Der Combo von Toyota

Toyota Proace City Verso im Test

Wer wirklich Platz für die Familie braucht: Hochdachkombis wie der Toyota Proace City Verso erfordern leichte Abstriche beim Komfort, bieten aber jede Menge Platz.

  • Veröffentlicht am 02/27/2021, 07:15 AM
Toyota Proace City Verso Dreiviertel-Frontansicht
Quelle: Toyota Verso ist bei Toyota der Zusatz für die Pkw-Versionen des Proace. Die Nutzfahrzeuge kommen ohne den Nachnamen aus

Klassische Vans sind selten geworden, ihre Rolle als variable Familientransporter nehmen vielfach Hochdachkombis ein. Toyota macht da keine Ausnahme: Der Van Verso wird nicht mehr angeboten, als inoffizieller Nachfolger steht stattdessen der Proace City Verso beim Toyota-Händler. Wem er bekannt vorkommt, der hat nicht ganz Unrecht: Der Toyota-Hochdachkombi im Caddy-Format entstammt einer Kooperation mit PSA. Technisch entspricht das Auto weitgehend Peugeot Rifter, Opel Combo Life und Citroen Berlingo. Im Vergleich zu diesen wirkt der Toyota jedoch seitlich sachlicher. Die Japaner sparen sich Zierelemente im Offroad-Look genauso wie ausgefallene Lackfarben und setzen lieber auf Understatement.


Autosaxe222
Toyota Proace

Mit dem Proace Verso hat Toyota einen vielseitigen Van im Angebot.


Karosserie und Innenraum: Nutzwert zuerst

Der Anspruch, den ein Hochdachkombi erfüllen muss, ist: maximale Variabilität und Raumausnutzung bei annehmbaren Fahr- und Komforteigenschaften. Beim ersten Kriterium hilft dem Toyota seine Nutzfahrzeug-Abkunft. Toyota bietet das Modell in zwei Längen und mit einer Vielzahl von Innenausbauten an: Der Testwagen kommt in der Länge L2 (4,75 Meter) mit gestrecktem Radstand und siebensitziger Bestuhlung. Alternativ bieten die Japaner einen Fünfsitzer in gleicher Länge an. Die Kurzversion (4,40 Meter) kann ebenfalls mit fünf oder sieben Sitzplätzen bestellt werden. Mit voller Bestuhlung verbleibt allerdings kein nennenswerter Restkofferraum.

Beim Testwagen ist das nicht so: Der lange Siebensitzer schluckt auch bei voller Bestuhlung noch genug Gepäck für den Alltag, nur für die Ferienreise wird es etwas knapp. Die Sitze in der dritten Reihe lassen sich schnell und mit geringem Kraftaufwand demontieren, dann darf sogar etwas mehr Gepäck mit. Wer zusätzlich die Lehnen der drei Einzelsitze in Reihe zwei und die Lehne des Beifahrersitzes umklappt, kann sogar Gegenstände mit 3,50 Metern Länge in den Proace City Verso laden.

Das ist noch nicht alles: Wer nur Kleinkram einladen will, kann ihn direkt durch das separat aufklappbare Heckfenster ins Auto schieben. Der Einstieg über die Seite erfolgt durch Schiebetüren. Um in die dritte Reihe zu gelangen, müssen die Passagiere an der zweiten Sitzreihe vorbeiklettern. Nach dem Einstieg finden aber selbst großgewachsene Passagiere in der dritten Reihe genug Platz vor. Auf den optionalen drei Einzelsitzen in Reihe zwei finden drei Kindersitze nebeneinander Platz. Vorne sitzen Fahrer und Beifahrer zwar etwas aufrecht, dafür aber mit gutem Überblick über Auto und Verkehrsgeschehen.

Toyota Proace City Verso Cockpit
Quelle: Toyota Der Innenraum des Proace City Verso kann seine Nutzfahrzeug-Herkunft nicht verleugnen

Material und Verarbeitung

Der Innenraum des Proace City Verso kann seine Nutzfahrzeug-Herkunft nicht verleugnen, aber: Toyota, bzw. PSA, tut einiges für eine gefällige Anmutung. Mit dem freistehenden Monitor (ab der Ausstattung „Shuttle“) und ein wenig Chromverzierung wirkt das Cockpit durchaus Pkw-gemütlich, auch wenn die einfachen Plastik-Oberflächen dann doch eher an einen Kleinlaster erinnern.

Bei der Funktionalität erfordert der Proace City Verso dagegen keinerlei Abstriche: Der Schalt- beziehungsweise Automatikwählhebel (in diesem Fall eher eine Scheibe) lässt sich gut erreichen und liegt angenehm in der Hand, auch Touchscreen und Klimaregelung sind gut erreichbar. Ein Vorteil des weitläufigen Cockpits: Rund um die Mittelkonsole ist viel Platz, den die Innenausstatter für eine Vielzahl gut dimensionierter Ablagen nutzen – inklusive eines doppelten Handschuhfachs. In der Türverkleidung ist problemlos Platz für eine Eineinhalb-Liter-Flasche. Gegen Aufpreis steckt zudem ein geräumiges Stausystem für den Dachhimmel im Auto, fest genug montiert für Klimmzüge und geräumig genug für Laptop-Taschen und Co.


PB Peugeot Rifter Seitenansicht
Der Peugeot Rifter L2

Als Rifter L2 ist eine 35cm längere Version des Vans erhältlich.


Motor und Fahreigenschaften

Eine auf hohe Zuladung ausgelegte Basis so abzustimmen, dass sie bei den Fahreigenschaften mit einer Limousine mithalten kann, ist nicht einfach. Hier erfordert der Proace City Verso entsprechend kleine Abstriche. Vor allem die Geräuschdämmung fällt gegenüber klassischen Pkw-Vans ab. Das Fahrwerk dagegen stimmen die Ingenieure überraschend weich ab, es erlaubt auch unbeladen merkliche Karosseriebewegungen. Vor allem bei langsamer Fahrt auf schlechter Straße gerät der Aufbau so gelegentlich ins Schaukeln. Auf der Autobahn überzeugt der gemütliche Charakter dagegen. Dazu passt, dass der 130 PS starke 1,5-Liter-Diesel eher geruhsam zu Werke geht und nur wenig Anlass zur Nervosität bietet.

Dabei kann die sanfte, komfortable Achtgangautomatik bei Bedarf durchaus zackig herunterschalten und so mehr Durchzug für Zwischensprints bereitstellen. Wunder sind dennoch nicht zu erwarten, der Proace City Verso erreicht Tempo 100 aus dem Stand nach 11,1 Sekunden. Bis zur Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h vergeht im Hochdachkombi eine gefühlte Ewigkeit. Dafür überrascht der Verbrauch durchaus angenehm, gemessen an Gewicht, Stirnfläche und Größe des Hochdachkombis. Rund 5,8 Liter Dieselkraftstoff verbraucht der Vierzylinder aus dem PSA-Baukasten im Schnitt auf 100 Kilometer.

Toyota Proace City Verso Dreiviertel-Heckansicht
Quelle: Toyota Klappt man die Rücklehnen um, passen sogar Gegenstände mit 3,50 Metern Länge in den Proace City Verso

Preise und Fazit 

Preislich ordnet sich der Toyota Proace City Verso eher im günstigen Bereich des Segments ein, auch verglichen mit seinen Schwestermodellen. 20.810 Euro kostet die sehr schlicht ausgestattete „Combi“-Variante mit 110 PS starkem 1,2-Liter-Benziner: Immerhin Klimaanlage und Basis-Radio stecken bereits drin. Smartphone-Vernetzung gibt es erst eine Stufe höher in der Ausstattung „Shuttle“ (ab 22.170 Euro). Zum gut ausgestatteten Familienauto wird der Proace als „Team Deutschland“-Modell für 26.340 Euro. Dann zählen Leichtmetallfelgen, Rückfahrkamera, Dachreling und Klimaautomatik zur Ausstattung.

Die längere Version L2 kostet mindestens 22.650 Euro für das Basismodell, in den höheren Ausstattungslinien schrumpft der Aufpreis gegenüber dem L1-Modell tendenziell etwas. Die Preise für den L2-Testwagen mit dem 130 PS starken Diesel, Automatik und „Shuttle“-Ausstattung starten bei 27.650 Euro. Wer bei Antrieb und Ausstattung zur Vollausstattung greift, kann beim Toyota-Händler einen Listenpreis von fast 40.000 Euro erreichen. Viel Geld, aber immer noch deutlich günstiger als ein vergleichbar ausgestatteter Van der VW-Sharan- oder Ford-Galaxy-Liga. 

Im Gegenzug erfordert der Toyota Proace City Verso leichte Abstriche bei Komfort und Ambiente, bietet dafür aber das gewisse Extra bei der Innenraum-Variabilität. Auf viel muss die Familie an Bord damit verglichen nicht verzichten. Fahrspaß und Fahrleistungen können nicht ganz mithalten – sind aber auch für einen großen Van in der Regel nicht der erste Kaufgrund.   


Ford Galaxy
Der Ford Galaxy

Der Ford Galaxy bietet viel Platz für einen überschaubaren Preis.


Toyota Proace City Verso L2 Technische Daten   
Länge 4,75 Meter
Breite 1,85 Meter
Höhe 1,86 Meter
Radstand 2,96 Meter
Kofferraumvolumen 597 - 2.126 Liter  
Motor 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel
Leistung 96 kW/130 PS
Getriebe Achtgang-Automatik
Drehmoment 300 Nm bei 1.750 U/min
Vmax 184 km/h
0-100 km/h 11,4 s
Normverbrauch 4,5 – 4,3 l/100 km (NEFZ)
CO2 118 - 113 g/km
Preis Toyota Proace City Verso ab 20.810 Euro
Preis dieser Variante Ab 27.650 Euro