Tiguan-Konkurrent mit Hybrid-Antrieb im Test

So gut ist der neue Hyundai Tucson 2020/2021

Kompakt mit Hang zur Mittelklasse: Der neue Hyundai Tucson wächst minimal, steigert sich aber deutlich. Der Tiguan-Konkurrente im Test.

  • Heiko Dilk
  • Veröffentlicht am 12/16/2020, 05:18 PM
  • Aktualisiert am 01/18/2021, 04:49 PM
Der Hyundai Tuscon in Frontansicht fahrend 2020
Quelle: Hyundai Hyundai bietet den Tucson mit diversen Motorisierungen in allen Stufen der Elektrifizierung an: Von Mildhybrid über Vollhybrid bis zum Plug-in-Hybrid. Im Test zeigt der Vollhybrid, was er kann

Er fuhr nur fünf Jahre: Schon kurz nach der dritten Generation des Kompakt-SUVs Tucson macht Hyundai zum Jahreswechsel 2020/2021 alles neu. Der Konkurrent des VW Tiguan ist in vierter Generation kaum länger, bietet aber viel mehr Platz. Im Interieur wird er viel schöner und edler. Dazu gibt es neue Assistenten und ein umfangreiches Motorenangebot mit allen Stufen der Elektrifizierung: vom Mildhybrid über Vollhybrid bis zum Plug-in-Hybrid.

Die Preise bleiben weiter moderat und beginnen bei 26.800 Euro. Im Test muss das SUV als Vollhybrid mit 230 PS zeigen, was es kann.

Der Hyundai Tucson 2020/2021 im Überblick

  • Kompakt-SUV von Hyundai in 4. Generation 
  • Auf 4,50 Metern Länge bis zu 1.799 Liter Kofferraumvolumen
  • Tucson als Mildhybrid, Vollhybrid und Plug-in-Hybrid
  • Assistenten mit Streckenanpassung, Tempolimit-Übernahme
  • Ab Frühjahr 2021 kommt der Tucson als Plug-in-Hybrid
  • Hyundai Tucson Preis: zum Marktstart Ende 2020 ab 26.800 Euro
  • Im Test als Vollhybrid mit 230 PS und Frontantrieb ab 35.400 Euro
Der Hyundai Tucson 2020 in Seitenansicht
Quelle: Hyundai Der neue Hyundai Tucson wächst in der Länge um 20 Millimeter und misst nun 4.500 mm von Stoßstange zu Stoßstange

Doch bevor der Antrieb (dazu später mehr) zum Zug kommt, beeindruckt der Tucson schon beim Einsteigen: Im Cockpit lassen die Designer keinen Knopf unberührt und keine Form, wie sie war. Der Touchscreen fürs Infotainment fügt sich nahtlos in die schwarz glänzende Mittelkonsole und misst breite 10,25 Zoll. Die Lüftungsdüsen verstecken sich in schmalen Schlitzen im Armaturenbrett. Der erste Eindruck: Das soll Kompaktklasse sein? Schick sieht das aus, richtig edel und wertig. Beinahe wähnt man sich ein Segment weiter oben.

Bis wir genauer hinschauen, fühlen und greifen. Den Kunststoff auf dem Armaturenbrett unterschäumt Hyundai gar nicht so weich. Die Mittelkonsole trägt großflächig Hartplastik. Kunstleder mit Nähten spannt nur an wenigen Stellen. Also doch Kompaktklasse, also doch Volumensegment. Aber: richtig gut gemacht.

Die Koreaner mixen Materialien clever und ziehen alle Fugen präzise. Sie setzen auf Weiches, wo die Hände oft hingreifen, auf Hartes, wo sie selten tasten. Die große Kunststofffläche lockert ein zierender Textilstreifen auf. Die Knöpfe am Lenkrad sind teilweise glatt poliert, teilweise bestehen sie aus Metall, das sich kühl anfühlt. Alle Tasten und Touchflächen schmeicheln den Fingerkuppen. Und die Formen dem Auge. Nichts erinnert mehr an den etwas biederen Vorgänger.


Hyundai Tucson
Hyundai Tucson

Der Tiguan-Konkurrent aus dem Hause Hyundai


Hyundai Tucson 2020 Innenraum: Mehr Platz als im Tiguan

Die vierte Generation des Tucson ist nicht nur nobler als vorher, sondern auch praktischer. Obwohl das Kompakt-SUV in der Länge nur um zwei Zentimeter zugelegt hat, passt deutlich mehr rein. Auf 4,50 Metern bringt der kleinste Benziner 620-1.799 Liter im Kofferraum unter. Unser Testwagen schafft geringfügig weniger (616 bis 1.795 Liter), weil er mit Hybridantrieb fährt. Er muss unter dem Kofferraumboden noch etwas Technik verstauen. Den 4,51 Meter langen Tiguan schlägt er trotzdem. Da passen nur 615 bis 1.655 Liter hinten rein. Verglichen mit seinem Vorgänger steigert der neue Tucson sein Laderaumvolumen um 107 bis 296 Liter.

Die Rückbanksitzlehnen im Tucson fallen per Hebelzug und bilden eine fast ebene Fläche ohne Absatz – wenn die Sicherheitsgurte nicht noch in der Gurtführung stecken. Sonst bleiben sie auf halbem Weg stecken. Zum Aufrichten brauchen wir zwei Hände, da die Lehnen umgeklappt einrasten. Nicht perfekt, aber keine große Belastung.

Die Lehne der Rückbank lässt sich in der Neigung verstellen, entweder für mehr Platz im Kofferraum oder zum Lümmeln. Viel Luft an Scheitel und Knien bieten die hinteren Plätze immer, die Beinfreiheit ist um 26 Millimeter gewachsen. Sogar der mittlere Platz funktioniert auf langen Strecken, weil der Mitteltunnel angenehm niedrig ausfällt und die Sitzfläche flach und breit.


Nissan Qashqai DREIVIERTEL-FRONTANSICHT
Nissan Qashqai

Der Qashqai erreichte das beste Ergebnis in über zehn Jahren EuroNCAP-Crashtest-Geschichte.


Die Abmessungen des Hyundai Tucson im Vergleich zum Vorgänger

ModellHyundai Tucson 2020Vgl. zum Vorgänger
Länge4.500 mm+ 20 mm
Breite1.865 mm+ 15 mm
Höhe1.650 mm+ 5 mm
Radstand2.680 mm+ 10 mm
Kofferraumvolumen620-1.799 l+ 107-296 l

Modernes Infotainment im Hyundai Tucson

Der Platz auf dem Fahrersitz fühlt sich luftig an. Layout und Formen im Cockpit erinnern entfernt an die neue Mercedes S-Klasse. Hinter dem Lenkrad platziert Hyundai ein 10,25 Zoll großes Display für die digitalen Instrumente, das ganz ohne Hutze auskommt. Allzu viel individualisieren lässt sich hier nicht. Die Ansicht ändert sich mit dem Fahrmodus, Knöpfe am Lenkrad schalten durch die Info-Menüs.

Der Hyundai Tucson 2020 in Frontansicht
Quelle: Hyundai Die LED-Tagfahrlichter versteckt der Hyundai Tucson unauffällig im Kühlergrill, solange sie ausgeschaltet sind

In der Mittelkonsole erfolgt die Bedienung per Touchscreen (ebenfalls 10,25 Zoll) und mit Touchflächen statt mit echten Hardwareknöpfen. Wir wünschen uns vor allem für die Klimaanlage klassische Regler, doch letztlich funktioniert die Bedienung ordentlich.

Im Detail gibt es Raum für Verbesserung: Wir haben es zum Beispiel nicht geschafft, die Split-Screen-Darstellung auf dem großen Display wie gewünscht anzupassen. Die Liste der Radiosender versteckt sich zudem unter einem zu kleinen Icon, wie auch der Homescreen. Außerdem ähneln sich die Icons auf der Menü-Übersicht sehr. Das erschwert die Auswahl.

Der neue Tucson navigiert in der Cloud

Aus Hyundai-Sicht ist der Telematik-Dienst Bluelink wichtiger Bestandteil des Infotainmentsystems. Vor allem, wenn wie beim Testwagen die sogenannte „Connected Routing Navigation“ im Fahrzeug steckt. Die Routenführung erfolgt dabei – Netzwerkverbindung vorausgesetzt – in der Cloud und nicht im Auto selbst. Ein leistungsstarker Server sorgt mithilfe detaillierter Daten über die Verkehrssituation für eine bessere Zielführung, eine präzisere Ankunftsprognose und eine zuverlässigere Neuberechnung der Route.


Mercedes-Benz Autohaus Herten GmbH 1
Luxus-Limousine

Die S-Klasse ist das Flaggschiff von Mercedes-Benz und weltweit die erfolgreichste Oberklasselimousine.


Im Test zeigt das Navi Staus, Baustellen oder sonstige Verkehrsbehinderung zuverlässig an, die Berechnung der Ankunftszeit passt. Allerdings gab es auch keine größeren Herausforderungen auf der Teststrecke. Wer mag, kann sein Smartphone per Android Auto oder Apple CarPlay verbinden und deren Kartendienste oder das Musikstreaming nutzen.

Mit der Bluelink-App lassen sich Fahrerprofile anlegen, die persönliche Vorlieben wie etwa die Einstellungen des Infotainment-Systems speichern. Damit kann der Eigentümer das Auto aus der Ferne orten, verriegeln oder den Kraftstoffstand abfragen. Das Infotainmentsystem spiegelt auf Wunsch die Kalender von Apple oder Google. Per „Last Mile Navigation“ lotst die App zwischen 200 Meter und zwei Kilometer weit zu Fuß bis zum Ziel.

Der Hyundai Tucson 2020 als Hybrid im Test

Doch jetzt wird nicht gelaufen, sondern gefahren. Dafür steht der Tucson als Vollhybrid zur Verfügung. Unter der Haube arbeitet ein 1,6-Liter-Turbobenziner mit 180 PS, ein Elektromotor hilft mit 44 kW (60 PS) aus oder bewegt das SUV kurzfristig alleine. Weite Strecken lassen sich prinzipbedingt nicht rein elektrisch zurücklegen. Anders als bei einem Plug-in-Hybrid (PHEV) (Hyundai ergänzt den Tucson PHEV 2021) lässt sich der Akku nicht von außen aufladen. Er lädt während der Fahrt mittels Rekuperation (Bremsenergierückgewinnung) oder über den Verbrenner. Heißt: Auch Lademuffel sparen – anders als beim PHEV – Sprit im Vergleich zum reinen Verbrennungsmotor. Wenn auch nicht so viel.

Der Hyundai Tucson 2020 in Seitenansicht
Quelle: Hyundai Hyundai stimmt den Tucson straff ab, mit optionalem Verstellfahrwerk im Sport-Modus nimmt er flotte Kurven ohne allzu viel Seitenneigung

230 PS Systemleistung und 350 Newtonmeter Drehmoment mobilisieren Benziner und E-Maschine gemeinsam. Nicht wenig für ein Kompakt-SUV, und das spüren wir. Dank des Elektromotors tritt der Tucson aus allen Lagen spontan an und drückt bei höheren Geschwindigkeiten noch reichlich Drehmoment in die Sechsgang-Automatik. Überholmanöver oder Zwischensprints auf der Autobahn gelingen so denkbar flott.

Dabei dämmt Hyundai den Ottomotor effektiv weg. Wir fragen uns oft, ob er überhaupt läuft oder ob der E-Motor alleine den Antrieb besorgt. So leise läuft der Antrieb. Im Stadtverkehr, wenn viele Wechsel zwischen Benziner und E-Motor anstehen, sorgt das harmonische Zusammenspiel für angenehme Ruhe im Auto. Erst bei kräftig durchgetretenem Gaspedal röhrt der Turbo etwas, klingt dabei nicht übel.

Aus den Radhäusern dringt kein Lärm, Poltern kennt das Fahrwerk kaum. Auf der Autobahn bleibt es bis 160 km/h still genug für Unterhaltungen ohne erhobene Stimme. Ein bisschen Gezischel von A-Säule und Außenspiegeln dringt dennoch in den Innenraum.

Hyundai Tucson Test: mit adaptivem Fahrwerk als Option

Für das Fahrwerk hat Hyundai eine passable Abstimmung gefunden. Das rund 1,7 Tonnen schwere SUV rollt sanft ab und hält harte, spitze Stöße bei niedrigen Geschwindigkeiten von den Insassen fern. Bei langsamer Fahrt kippelt der Tucson etwas und zeigt spürbare Aufbaubewegungen. Zum Ausgleich hält er sich jedoch bei flotter Kurvenfahrt gerade und lässt sich angenehm kontrolliert ums Eck werfen. Jedenfalls im Sportmodus mit dem optionalen adaptiven Fahrwerk, das im Testwagen federt.

Der Hyundai Tucson 2020 in Heckansicht
Quelle: Hyundai Die Heckklappe des Tucson zieht Hyundai weit nach außen, dadurch ergibt sich eine große Öffnung für sperrige Ladung

Viel Gewicht liegt nicht in die Lenkung, doch für die Stadt passt der Eco-Modus. Im Sportmodus darf der Fahrer etwas kräftiger am Lenkrad drehen. Mehr Gefühl gibt es nicht unbedingt, doch das schadet nicht. Wer echten Sport will, liegt mit einem SUV ohnehin falsch. Und der getestete Hybrid soll sowieso sparen.

Das gelingt ordentlich, aber nicht überragend. Mit 6,4 bis 6,5 Litern bewegen wir das SUV im Stadtverkehr. Ein ordentlicher Wert für ein so starkes SUV. Reine Verbrenner mit ähnlicher Leistung landen bei neun bis zehn Litern. Hier hat der Hybrid im Alltag definitiv größere Vorteile als auf dem Papier. Auf der Teststrecke über Autobahn (kurzfristig auch unlimitiert), Landstraße und durch die Stadt nimmt er sich passable 7 Liter. Wer oft lange Strecken mit hohen Geschwindigkeiten abreißt, fährt jedoch mit einem Diesel deutlich besser.

Alle Motoren im Hyundai Tucson 2021: Plug-in-Hybrid folgt

Logisch, Diesel bleiben im Programm, genau wie reine Benziner. Beide kommen wahlweise als Mildhybride mit elektrischer Hilfe und 48-Volt-Technik. Um den Verbrauch zu senken, entlastet hier ein kleiner Elektromotor in Form eines Startergenerators den Verbrenner bei Bedarf.

Je nach Motorisierung setzt Hyundai im neuen Tucson ein manuelles Sechsganggetriebe (6MT bzw. 6iMT für die Mildhybride) oder ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen (7DCT) ein. Standardmäßig werden bei den meisten Motoren die Vorderräder angetrieben. Den 1.6 T-GDI mit 150 PS und den schwächsten Diesel gibt es ausschließlich mit Frontantrieb, die anderen Motoren optional mit Allradantrieb.

Neben dem getesteten Vollhybrid bietet Hyundai ab dem Frühjahr 2021 einen an der Steckdose aufladbaren Plug-in-Hybrid an. Der verfügt mit seinem 13,8 kWh großen Akku über eine rein elektrische Reichweite von mehr als 50 Kilometern. Geladen wird an Wechselstrom mit bis zu 7,2 kW. Der Elektromotor leistet 66,9 kW (91 PS), die Systemleistung beträgt 265 PS, das Drehmoment liegt bei 350 Nm. Serienmäßig kommt der Plug-in-Hybrid mit Allradantrieb, für die Kraftübertragung ist eine Sechsgang-Automatik zuständig. Weitere exakte Daten fehlen noch, der Normverbrauch dürfte zwischen einem und zwei Litern liegen.

Den Preis des Tucson PHEV verraten die Koreaner noch nicht. Klar ist, er wird das teuerste Modell im Programm, dürfte also ein gutes Stück über dem Vollhybrid mit Allradantrieb liegen. Der startet bei 37.400 Euro. Der Plug-in könnte folglich bei um 40.000 Euro liegen. Abzüglich das Bafa-Umweltbonus in Höhe von 6.750 Euro wird er trotzdem zum Schnäppchen im Tucson-Angebot.


Mazda CX-5 dreiviertel-frontansicht
Mazda CX-5

Der CX-5 ist Mazdas erstes Modell im KODO-Design. KODO steht für "Seele der Bewegung".


Motoren und Preise des neuen Hyundai Tucson

Modell1.6 CRDi1.6 CRDi 48V1.6 T-GDI 1501.6 T-GDI 150 48V1.6 T-GDI 180 48V1.6 T-GDI Hybrid
Motor1,6-l-Vierzylinder-Diesel1,6-l-Vierzylinder-Diesel1,6-l-Vierzylinder-Benziner1,6-l-Vierzylinder-Benziner1,6-l-Vierzylinder-Benziner1,6-l-Benziner u. E-Motor
Leistung116 PS136 PS150 PS150 PS180 PS230 PS
Antrieb6-Gang-Schaltgetriebe, Frontantrieb7DCT, Front- oder Allradantrieb6MT, Frontantrieb6iMT/7DCT, FrontantriebFWD, 6iMT/Allradantrieb, 7DCT6-Gang-Automatik, Front- oder Allradantrieb
Verbrauch (NEFZ)4,8 l/100 km4,4-4,7 l/100 km6,3 l/100 km5,7-5,9 l/100 km5,8-6,0 l/100 km4,9-5,6 l/100 km
Verbrauch (WLTP)5,6 l/100 km5,6-6,0 l/100 km7,0 l/100 km6,6-6,8 l/100 km6,7-7,2 l/100 km5,9-6,6 l/100 km
Preisab 31.600 Euroab 34.900 Euroab 26.800 Euroab 30.500 Euroab 31.400 Euroab 35.400 Euro

Assistenzsysteme und Sicherheit: Luft nach oben

Nicht vollends überzeugt hat uns das Assistenz-Angebot im neuen Tucson. Zwar bietet Hyundai viel Modernes und Hilfreiches. Im Detail gibt es jedoch Potenzial. Der Spurführungsassistent etwa lenkt unaufdringlich mit hoher Verfügbarkeit und erkennt die Spur auch ohne Markierung am Fahrbahnrand zuverlässig. Doch die Geschwindigkeitsanpassung an Tempolimits und Streckenverlauf ist nicht praxisgerecht glöst.

Der Hyundai Tucson 2020 in seitlicher Heckansicht
Quelle: Hyundai In 8,0 Sekunden erreicht das Hybrid-SUV im Test 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 193 km/h

Der Tucson verlangsamt das Tempo vor Kurven nur auf der Autobahn – also dort, wo es traditionell nur selten welche gibt. Auf der Landstraße, vor Kreisverkehren oder Kreuzungen bremst er nicht selbstständig. Hier lassen sich nur Tempolimits per Knopfdruck übernehmen. Aber: nicht vorausschauend. Wer also mit 100 km/h in einen 70er-Bereich rollt, kann erst ab dem Schild die 70 übernehmen. Bis nur noch 70 auf dem Tacho stehen, könnte man längst geblitzt worden sein. An Ortseinfahrten – nach denen bekanntlich gerne geblitzt wird – läuft das genauso. Sprich: Das Feature ist hier weitgehend nutzlos.

Ungewöhnlich und hilfreich hingegen: das sogenannte „Sicherheitsanzeige-Paket“ im Testwagen. Es bringt unter anderem einen neuartigen Toter-Winkel-Assistenten bzw. Spurwechselhelfer ins Auto. Bei gesetztem Blinker wechselt die Anzeige von Tacho (links) oder Drehzahlmesser (rechts) zu einem Kamerabild, das den toten Winkel abdeckt. Zudem zeigt das Kamerabild beim Einparken den Kantstein und hilft, die Felgen zu schonen.

Nicht ausprobieren konnten wir einen weiteren Assistenten: Ähnlich wie die Mercedes S-Klasse oder der 7er BMW soll der neue Tucson autonom einparken können. Per Schlüssel aktiviert der „Fahrer“ die Funktion, wenn er nicht im Auto sitzt – falls sie zuvor über die Bluelink-App freigeschaltet wurde. An unserem Testwagen war das leider nicht der Fall. Beim Druck auf die entsprechende Taste am Fahrzeugschlüssel passierte gar nichts.

Weitere Assistenten an Bord: ein Ausstiegsassistent, der Insassen vor von hinten herannahenden Verkehrsteilnehmern warnt, Toter-Winkel-Assistent, Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitswarner sowie Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, der auch Querverkehr berücksichtigt. Für die passive Sicherheit gibt es einen Kopfairbag zwischen Fahrer und Beifahrer, der bei einem seitlichen Aufprall Kopfverletzungen verhindern soll.

Hyundai Tucson: Preise, Ausstattung

Längst nicht alle Assistenten gibt es serienmäßig. Der Spurfolgeassistent und die automatische Notbremse mit Fußgänger- und Radfahrererkennung etwa stecken bereits in der Basisausstattung „Prime“. Für den Kreuzungsassistenten, die Voll-LED-Scheinwerfer und den intelligenten Abstandstempomaten müssen Interessenten jedoch zwei Stufen höher in „Trend“ investieren. Dazwischen liefert „Select“ in erster Linie Komfort-Extras und den digitalen Instrumententräger.

Der Innnenraum des Hyundai Tucson (2020) mit Sicht aud das Lenkrad
Quelle: Hyundai Der Touchscreen fürs Infotainment fügt sich nahtlos in die schwarz glänzende Mittelkonsole und misst 10,25 Zoll. Die Lüftungsdüsen verstecken sich elegant in umlaufenden Lamellen

In der Topausstattung „Prime“ fehlen neben dem adaptiven Fahrwerk und einem Panoramaglasdach leider immer noch einige Assistenten. Doch Hyundai bietet sie in Paketen zu vertretbaren Preisen an. Das Komplettpaket kostet im Hybrid 980 Euro.

Ab 26.800 Euro starten die Preise des Tucson. Dafür gibt es den 150-PS-Benziner mit Handschaltung und Frontantrieb. Allradantrieb kostet mindestens 39.100 Euro (1.6 T-GDI mit 180 PS), das günstige Modell mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe startet bei 32.500 Euro. Der größte Konkurrent aller Kompakt-SUVs, der VW Tiguan, ist teurer. Schon mit 130 PS liegt der Preis bei mehr als 28.000 Euro, mit 150-PS-Benziner werden rund 30.000 Euro fällig. Bei eher magerer Ausstattung.

Hyundai Tucson 2020 Fazit: Starke Alternative im Kompakt-Segment

Doch selbst ohne Preisvorteil gefällt uns der neue Tucson als Alternative zum Segment-Spitzenreiter. Das Interieur wirkt wertig und eleganter als im Tiguan. Äußerlich gelingt dem Tucson ebenfalls ein starker Auftritt. Nicht zuletzt wegen der toll in den Kühlergrill integrierten Tagfahrlichter. Das moderne Infotainment lässt sich (überwiegend) unkompliziert bedienen. Dazu fährt der Tucson angenehm ruhig und harmonisch. Der Vollhybrid gefällt uns für die Praxis, weil er wenig verbraucht, ohne dass man sich regelmäßig ums Laden kümmern müsste. Anders als ein Plug-in-Hybrid. Einzig die Assistenzsysteme fürs teilautomatisierte Fahren enttäuschen im ersten Test. Schade, vor allem fürs Prestige. In den Alltag der meisten Autokäufer passt der neue Tucson trotzdem.

Hyundai Tucson: Technische Daten

Modell1.6 T-GDI Hybrid
Motor1,6-l-Vierzylinder-Turbobenziner, Elektromotor
Leistung Benziner180 PS (132 kW) b. 5.500 U/min
Drehmoment Benziner265 Nm b. 1.500-4.500 U/min
Leistung Elektromotor44 kW (60 PS)
System-Drehmoment350 Nm
AntriebFrontantrieb, Sechsgang-Automatik
0-100 km/h8,0 s
Geschwindigkeit193 km/h
Verbrauch (NEFZ)4,9 l/100 km
CO2-Ausstoß (NEFZ)112 g/km
Verbrauch (WLTP)5,9 l/100 km
CO2-Ausstoß (WLTP)135 g/km
Länge4.500 mm
Breite1.865 mm
Höhe1.650 mm
Radstand2.680 mm
Kofferraumvolumen616-1.795 l
Gewicht1.639-1.760 kg
Anhängelast1.650 kg
Preis Hyundai Tucsonab 26.800 Euro
Preis Hyundai Tucson Hybridab 35.400 Euro


Der Hyundai Tucson 2020 in Bildern

  • Der Hyundai Tucson 2020 in Frontansicht
    Quelle: Hyundai Die LED-Tagfahrlichter versteckt der Hyundai Tucson unauffällig im Kühlergrill, solange sie ausgeschaltet sind
  • Der Hyundai Tucson 2020 in Seitenansicht
    Quelle: Hyundai Der neue Hyundai Tucson wächst in der Länge um 20 Millimeter und misst nun 4.500 mm von Stoßstange zu Stoßstange
  • Der Hyundai Tucson in Heckansicht
    Quelle: Hyundai Hyundai bietet den Tucson je nach Motorisierung mit Frontantrieb oder Allradantrieb an. Die Kraftübertragung besorgt entweder ein manuelles Sechsgang-Getriebe, ein 7-Gang-DCT oder eine Sechsgang-Automatik
  • Der Hyundai Tucson 2020 in Heckansicht
    Quelle: Hyundai Die Heckklappe des Tucson zieht Hyundai weit nach außen, dadurch ergibt sich eine große Öffnung für sperrige Ladung
  • Das Hecklicht des Hyundai Tucson 2020
    Quelle: Hyundai Das Heck des Tucson wirkt vor allem wegen der ungewöhnlich geformten Rückleuchten eigenständig
  • Der Hyundai Tuscon in Frontansicht fahrend 2020
    Quelle: Hyundai Hyundai bietet den Tucson mit diversen Motorisierungen in allen Stufen der Elektrifizierung an: Von Mildhybrid über Vollhybrid bis zum Plug-in-Hybrid. Im Test zeigt der Vollhybrid, was er kann
  • Der Hyundai Tucson 2020 in Seitenansicht
    Quelle: Hyundai Hyundai stimmt den Tucson straff ab, mit optionalem Verstellfahrwerk im Sport-Modus nimmt er flotte Kurven ohne allzu viel Seitenneigung
  • Der Außenspiegel des Hyundai Tucson 2020
    Quelle: Hyundai Die Kamera am Außenspiegel projiziert ihr Bild in den digitalen Instrumententräger des Tucson und wirkt so als Toter-Winkel-Assistent und Spurwechselhelfer
  • Der Hyundai Tucson 2020 in seitlicher Heckansicht
    Quelle: Hyundai In 8,0 Sekunden erreicht das Hybrid-SUV im Test 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 193 km/h
  • Der Kofferraum des Hyundai Tucson 2020
    Quelle: Hyundai Das Kofferraumvolumen des kompakten SUV liegt im besten Fall bei 620 bis 1.799 Litern, der getestete Hybrid lädt 616-1.795 Liter ein
  • Der Innenraum des Hyundai Tucson 2020
    Quelle: Hyundai Hinter dem Lenkrad des Tucson platziert Hyundai ein 10,25 Zoll großes Display als digitale Instrumentenanzeige. Es kommt ohne Hutze aus und zeigt trotzdem blendfrei an
  • Sicht auf das Cockpit des Hyundai Tucson 2020
    Quelle: Hyundai Die Anzeigen des digitalen Instrumententrägers wechseln die Optik mit dem gewählten Fahrmodus. Hier ist Sport ausgewählt
  • Das Cockpit des Hyundai Tucson 2020
    Quelle: Hyundai Bei gesetztem Blinker wird das Bild der Rückspiegel-Kamera im digitalen Drehzahlmesser eingeblendet. Das hilft beim Parken und beim Spurwechsel
  • Die Mittelkonsole des Hyundai Tucson 2020
    Quelle: Hyundai Im getesteten Hybrid schaltet eine Sechsgang-Automatik, die über Druckknöpfe "by Wire" bedient wird. Also ohne mechanische Verbindung
  • Der Innnenraum des Hyundai Tucson (2020) mit Sicht aud das Lenkrad
    Quelle: Hyundai Der Touchscreen fürs Infotainment fügt sich nahtlos in die schwarz glänzende Mittelkonsole und misst 10,25 Zoll. Die Lüftungsdüsen verstecken sich elegant in umlaufenden Lamellen
  • Die Rücksitzbank des Hyundai Tucson 2020
    Quelle: Hyundai Das Platzangebot auf der Rücksitzbank fällt großzügig aus. Optional wärmt eine Sitzheizung den Po der Passagiere