Kältemittel nachfüllen, Dichtigkeit checken

Klimaanlage befüllen: Wie geht das?

Die Wartung einer Klimaanlage ist definitiv eine Sache für den Profi, denn Fehler können der Gesundheit, der Umwelt und dem Kühlsystem schaden. Lies mehr dazu.

  • Sabine Stahl
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  • Veröffentlicht am 02/10/2020, 3:43 PM
In einem Audi ist die Klimaanlage auf 22 Grad Celsius für Fahrer und Beifahrer eingestellt.
Quelle: dpa / Picture Alliance Eine Klimaanlage im Auto verliert pro Jahr bis zu 10 Prozent ihres Kältemittels

Hitze macht aggressiv, die Konzentration sinkt und das Unfallrisiko steigt. Nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) klettert die Zahl der Unfälle bei Temperaturen von mehr als 25 Grad um 11 Prozent. Klimaanlagen im Auto sind demnach nicht nur ein Komfort-Features, sondern erhöhen auch die Sicherheit. Allerdings sind sie nicht wartungsfrei.

Eine Klimaanlage im Auto verliert pro Jahr bis zu 10 Prozent ihres Kältemittels. Die Werkstatt-Kette ATU spricht sogar von 15 Prozent. Der Grund dafür sind kleine Undichtigkeiten, durch die Kältemittel entweichen kann. Deshalb muss die Anlage regelmäßig gewartet werden, damit sie weiterhin einwandfrei funktioniert und für ein angenehmes Klima sorgen kann. Eine defekte Anlage kostet zudem unnötig Kraftstoff, ohne dass sie richtig kühlt. Zur Wartung gehört neben einem Funktionscheck auch das Befüllen mit neuem Kältemittel.


BMW 1602 in der Ansicht von vorne-links, stehend
Oldtimer von BMW

1929 rollt das erste Serienautomobil mit dem Namen "DA 2" bei den Bayerischen Motorenwerken vom Band.


Klimaanlage selbst befüllen: Geht das?

Als Laie solltest Du Deine Klimaanlage nicht selbst befüllen. Selbst Kfz-Mechaniker dürfen nur mit einer Zusatzausbildung an die Klimaanlage. Zudem darf Kältemittel zum Befüllen nur an Personen mit entsprechendem Nachweis ausgehändigt werden, denn es ist gefährlich und vor allem umweltschädlich. Wer trotz aller Warnungen seine Klimaanlage im Auto selbst befüllen möchte, findet dafür entsprechende Kits sowie Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

In einer Werkstatt ist ein Wartungsgerät für Klimaanlagen an ein Auto angeschlossen
Quelle: dpa / Picture Alliance Zur Wartung gehört neben einem Funktionscheck der Klimaanlage auch das Befüllen mit neuem Kältemittel

Dabei wird Kältemittel aus einer Dose über einen Füllschlauch mit Druckmessung an das Tiefdruckventil angeschlossen und eingefüllt. Das Problem: Du kannst im Vorfeld nicht fachgerecht prüfen, ob Deine Anlage undicht ist. Deshalb kannst Du ein mögliches Leck auch nicht beheben. Zudem können weder die notwendige noch die eingefüllte Menge des Kältemittels genau kontrolliert werden. Füllst Du zu viel ein, kann das dem Klima-Kompressor der Klimaanlage schaden und am Ende zahlst Du aufgrund teurer Folgereparaturen deutlich mehr als für einen Klimaservice beim Fachmann.

Wenn Du mit Kältemittel hantierst, sind eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe Pflicht. Kältemittel ist sehr umweltbelastend und schädlich fürs Klima. Beim Selbst-Nachfüllen entweicht das gasförmige Mittel jedoch leicht. 



Klimaanlagen-Check vom Fachmann

Der Klimaanlagen-Check ist in der Regel Teil des Services in der Werkstatt. Er sollte alle zwei Jahre, spätestens jedoch alle drei bis vier Jahre erfolgen, oder wenn die Klimaanlage spürbar schlechter kühlt. In der Werkstatt wird die Funktion der Klimaanlage Deines Autos kontrolliert und ihre Dichtigkeit überprüft. Anschließend wird das übrige Kältemittel abgesaugt, gereinigt, gewogen und die fehlende Menge ergänzt. Zum Schluss kommt es zurück in den Kühlkreislauf.

Was kostet das Befüllen?

Die Kosten für das Befüllen der Anlage hängen von der Menge und der Art des Kältemittels ab. Bei älteren Fahrzeugen ist in der Regel das Mittel R134a im System, das aber aufgrund seiner Treibhauswirkung von der EU verboten wurde und nicht mehr verwendet werden darf. Bei Fahrzeugen mit R134a starten die Preise für den Klimaanlagen-Check bei etwa 80 Euro. Neuere Autos sind meist mit R1234yf befüllt. Dies ist deutlich teurer – und somit auch der Klimaanlagen-Check. Der kostet meist mindestens 150 Euro. Kommen noch weitere Arbeitsschritte hinzu, ist ein Kostenvoranschlag von der Werkstatt empfehlenswert. 

Eine Nahaufnahme zeigt die Klimaanlage eines Autos. Sie ist auf 16 Grad Celsius eingestellt.
Quelle: dpa / Picture Alliance Als Laie solltest Du Deine Klimaanlage nicht selbst befüllen. Auch Profis dürfen diese Arbeit nur mit einer Zusatzausbildung erledigen

Desinfektion der Klimaanlage

Zum Klimaanlagen-Service für Autos gehört in der Regel auch eine Desinfektion des Systems. Denn in Klimaanlagen entstehen aufgrund der Feuchtigkeit in Kombination mit der Wärme oft Bakterien oder Pilze. Das kannst Du mitunter an einem unangenehmen, meist muffigen Geruch erkennen. Der Fachmann reinigt aus diesem Grund die Klimaanlage im Rahmen des Service-Programmes und desinfiziert besonders anfällige Stellen wie den Verdampfer. 


Ein blauer Ford Fiesta steht am Straßenrand.
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Tipps zur Pflege der Klimaanlage

  • Wer seine Anlage schont, erspart ihr Arbeit und das macht sich beim Tanken bezahlt. Aus diesem Grund lohnt es sich, im Hochsommer vor Fahrtantritt kurz alle Türen zu öffnen, damit die größte Hitze heraus kann
  • Kurz vor Ende der Fahrt solltest Du die Klimaanlage ausschalten, das Gebläse aber anlassen. Dadurch kann Restfeuchtigkeit im System trocknen und Du beugst der Bildung von Bakterien und Schimmel vor
  • Der ADAC empfiehlt, den Innenraum des Autos auf etwa 21 bis 23 Grad zu kühlen. Generell solltest Du die Anlage nicht zu kalt einstellen. Dann holst Du Dir im schlimmsten Fall eine Erkältung
  • Stelle die Lüftungsdüsen so ein, dass der Luftstrom nicht direkt auf Dich und Deinen Beifahrer gerichtet sind