst wechseln. Kompletträder lassen sich relativ einfach tauschen, auch ohne Hebebühne. Sollen Reifen neu auf Felgen aufgezogen werden, sollte dies besser der Fachmann erledigen.

Wer nur die Räder wechseln möchte, parkt sein Auto zunächst auf einer ebenen Fläche. Beim Schaltgetriebe wird der erste Gang eingelegt und die Handbremse angezogen. Bei Autos mit Automatik kommt der Schalthebel auf „P“.

Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Radwechsel

Anschließend wird das Auto mit dem Wagenheber aufgebockt. Dabei müssen die zu wechselnden Räder jeweils vollständig vom Boden abheben. Wichtig ist, die Radschrauben an den Sommerrädern nach deren Montage zunächst nur ein wenig festzuschrauben.

Komplett festgezogen werden die Schrauben, wenn das Auto vom Wagenheber heruntergelassen ist. Fachleute empfehlen, nach circa 80 Kilometern den festen Anzug der Schrauben noch einmal zu prüfen. Zudem sollte bei frisch aufgezogenen Sommerrädern als Erstes der Luftdruck der Reifen kontrolliert werden.



Ganzjahresreifen haben Vor- und Nachteile

Beim nächsten „O“ – also im Oktober – sehen wir hoffentlich klarer, was die Corona-Lage angeht. Dann steht wieder der Reifen-Tausch auf Winterräder an. Wer den Wechsel ohnehin lästig findet, kann alternativ über Ganzjahresreifen nachdenken. Diese Reifen können, wie der Name schon sagt, sowohl im Sommer als auch im Winter gefahren werden.

Allerdings stellen sie technisch einen Kompromiss dar. Vor allem unter Extrembedingungen wie Schnee und Eis schneiden Ganzjahresreifen schlechter ab als der klassische Winterreifen. Auf trockenem Untergrund führen Allwetterreifen wiederum zu erhöhtem Verschleiß und mehr Kraftstoffverbrauch. Sie empfehlen sich daher vor allem für Wenigfahrer in schneearmen sowie flachen Regionen und insbesondere für Großstadt-Piloten.

Jetzt weiterlesen: Alles zu Ganzjahresreifen

Bei einer großen Inspektion werden 30 bis 40 verschiedene Teile am Auto überprüft – zum Beispiel die Reifen und die Elektrik.
Quelle: picture alliance / Panther Media Egal ob Winterreifen oder Sommerreifen: der korrekte Reifendruck sollte regelmäßig überprüft werden