Hilfreiche Tipps und Anleitung

Keilriemen wechseln: Wann? Warum? Wie?

Die Batterie lädt nicht mehr und das Lenken kostet viel Kraft? Dann rutscht vielleicht der Keilriemen durch. So spannst Du ihn nach oder wechselst ihn.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 03/26/2020, 04:46 PM
Jemand hält einen Keilriemen in der Hand während er durch ein Lager von Keilriemen geht.
Quelle: dpa / Picture Alliance Der Keilriemen eines Autos ist ein Verschleißteil. Ersatz sollte deshalb nach Wartungsplan erfolgen - oder wenn die Sichtprüfung es unvermeidbar macht

Unter der Motorhaube ertönt ein nerviger Quietschton. Einer, der beim Gasgeben noch lauter und penetranter wird. Dann ist wahrscheinlich der Keilriemen Deines Autos alt und zu lang. Das klingt zwar harmlos, kann aber Folgekosten verursachen, denn dieses Teil treibt ein paar andere Bauteile an. Wie Du es wechseln kannst, erklären wir Dir hier mit einer Anleitung.


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Welche Funktion übernimmt der Keilriemen?

Ein Keilriemen im Auto versorgt in der Regel alle Nebenaggregate des Motors mit Energie. Durch die Drehbewegung wird Strom erzeugt oder eine Pumpe angetrieben. So treibt er bei den meisten Fahrzeugen Drehstromgenerator (Lichtmaschine), Wasserpumpe und Lüfter an. Fahrzeuge mit Servolenkung erhalten die Energie ebenfalls darüber.

Sehr neue Motoren mit 48-Volt-Technologie setzen hingegen auf elektrische Antriebe ohne die rotierende Verbindung. Dadurch fällt der Bauraum des Motors kürzer aus, die Aggregate können beliebig angeordnet werden und müssen nicht mehr direkt am Motor liegen. Außerdem arbeitet eine elektrische Leitung effizienter – das spart am Ende Kraftstoff.



Wann sollte der Keilriemen gewechselt werden?

Viele Hersteller haben einen genauen Wartungsplan, der auch den Zeitpunkt für den Wechsel angibt. Experten gehen grob von einem Wechsel alle 85.000 Kilometer oder alle acht Jahre aus. Der Grund für das vergleichsweise häufige Wechseln: Das Kunststoffteil steht nicht nur permanent unter Spannung und ist hoher Reibkraft ausgesetzt, es wird mit der Zeit auch porös, längt sich und kann unter Umständen reißen. Dann ist eine Weiterfahrt nicht möglich. Das Fahrzeug kann dann weder Strom (über den Drehstromgenerator) produzieren, noch den Motor ausreichend kühlen (Wasserpumpe).

Dehnt sich das Bauteil stark aus, fängt es an zu schlackern und rutscht durch – das typische Quietschen. Hörst Du das, solltest Du mit dem Finger die Spannung prüfen. Lässt sich der Riemen mit einem Finger zu Dir ziehen, besitzt er nicht mehr die nötige Spannkraft. Wenn Du dazu noch Risse entdeckst, muss er auf jeden Fall gewechselt werden. Wenn Du Dir das nicht selbst zutraust, dann fahre besser in die Werkstatt. Die Kosten für einen Wechsel sind nicht sehr hoch, variieren aber nach Marke und Modell.

Jemand blickt in den Motorraum eines Gebrauchtwagen, bei dem der Keilreiemen gewechselt werden muss.
Quelle: dpa / Picture Alliance Viele Hersteller haben einen genauen Wartungsplan, in dem der Keilriemenwechsel angegeben ist - das kannst Du selbst machen oder von einem Fachbetrieb erledigen lassen

Keilriemen wechseln: Eine Anleitung

Geübte Hobbyschrauber können je nach Marke und Modell den alten oder gerissenen Keilriemen selbst wechseln. Dazu ist neben handwerklichem Geschick auch etwas Erfahrung und Werkzeug notwendig.

Benötigtes Werkzeug

Je nach Marke und Modell benötigst Du für den Wechsel handelsübliches Werkzeug wie einen großen Ratschenkasten, einen Satz Maulschlüssel und einen Schraubendreher.

Keilriemen nachspannen: So geht's

Die meisten Motoren haben einen integrierten Spanner. Den musst Du finden. Häufig ist der Spanner mit dem Drehstromgenerator kombiniert. Es kann aber auch sein, dass der Motor einen externen Spanner an der Frontseite des Motors hat. Wenn Du Dir nicht sicher bist, frage besser bei Deiner Werkstatt nach oder lasse gleich das Bauteil wechseln. Bei den meisten Keilrippenriemen wird die Spannung mit Hilfe eines Federspanners automatisch gewährleistet. In der Regel musst Du diese Art Riemen nicht nachspannen.

Nachspannen Schritt 1

Mutter des Spanners lösen. Der Sperrbolzen oder die Sperrmutter liegt meist am Ende einer Art Schiene unterhalb des Generators. Die Mutter kannst Du mit einer Ratsche oder einem Maulschlüssel lösen.

Nachspannen Schritt 2

Spanner oder Drehstromgenerator nach außen drücken, damit sich der alte Keilriemen spannt. Doch Vorsicht: Spanne den Riemen nicht zu fest, da sonst die Lager in den Wellen der Nebenaggregate kaputt gehen können. Als Faustformel gilt: Der Riemen darf sich knapp daumenbreit eindrücken lassen. Das unterscheidet sich aber von Motor zu Motor. Deshalb erfrage die genaue Spannung bei einer Werkstatt.

Nachspannen Schritt 3

Wenn der neue Keilriemen nach dem Wechseln wieder die nötige Spannung besitzt, ziehe die Mutter mit dem vorgegeben Drehmoment an. Den Wert findest Du in einer Drehmomentanzugstabelle, im Netz oder frage Deine Werkstatt.


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Den richtigen Keilriemen finden

Damit das neue Ersatzteil alle Aggregate wieder geschmeidig umwickelt, muss es die korrekte Länge haben. Bei Keilrippenriemen kommt es auf die Anzahl der Rippen an. Die müssen zu den Umlenkrollen und Rollen der Nebenaggregate passen. Du kannst also nicht jeden beliebigen Riemen für Dein Fahrzeug verwenden.

Die meisten Hersteller haben eine Modell- und Typen-Tabelle, in der Du das richtige Modell findest. Die genaue Typenbezeichnung steht auch auf der Oberfläche. Ist diese alt und verschlissen, wird die Schrift verwischt und unleserlich sein. Deine Fachwerkstatt kann Dir Auskunft über den passenden Riemen geben. Meist lässt sich der richtige Typ anhand der Schlüsselnummer des Autos herausfinden. Manche Fahrzeuge haben sogenannte Elasto-Riemen. Diese spannen sich selbst und haben keinen Spanner. Für die Montage benötigst Du Spezialwerkzeug.

Keilriemen selber wechseln

Wenn Du das passende Bauteil gefunden und besorgt hast, kannst Du es selbst wechseln. Dafür benötigst Du wenig Werkzeug und etwas Geschick. Je nachdem wie neu das Auto ist und wie viele Nebenaggregate angetrieben werden, wird die Arbeit fummelig. Mach vorsichtshalber ein paar Fotos vom Verlauf. So kannst Du die Arbeit am Schluss besser vergleichen.

Schritt 1: Spanner lösen

Zuerst löst Du den Riemenspanner. Der ist häufig mit dem Generator kombiniert. Unterhalb des Generators sitzt eine Schraube, die Du lösen musst. Beim Keilrippenriemen lässt sich meist der Spannhebel in die gegenüberliegende Aufnahme drücken, sodass die Bohrungen parallel zueinander liegen. Diese Position kannst Du mit einem Bohrer oder einem dünnen Schraubendreher fixieren.

Schritt 2: Keilriemen-Wechsel

Nun kannst Du den defekten Keilriemen entfernen. Achte vorher darauf, in welche Richtung er lief. Vielleicht erkennst Du auf dem alten Teil noch die Laufrichtung. Auch die richtige Belegung ist wichtig. Das gilt besonders bei den Keilriemen, die über mehrere Umlenkrollen laufen.

Schritt 3: Montage

Wenn Du das neue Teil auf die Rollen legst, achte erneut auf die korrekte Laufrichtung, damit es an den Rollen richtig haftet. Der neue Riemen muss exakt so verlaufen wie der vorherige. Er darf nicht überstehen oder seitlich verschoben sein.

Schritt 4: Spannen

Spanne den Riemen mittels des Riemenspanners am Generator. Dafür musst Du den Generator nach hinten drücken, bis der Riemen gespannt ist. Bei Keilrippenriemen mit dem automatischen Spannhebel musst Du den Bohrer oder Schraubendreher aus den Bohrungen entfernen, damit er sich wieder spannt. Der Riemen darf sich noch leicht eindrücken lassen, aber nicht mehr als eine dünne Daumenbreite.

Schritt 5: Funktionskontrolle

Schau noch mal genau nach, ob der Riemen auf allen Rollen sitzt. Dann starte den Motor und lasse den Riemen kurz laufen. Achte auf die Lichtmaschine und die Servolenkung. Kontrolliere auch die Batterie- und Ladelampe im Cockpit. Nach dem Starten sollte die Lampe erlöschen. Andernfalls wird die Batterie nicht geladen. Das kann dann passieren, wenn der Generator fehlerhaft funktioniert. Wenn aber nichts quietscht und der Riemen nirgends durchrutscht, hast Du den Keilriemen erfolgreich gewechselt.



Unterschied zwischen Keilriemen und Zahnriemen

Der Keilriemen treibt im Auto die Nebenaggregate wie Wasserpumpe, Lüfter, Servolenkung oder Klimakompressor an. Er liegt außerhalb des Motors, meist unter einer Kunststoffabdeckung. Ein Zahnriemen dient der Motorsteuerung und stellt eine Verbindung zwischen Kurbelwelle und Nockenwelle her, die wiederum die Ventile für den Gaswechsel steuert. Wenn der Zahnriemen reißt, sind Motorschäden unausweichlich. Dann kann es passieren, dass Ventile in den Kolben rasen und ihn zerstören. Deshalb ist der Wechsel des Zahnriemens sehr wichtig und sollte nicht verzögert werden.

Funktioniert die Lösung mit dem Damenstrumpf?

Wenn Opa vom Krieg erzählt, kommt wenig später die Geschichte mit dem VW Käfer über die Alpen, natürlich mit fünf Mann an Bord und dem Damenstrumpf als Ersatzteil. Eine unterhaltsame Geschichte. Fakt ist: Beim VW Käfer mit seinem einfachen Boxermotor mag das noch halbwegs als Notlösung funktioniert haben. Bei modernen Motoren mit deutlich mehr Leistung und mit vielen Zusatzaggregaten ist ein moderner Keilrippenriemen weit verzweigt und kann nicht von einer Strumpfhose ersetzt werden.


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