Achsvermessung gehört zu jedem Fahrzeug-Check

Achsvermessung: Warum sie wichtig für die Sicherheit ist

Nur nach Lack und Motor zu schauen, ist zu wenig. Denn wenn Spur und Sturz nicht stimmen, wird es teuer und gefährlich. Deshalb ist die Achsvermessung wichtig.

  • Thomas Geiger
  • Veröffentlicht am 03.06.2022, 10:41
Ein Mechaniker bereitet eine Achsvermessung an einem schwarzen Pkw vor
Quelle: Adobe StockBei der Achsvermessung werden Reflektoren an den Rädern montiert, deren Position von einer Kamera erfasst und in ein 3D-Modell umgewandelt werden. Das vergleicht der Computer mit den Soll-Werten des Herstellers

Achsvermessung – damit Spur und Sturz auch immer stimmen

Klar, Du polierst den Lack, kontrollierst den Luftdruck und wechselst regelmäßig das Öl. Aber jetzt mal ehrlich: Schaust Du auch nach der Spur und dem Sturz der Räder? Denn die Achsgeometrie ist für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb des Autos genauso wichtig wie die Reifen oder der Motor. Bei der regelmäßigen Wartung und beim Kauf eines Gebrauchtwagens fristet die Achsvermessung deshalb zu Unrecht ein Schattendasein. Sie rangiert auf den Checklisten der Autofahrer und -käufer viel zu weit unten.

Bei der Achsvermessung kontrolliert die Werkstatt die Einstellung von Spur und Sturz der Räder – und justiert beides im Zweifel nach. Das ist wichtig, weil die richtige Achsgeometrie maßgeblich ist für ein sicheres Fahrverhalten des Autos. Denn wenn die Spureinstellung nicht korrekt ist, hapert es auch am Geradeauslauf. Das Auto kommt dann schlechter um die Kurve. Außerdem werden die Reifen überbelastet und ungleichmäßig abgefahren, was wiederum zu einem Sicherheitsrisiko und zugleich zu einem höheren Verbrauch führt.

Das riskierst Du, wenn Spur und Sturz nicht stimmen:

  • erhöhter Verbrauch
  • mehr Reifenverschleiß
  • instabiles Fahrverhalten
  • Schäden am Fahrwerk

Eine Bordsteinkante kann die Spureinstellung ruinieren

Dass beim Auto eine Achsvermessung und anschließend eine neue Spureinstellung nötig werden können, hat viele Gründe. Fahrwerksteile wie die Federn oder Dämpfer können sich über die Jahre abnutzen, Gelenke und Verbindungen ausleiern oder Spurstangen ausschlagen. Außerdem können schlecht ausgewuchtete Räder oder falsche Reifen die Fahrwerksgeometrie durcheinanderbringen. Neben diesen Verschleißerscheinungen führen auch Unfälle zu Verschiebungen im Geläuf des Autos. Mitunter kann eine zu schnell überfahrene Bordsteinkante oder ein tiefes Schlagloch Spur und Sturz des Autos verstellen.

Das können die Ursachen für eine falsche Achsgeometrie sein:

  • Verschleiß am Fahrwerk
  • Schlaglöcher oder Bordsteinkanten
  • Unfälle
  • Unwucht im Reifen

Mit all diesen Informationen im Hinterkopf, sollte die Achsvermessung auf der persönlichen Checkliste deutlich weiter nach oben rücken. Beim Gebrauchtwagenkauf sollte sie so selbstverständlich sein wie der Blick unter die Haube oder die Probefahrt. Bevor man neue Reifen bestellt, solltest man die Spureinstellung kontrollieren lassen. Und wer nach einem Rempler in die Werkstatt muss, sollte nicht nur den Lack ausbessern und das Blech ausbeulen lassen. Dann ist auch eine Achsvermessung angeraten.

Dass etwas mit Spureinstellung nicht stimmt, kann man beim Fahren sogar spüren. Meist steht dann zum Beispiel das Lenkrad schief, auch wenn Du geradeaus fährst. Das Lenkgefühl ist schwammiger als üblich, es gibt merkwürdige Geräusche beim Kurvenfahren und selbst auf einer Geraden zieht der Wagen aus der Spur. Spätestens, wenn man eines dieser „Symptome“ bemerkt, ist es höchste Zeit für eine Achsvermessung.

Achsvermessung: Dauer und Kosten

Der Aufwand dafür ist denkbar gering – die Kontrolle dauert im besten Fall nur wenige Minuten. Die Kosten der Achsvermessung liegen mit meist deutlich unter 200 Euro unter einer professionellen Reinigung und die Spureinstellung danach ist flott erledigt. Zwar gibt es drei unterschiedliche Technologien am Markt, doch der Ablauf der Achsvermessung ist immer der gleiche. Zuerst kommt der Wagen auf eine spezielle Hebebühne und die Mechaniker vermessen den Stand der Rüder. Anschließend kontrollieren sie Spur und Sturz und gleichen die Messdaten mit den Vorgaben des Herstellers ab. Treten dabei Unterschiede auf, werden die Einstellungen oft direkt vor Ort kontrolliert. Länger als zwei Stunden sollte das alles in allem nicht dauern.

Nahaufnahme einer Differentialsperre des Renault Mégane RS
Die Differentialsperre

Das Differential ist ein zentrales Element des Antriebs. Hier wird erklärt, wie es funktioniert und warum es so wichtig ist.

Angeboten werden Achsvermessungen von Marken-Werkstätten genauso wie von freien Betrieben und vom Reifenfachhandel. Denn es braucht nicht mehr als eine Hebebühne und einen Achsmesscomputer, um Spur und Sturz zu kontrollieren. Für Selbermacher ist die Arbeit dagegen nicht geeignet, weil die Messtechnik das Do-it-yourself-Budget in der Regel überschreitet. Früher erfolgte die Achsvermessung meist optisch – mit Spiegeln, mit denen geschulte Spezialisten die Spureinstellung kontrollierten. Für die aufwändigen Fahrwerke moderner Fahrzeuge ist das allerdings nicht mehr genau genug. Deshalb haben sich heute Achsvermessungen mit Reflektoren und Kameras oder mit Sensoren und Lasertechnik etabliert.

Diese Techniken gibt es bei der Achsvermessung:

  • Optische Achsvermessung mit Spiegeln: Diese Technik gilt heute als veraltet und ist für moderne Fahrwerke nicht mehr genau genug. Darauf kannst Du Dich nur noch bei Old- und Youngtimern verlassen.
  • Laser-Achsvermessung. Diese Methode liefert die genauesten Ergebnisse, ist aber aufwändiger und teurer.
  • 3D-Achsvermessung mit Reflektoren und Kameras: Das ist eine minutenschnelle Lösung mit hinreichend präzisen Ergebnissen.