Bremsen im Notfall: Berechnen, Üben, Tipps

Gefahrenbremsung - Wie funktioniert sie richtig?

Reaktionsweg, Bremsweg und Anhalteweg. Wie war das noch mal in der Fahrschule mit der Gefahrenbremsung? Wir helfen Deinem Gedächtnis auf die Sprünge.

  • Fabian Hoberg
  • Veröffentlicht am 04/02/2020, 07:30 PM
Eine graue Mercedes A-Klasse bremst vor einem Fußgänger-Dummy.
Quelle: Daimler Notfallsituationen wie das plötzliche Queren eines Passanten können beim Fahrsicherheitstraining simuliert und geübt werden

Das Bremspedal mit voller Kraft bis zum Anschlag durchtreten – das nennt sich Gefahrenbremsung. Die sollte nicht nur jeder Autofahrer kennen, sondern auch im Pkw beherrschen. Im entscheidenden Moment kann sie Auffahrunfälle vermeiden und dadurch Leben retten. Wir erklären Dir die Unterschiede zwischen einer normalen Bremsung und der Gefahrenbremsung und sagen Dir, worauf es bei einer Gefahr wirklich ankommt.

Was ist eine Gefahrenbremsung?

Gefahrenbremsung, Gefahrbremsung, Notbremsung oder Vollbremsung: So nennt sich die Bremsart, bei der Du das Bremspedal bei möglichst schnell mit aller Kraft durchtrittst. Ziel ist es, dass alle vier Räder die bestmögliche Verzögerung erreichen – und das Auto in kürzester Zeit zum Stillstand bringen.

Wozu dient eine Gefahrenbremsung?

Eine Gefahrbremsung dient dazu, einen Zusammenstoß zu vermeiden und rechtzeitig das Fahrzeug zum Stehen zu bringen. Der Anhalteweg bis zum Stillstand errechnet sich im Übrigen aus dem Reaktionsweg und dem Bremsweg.


VW Golf 7
Der Golf 7

Der Klassenprimus unter den Kompakten: Der VW Golf VII.


Worauf kommt es bei der Gefahrbremsung an?

Um eine Vollbremsung mit einem möglichst kurzen Bremsweg hinzulegen, kommt es auf vier Dinge an:

  • Reaktionszeit/Reaktionsweg
  • Bremsdruck
  • Beschaffenheit der Straße
  • Reifen des Pkw

Je schneller Du auf das Bremspedal des Pkw trittst, umso schneller packen die Beläge in die Bremsscheibe. Mit einem zaghaften Drauftippen aufs Bremspedal ist es nicht getan. Um den vollen Bremsdruck zu erlangen, musst Du mit aller Kraft das Bremspedal durchtreten.



Damit die Bremskraft von der Bremse vollständig auf die Straße übertragen werden kann, sollten die Reifen des Fahrzeugs ausreichend Profil und den richtigen Luftdruck haben. Nur mit einem guten Bodenkontakt erzielt das Auto einen kurzen Bremsweg. Entscheidend dafür sind auch die Federn und Stoßdämpfer des Fahrzeugs. Denn sie sorgen dafür, dass das Auto auch bei Bodenwellen einen guten Kontakt zur Straße hält und dadurch sicher verzögern kann.

Jemand übt auf dem Gelände eines Fahrsicherheitszentrums in einem schwarzen Audi A3 eine Gefahrenbremsung.
Quelle: dpa / Picture Alliance Auf einem Fahrsicherheitsgelände kannst Du gefahrlos eine Vollbremsung üben - sodass Du im Fall der Fälle weißt, worauf es ankommt

Reaktionsgeschwindigkeit

Die Reaktionsgeschwindigkeit nennt man die Geschwindigkeit, mit der Du auf eine bestimmte Situation reagierst. Sie wird auch Reaktionszeit oder Vorbremszeit genannt. Sie beschreibt die Dauer von der ersten Intention zu bremsen, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem Du wirklich das Bremspedal durchtrittst. Sie setzt sich aus Reaktionszeit, Fußumsetzzeit, Ansprechzeit und halber Schwellzeit der Bremsanlage zusammen. Die Reaktionszeit liegt bei rund 0,1 Sekunden, die Umsetzzeit beträgt rund 0,8 Sekunden. Bis Dein rechter Fuß das Bremspedal erreicht und die Bremse tatsächlich packt, vergeht also rund eine Sekunde.

Bremsweg Faustformel

Um den Bremsweg und den viel entscheidenderen Anhalteweg zu berechnen, gibt es eine Faustformel. Der Anhalteweg ist die Strecke, die das Auto zurücklegt, nachdem der Fahrer die Bremssituation erkannt hat.

Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h liegt nur der Reaktionsweg bei 15 Metern (50:10 x 3 = 15 Meter). Das ist die Strecke, in der das Auto ungebremst weiterfährt, bevor die Bremse anspricht.

Der danach beginnende Bremsweg beträgt nach der alten Faustformel in etwa 25 Meter (50:10 x 50:10 = 25 Meter). So ergibt sich der Anhalteweg aus 50 km/h von 15+25 Meter = 40 Meter. Moderne Autos bremsen zwar deutlich besser, aber der Reaktionsweg bleibt natürlich immer gleich.  Selbst wenn ein modernes Fahrzeug also statt 25 Meter "nur" 15 Meter Bremsweg benötigt, ergibt sich ein Anhalteweg von 15+15 = 30 Metern bei Tempo 50. 


Duster
Bei diesen SUV schieben alle vier Räder

• robust
• hochbeinig
• mit Allrad


Entscheidend bei der Berechnung sind aber neben der Reaktionszeit und dem Bremsdruck auch der Zustand des Fahrzeugs inklusive Reifen und Bremsen sowie der Zustand der Straße.

Ein BMW X5 bremst hinter einem BMW 5er bis zum Stillstand ab.
Quelle: BMW Je schneller Du auf das Bremspedal trittst, umso schneller packen die Beläge in die Bremsscheibe

Lernst Du die Gefahrenbremsung in der Fahrschule?

Im Fahrschulunterricht zählt die Vollbremsung zum Ausbildungsinhalt. In der Regel lernst Du diese Technik in der Theorie und in der Praxis. Bei der eigentlichen Fahrprüfung wird die Gefahrenbremsung nur selten getestet – es sei denn, es droht ein Zusammenstoß.



Weitere Tipps und Tricks

Eine Gefahrbremsung solltest Du beherrschen. Sie kann in Gefahrensituationen Leben retten. Auch wenn Du diese Bremsart in der Fahrschule gelernt hast, solltest Du sie mit Deinem eigenen Auto üben. Denn jedes Fahrzeug reagiert anders. Wichtig bei der Power-Bremsung ist zuerst die richtige Sitzposition. Stell den Sitz so ein, dass Du mit dem rechten Bein das Bremspedal fast durchtreten kannst.

Zum Üben reicht eine niedrige Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h. Stell dabei sicher, dass hinter Dir kein Auto fährt. Am besten übst Du die Notbremsung auf einem verlassenen Parkplatz. Wichtig ist das schnelle und heftige Durchtreten des Bremspedals. Nach der Bremsung solltest Du das Bremspedal wieder lösen. Denn die Bremse wird sehr heiß und benötigt eine Abkühlung.

Gefahrenbremsungen und viele weitere Praxis-Tipps zum Verhalten in Gefahrsituationen lernst Du beim Fahrsicherheitstraining, das zum Beispiel von Automobilclubs angeboten wird.


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