Es verspricht weniger Ölwechsel und einen geringeren Spritverbrauch

Longlife Öl – Was Du wissen musst

Länger fahren ohne Ölwechsel. Eine vielversprechende Vorstellung für viele Autofahrer. Möglich ist das zum Beispiel durch den Einsatz von sogenanntem Longlife-Motoröl. Dabei handelt es sich um spezielle, dünnflüssigere Öle, die länger halten und dank verschiedener Zusätze auch eine hohe Schmierfähigkeit besitzen, aber auch teurer sind. Wir sagen Dir, wann sich der Einsatz der Longlife-Öle lohnen kann.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Motoröl hat viele Aufgaben: In erster Linie jedoch dient es der Schmierung von beweglichen Teilen innerhalb des Motors.
Quelle: picture alliance Motoröl hat viele Aufgaben: In erster Linie jedoch dient es der Schmierung von beweglichen Teilen innerhalb des Motors

Motoröl hat im Auto viele wichtige Aufgaben. Dazu zählt vor allem die Schmierung von beweglichen Teilen innerhalb des Motors. Außerdem übernimmt das Motoröl auch die Kühlung verschiedener Teile beziehungsweise das Ableiten von Wärme, die durch die Verbrennungsvorgänge im Fahrzeug erzeugt wird. Additive im Motoröl verringern die Korrosionsgefahr im Motor und die Reibung zwischen beweglichen Teilen. Sehr hohe Temperaturen und starker Druck sorgen dafür, dass das Öl schnell altert. Dabei verliert es wichtige Eigenschaften.

Deshalb musst Du regelmäßige Ölwechsel durchführen beziehungsweise durchführen lassen. Bis in die Sechziger- und Siebzigerjahre waren solche Ölwechsel in festen Intervallen, nämlich alle paar Tausend Kilometer, vorgeschrieben. Mittlerweile sind die Ölwechselintervalle deutlich länger; je nach Fahrzeugtyp und Einsatz des Fahrzeugs sollte der Ölwechsel alle 14.000 bis 15.000 Kilometer beziehungsweise alle zwölf bis 18 Monate durchgeführt werden. Entsprechend musst Du heute auch deutlich seltener für den Ölwechsel in die Werkstatt fahren.
Wer diese Zeiträume noch zusätzlich verlängern will, für den können Öle, die unter dem Begriff Longlife zusammengefasst sind, eine Alternative sein. Diese Longlife-Öle kannst Du für Otto- wie auch für Dieselmotoren verwenden.

Mit der konsequenten Verwendung dieses Öls kannst Du deutlich längere Ölwechselintervalle erzielen.
Quelle: picture alliance Longlife-Öle sind grundsätzlich eher dünnflüssig. Mit der konsequenten Verwendung dieses Öls kannst Du deutlich längere Ölwechselintervalle erzielen

Was ist Longlife-Motoröl?

Bei Longlife-Öl handelt es sich um spezielle Konfigurationen, die aus hochwertigem Basisöl und verschiedenen Additiven bestehen. Grundsätzlich sind diese Öle eher dünnflüssig. Die speziellen Additive sorgen dafür, dass das Longlife-Öl auch eine hohe Schmierfähigkeit besitzt. Sein hauptsächlicher Sinn besteht darin, dass Du mit der konsequenten Verwendung dieses Öls deutlich längere Ölwechselintervalle erzielen kannst.

Möglich ist das nur bei Fahrzeugen beziehungsweise Motoren, die vom Hersteller als dafür geeignet erklärt worden sind. VW zum Beispiel arbeitet seit 1999 gemeinsam mit Castrol, einem britischen Hersteller für Industrie- und Fahrzeugschmierstoffe, an den langlebigen Motorölen. In der Regel empfiehlt VW Longlife-Öle mit der Bezeichnung 5W-30. Auch andere Hersteller, zum Beispiel BMW, Audi oder Seat, setzen auf Longlife. Ob Dein Auto dafür infrage kommt, erfährst Du direkt bei den Herstellern oder im Benutzerhandbuch. Ist Dein Fahrzeug für Longlife-Service vorgesehen, darfst Du nur ein entsprechendes Longlife-Motoröl verwenden. Welche Öle speziell für Dein Fahrzeug geeignet sind, erfährst Du ebenfalls im Benutzerhandbuch oder in der Werkstatt. Wichtig: Die vorgegebene Marke und Spezifikation zu Viskosität und Qualität musst Du unbedingt einhalten, denn sonst kann es zu Motorschäden kommen. Außerdem darfst Du nur die Öle verwenden, die BMW, VW und Co. auch für Dein Auto freigegeben haben. Verschiedene Fachzeitschriften kritisieren allerdings, dass auf vielen Etiketten der Longlife- Öle nicht immer klar ersichtlich ist, ob das Öl vom jeweiligen Hersteller freigegeben ist.

Longlife-Motoröle erkennst Du an den typischen Bezeichnungen SAE 0W-30 oder 5W-30. Dabei handelt es sich um Typologisierungen von Motoröl nach dem Standard der amerikanischen Society of Automotive Engineers (SAE). Die Zahl vor dem W steht für die Viskosität des Öls bei kaltem Motor, die Zahl hinter dem W für die Viskosität bei warmem Motor. Eine typische Eigenschaft der Longlife-Öle ist die gute Schmierfähigkeit bei kaltem Motorzustand. Das ist auch für die Lebensdauer von Motor und Motoröl ziemlich wichtig.

SAE-Klassen: Was ist das?

Auf den meisten Longlife-Ölen stehen Bezeichnungen wie SAE 04-30 oder 5W-30. Was ist darunter zu verstehen? Wir erklären es Dir anhand der Bezeichnung SAE 5W-30:

  • SAE bedeutet, dass die Einteilung nach den Standards der Society of American Engineers erfolgt. Diese legt die SAE-Klassen seit 1911 fest.
  • 5W gibt den Wert der Niedrigtemperatur-Viskosität an (das W steht dabei für Wintereignung). Motorenöle mit dieser Viskositätsklasse sind bei tiefen Temperaturen, sogar bis zu einer Temperatur von  minus 35 Grad Celsius, noch pumpbar.  Die Viskositätsklassen beginnen bei 0W (sehr dünnflüssig) und reichen bis 25W.
  • 30 ist der Wert der Hochtemperatur-Viskosität; die Viskositätsklassen beginnen bei 8 (sehr dünnflüssig) und reichen bis 60 (sehr dickflüssig).

Wie funktioniert Longlife-Motoröl?

Früher waren die Intervalle für den Ölwechsel bei Autos fest vorgeschrieben und orientierten sich entweder an den gefahrenen Kilometern oder festgelegten Monatszeiträumen.
Heute macht es die moderne Technik im Auto möglich, dass die Intervalle des Ölwechsels abhängig von verschiedenen Faktoren individuell ermittelt werden. Bei dem Longlife-Konzept werden über verschiedene Sensoren zahlreiche Parameter gemessen und zur Berechnung an das Steuergerät übertragen. Dazu gehören vor allem die gefahrenen Geschwindigkeiten, die absolvierten Drehzahlen, das Beschleunigungs- und Bremsverhalten, Ölstand und Öltemperatur sowie der Verbrauch.

Der Fahrstil hat einen großen Einfluss auf das Motoröl und seine Eigenschaften beziehungsweise den Alterungsprozess des Motoröls. Wird das Auto behutsam warm gefahren und auf längeren Strecken ohne extreme Belastungen bewegt, wirkt sich das positiv auf die Qualitäten des Motoröls und die entsprechenden Intervalle für den Ölwechsel aus. Viele Kurzstrecken und stärkere Motorbelastungen hingegen wirken sich eher negativ auf das Motorenöl aus. Dann muss der Ölwechsel in kürzeren Intervallen erfolgen.

Zur Berechnung dieser Intervalle wird im Steuergerät die entsprechende Qualität des Öls aufgrund der Fahrweisen und Belastungen ermittelt. Anschließend berechnet die Technik, wann Du Dein Auto zum nächsten Ölwechsel fahren musst. Es hängt also ganz von Dir und Deinem Fahrstil ab, ob und wenn ja, um welche Dauer Du das Intervall bis zum nächsten Ölwechsel durch Longlife-Öl verbessern kannst.

Wenn Du Longlife-Öl verwendest, darfst Du es nicht mit anderen Motorölen mischen. Da es das besondere Motoröl nicht überall zu kaufen gibt, hast Du am besten immer einen Reservebehälter mit ein paar Litern des Öls dabei. Dann bist Du versorgt, falls Du unterwegs nachfüllen musst.



Vorteile von Longlife-Öl

Grundsätzlich bedeutet der Einsatz von Longlife-Motoröl höhere Kosten, denn dieses Motoröl ist etwas teurer als konventionelle Produkte. Langfristig betrachtet kann sich das Longlife-Öl aber rechnen: Aufgrund seiner Dünnflüssigkeit entsteht beim Warmfahren des Motors weniger Widerstand durch zähes, kaltes Motoröl. Das senkt den Verbrauch. Außerdem können spezielle Additive im Öl die Reibung im Motor senken und so ebenfalls Verbrauch reduzieren. Langfristig kann sich das auch auf die Lebensdauer des Motors positiv auswirken. Letztlich hängt dies aber stark von Deinem individuellen Fahrstil ab.

Mögliche Alternative: Leichtlauföle

Die Longlife-Öle gehören laut ADAC zu den sogenannten Leichtlaufölen, die der Automobilclub auf ihre Eigenschaften und vor allem deren Wirksamkeit getestet hat. Bei den Leichtlaufölen handelt es sich demnach um Synthese- und Hydrocracköle mit einem hohen Viskositätsindex und einem geringen Verdampfungsverlust, die in den SAE-Bereichen 0W-16, 0W-20, 0W-30, 0W-40 liegen.

Nach den ADAC-Untersuchungen sind mit diesen Ölen folgende Einsparungen beim Verbrauch möglich: Kurzstrecke vier bis sechs Prozent, Stadt-/Überlandstrecken gemischt zwei bis vier Prozent und Autobahn bis zu zwei Prozent. Manche Hersteller, so der ADAC, füllen Autos bereits ab Werk mit Leichtlauföl, um so zu günstigeren offiziellen Verbrauchswerten zu kommen.

Faktoren für die Lebensdauer des Öls

  • Zahl der Kaltstarts
  • Anteil des Kurz- oder Langstreckenverkehrs
  • Volllastanteil
  • Drehzahlniveau
  • Beschleunigungs- und Bremsverhalten
Service und InstandhaltungDieselÖlÖlwechsel

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