Der Honda Jazz bleibt Platz-König

Der Honda Jazz (2020) im Test

Ein Kleinwagen, in den viel reinpasst und der klug fährt: Der Honda Jazz bietet Platz wie ein Kompakter und einen genialen Antrieb. Erste Fahrt im Jazz 2020.

  • Constantin Bergander
  • Veröffentlicht am 06/16/2020, 03:46 PM
Zu sehen ist der Honda Jazz, fahrend
Quelle: Honda Der Jazz bewegt sich in den meisten Fällen elektrisch. Sein Verbrenner erzeugt mit einem Generator Strom

Sein Name ist irreführend. Hondas Kleinwagen Jazz hat nichts mit emotionaler, improvisierter Musik zu tun. Eher mit trockener Berechnung: Seine Kunst ist die der Ingenieure. Die Köpfe hinter dem Auto rücken die segmenttypischen Elemente durcheinander. Heraus kommt ein Vier-Meter-Auto, das mehr Platz bietet als mancher Kompakter und variabler ist als alle seine Konkurrenten.

Zu sehen ist der Honda Jazz von vorne
Quelle: Honda Der Honda Jazz ist außen klein, innen groß und sparsam: Generation vier fährt mit einem Vollhybrid

Das ist seit 2001 die Kerneigenschaft des Honda Jazz. Wie sein Vorgänger streckt sich Generation vier nach oben. Sein Dach spannt sich auf gut 1,50 Metern Höhe. Dass er VW Polo, Opel Corsa und Ford Fiesta deutlich überragt, sieht man ihm nur an, wenn er direkt neben ihnen parkt. Aber man spürt es, wenn man drinsitzt. Und man blickt auf ein komplett neues, deutlich verbessertes Cockpit – eine große Schwäche des Vorgängers. 


Raum-Riese Honda Jazz

Viel Platz auf wenig Fläche


Der Honda Jazz (2020) in Kürze 

  • Vierte Generation des Kleinwagens
  • Großer Kofferraum mit fast ebenem Boden 
  • Clever umklappende Rücksitzbank („Magic Seats“) 
  • Viel Platz für vier Erwachsene 
  • Nur ein Motor: Hybrid-Benziner mit 109 PS 
  • Kein klassisches Getriebe 
  • Geringer Verbrauch 
  • Sanftes Fahrwerk und leichtgängige Lenkung 

Viel Platz im Honda Jazz 

Die große Stärke des Honda Jazz ist der Platz im Heck. Honda gibt 304 Liter Volumen an, misst aber konservativ – tatsächlich wirkt der Kofferraum größer. Dabei ist er kleiner als beim Vorgänger: Die Traktionsbatterie des Hybridantriebs sitzt unter dem Boden und erzeugt eine kleine Stufe – der einzige Makel im Heck. Klappt man die Lehne der Rückbank um, rutschen die Sitzflächen eine Etage tiefer. Dadurch entsteht eine (bis auf die Batterie-Stufe) ebene Ladefläche. Honda nennt das „Magic Seats“. 

Alternativ lassen sich die Sitzflächen im Fond nach oben falten, ähnlich wie bei klassischen Kinositzen. Dann passt zum Beispiel ein kleines Fahrrad hinter die Vordersitze – oder der Einkauf, den man doch nicht im Kofferraum verstaut, weil es so bequemer ist. Der Jazz lässt so viel Spielraum zu, weil das Benzin nicht unter der Rückbank lagert. Der Tank befindet sich unter den Vordersitzen. 

Zu sehen ist der Honda Jazz von hinten, fahrend
Quelle: Honda Seine Höhe sieht man ihm nicht an: Der Jazz misst 1,53 Meter in der Höhe

Dank der Höhe des Jazz spürt man davon nichts. Große Menschen haben genug Platz im Auto. Nur hinten wird es am Schopf eng, wenn der Rücken gerade bleibt. Das ist der Dachlinie geschuldet, der Jazz soll nicht zu sehr nach Micro-Van aussehen. Halb so wild: Der Platz an den Knien genügt, um in der zweiten Reihe gemütlich mit dem Hintern nach vorn zu rutschen und sich nicht am Dachhimmel zu reiben. Vier Erwachsene finden im Jazz also bequem Platz. Ein fünfter müsste sehr kompromissbereit sein. 



Das Jazz-Cockpit wird 2020 schöner 

Für einen Kleinwagen ist das große Klasse, nur eben nicht für den Honda Jazz: Sein Vorgänger kann all das genauso gut, an der einen oder anderen Stelle sogar ein bisschen besser. Das 2020er-Modell zeigt also alte Tricks. Es gibt Schlimmeres, denn viel praktischer kann man im Segment nicht unterwegs sein. 

Echte Neuerungen gibt es weiter vorn. Honda räumt das Cockpit des Kleinwagens gründlich auf, gestaltet die Materialien schöner und kümmert sich um die Funktionalität. Der Kunststoff fasst sich an vielen Stellen angenehm an. Je nach Ausstattung setzt der Hersteller hübsche Spangen oder Stoffbezüge auf dem Armaturenbrett ein. Das sieht schick aus und fühlt sich hochwertig an.

Zu sehen ist der Innenraum des Honda Jazz
Quelle: Honda Die Sitze des Honda Jazz bekommen eine bessere Polsterung

Ein übersichtliches Display ersetzt die alten Rundinstrumente. Der Touch-Bildschirm des Infotainmentsystems sitzt höher und bekommt eine Stütze für die Hand. Wichtige Bedienelemente wie die Klima-Steuerung verschwinden nicht in Untermenüs. Trotzdem wirkt das Armaturenbrett jetzt übersichtlicher. 

Besonders schön: Der Jazz trägt nicht den wilden Materialmix wie zum Beispiel Civic und CR-V. Die Steuerelemente im Kleinwagen fühlen sich solide und durchdacht an. Die Tasten sitzen an den richtigen Stellen und klicken fein. Das Infotainment ist übersichtlich gestaltet, die Menüs sind logisch angeordnet und lassen sich ohne große Aufmerksamkeit bedienen. Vor allem funktioniert die Bedienung schneller als im Vorgänger. 

Zusätzlich installiert Honda viel Assistenz im Kleinwagen. Pflicht (Spurhalteassistent, Kollisionswarner, Fußgängererkennung, Verkehrszeichenerkennung) und Kür (Abstandstempomat) gibt es im Basis-Jazz serienmäßig. Toter-Winkel-Warner und Parkhilfen kommen in teureren Varianten hinzu.  


VW Polo edited
VW Polo

Der kleine Bruder des Golf rollt seit 45 Jahren in Wolfsburg vom Band.


Im Jazz arbeitet ein sparsamer Vollhybrid 

Egal, welche Ausstattung im Jazz steckt: Honda bietet den Kleinwagen wieder nur mit einem Antrieb an. Der 2020er Jazz fährt in allen Varianten mit einem Vollhybrid. Er leistet 109 PS und 253 Newtonmeter Drehmoment. Das damit verbundene und unangenehme Hybrid-Jaulen unterbindet der Jazz, indem er Gangstufen simuliert: Die Drehzahl steigt bei voller Beschleunigung an und fällt wieder ab, um danach erneut zu steigen. Eine Komfort-Funktion für europäische Ohren. Natürlich hört man dem Antrieb seine Technik trotzdem an. 

Zu sehen ist die Front des Honda Jazz
Quelle: Honda Die Ausstattung Crosstar basiert auf der voll ausgestatteten „Executive“-Variante

Die ist besonders. Der Honda Jazz fährt ganz ohne klassisches Getriebe. Der Verbrenner erzeugt über einen Generator Strom. Ein Elektromotor treibt mit diesem Strom die Vorderräder an. Der Jazz fährt also in erster Linie elektrisch. Nur bei höherem Tempo mischt sich der Benziner direkt in den Antrieb ein. Seine Verbindung entspricht einem fest eingelegten, hohen Gang. Eine ähnliche Technik gibt es in Honda CR-V, im Mitsubishi Outlander und dem Hypersportler Koenigsegg Regera.  

Beim flotten Überholen hält der Motor eine konstant hohe Drehzahl. Volllast kommt in einem Kleinwagen ohne sportlichen Anspruch aber selten vor. In den meisten Situationen bleibt der Verbrenner ruhig. Man muss innerorts schon genau auf das „EV“-Symbol im Tacho achten, um zu erkennen, ob der Benziner läuft oder die (Drossel)klappe hält. Nach unserer Testfahrt mit zügigen Autobahn-Etappen zeigt der Bordcomputer einen Verbrauch von etwas mehr als fünf Litern an. 

So richtig schnell wird der Jazz mit dem Antrieb nicht. Aber spritzig und flott genug. Er spricht direkt an und liefert mehr Drehmoment, als die Geräuschkulisse vermuten lässt. Der Kleinwagen sprintet in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 und läuft 175 km/h Spitze. Auto und Motor kommen mit hohem Tempo erstaunlich gut zurecht. Er verhält sich auf dem Weg zur Höchstgeschwindigkeit stabil und sicher. 

Zu sehen ist der Honda Jazz in seitlicher Position
Quelle: Honda Der Jazz Crosstar fährt mit mehr Bodenfreiheit, einer Dachreling und Kunststoff an den Radläufen

Dennoch klammert Honda den Sport komplett aus. Der Jazz ist auf Bequemlichkeit getrimmt. Seine Lenkung arbeitet leichtgängig, das Fahrwerk federt sanft. Die Federn fangen Unebenheiten fast komplett ein, die neue Sitzpolsterung schleift die letzten Kanten aus der Bewegung. In Kurven neigt sich der Jazz ordentlich, bleibt aber sicher. 



Hoher Einstieg mit guter Ausstattung: Honda Jazz ab 22.000 Euro 

Der neue Honda Jazz übernimmt die Stärken seines Vorgängers und bessert dessen Makel aus: Das Armaturenbrett wird hübscher und hochwertiger, die Bedienung funktioniert einwandfrei. Der Jazz kommt mit viel Platz, dem wohl praktischsten Innenraum im Segment, einem übersichtlichen sowie funktionalen Cockpit und einem modernen, sparsamen Antrieb. Seine Höhe versteckt er geschickt im Design. 

Zu sehen ist das Touch-Display des Honda Jazz
Quelle: Honda Das Neun-Zoll-Infotainment gibt es beim Honda Jazz ab der zweiten Ausstattungsvariante

Honda spart sich eine günstige Basisversion. Der 2020er-Jazz steigt hoch ein: Mit Grundausstattung („Comfort“) kostet der Kleinwagen 22.000 Euro. Ganz schön teuer, denn die meisten Kompakten starten günstiger. Autos im gleichen Segment sowieso: Ein VW Polo kostet mindestens 14.860 Euro, ein Opel Corsa 14.365 Euro, ein Ford Fiesta 13.450 Euro. Aber die fahren mit weniger Ausstattung und ohne Hybrid vor. 

Im Jazz gibt es serienmäßig viele Assistenten, zehn Airbags, LED-Lampen rundum, Radio mit Fünf-Zoll-Display und Freisprecheinrichtung, Sitzheizung, Klimaautomatik und die variable Rückbank, außerdem den sparsamen Antrieb. Für 1.050 Euro kommen in „Elegance“ Parkhilfen, Alufelgen und ein größeres Infotainment dazu. Abseits der Pakete gibt es kein Spiel in der Ausstattung, nur Farbe, Polster und Garantie sind variabel. 

Die Spitzenausstattung („Executive“) bringt für 24.650 Euro etwas mehr Klasse in den Kleinwagen. Navi, mehr Assistenz und 16-Zoll-Alufelgen? Sind dabei. Auf dieser Ausstattung aufbauend bietet Honda den Jazz in der Variante Crosstar. Die soll ein bisschen an ein SUV erinnern. Sie erhält einen Hauch mehr Bodenfreiheit, schwarzen Kunststoff für die Radläufe, eine Dachreling und abwaschbare Sitzbezüge. Die Spitzenversion kostet 26.250 Euro. 

Zu sehen ist das Lenkrad des Honda Jazz
Quelle: Honda Honda überarbeitet den Innenraum des Jazz gründlich. Das Cockpit wird hübsch und übersichtlich

Fahrerisch macht das – abgesehen von einem etwas höheren Normverbrauch – keinen Unterschied. Aber so wirkt der Jazz ein bisschen weniger ausgerechnet. Beide Varianten sind bereits erhältlich. Sie sollen zukünftig stärker bei Honda mitmischen: Der Hersteller hofft, dass der Kleinwagen bald ein Drittel seiner Verkäufe in Deutschland ausmacht. Die Chancen stehen gut: Alte Jazz-Generationen glänzen laut TÜV-Report in den meisten Kategorien. 

Honda Jazz 2020: Technische Daten 

Modell Honda Jazz Executive 
Motor 1,5-Liter-Saugbenziner, Elektromotor, Generator 
Leistung 109 PS (80 kW)  
Drehmoment 253 Nm  
Antrieb Vollhybrid, kein klassisches Getriebe, feste Übersetzung zwischen Verbrenner und Achse 
0-100 km/h 9,5 s  
Geschwindigkeit 175 km/h  
Verbrauch 4,6 l/100 km (WLTP) 
CO2-Ausstoß 104 g/km  
Länge 4.044 mm  
Breite 1.966 mm (inkl. Außenspiegel) 
Höhe 1.526 mm  
Radstand 2.517 mm  
Leergewicht 1.300 kg  
Kofferraumvolumen 304-1.205 l  
Preis Honda Jazz 22.000 Euro, Jazz Executive: 24.650 Euro  

Der Honda Jazz in Bildern

  • Zu sehen ist der Honda Jazz von vorne
    Quelle: Honda Der Honda Jazz ist außen klein, innen groß und sparsam: Generation vier fährt mit einem Vollhybrid
  • Zu sehen ist der Honda Jazz, fahrend
    Quelle: Honda Der Jazz bewegt sich in den meisten Fällen elektrisch. Sein Verbrenner erzeugt mit einem Generator Strom
  • Zu sehen ist der Honda Jazz von hinten, fahrend
    Quelle: Honda Seine Höhe sieht man ihm nicht an: Der Jazz misst 1,53 Meter in der Höhe
  • Zu sehen ist der Kofferraum des Honda Jazz
    Quelle: Honda Der Kofferraum des Jazz: 304 Liter Volumen, niedrige Ladekante und gute Raumausnutzung
  • Zu sehen ist der Kofferraum des Honda Jazz
    Quelle: Honda Viel Platz im Kleinwagen: Abgesehen von der Batterie-Stufe ist der Ladeboden des Honda Jazz so eben wie ein Topf
  • Zu sehen ist der Innenraum des Honda Jazz
    Quelle: Honda Die Sitze des Honda Jazz bekommen eine bessere Polsterung
  • Zu sehen ist das Lenkrad des Honda Jazz
    Quelle: Honda Honda überarbeitet den Innenraum des Jazz gründlich. Das Cockpit wird hübsch und übersichtlich
  • Zu sehen ist das Touch-Display des Honda Jazz
    Quelle: Honda Das Neun-Zoll-Infotainment gibt es beim Honda Jazz ab der zweiten Ausstattungsvariante
  • Zu sehen ist die Rückbank des Honda Jazz
    Quelle: Honda Praktisch: Die Sitzflächen der Rückbank klappen nach oben. Honda nennt die Stühle „Magic Seats“
  • Zu sehen sind zwei Honda Jazz Fahrzeuge
    Quelle: Honda Der Honda Jazz startet bei 22.000 Euro. Der Jazz Crosstar kostet 26.250 Euro
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    Quelle: Honda Die Ausstattung Crosstar basiert auf der voll ausgestatteten „Executive“-Variante
  • Zu sehen ist der Honda Jazz in seitlicher Position
    Quelle: Honda Ausstattungsvariante: Als Crosstar sieht der Jazz nach Gelände aus. Dabei bleibt es aber
  • Zu sehen ist der Honda Jazz in seitlicher Position
    Quelle: Honda Der Jazz Crosstar fährt mit mehr Bodenfreiheit, einer Dachreling und Kunststoff an den Radläufen