Wenn das Lenkrad ruckelt oder pfeift musst Du ran

Servoöl wechseln: Die Gründe, der Zeitpunkt und die Kosten

Du hörst ein hohes Pfeifen aus dem Motorraum, wenn Du das Auto in eine Parklücke rangierst? Das Lenkrad zu drehen, ist schwergängiger als gewohnt? Die Diagnose liegt auf der Hand: Ein Problem mit der Servolenkung liegt vor und es ist an der Zeit, das Servoöl zu wechseln. Hier erfährst Du, wann der Servoölwechsel notwendig wird und wie Du ihn selbst hinbekommst.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Bevor das Servoöl gewechselt werden kann, muss das Auto angehoben werden. Dafür benötigst Du einen stabilen Wagenheber.

Im besten Fall kann es genügen, die Servolenkung zu entlüften. Öl nachzufüllen, wenn ein zu niedriger Ölstand die Ursache ist, ist meist nur eine Notmaßnahme. Denn meist gibt es Gründe, warum der Pegel sinkt, zum Beispiel eine undichte Stelle. Doch oft ist verschmutztes oder überaltertes Servoöl der Grund. Und dieses solltest Du zeitnah wechseln, denn eine Servolenkung, die ihre Mithilfe verweigert, kann gefährliche Verkehrssituationen heraufbeschwören und teure Folgeschäden wie eine kaputte Servopumpe oder defekte Lenkgetriebe nach sich ziehen.

Servoöl wechseln lassen: Das sind die Kosten

Da der Wechsel des Servoöls kompliziert ist, werden die meisten Autofahrer eine Fachwerkstatt ansteuern. Der Zeitaufwand vor Ort ist nicht groß; rund eine Stunde dauert der Austausch. Dabei wird zunächst das alte Öl abgepumpt. Um auch das in den Leitungen verbliebene Öl zu entfernen, werden diese bei laufendem Motor unter Betätigung der Lenkung durchgespült.
Der Vorteil der Arbeit durch den Profi besteht nicht nur in seiner Routine und der treffsicheren Auswahl des für Dein Auto geeigneten Servoöls, sondern auch in der sachgerechten Entsorgung des Öls. Denn Servoöl ist als Gefahrenstoff eingestuft, der entsprechend entsorgt werden muss. Hinzu kommt: Besonders teuer ist der Servoölwechsel nicht. Die Arbeitskosten liegen bei rund 50 Euro, das Öl wird nach Menge berechnet, der Liter kostet zwischen 15 Euro und 50 Euro. Vielleicht kommt noch eine Dichtung für ein paar Euro hinzu.

Der Wechsel des Servoöls in der Werkstatt ist recht günstig: 50 Euro für die Arbeitskosten, hinzu kommt der Preis für das Öl.

Servoöl selber wechseln: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Du kannst das Servoöl auch selbst wechseln, dafür ist allerdings handwerkliches Geschick zwingend nötig. Dass der Wechsel des Schmiermittels für die Servolenkung notwendig ist, erkennst Du schnell an dessen Farbe.
Frisches oder noch taugliches Öl sieht so aus: Es ist klar und bernsteinfarben bis rötlich, manchmal auch grün oder pink. Altes Öl ist braun, manchmal sogar fast schwarz, was an der Eintrübung durch Gummiabrieb oder Fremdkörper liegt. Auch abstrahlende Motorwärme lässt das Öl schneller altern, als manche Betriebsanleitung behauptet. Nichtsdestotrotz sind die Wechselintervalle normalerweise mit 80.000 bis 100.000 Kilometer sehr groß.

Das Lenkrad Deines Autos lässt sich nur schwer drehen? Dann könnte ein Problem mit der Servolenkung vorliegen.

Notwendiges Werkzeug und Vorbereitungen

Das Folgende benötigst Du, um für den Ölwechsel in Eigenregie gewappnet zu sein:

  • einen stabilen Wagenheber
  • Reifenkeile für die Hinterachse
  • Unterstellböcke für vorn
  • eine für Öle geeignete Absaugpumpe
  • einen Auffangbehälter für das Altöl
  • einen neuen Ausgleichsbehälter
  • frisches Servoöl nach Herstellervorgabe
  • einen Helfer fürs Durchspülen

Schritt 1: Wagen anheben

Um die Servolenkung in einem späteren Arbeitsschritt richtig zu entlüften, ist es wichtig, dass sich die Räder frei drehen können. Dazu muss der Wagen aufgebockt werden. Nimm einen stabilen Wagenheber und hebe das Auto an den dafür vorgesehenen Fassungen an – so weit, bis die Unterstellböcke unter das Fahrzeug passen. Dabei solltest Du spezielle Kfz-Böcke verwenden, Balken oder andere Kanthölzer sind unter Umständen zu instabil und damit riskant. Wichtig: Die Böcke sollten ebenfalls an den dafür vorgesehenen Punkten angesetzt werden, die Du in der Betriebsanleitung findest. Zur Sicherheit solltest Du im Anschluss noch die Hinterräder mit den Keilen sichern.

Schritt 2: Altes Servoöl entnehmen

Jetzt geht es an die Arbeit, Du musst das Altöl aus dem System ablassen. Der Ausgleichsbehälter für das Servoöl befindet sich im Motorraum und ist eindeutig gekennzeichnet. Findest Du ihn nicht sofort, so hilft auch hier ein Blick in die Betriebsanleitung Deines Autos. Es kann je nach Fahrzeugtyp sein, dass das ein oder andere Teil ausgebaut werden muss, um den Behälter zu erreichen.
Bevor Du Dich daranmachst, das Öl mit einer geeigneten Pumpe beziehungsweise Absaugspritze zu entnehmen, stelle einen Auffangbehälter in die Nähe. Verwenden kannst Du Kanister von Scheibenwischwasser oder Frostschutzmittel, auch ein alter Eimer tut es, Hauptsache, es läuft nichts aus. Dann saugst Du das Öl ab und füllst es Schritt für Schritt in den Auffangbehälter um.

Schritt 3: Restmengen entfernen

Doch damit ist das Altöl noch nicht vollständig entfernt, denn in den Leitungen bleibt eine Restmenge zurück. Also ist Ausspülen angesagt, für das Du einen Helfer brauchst. Zur Vorbereitung musst Du den Zulaufschlauch – Du erkennst ihn am dickeren Durchmesser – vom Ausgleichsbehälter abziehen und in den Auffangkanister halten, sodass die Restmenge dorthin abfließen kann. Die Öffnung am Ausgleichsbehälter musst Du abdichten, am besten mit stabilem Klebeband. Anschließend füllst Du frisches Öl ein.
Jetzt kommt der Einsatz Deines Helfers. Er steigt in das Auto, wirft den Motor an und dreht das Lenkrad wiederholt nach rechts und links, um die Hydraulikpumpe in Gang zu setzen. Sie saugt das Öl aus dem Ausgleichsbehälter ab und pumpt sie durchs System. Wichtig dabei: Du musst den Ölstand im Behälter unentwegt beobachten und Öl nachfüllen, denn läuft die Pumpe trocken, kann sie kaputtgehen, und das wird teuer. Dass ausreichend durchgespült wurde, erkennst Du daran, dass kein braunes Altöl mehr in den Auffangkanister läuft, sondern die frische, klare Flüssigkeit. Dann heißt es Motor ausschalten.

Schritt 4: Ausgleichsbehälter austauschen

Leider ist es anschließend nicht so einfach, nur den Zulaufschlauch wieder anzukleben, den Behälter zu justieren und die Motorhaube zufallen zu lassen. Bei einem Servoölwechsel muss auch der Ausgleichsbehälter ausgetauscht werden, genauer gesagt dessen integrierter Filter, der sich nicht separat entnehmen lässt.
Um frische Anschlussstellen zu bekommen, schneidest Du Zu- und Ablaufschlauch unterhalb vom Stutzen ab. Das dient deshalb der Erneuerung, weil die Schläuche an den Stellen, wo die Schellen sie andrücken, gern porös und undicht werden. Dass die Schläuche dabei zu kurz werden, ist dank großzügig ausgelegter Längen kein Problem. Und so viele Servoölwechsel wirst Du bei Deinem Auto auch nicht durchführen. Wenn die Schläuche schon Schäden aufweisen, etwa auch durch Marderbiss, musst Du sie wechseln. Ersatz ist nicht teuer, auch der Behälter belastet die Kasse mit maximal 15 bis 20 Euro nicht übermäßig. Aus- und Einbau sind selbsterklärend und schnell erledigt.

Schritt 5: Neues Servoöl einfüllen

Sitzen Schläuche und Klemmen fest, darf das frische Öl fließen. Dazu ist wieder Dein Helfer gefragt. Sobald Du neues Öl eingießt, startet er den Motor und macht wieder Lenkbewegungen, dabei sollte das Lenkrad jedes Mal voll eingeschlagen werden. Nur so entlüftet das Hydrauliksystem ordnungsgemäß. Dass genug eingefüllt ist, erkennst Du während dieser Prozedur daran, dass der Füllstand auf einem Niveau bleibt.
Wichtig ist, dass Du das richtige Öl verwendest, ansonsten könnten die Schläuche angegriffen und vielleicht undicht werden. Solltest Du aus Versehen zu viel nachgefüllt haben, sauge mit der Spritze einfach die überschüssige Menge ab und gib sie in den Auffangbehälter zu dem Altöl. Dass Dir zu viel Frischöl in den Ausgleichsbehälter gelaufen ist, erkennst Du daran, dass am Messstab die Höchstmarke überschritten ist.



Nach dem Wechsel: Altes Servoöl entsorgen

Zum Schluss solltest Du Dich um das Thema Entsorgung des alten Servoöls kümmern. Weil Servoöl ein Umweltgift ist, darf es nicht einfach in den Hausmüll oder über den Ausguss entsorgt werden. Es muss professionell unschädlich gemacht werden. Dazu bringst Du es zu einem Wertstoffhof oder zu dem Händler, bei dem Du das frische Öl gekauft hast. Er ist zur Annahme verpflichtet. Damit Dir das Altöl beim Transport dorthin nicht überschwappt, kippst Du es am besten vorsichtig in das Gebinde des verwendeten Frischöls und verschließt es. Unsachgemäße Entsorgung ist keine gute Idee, auch weil dies mit horrenden Bußgeldern teuer geahndet werden kann.

Das solltest Du tun, wenn die Servolenkung schwächelt

  1. Servoölstand prüfen
  2. Alter des Öls anhand dessen Farbe einschätzen
  3. Ist das Öl klar, aber der Stand niedrig, ist eine Unrichtigkeit wahrscheinlich.
  4. Ist es dunkel bis schwarz, ist es überaltert oder verunreinigt, ein Wechsel ist ratsam.
  5. Hast Du zwei linke Hände, ab in die Werkstatt.
  6. Hast Du Erfahrung und Geschick, kannst Du selbst Hand anlegen.