Verkehrssicherheit geht vor

Winterreifen im Sommer: erlaubt oder nicht?

Mit Winterreifen im Sommer fahren – das ist erlaubt, aber unklug. Warum Sommerpneus sicherer, günstiger und komfortabler sind.

  • Veröffentlicht am 20.03.2022, 09:18
Detailaufnahme eines Winterreifens
Quelle: UnsplashWinterreifen sind weicher und haben, im Gegensatz zu Sommerreifen, keine durchgehenden Längsrillen – beides suboptimal bei hohen Temperaturen

Darf ich mit Winterreifen im Sommer fahren?

Grundsätzlich ist es in Deutschland erlaubt, ganzjährig mit Winterreifen zu fahren. Es gibt kein Gesetz, das Autofahrer verpflichtet, im Frühjahr auf Sommerreifen umzusteigen. (Achtung bei Auslandsreisen: Andere Länder haben hierzu andere Regeln.) Deswegen ist es auch kein Problem, wenn Du mit Winterreifen im Sommer zum TÜV fährst. Aus mehreren Gründen ist es aber sinnvoll, wenn Du um Ostern herum, wenn die Temperaturen steigen, die Sommerpneus aufziehen lässt.

Denn bei hohen Temperaturen fährst Du mit Sommerreifen …

  • sicherer
  • sparsamer
  • umweltfreundlicher
  • leiser
  • komfortabler

Warum das so ist, erfährst Du im Folgenden.

Warum Winterreifen im Sommer gefährlich sind

Sommer- und Winterreifen unterscheiden sich in zwei Punkten: im Material und im Profil.

  • Sommerreifen: bestehen aus einer harten Gummimischung, die auch bei hohen Temperaturen formstabil bleibt. Außerdem haben Sommerreifen durchgehende Längsrillen, die Wasser gut ableiten.
  • Winterreifen: sind weicher – denn sie enthalten mehr Naturkautschuk. Das Material bleibt selbst bei knackig-kalten Außentemperaturen noch elastisch und haftet darum gut auf der Fahrbahn. Außerdem sind sie mit schrägen Lamellen versehen, die sich wie kleine Haken im Untergrund verkrallen. Das sorgt bei Schnee und Glätte für guten Grip.

Die nützlichen Eigenschaften von Winterreifen werden im Sommer jedoch zum Risiko. Das weichere Material dehnt sich bei steigenden Temperaturen zu stark aus. Die Reifen sind dann weniger stabil – und das hat direkte Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Der ADAC hat hierzu einen Test gemacht. Dabei wurde gemessen, wie stark sich warme Temperaturen auf den Bremsweg und das Fahrverhalten eines Autos mit Winterbereifung auswirken. Das Ergebnis:

  • Bei Tempo 100 und 35 Grad Celsius brauchten die Tester für den Bremsweg 16 Meter mehr, wenn sie ein Auto mit neuen Winterreifen statt einem Wagen mit Sommerreifen fuhren.
  • Je heißer die Temperaturen und je tiefer das Profil der Reifen, desto länger brauchte der Wagen, bis er stillstand.
  • Mit Winterreifen, die bereits auf eine Profiltiefe von vier Millimetern heruntergefahren waren, verlängerte sich der Bremsweg immer noch um fünf Meter im Vergleich zu einem Wagen mit Sommerreifen.

Auch das Kurvenverhalten von Winterreifen ist bei Hitze schlechter. Das Auto schlingerte beim Test bei hohem Tempo merklich und reagierte verzögert auf kleine Lenkbewegungen. Bei nasser Fahrbahn droht zusätzlich das gefürchtete Aquaplaning: Denn anders als Sommerreifen haben Winterreifen keine durchgehenden, geraden Längsrillen, die das Wasser ableiten. Die Reifen haften dadurch weniger gut auf nassen Straßen.

Fazit: Winterreifen im Sommer sind gefährlich – mit Sommerreifen fährst Du bei hohen Temperaturen sicherer. Darüber hinaus tust Du mit einem regelmäßigen Reifenwechsel auch der Umwelt und Deinem Geldbeutel etwas Gutes. Anders als die weicheren Winterreifen verschleißen Sommerreifen bei hohen Temperaturen nicht so schnell, denn ihr Materialabrieb ist geringer. Außerdem haben härtere Sommerreifen weniger Rollwiderstand. Dadurch sind sie leiser und senken den Kraftstoffverbrauch Deines Autos.

Diese Vorteile haben Sommerreifen während der heißen Jahreszeit

Zusammengefasst lässt sich sagen: Sommerreifen garantieren für kurze Bremswege, auch bei heißen Temperaturen.

Zudem sind sie …

  • leiser und spritsparender – das liegt an ihrem geringeren Rollwiderstand.
  • sparsamer und umweltfreundlicher – denn sie werden weniger stark abgerieben.
  • auf nasser Fahrbahn sicherer – weil sie spezielle Rillen haben, die Wasser ableiten.
Detailaufnahme aufeinander gestapelter Autoreifen
Rund ums Rad

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Winterreifen im Sommer: Folgen für den Versicherungsschutz

Winterreifen im Sommer? Die Versicherung interessiert das nicht – solange nichts passiert. Fahren mit Winterreifen im Sommer hat darum erst einmal keine Auswirkung auf den Versicherungsschutz. Bei einem Unfall kann das jedoch anders aussehen.

Bist Du nämlich trotz sommerlicher Temperaturen mit Winterreifen gefahren und wurdest in einen Unfall verwickelt, kann Dir nämlich zumindest eine Teilschuld zugesprochen werden. Und zwar selbst dann, wenn Du Dich an alle Verkehrsregeln gehalten hast. Eine feste Regel hierzu gibt es jedoch nicht – jeder Fall muss individuell entschieden werden.

Folgende Szenarien sind denkbar:

  • Szenario 1: Du bist nicht schuld am Unfall, warst aber im Sommer mit Winterreifen unterwegs. Dann zahlt die gegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung in der Regel trotzdem. Sie kann aber versuchen, Dir eine Teilschuld am Unfall zuzuweisen.
  • Szenario 2: Du bist selbst zumindest teilweise schuld am Unfall. In diesem Fall kann sich Deine Kaskoversicherung wegen unpassender Reifen weigern, den Schaden vollständig zu übernehmen.
  • Szenario 3: Du hast Du den Unfall verursacht und hast eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen. Dann kann es passieren, dass Dein Versicherer Dir wegen der Winterreifen grobe Fahrlässigkeit vorwirft. In diesem Fall muss die Versicherung nicht zahlen – Du bleibst auf den Kosten für Dein kaputtes Auto sitzen.

Bei Winterreifen sieht die Gesetzeslage anders aus. Hier besteht eine sogenannte „situative Winterreifenpflicht“. Das bedeutet: Bei Schnee, Glatteis und Schneematsch müssen Autofahrer ihren Wagen mit Winterreifen ausrüsten. Wer das nicht macht, riskiert ein Bußgeld und wird bei einem Unfall mindestens eine Mitschuld tragen. Ältere Winterreifen erkennt man am M+S-Symbol. Seit 2018 zeigen alle neu produzierten Winterreifen das „Alpine-Symbol“, eine Schneeflocke vor einer Berg-Silhouette.

Die bequeme Alternative zum Reifenwechsel: Ganzjahresreifen

Ein Reifenwechsel macht Arbeit und kostet – wenn man ihn nicht selbst macht – Geld. Wem das zu lästig ist, für den sind Allwetter- oder Ganzjahresreifen eine sinnvolle Alternative. Sie sind zwar rund 15 Prozent teurer als Winterreifen, dafür brauchst Du aber auch nur einen Satz Reifen. Außer bei heftigen Schneefällen und extremer Glätte fährst Du mit Ganzjahresreifen das ganze Jahr über sicher. Genau wie Winterreifen müssen Allwetterreifen mit dem Alpine- oder dem M+S-Symbol markiert sein. Autofahrer sollten sich darüber im Klaren sein, dass Allwetterreifen auch Nachteile haben. So steigern sie im Sommer den Kraftstoffverbrauch und sind bei einem echten Wintereinbruch schnell überfordert. Außerdem liegt die empfohlene Höchstgeschwindigkeit für Allwetterreifen unter der von Sommerreifen.

Ganzjahresreifen eignen sich vor allem für …

  • Regionen, in denen selten Schnee fällt
  • Autos mit geringer Jahreskilometerleistung
  • Fahrer, die grundsätzlich langsam und vorsichtig fahren

Fazit: Darum solltest Du im Sommer nicht mit Winterreifen fahren

Je heißer die Temperaturen, desto schlechter ist die Bodenhaftung mit Winterreifen. Winterreifen im Sommer bedeuten darum eine höhere Unfallgefahr. Winterreifen mit einer Profiltiefe von mehr als vier Millimetern sollten Autofahrer im Sommer auf keinen Fall weiterverwenden. Sie stellen ein zu hohes Sicherheitsrisiko dar – sowohl für den Fahrer als auch für andere Verkehrsteilnehmer.

Abgenutzte Winterreifen mit einem Restprofil von vier Millimetern oder weniger sind zwar weniger riskant, dennoch besteht auch hier ein erhöhtes Unfallrisiko. Sobald die Temperaturen nachts nicht mehr unter sieben Grad fallen, solltest Du darum Sommerreifen aufziehen lassen. Dies ist meist um Ostern herum der Fall.