Winterreifenpflicht, Reifenwechsel, Tests

So findest Du den besten Winterreifen

Winterreifen erkennst Du mit einem Blick auf die Reifenflanke. Doch was macht einen guten Winterreifen aus? Tests helfen Dir bei der Wahl des besten Modells.

  • Sabine Stahl
  • Veröffentlicht am 08/30/2020, 01:45 PM
  • Aktualisiert am 09/14/2020, 05:44 PM
Nahaufnahme auf Vorderrad Winterreifen
Quelle: Picture Alliance Winterreifen fährt man optimaler Weise von Oktober bis Ostern

Reifen sind auf die jeweilige Jahreszeit abgestimmt und bieten nur in der passenden Saison den bestmöglichen Grip. Folglich muss jeder Autofahrer, der keine Ganzjahresreifen benutzt, seine Reifen rund um den Jahreswechsel tauschen. Was Du bei der Wahl des richtigen Winterreifens beachten musst, klärt dieser Ratgeber.

Wann die Winterreifenpflicht gilt: Recht in Deutschland

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt vor, dass Autofahrer bei winterlichen Straßenverhältnissen, also Schnee, Eis und Glätte, mit Winterreifen unterwegs sein müssen. Winterreifen wurden speziell für den Einsatz auf verschneiten oder vereisten Straßen entwickelt und tragen das Alpine-Symbol. Damit bieten diese Reifen bei entsprechender Witterung mehr Sicherheit als Sommer- oder Ganzjahresreifen.

Wer sich nicht an die Vorgabe hält, muss mit einem Bußgeld rechnen. Eine Fahrt unter winterlichen Bedingungen ohne entsprechende Reifen kostet 60 Euro Bußgeld. Doppelt so viel müssen Autofahrer bezahlen, wenn es zu einem Unfall kommt. Zudem erhalten sie einen Punkt in der Verkehrssünderkartei.

Winterreifen: Definition und Aufgaben

Winterreifen tragen eine Schneeflocke an der Reifenflanke, eingerahmt wird sie von einer Bergsilhouette. Dieses Piktogramm heißt Alpine-Symbol. Alle seit dem 1. Januar 2018 produzierten Winterreifen müssen mit diesem Zeichen ausgestattet sein. Das dient der Qualitätssicherung. Während Reifen mit dem älteren „M+S“-Symbol („mud and snow“) nicht nach einem einheitlichen Prüfverfahren getestet werden, müssen die Reifen mit Alpine-Symbol einen genormten Bremstest auf Schnee bestehen. Daher kannst Du bei Reifen ab 2018 sicher sein, dass sie den höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Ältere Winterreifen mit dem bekannten „M+S“-Zeichen dürfen aber weiterhin genutzt werden – und zwar bis September 2024.


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Wer im Winter bzw. bei Schnee, Matsch und Glätte mit dem Auto fährt, sollte Winterreifen nutzen. Sie sind auf ein Optimum an Sicherheit bei niedrigen Temperaturen abgestimmt. Das heißt: Ihr Profil, die Zahl der Lamellen und die Gummimischung sind speziell für kalte Temperaturen entwickelt worden. Die im Vergleich zu Sommerreifen weichere Gummimischung enthält meist mehr Kautschuk und sorgt bei Kälte und Frost für die bestmögliche Bodenhaftung. Zudem enthalten die Profilblöcke fünfmal so viele Lamellen wie Sommerreifen. Damit können sie sich besser im Schnee festkrallen. Das sorgt für gute Traktion und verkürzt die Bremswege. Umlaufende Längsrillen sorgen dafür, dass Schnee und Matsch schnell abgeleitet werden.

Wechsel auf Winterreifen: Der richtige Zeitpunkt

Faustregeln und Richtwerte für den Wechsel auf Winterreifen gibt es viele. Winterreifen fährt man von Oktober bis Ostern (O bis O), vom 1. November bis zum 1. April oder sobald die Eichhörnchen nach Vorräten suchen. Doch in Zeiten des Klimawandels schlägt das Wetter oft Kapriolen. Schwer berechenbare Witterungsverhältnisse untergraben die althergebrachten Reifenwechsel-Faustformeln.

Reifenwechsel zum Winterreifen
Quelle: Picture Alliance Fallen die nächtlichen Temperaturen stetig unter 7 Grad, sollte auf Winterreifen gewechselt werden

Das bedeutet: So einfach wie das doppelte O ist das Wechselspiel bei Winterreifen nicht mehr. Auch die StVO hilft an dieser Stelle nicht weiter, da die situative Winterreifenpflicht nicht an fixe Daten gekoppelt ist.  Stattdessen hilft ein Blick in den Wetterbericht. Fallen die nächtlichen Temperaturen regelmäßig unter sieben Grad, wird es Zeit für die Winterbereifung.

Winterreifen im Test

Objektive Tests von Winterreifen führen Verkehrsclubs wie der ADAC, Prüforganisationen wie die Dekra sowie Auto-Fachzeitschriften durch. Auch die Stiftung Warentest testet Winterreifen. In Winterreifentests werden verschiedene Modelle in unterschiedlichen Größen getestet, darunter bekannte Marken wie Michelin, Dunlop, Bridgestone, Pirelli, Goodyear, Continental, Nexen, Kumho und andere. Bei den meisten Winterreifentests liegt der Fokus auf der Messung des Bremswegs sowie auf dem Fahrverhalten bei Schnee und Nässe.

Bekannte Marken-Reifenhersteller bieten fast ausschließlich hohe Qualität, bei unbekannten Marken variiert diese stark – so lautet das Ergebnis der meist jährlich stattfindenden Winterreifentests. Der Unterschied liegt wie so oft im Detail. Aus diesem Grund können aktuelle Tests von Winterreifen vor allem dann helfen, wenn Du weißt, was Du suchst und welche Anforderungen Du an den Reifen stellst. Die Tests unterstützen Dich bei der Entscheidung: Denn Reifentester fahren verschiedene Reifen auf ein und demselben Auto, messen die Bremswege und bewerten das Fahrverhalten.

Test am Winterreifen
Quelle: Picture Alliance Einen guten Winterreifen zeichnen vor allem ein kurzer Bremsweg und optimaler Grip aus

Einen guten Winterreifen zeichnen vor allem zwei Dinge aus: ein kurzer Bremsweg bei allen Witterungsverhältnissen und ein optimaler Grip. Suche also einen Winterreifen mit optimalem Grip, bestem Bremsverhalten und guten Lenkeigenschaften aus. Entscheidend für einen guten oder einen sehr guten Winterreifen sind darüber hinaus folgende Eigenschaften:

  • Luftwiderstand
  • Trockenhaftung
  • allgemeine Fahrstabilität
  • Verhalten bei Aquaplaning
  • Bremseigenschaften bei schneebedeckter, vereister oder nasser Fahrbahn
  • Lebensdauer

Winterreifen im Test: Die Testsieger des ADAC 2019

Klein- bis Kompaktwagen (185/65 R15 T)

ModellPreis pro ReifenBewertung
Dunlop Winter Response 2ab 77,00 Eurogut
Kleber Krisalp HP 3ab 71,00 Eurogut
Pirelli Cinturato Winterab 74,00 Eurogut
Continental WinterContact TS860ab 79,00 Eurobefriedigend
Hankook Winter i*cept RS2ab 61,00 Eurobefriedigend
Michelin Alpin A4ab 81,00 Eurobefriedigend
Falken Eurowinter HS01ab 61,00 Eurobefriedigend
Vredestein Snowtrac 5ab 69,00 Eurobefriedigend
Goodyear UltraGrip 9ab 77,00 Eurobefriedigend
Nokian WR D4ab 69,00 Eurobefriedigend
Gislaved Euro*Frost 6ab 64,00 Eurobefriedigend
Kumho WP51 Wintercraftab 61,00 Eurobefriedigend
Viking WinTechab 60,00 Eurobefriedigend
Sava Eskimo S3+ab 62,00 Euroausreichend
Toyo Snowprox S943ab 63,00 Euromangelhaft
Davanti Wintourak. A.mangelhaft

Vans und Transporter (205/65 R16 C)

Modell Preis pro Reifen Bewertung 
Continental VanContactWinter       ab 147,00 Euro befriedigend 
Pirelli Carrier Winter ab 136,00 Euro befriedigend 
Michelin Agilis Alpin ab 151,00 Euro befriedigend  
Vredestein Comtrac 2 Winter ab 126,00 Euro ausreichend  
Goodyear Cargo UltraGrip2 ab 139,00 Euro ausreichend  
Falken Eurowinter Van01 ab 110,00 Euro ausreichend  
Bridgestone Blizzak W810 ab 131,00 Euro ausreichend  
Kumho ProTran CW51 ab 103,00 Euro ausreichend 
Matador MPS 530 Sibir Snow Van ab 106,00 Euro ausreichend 
Uniroyal Snow Max 2 ab 119,00 Euro  ausreichend 
Yokohama WY01 ab 115,00 Euro ausreichend 
Sava Trenta M+S ab 100,00 Euro mangelhaft  
BFGoodrich Activan Winter ab 119,00 Euro mangelhaft  
Goodride SW 612 ab 82,00 Euro mangelhaft  
Maxxis Vansmart Snow WL2 ab 102,00 Euro mangelhaft 

Darfst Du Winterreifen im Sommer fahren?

In Deutschland gibt es keine Sommerreifenpflicht. Das heißt: Autofahrer können das ganze Jahr über mit dicken Profilreifen durch die Gegend fahren und mit Winterreifen in den Sommerurlaub aufbrechen. Ganz legal. Auch wer im Sommer mit Winterreifen zum TÜV fährt, bekommt keinen Ärger. Doch ratsam ist dieses Verhalten nicht.

Schneekette wird angelegt
Quelle: Picture Alliance Bei Glatteis oder im Gebirge bewahren Schneeketten vor einem Stillstand oder dem Durchdrehen der Reifen

Der wichtigste Grund für den Verzicht auf Winterreifen im Sommer ist der längere Bremsweg bei sommerlichen Temperaturen. Bei Regen sind die Auswirkungen noch nicht so stark. Aber auf trockener Straße schlittern Pneus für den Winter je nach Temperatur und Verschleißzustand aus 100 km/h im schlimmsten Fall bis zu 16 Meter weiter als gute Sommerreifen. Dabei ist der Bremsweg umso länger, je mehr Profiltiefe die Winterreifen aufweisen und je wärmer es ist.

Das bedeutet, dass Winterreifen mit wenig Profil im Sommer besser bremsen als Winterreifen mit viel Profil. Im Vergleich zu Sommerreifen mit den gesetzlich vorgeschriebenen 1,6 Millimetern Mindestprofiltiefe ist der Bremsweg aber immer noch um rund fünf Meter länger. Das entspricht der Länge eines Oberklassefahrzeugs.

Außerdem verschleißen die weichen Winterreifen bei sommerlichen Temperaturen schneller und erhöhen den Treibstoffverbrauch – was auch die Kosten in die Höhe treibt. Nicht ganz unerheblich: Mit mangelnder Kurvenstabilität nimmt außerdem die Fahrsicherheit ab.

Ein Unfall mit Winterreifen im Sommer kann zu Problemen mit der Versicherung führen. Der Grund dafür ist eine eventuelle Mitschuld. Die Haftung wird in so einem Fall unter Umständen zwischen den Unfallbeteiligten aufgeteilt.


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Winterreifen im Sommer zu fahren ist schlecht, weil …

  • Grund 1: längerer Bremsweg auf trockener Fahrbahn
  • Grund 2: schnellerer Verschleiß bei höheren Temperaturen
  • Grund 3: schlechtere Fahreigenschaften vor allem in Kurven
  • Grund 4: generell schlechte Haftung in der warmen Jahreszeit
  • Grund 5: schlechtere Fahrstabilität bei hoher Beladung
  • Grund 6: höherer Verbrauch und höhere Kraftstoffkosten
  • Grund 7: in Italien Verbot bestimmter Winterreifen und Ganzjahresreifen
  • Grund 8: bei Unfall evtl. Ärger mit der Versicherung

Profiltiefe, Funktion, Sicherheit

Der Gesetzgeber in Deutschland schreibt für Reifen eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor. Dabei unterscheidet er nicht zwischen Sommer- und Winterreifen. Experten halten das für zu wenig – und das ganz besonders bei Winterreifen. Der ADAC empfiehlt eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern für Winterreifen.

Bei einem Test hat der Autoclub den Einfluss niedriger Profiltiefen auf die Leistungsfähigkeit von Reifen untersucht. Dafür wurden Winterreifen der Größe 185/60 R 14, die bei Schnee, Nässe und Glätte besonders auf die Verzahnung ihres Profils mit der Straße angewiesen sind, in drei unterschiedlichen Profiltiefen getestet: Im Neuzustand (etwa acht Millimeter Profiltiefe), mit 7,5 Millimetern und mit vier Millimetern Profiltiefe. Das Ergebnis des ADAC: Der Test belegt deutlich, welch großen Einfluss die Tiefe des Profils auf die Leistungsfähigkeit von Winterreifen hat.


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Das BMW 4er Coupé

Aus Drei mach Vier: 2013 ersetzt der 4er das BMW 3er Coupé.


-Neuer ReifenWinterreifen mit 7,5 mm RestprofilWinterreifen mit 4 mm Restprofil
Auf Schnee bremsen100 %97 %86 %
Zugkraft auf Schnee100 %60 %48 %
Aquaplaning100 %95 %73 %
Auf nasser Fahrbahn bremsen100 %103 %93 %
Trocken bremsen100 %106 %118 %

Schneeketten: Wann helfen sie Dir weiter?

Bei Neuschnee, einer Fahrt ins Gebirge oder bei Glatteis bewahren Schneeketten vor Stillstand oder dem Durchdrehen der Reifen. Wohnst Du in den Bergen oder in Regionen mit viel Schnee, dann solltest Du Dir rechtzeitig passende Schneeketten besorgen und diese immer dabeihaben. Denn Schneeketten helfen nur, wenn sich auch passen – zudem müssen sie für das Auto zugelassen sein. Schneeketten gehören auf die Reifen der Antriebsachse. Andernfalls bleibt die Wirkung bescheiden. Mit Schneeketten solltest Du nicht schneller als 50 km/h fahren.

In einigen, meist höher gelegenen Regionen herrscht Schneekettenpflicht. Diese erkennst Du an dem blauen Verkehrszeichen 268 (ein weißes Rad mit montierten Schneeketten). Wer trotz Schneekettenpflicht mit blanken Reifen unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von 20 Euro. In Österreich kostet die Missachtung mindestens 35 Euro, in der Schweiz mindestens 100 Franken.

Es existieren unterschiedliche Arten von Schneeketten. Günstig sind Seilketten. Sie werden im Stand montiert und mit einem Seilring auf der Innenseite des Rads geschlossen. Bügelketten sind teurer, aber einfacher zu montieren. Noch einfacher sind sogenannte Schnellmontageketten zum Aufstecken. Allerdings sind dafür häufig Adapter erforderlich, die vorher am Rad montiert werden müssen.

Bei der Wahl der richtigen Größe gilt folgende Regel: Die Reigengröße muss mit der Größe der Schneekette übereinstimmen. Die Reifengröße findest Du an der Flanke des Reifens. Sie besteht aus drei Zahlen, beispielsweise 205/55 R16.

Alle Infos zu Schneeketten inklusive Schneeketten-Test und Montageanleitung findest Du hier


Winterreifen, Reifenwechsel und Schneeketten

  • Nahaufnahme auf Vorderrad Winterreifen
    Quelle: Picture Alliance Winterreifen fährt man optimaler Weise von Oktober bis Ostern
  • Sicht auf Heck von Auto mit Fokus auf Hinterreifen
    Quelle: Picture Alliance Einen Winterreifen erkennst Du mit einem Blick auf die Reifenflanke - sie tragen eine Schneeflocke
  • Nahaufnahme auf Hinterrad vom Winterreifen
    Quelle: Picture Alliance Im Winter bei Schnee, Matsch und Glätte sollten Winterreifen zur Fahrt verwendet werden
  • Test am Winterreifen
    Quelle: Picture Alliance Einen guten Winterreifen zeichnen vor allem ein kurzer Bremsweg und optimaler Grip aus
  • Reifenwechsel zum Winterreifen
    Quelle: Picture Alliance Fallen die nächtlichen Temperaturen stetig unter 7 Grad, sollte auf Winterreifen gewechselt werden
  • Schneekette wird angelegt
    Quelle: Picture Alliance Bei Glatteis oder im Gebirge bewahren Schneeketten vor einem Stillstand oder dem Durchdrehen der Reifen