Chrysler 300C - Mercedes S 350, W221

Chrysler 300C - Mercedes S 350, W221

Familienstreit

Kann der aufstrebende Chrysler 300C wirklich am Thron der Mercedes S-Klasse kratzen?

19. Januar 2005

Angesichts seiner Dimensionen passt der Chrysler 300C allein in die Luxusklasse. Bei seinem selbstbewussten Auftritt sieht selbst die Mercedes S-Klasse aus wie ein aufgeblasenes Mittelklassemodell. Mit einem Dieselmotor ist der 300C erst ab Herbst zu bekommen. Daher erscheint die 3,5-Liter-Variante als gute Wahl, sich mit einem S 350 von Mercedes zu messen.

Preiswelten

Egal, ob Chrysler oder Mercedes. Hüben wie drüben gibt es Platz für fünf Personen, jede Menge Gepäck und gigantischen Reisekomfort. Hier ist der 300C ordentlich und der S 350 setzt Maßstäbe. Der Sitzkomfort ist beim Stuttgarter deutlich größer. Die Sitze lassen sich besser verstellen. Hinten ist der Unterschied noch größer.

Beim Preis fahren Chrysler 300C und Mercedes S 350 in anderen Dimensionen. Der 300C 3.5 kostet mit Komplettpaket gerade einmal 38.600 Euro. Der S 350 startet bei 64.902 Euro. Über 26.000 Euro Unterschied sind eine Menge Geld - da ist fast noch eine C-Klasse zusätzlich drin. Auffälliger jedoch, dass viele standesgemäße Optionen beim Chrysler 300C überhaupt nicht in der Preisliste stehen.

Keyless Entry, Sitzlüftung, Sitzheizung hinten, elektrisches Heckrollo, TV-Empfang oder Dämmglas - ebenso Fehlanzeige wie eine elektrische Kofferraumbedienung. Beim Amerikaner gibt es noch nicht einmal einen Griff, der einem dreckige Finger erspart.

S 350 deutlich vorn

Beim Antrieb sind die Unterschiede deutlich kleiner: Der 300C wird von einem 3,5-Liter-V6-Aggregat mit 183 kW/249 PS angetrieben. 340 Nm Maximaldrehmoment bei 3.800 U/min sorgen ebenso für einen souveränen Vortrieb wie der 3,8-Liter-Motor des Benz. Der V6 leistet hier 180 kW/245 PS und 350 Nm ab 3.000 U/min.

Besonders die antiquierte Viergangautomatik lässt den 1,8 Tonnen schweren Chrysler lahmen. 0 auf 100 km/h in 9,2 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von 220 km/h sind angesichts der Motorleistung schlechte Werte. Immerhin hält sich der Durchschnittsverbrauch mit gut elf Litern auf 100 km in Grenzen.

Die Fahrleistungen des knapp 1,9 Tonnen schweren S 350 dagegen sind eine Statement. 0 auf 100 km/h in 7,6 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von knapp 250 km/h spielen in einer anderen Liga - dabei ist der 350er das Basismodell. Der versprochene Durchschnittsverbrauch von ebenfalls 11,1 Litern Super auf 100 km lag beim Test jedoch in weiter Ferne. Unter 12,5 Litern ist selbst bei zurückhaltendem Gasfuß kaum etwas zu machen.

Wie eine Sänfte

Beim Fahrwerk sind die Unterschiede deutlich geringer. Komfortreferenz ist der S 350 mit seiner Luftfederung, bei der man per Knopfdruck die Dämpfereinstellung wählen kann - von sportlich bis schweben. Der Federungskomfort setzt nach wie vor Maßstäbe und die Innengeräusche sind kaum hörbar. Einziger Makel ist die zu schwammige Lenkung, die eher von behandschuhten Chauffeurhänden als von willigen Fahrdynamikern träumt.

Anders sieht es beim Chrysler aus. Auch der 300C ist eine sanfte Reiselimousine, fährt sich jedoch eine ganze Ecke sportlicher als der Mercedes. Die Hinterachse zeigt sich ruppig.

Sieg für Stuttgart

Betagt, doch ein absoluter Sieger. Der Chrysler 300C hat keine Chance gegen die Mercedes S-Klasse. Die nahezu perfekte Mercedes S-Klasse bekommt Ende des Jahres einen Nachfolger, der in der Luxusklasse wiederum Maßstäbe setzen wird.

Der Chrysler 300C ist besonders durch sein grandioses Preis-Leistungs-Verhältnis eine Alternative und eine sinnvolle Ergänzung innerhalb der Produktpalette des DaimlerChrysler-Konzerns. Er ist auch Monate nach seiner Markteinführung noch immer ein Hingucker; ein paar Schwächen muss man dafür in Kauf nehmen.

Stärken

 
Mercedes:
  • exzellente Verarbeitung
  • gute Serienausstattung
  • sehr gute Fahrleistungen
  • Wertstabilität
Chrysler:
  • sehr gutes Preis-Wert-Verhältnis
  • gute Serienausstattung
  • extravagantes Design

Schwächen

 
Mercedes:
  • hoher Preis
  • hoher Verbrauch
  • schwache Lenkung
Chrysler:
  • schlechte Automatik
  • viele wichtige Extras fehlen
  • hoher Wertverlust
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff