Viel Platz für wenig Geld im Skoda-SUV

Skoda Kodiaq (seit 2017) im Test

Der Kodiaq ist für alle, die den Platz eines Vans brauchen, aber keinen fahren wollen. Skodas Größter überzeugt im Test mit viel Platz und gutem Fahrverhalten.

  • Constantin Bergander
  • Veröffentlicht am 08/18/2020, 02:24 PM
Zu sehen ist der Skoda Kodiaq von vorne
Quelle: TeamOn GmbH Die Grundfläche des Skoda Kodiaq entspricht ungefähr der des Skoda Octavia Combi

Wer dem Kodiaq gegenübertritt, fühlt sich direkt ein paar Zentimeter kleiner. Skodas Größter wirkt mit seiner breiten Nase riesig. Doch der Eindruck täuscht. Klar, der Kodiaq ist groß, drei Sitzreihen gibt es bei Skoda sonst in keinem Modell. Streng genommen ist er jedoch das Auto für alle, die Van-Platz wollen, ohne dafür einen Van fahren zu müssen.

Er bietet viel Raum und eine gute Übersicht auf einer verhältnismäßig kleinen Grundfläche. Er verstaut Gepäck und Personen so überzeugend, dass die Schwestermarken inzwischen ganz ähnliche Autos bauen (VW Tiguan Allspace, Seat Tarraco). Was den Kodiaq im Detail auszeichnet, wie viel hineinpasst und woran es hapert, steht im Test.

Der Skoda Kodiaq in Kürze

  • Kompakt-SUV mit Mittelklasse-Maßen
  • Bis zu sieben Sitze, gut zwei Kubikmeter Laderaum
  • Sachlicher, funktionaler Innenraum
  • Ruhiger und gemütlicher Charakter
  • Sparsamer Dieselmotor mit 190 PS
  • Basispreis Skoda Kodiaq: 29.000 Euro


Der Skoda Kodiaq

Das Mittelklasse-SUV ist nach dem, auf einer Insel vor Alaska lebenden, Kodiakbären benannt


Skoda Kodiaq: Kofferraumvolumen, Platzangebot, Abmessungen

Der Kodiaq ist mit 4,70 Metern nicht länger als ein Skoda Octavia, das SUV ist ein paar Zentimeter breiter. Je nach Ausstattung passen mit heruntergeklappten Lehnen 2.005 (Siebensitzer) bis 2.065 Liter (Fünfsitzer) hinein. Hinter der zweiten Sitzreihe stapelt er 765 bis 835 Liter Ladung.

Die Rücksitzbank lässt sich verschieben. Das erlaubt einen annähernd würdevollen Einstieg auf die beiden optionalen Stühle im Kofferraum. Sie sind leicht und schnell aufgefaltet, aber vor allem für Kinder gedacht. Die Sitzposition liegt höher als auf den Plätzen davor, Erwachsene fühlen sich schnell unwohl. Dennoch schafft es die komplette Startaufstellung eines Handballteams im Kodiaq zum Spiel.

In Reihe zwei können Erwachsene die Beine fast ausstrecken. Oberklasse-Niveau kommt mangels Bequemlichkeit nicht auf, dennoch sitzt es sich gemütlich. Vorn gibt es gute Sitze, eine hervorragende Übersicht und genug Platz an Köpfen, Schultern und den äußeren Knien. In der Fahrzeugmitte kommen die Beine der Konsole nah.



Innenraum, Verarbeitung, Materialien im Skoda Kodiaq

Skoda gestaltet den Kodiaq-Innenraum sachlich. Alle Tasten haben einen durchdachten Platz und sind gut erreichbar. Echte Knöpfe und Regler steuern die meisten Funktionen, das gefällt. Während der Fahrt kommen keine Missverständnisse auf. Skoda findet auf der Konsole ein gutes Maß.

Das Cockpit selbst wirkt trist. Selbst in einer hohen Ausstattung mit feschen Nähten an den Armauflagen werden große Mengen Plastik eingebaut. Der Infotainment-Monitor sitzt im Armaturenbrett, was die ganze Einheit voluminöser und grauer wirken lässt. Darüber können die breiten Spangen mit schönen Grafiken nicht hinwegtäuschen.

Immerhin setzt Skoda im direkten Griffbereich unterschäumte Kunststoffe ein. Die fassen sich angenehm an und glänzen nicht in der Sonne. Unterhalb der farbigen Unterbrechung werden die Materialien hart. Das ist in dieser Klasse allerdings üblich.

Zu sehen ist der Skoda Kodiaq in seitlicher Position
Quelle: TeamOn GmbH Trotz 4,70 Meter Fahrzeuglänge zählt der Kodiaq zu den Kompakt-SUVs

Skoda Kodiaq: Infotainment, Radio, Bedienung

Alle Funktionen, die mit Musik, Navigation und Internetdiensten zu tun haben, steuert im Kodiaq ein großer Touchscreen. Je nach Ausführung gibt es noch zwei Drehregler im Basis-Navi („Amundsen“) oder gar keine haptischen Knöpfe mehr („Columbus“). Die kleine Version ist handlicher als die glatte, besonders beim Zoomen in die Karte oder beim Regeln der Lautstärke.

Dafür gehört zu Columbus eine Sprachsteuerung, der Aufpreis liegt bei rund 900 Euro. Das große Navi im Kodiaq funktioniert gut. Die Menüs sind intuitiv gestaltet und klar verständlich. Smartphones koppeln per Bluetooth oder über die Smartphone-Standards Apple CarPlay oder Android Auto. Es bleibt aber der Eindruck, dass mehr Knöpfe und weniger Touch besser funktionieren würden.

Skoda bietet einen USB-C-Anschluss am Innenspiegel an. An dieser Stelle lässt sich eine Dashcam mit Strom versorgen, ohne lange Kabel zu verlegen, die dann womöglich im Sichtbereich des Fahrers baumeln.


BMW X3
Der BMW X3

Die X-Reihe macht etwa 50 Prozent aller BMW-Verkäufe aus. Der X3 rollt seit 2017 in dritter Generation auf den Straßen.


Assistenzsysteme und Sicherheit im Skoda Kodiaq

Die nötigste Unterstützung bietet der Kodiaq serienmäßig. Der große Skoda überwacht den Bereich vor dem Auto, erkennt Fußgänger sowie Radfahrer und bremst im Notfall. Optional hilft er mit Kameras und Piepsern beim Parken und rangiert selbstständig mit Anhängern. Er hält Tempo, Spur sowie Abstand und übernimmt im Stau einen Teil der Arbeit.

Die Sensoren überblicken einen großen Teil des Geschehens, steuern das Auto defensiv, aber bestimmt. Gelbe Linien erkennt das System nicht immer. Während der unterstützten Fahrt will der Kodiaq stets die Fahrerhand am Lenkrad spüren.

Neben den üblichen Helfern baut Skoda weitere Unterstützer wie automatisch ausklappende Kantenschutzleisten an den Türen ein. Regenschirme in den vorderen Türen, eine beheizte Frontscheibe und eine LED-Lampe im Kofferraum, die als Taschenlampe dient, sind hübsche Details.

Zu sehen ist das Cockpit des Skoda Kodiaq
Quelle: TeamOn GmbH Sachlich und grau: Das Cockpit des Skoda Kodiaq

Skoda Kodiaq: Antrieb, Motor, Getriebe, Fahrleistungen

Der große Skoda tritt mit dem großen Diesel zum Test an: Der 2,0-Liter-Selbstzünder in unserem Kodiaq ist 190 PS stark. Mehr Leistung gibt es nur im sportlich ausgelegten Kodiaq RS (240 PS). So viel Kraft muss gar nicht sein: Mit dem 150 PS starken Basisdiesel ist Skodas Riese bereits angemessen motorisiert. Angesichts der Masse des Autos (bis zu zwei Tonnen) schadet etwas mehr Leistung allerdings nicht.

Zumal dem Testwagen dadurch – abgesehen vom Preis – keine Nachteile entstehen. Sein Motor verhält sich sanft und zurückhaltend, wenn man ihn nicht fordert. Unter Last liefert er über einen breiten Drehzahlbereich sein volles Drehmoment ab und bewegt das SUV zügig vorwärts. Das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe schleift unnötige Kanten aus dem Fahrverhalten.

Der starke Kodiaq wirkt allerdings träge. Leistung gibt es erst nach einer Gedenksekunde. Dafür nervt er nicht mit Unsicherheit bei niedrigem Tempo. Und er hält sich beim Verbrauch zurück: Beim Pendeln ins Berliner Umland rechnet der Bordcomputer einen Durchschnittswert von 5,8 Litern pro 100 Kilometer aus. Keine Bestleistung, aber im Segment konkurrenzfähig. Bei hohem Tempo vermiesen Stirnfläche und Masse den Wert, der Verbrauch steigt auf der Autobahn bei zügiger Fahrweise auf 8,5 bis 9,0 Liter.

Fahrwerk, Lenkung, Fahrverhalten des Skoda Kodiaq

Das Fahrwerk ist genauso gemütlich wie der Antrieb. Der Kodiaq fährt komfortabel, aber sehr kontrolliert. In flotten Kurven neigt er sich zur Seite, vor allem im Komfort-Modus. Er rollt aber nicht gefährlich weit nach außen. Hohes Tempo mag er gern, da fängt er Schläge sauber ab. Rollt er langsamer, spürt man die Straße deutlicher. Die leichtgängige und direkte Lenkung passt zum Charakter des Autos.



Ausstattung, Preise, Kosten, Fazit zum Skoda Kodiaq

Der Kodiaq startet derzeit bei 29.000 Euro. Dafür gibt es die Basisausstattung „Active“ und einen 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS mit Frontantrieb und manuellem Getriebe. Viele Extras lassen sich in dieser Konstellation nicht konfigurieren. Der getestete Antrieb kostet in Verbindung mit der Ausstattung „Style“ gut 13.000 Euro Aufpreis. LED-Lampen, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, elektrische Sitze mit Memory-Funktion, Parkpiepser rundum, 18-Zoll-Felgen und Smartphone-Konnektivität gehören bereits dazu.

Im Testwagen kommen das große Navi mit Canton-Soundsystem (diskutabel), Assistenten (nützlich), das Verstellfahrwerk mit Fahrprofilauswahl (empfehlenswert), Zusatzgarantie und weitere Details hinzu. Insgesamt kostet er laut Liste knapp 53.000 Euro. Immerhin: Ein vergleichbarer Skoda Superb Combi ist etwas teurer. Trotz seiner großen Nase hat der Kodiaq also Argumente auf seiner Seite.

Skoda Kodiaq: Technische Daten

ModellSkoda Kodiaq 2.0 TDI DSG 4x4
Motor2,0-Liter-Turbodiesel
Leistung190 PS (140 kW) b. 3.500-4.000 U/min 
Drehmoment400 Nm b. 1.900-3.300 U/min 
AntriebSiebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Allrad 
0-100 km/h8,4 s 
Geschwindigkeit210 km/h 
Verbrauch5,5 l/100 km
CO2-Ausstoß104 g/km 
Testverbrauch5,8 l/100 km 
Länge4.697 mm 
Breite1.882 mm 
Höhe1.681 mm 
Radstand2.788 mm 
Leergewicht1.772 kg 
Anhängelast2.300 kg 
Kofferraumvolumen832-2.065 l (Fünfsitzer)
Basispreis Skoda Kodiaq29.000 Euro
Basispreis Skoda Kodiaq 2.0 TDI DSG 4x442.588 Euro 
Preis des Testwagens52.947,94 Euro 

Der Skoda Kodiaq in Bildern

  • Zu sehen ist die Front des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Die breite Nase täuscht: Der Skoda Kodiaq ist nicht so groß, wie er aussieht
  • Zu sehen ist ein Scheinwerfer des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Serienmäßig bei „Style“: LED-Scheinwerfer mit mehreren Lichtmodi, aber ohne Gegenverkehr-Maskierung
  • Zu sehen ist der Skoda Kodiaq von vorne
    Quelle: TeamOn GmbH Die Grundfläche des Skoda Kodiaq entspricht ungefähr der des Skoda Octavia Combi
  • Zu sehen ist der Skoda Kodiaq in seitlicher Position
    Quelle: TeamOn GmbH Trotz 4,70 Meter Fahrzeuglänge zählt der Kodiaq zu den Kompakt-SUVs
  • Zu sehen ist ein Rad des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH 18-Zoll-Felgen kosten Aufpreis, wirken auf dem großen Kodiaq aber verloren. Der Fahrkomfort spricht allerdings für sie
  • Zu sehen ist der Skoda Kodiaq von hinten
    Quelle: TeamOn GmbH Unser Testwagen mit großem Diesel kostet mehr als 50.000 Euro. Etwas weniger Kraft und Ausstattung hätten uns gereicht
  • Zu sehen ist das Heck des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Den Platz erkauft sich der Skoda Kodiaq über die Fahrzeughöhe. Normale Pkws überragt er um 20 Zentimeter
  • Zu sehen ist der Rückscheinwerfer des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH LED-Heckleuchten gehören zur Serienausstattung des Kodiaq
  • Zu sehen ist der Kofferraum des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Die große Stärke des Kodiaq: 832 Liter Kofferraumvolumen (Fünfsitzer)
  • Zu sehen ist der Kofferraum des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Mit umgelegter Rückenlehne passen 2.065 Liter Gepäck in den Kodiaq. Zum Schlafen eignet er sich nur bedingt, Kante und Steigung müssen erst ausgeglichen werden
  • Zu sehen ist das Cockpit des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Sachlich und grau: Das Cockpit des Skoda Kodiaq
  • Zu sehen ist der Infotainment-Bildschirm des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Das große Navi bekommt keine Knöpfe oder Drehregler. Das kleinere Gerät spart Geld und lässt sich besser bedienen
  • Zu sehen ist die Klimaanlage der Rückbank im Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Der Nachteil eines großen Fonds: Für die Klima-Bedienung muss man sich strecken
  • Zu sehen sind die Vordersitze des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Im Kodiaq sitzt man hoch und mit guter Übersicht
  • Zu sehen ist die Rückbank des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Die zweite Reihe im Kodiaq bietet viel Beinfreiheit. Zur Oberklasse fehlt aber das Drumherum
  • Zu sehen ist ein 12-Volt-Anschluss im Kofferraum des Skoda Kodiaq
    Quelle: TeamOn GmbH Praktisch: Haken für Einkaufstüten und eine Fernentriegelung für die zweite Sitzreihe