Woher kommt das? Was kannst Du tun?

Kupplung quietscht - das sind oft die Ursachen

Beim Anfahren klingt das Auto wie eine Techno-Disco mit lautem Quietschen und Fiepen. Gut hört sich das nicht an, oft hat es mit der Kupplung zu tun.

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  • Veröffentlicht am 01/27/2020, 2:52 PM
Ein Mechaniker montiert eine neue Kupplung unter einem Auto
Quelle: ZF Group Quietscht die Kupplung Deines Autos, muss sie nicht unbedingt direkt getauscht werden. Oft liegt die Ursache auch in der Peripherie der Kupplung

Bei jedem Tritt aufs Kupplungspedal nervt es. Besonders schlimm ist es beim Anfahren, bei schnellem Gangwechsel verschwindet es. Wer ein Auto mit einer quietschenden Kupplung hat, wird schnell genervt sein, so durchdringend ist das Geräusch.

Welche Ursachen gibt es?

Die Kupplung eines Autos besteht aus mehreren Komponenten. Sie alle können für das Quietschen verantwortlich sein. Dazu zählen unter anderem:

  • Kupplungspedal
  • Kupplungsseil
  • Kupplungsscheibe
  • Kupplungskorb
  • Ausrücklager

Die meisten Fahrzeuge, die nach 1997 gebaut wurden, setzen auf selbstnachstellende Kupplungen, sogenannte SAC-Komponenten (SAC: self adjusting clutch). Diese stellen sich, wie der Name schon sagt, selbst nach und müssen nicht mehr von Hand bei einer Inspektion nachgestellt werden.


BMW 1602 in der Ansicht von vorne-links, stehend
Oldtimer von BMW

1929 rollt das erste Serienautomobil mit dem Namen "DA 2" bei den Bayerischen Motorenwerken vom Band.


Wie finde ich raus, welche Ursache zutrifft?

Um zu wissen, woher das Quietschen kommt, musst Du das Geräusch genau lokalisieren. Beginne die Suche im Innenraum und bitte einen Bekannten, das Kupplungspedal zu treten, während Du in den Fahrerfußraum lauschst. Um auf die Geräusche besser achten zu können, steht der Motor still und das Radio ist aus. 

Wenn die Geräusche nicht von der Pedalerie kommen, öffne die Motorhaube und horche dort nach, während der Bekannte das Kupplungspedal erneut tritt. Wenn hierbei ein Geräusch auftritt, weißt Du, dass es mit der Kupplungsbetätigung zu tun hat, nicht jedoch mit der Funktion. Solltest Du bisher kein Quietschen und Knarzen vernommen haben, starte nun den Motor und führe den Test erneut durch. Treten  die Quietschgeräusche bei laufendem Motor und beim Anfahren auf, liegt es wahrscheinlich am Belag.



Vielleicht warst Du aber auf der ganz falschen Fährte und es quietscht nicht die Kupplung, sondern der Keilriemen zum Generator. Achte deshalb auch auf den Keilriemen vorne am Motor. Wenn beim Fahren die Geräusche auftreten, können es auch die Gelenke sein, vielleicht müssen die gefettet werden. Kontrolliere deshalb die Manschetten.

Tritt das Quietsch-Problem beim Anfahren auf, liegt es wahrscheinlich am Kupplungsbelag. Dann liegt ein Verschleiß vor und die Scheibe trennt nicht mehr sauber von der Schwungscheibe. Dann muss die alte Kupplung runter und eine neue her.

Kupplungskorb und Kupplungsscheibe von ZF liegen auf dunklem Grund.
Quelle: ZF Group Die Kupplung eines Autos besteht aus mehreren Komponenten, zum Beispiel Kupplungsscheibe und Kupplungskorb

Wie kann das Quietschen behoben werden?

Bei dauerhaftem Quietschen solltest Du zuerst den Fußraum der Fahrerseite gründlich reinigen. Sauge dazu auch die Anlenkpunkte (Rollen) des Kupplungspedals oberhalb der Pedalerie ab. Bei stehenden Pedalen wie beim VW Käfer oder Porsche 911 befinden sich diese Punkte auf dem Bodenblech hinten. Helfen kann auch: 

1. Schmieren des beweglichen Kupplungspedals an den Rollen mit Kriechöl oder Fett

2. Pedalgummi des Kupplungspedals auswechseln (vielleicht liegt es daran)

3. Stand der hydraulischen Flüssigkeit für die hydraulische Kupplung kontrollieren

4. Kupplungsspanner nachziehen (bei mechanischer Kupplung)

5. Wenn nichts hilft, Kupplung tauschen lassen

Ist das Quietschen ein Hinweis auf eine defekte Kupplung?

Das Quietschen beim Anfahren muss nicht unbedingt auf einen Defekt hinweisen. Es kann auch sein, dass nur an einem beweglichen Element etwas Schmiermittel fehlt und so Metall auf Metall reibt – das Ergebnis ist das Quietschen. Wenn Du diese Punkte ausschließen kannst, solltest Du mit dem Fahrzeug in eine Fachwerkstatt fahren.


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Wie funktioniert eine Kupplung?

Das Bauteil trennt und verbindet den Motor mit dem Getriebe, es sorgt dafür, dass Kraft durchs Getriebe an die Räder gelangt. In den meisten Fällen erledigt in Autos diese Arbeit die Einscheibentrockenkupplung, eine Kombination aus Schwungrad, Reibscheibe (auch Kupplungsscheibe genannt) und Druckplatte. Während Schwungrad und Druckplatte an der Kurbelwelle des Motors befestigt sind, hält die Kupplungsscheibe eine starre Verbindung zum Getriebe.

Für das Ein- und Auskuppeln ist die Druckplatte verantwortlich. Trittst Du das Pedal, gehen Schwungrad und Druckplatte auseinander und die Kupplungsscheibe kann keine Kraft mehr aufnehmen. Das Drucklager wirkt auf die Tellerfeder ein und löst die Kupplungsscheiben leicht von der Druckplatte. Lässt Du das Kupplungspedal los, nehmen Schwungrad und Druckplatte die Reibscheibe in die Zange und die Kraft fließt durch.

Ein Mechaniker bereitet die Komponenten für einen Kupplungswechsel vor und breitet die Teile vor sich aus.
Quelle: ZF Group Eine neue Kupplung kostet je nach Marke und Modell zwischen 100 und 400 Euro

Was kostet der Austausch einer Kupplung?

Eine neue Kupplung kostet je nach Marke und Modell zwischen 100 und 400 Euro. Dazu kommt noch die Arbeitszeit in der Werkstatt. Auch da variiert die Stundenzahl je nach Marke und Modell, grob können noch mal zwischen 200 und 400 Euro hinzulkommen. Denn beim Wechsel wird in der Regel das Getriebe vom Motor gelöst. Bei einigen Fahrzeugen geht das unter einer Hebebühne schnell von der Hand, bei anderen Fahrzeugen dauert das sehr lange. Bei einem VW Golf V sind es insgesamt rund 500 Euro. Bei Sportwagen wie dem Porsche 911 der Baureihen 991 und 997 kostet ein Wechsel in einer Porsche-Werkstatt rund 1.700 Euro.



Wie lange hält eine neue Kupplung?

Die meisten Bauteile halten mindestens 100.000 Kilometer. Wenn sie vorher bei einem manuellen Getriebe verschlissen sind, liegt es oft an der Mitnehmerscheibe – oder am Fahrer. Wenn der gerne am Kupplungspedal spielt, schon an der Ampel die Kupplung schleifen lässt, um beim Anfahren als Erster zu starten, dann hält der Belag nicht lange. Der Grund: Beim Schleifen, besonders beim Anfahren, wird der Belag sehr heiß. Im Vergleich zum Bremsbelag verträgt der Belag der Kupplung nur maximal 320 Grad. Ab dieser Temperatur löst sich der Belag langsam auf. Ab 450 Grad verbrennt er einfach. Als Folgeschaden der immensen Hitzeentwicklung können sich auch Schwungscheibe und Druckplatte verziehen.

Wie schone ich meine Kupplung?

Um das Bauteil zu schonen, musst Du nicht viel tun – nur möglichst selten den Fuß aufs Kupplungspedal stellen und zügig Anfahren. Das schont neben dem Kupplungsbelag auch alle Lager wie das Ausrücklager. Wenn Du also an der Ampel stehst, kupple den Gang aus und leg den Leerlauf ein. Anfahren gelingt am einfachsten ohne langes Schleifen, nach dem zügigen Schalten wandert der linke Fuß vom Pedal nach hinten.


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