Von der Autowäsche bis zum Hasendraht

Marderschutz im Auto - das hilft wirklich

Eigentlich sind die Tiere ganz süß, würden sie nicht mit ihren Zähnen an Autokabeln knabbern. Doch wie können sich Fahrzeughalter vor Mardern schützen?

  • Veröffentlicht am 01/20/2020, 11:58 AM
Ein Marder sitzt in einem Motorraum.
Quelle: dpa / Picture Alliance Der Motorraum bietet dem Steinmarder einen tollen Unterschlupf mit vielen Möglichkeiten: als Erholungs- und Rückzugsort

Du siehst es nicht, Du riechst es nicht. Doch wenn morgens das Auto nicht mehr anspringt und Du die Motorhaube aufmachst, merkst Du: Ein Marder hat nachts im Motorraum eine wilde Party veranstaltet – und Du darfst aufräumen. Auch wenn Marder offenes, busch- oder baumbestandenes Gelände bevorzugen, nähern sie sich schon seit Jahrzehnten Parkanlagen, Scheunen, Dachböden oder eben Autos.

Der Motorraum ist für den Steinmarder ein Unterschlupf mit vielen Möglichkeiten: als Erholungs- und Rückzugsort und als Speisekammer. Vor allem der Steinmarder kann dabei seine Zähne weder von Kabeln noch von Schläuchen lassen. Ein Problem für Autofahrer.


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Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verursachten die kleinen Tierchen alleine im Jahr 2017 in Deutschland an Autos einen Schaden von insgesamt 72 Millionen Euro. Bei rund 214.000 Fahrzeugen verwüsteten die Tiere den Motorraum – pro Auto entstand demnach ein Schaden von durchschnittlich 336 Euro. Im Herbst und Winter suchen die Tiere nach einem Schlaf- und Ruheplatz. Besonders beliebt: warme Motorräume. Gefahr besteht allerdings auch im Frühjahr und im Sommer.

Jemand leuchtet in einen Motorraum und entdeckt einen Marderschaden.
Quelle: dpa / Picture Alliance Hier hat sich ein Marder verbissen: Lose Kabel und getrennte Leitungen sind typische Anzeichen eines Schadensbildes durch einen Marder

Was kann ein Marder anrichten?

Wenn ein Marder wütend ist oder Hunger hat, beißt er zu. In warmen Motorräumen erwischt er vorwiegend Kabel, Schläuche, Zündkabel, Stromleitungen und Isolationsmaterial. Beim Isoliermaterial fehlt nach dem Mahl im schlimmsten Fall die halbe Motorhauben-Isolierung. Bei angefressenen Kabeln kann ein Kurzschluss entstehen. Die scharfen Marderzähne können aber auch problemlos Kabel durchtrennen, so dass der Motor nicht anspringt oder nur noch schlecht läuft. Das Tier kann einen großen Schaden anrichten. Dagegen hilft nur eine umfangreiche Marderabwehr.

Was mögen Marder besonders gerne?

Marder sind Fleischfresser, sie mögen am liebsten Kleinsäugetiere, Vögel, Frösche und Insekten. Wenn es das in ihrem Umfeld nicht gibt, sind die kleinen Viecher nicht wählerisch. Dann nehmen sie auch gerne Material zu sich, das warm und weich ist. Dazu zählen unter anderem:

  • Zündkabel
  • Elektrische Leitungen und deren Isolierung
  • Kabel wie zur Lambdasonde
  • Kühlwasserschläuche
  • Wischwasser-Schläuche
  • Kunststoffschläuche allgemein
  • Faltenbälge der Antriebswellen
  • Faltenbeläge der Lenkung
  • Isoliermaterial an Motorhaube zur Geräuschdämmung
  • Isoliermaterial in den Radkästen zur Geräuschdämmung

Doch die Nahrungsaufnahme im Auto ist nur ein Grund, warum die kleinen Tiere gerne an Kabeln reißen. Ein anderer Grund ist, dass sie Einzelgänger sind und ihr Revier markieren. Das tun sie vor allem in der Paarungszeit im Frühjahr. Fährt ein Auto von A nach B und parkt im Freien, kann es sein, dass ein Marder in Ort A im Auto mit seiner Duftmarke sein Revier markiert hat. In Ort B nimmt das ein anderer Marder wahr, wird durch den Geruch des Kontrahenten aggressiv und zerstört mit Beißattacken Kabel im markierten Motorraum.



Was hilft wirklich gegen Marderbisse?

Wenn Du Spuren des kleinen Beißers unter der Haube entdeckst oder einen Marderbesuch vermutest, wasche das Auto. Dazu gehört eine gründliche Motorwäsche, denn dadurch entfernst Du die Duftmarken. Damit wird das Auto für andere Artgenossen unattraktiv. Das ist die einfachste und günstigste Marderabwehr.

Wenn schon Kabel sichtbar angeknabbert sind, solltest Du jedoch kein Wasser im Motorraum verteilen, sondern zuerst zur Werkstatt fahren. Die isolieren oder ersetzen die defekten Schläuche oder Kabel. Erst danach solltest Du eine intensive Motorwäsche durchführen.

Eine gute Marderabwehr ist eine Stromfalle. Dabei werden im Motorraum verschiedene Stellen unter Strom gesetzt, ähnlich wie bei einem Weidezaun auf einer Kuhwiese. Wenn der Marder die blanken Elektroden-Metallplatten berührt, erhält er einen leichten Stromschlag, erschrickt und haut ab – meist kommt er nicht wieder. Die speziellen Bausätze können leicht selbst montiert werden.

Schutz für Kabel

Wohnst Du in einer marderreichen Gegend, kannst Du die Kabel auch besonders schützen. Spezielle Ummantelungen aus Hartkunststoff für Kabel gibt es im Autofachhandel. Dieses sogenannte Wellrohr muss allerdings über alle zugänglichen Kabel gewickelt werden und darf sich an beweglichen oder heißen Teilen nicht verheddern. Wichtig: Die Ummantelung bringt nur etwas, bevor das erste Tier zugebissen hat. Wenn Du also aus der Nachbarschaft von häufigen Marderbissen hörst, sollte die Ummantelung der Kabel alsbald erfolgen.

Schutz für Schläuche

Ebenso lassen sich Schläuche schützen. Im Gegensatz zu Kabeln ist ein durchbissener Waschwasser-Schlauch aber weniger dramatisch. Er ist leicht zu ersetzen oder zu kleben. Anders sieht es bei den dicken Kühlschläuchen aus. Wenn der Marder diese durchgebissen hat und der Wasserkreislauf Wasser verliert, kann der Motor überhitzen und es entsteht ein teurer Motorschaden. Deshalb kann es sinnvoll sein, auch die dicken Kühlschläuche mit einer speziellen Ummantelung gegen Marderbisse zu verkleiden.

Schutz für Isoliermaterial

Dämmmaterial im Motorraum lässt sich weniger gut vor Marderbissen schützen. Es gibt zwar einige Mittel und Mittelchen wie ein spezielles, aromatisches Anti-Marder-Spray, die Wirkung ist aber umstritten. Ähnliche Effekte sollen Ultraschallgeräte besitzen. Sie senden ein hochfrequentes Signal ab, das für das menschliche Ohr nicht zu hören ist, den Marder aber empfindlich stört. 


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Weitere Tipps und Tricks

Im Netz kursieren viele Tipps und Tricks zur Marderabwehr und zu Marderschreck-Tests. Die gängigsten sind die oben beschriebenen Anti-Marder-Duftsprays und Anti-Marder-Ultraschallgeräte. Einige Experten empfehlen ein großes Stück Maschendrahtgeflecht zurechtzuschneiden und es unter die Motorhaube zu legen. Dadurch soll der Marder mit seinen empfindlichen Pfoten daran gehindert werden, in den Motorraum zu krabbeln.

Eine andere Art der Marderabwehr sind spezielle Motorraum-Abschottungen. Sie sollen verhindern, dass der Marder überhaupt in den Motorraum gelangt. Einige Zulieferer haben dafür passgenaue Systeme entwickelt.

Was nur schlecht als Marderabwehr funktioniert, sind hingegen Hausmittel wie

  • Haare aus dem Fell von Hunden und Katzen
  • Lavendel
  • WC-Steine
  • Mottenkugeln

Was zahlt die Versicherung?

Springt Dein Auto morgens nicht mehr an oder bleibt nach kurzer Fahrt liegen, musst Du es meist zur nächsten Werkstatt abschleppen lassen. Wenn Du Mitglied in einem Automobilclub bist, kostet Dich das meist nichts.

Für die anschließende Reparatur musst Du jedoch in der Regel selbst die Kosten tragen. Die meisten Kfz-Haftpflichtversicherungen schließen eine Schadens-Regulierung nach Marderbissen aus. Manche Teilkasko-Versicherungen bieten einen Marderschutz an und bezahlen im Rahmen der vereinbarten Deckungssumme den tatsächlich entstandenen Schaden, nicht jedoch mögliche Folgeschäden. Es kommt stark auf die Versicherung an. Wenn Du in einer Gegend mit vielen Mardern wohnst, solltest Du deshalb Deine Versicherungspolice genau lesen.


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