Toyotas unbesiegbarer Pick-up

Toyota Hilux im Test

Seit 2015 baut Toyota den achten Hilux, mit mehr Leistung und mehr Komfort. Was zählt das im Arbeitstier? Test.

  • Veröffentlicht am 20.02.2021, 08:15
Toyota HIlux Dreiviertel-Frontansicht
Quelle: Toyota Der Hilux liegt trotz Leiterrahmen, Starrachse und Blattfedern bei allen Geschwindigkeiten ruhig und durchaus handlich auf der Straße

Er wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen: Der Toyota Hilux fährt üblicherweise unter extremeren Bedingungen und auf schlechteren Straßen, als wir sie in Europa vorfinden. Für seine wichtigste Zielgruppe ist es also ein Versprechen: „Unbesiegbar“. So jedenfalls steht es groß auf der Seite der Topversion von Toyotas frisch überarbeitetem Pickup, „Invincible“. Dieses Gefühl vermittelt er seinem Fahrer auch durchaus, wenn der über das dicke schwarze Trittbrett in das hoch aufragende Stück Funktionsblech geklettert ist. Zwar sitzt es sich in den bequemen Ledersesseln des gut ausgestatteten Lastesels eher limousinenhaft als thronartig. Aber allein die schiere Höhe über dem Boden sorgt für ein abgehobenes Gefühl, gegenüber dem profanen Verkehrsgeschehen weiter unten.


Toyota Hilux
Der Toyota Hilux

• gutes Platzangebot • komfortables Interieur • hohe Anhängelast


Überraschend komfortabel

Nun zählen Pick-ups traditionell nicht zu den komfortabelsten Straßenfahrzeugen. Aber am Hilux hat Toyota das Fahrwerk deutlich nachgeschärft. Beim Gleiten über längere Autobahnstrecken oder flott gefahrene kurvige Landstraßen liegt der Hilux ruhig und handlich auf der Straße. Trotz Leiterrahmen, Starrachse und Blattfedern fährt er bei allen Geschwindigkeiten äußerst berechenbar und überraschend angenehm. Eine geänderte Abstimmung für die Stoßdämpfer, neue Fahrwerkslager und neu abgestimmte Blattfedern machen es möglich.
Toyota verfolgt mit dem überarbeiteten Hilux ein Ziel, das gar nicht so leicht darstellbar ist. Er soll zwei Kundengruppen bedienen: Einerseits als das seit Jahrzehnten bekannte Arbeitstier für den Schwerarbeiter. Andererseits als Lifestyle-Auto für den wachsenden Kundenkreis der Besserverdiener, die mindestens 40.000 Euro für das besondere Abenteuergefühl ausgeben wollen. Beide profitieren vom großen 2,4-Liter-Diesel aus dem Land Cruiser, den Fans lange im Hilux gefordert haben. Für 204 PS, 500 Newtonmeter Drehmoment sowie eine Tonne Nutz- und 3,5 Tonnen Anhängelast sind das souveräne Werte, die nach Ansicht von Toyota auch im engen Europa immer mehr Menschen brauchen – oder eben wünschen.

Toyota HIlux Cockpit
Quelle: Toyota Der Achtzoll-Touchscreen mit Apple CarPlay und Android Auto ist auf der Höhe der Zeit, der Rest der Bedienung nur bedingt

Wer sparen will, fährt gemächlich


Der Hilux bedient in jedem Fall den Wunsch nach automobilem Abstand von der profanen Welt der Kleinwagen und Vertreterkombis. In der höchsten Ausstattung Invincible (ab 46.783 Euro) mit optionaler 800-Watt-Stereoanlage und Subwoofer für rund 1.000 Euro bleibt selbst bei kräftiger Beschleunigung zwischen 130 und 180 Kilometern pro Stunde nichts mehr übrig von der akustischen Umgebung. Der Verbrauch bei solch flotter Gangart schnellt jedoch schnell auf einen Durchschnittswert von 20 Liter auf 100 Kilometer.

Wer sparsamer unterwegs sein will, muss sich eine zivilere Gangart zulegen. Dann lässt sich der Hilux auch locker unter der Zehnliter-Marke halten. Viel sparsamer wird es jedoch im Alltag nicht. An eine Hybridversion etwa denkt Toyota vorerst nicht. Einen Hilux muss auch ein Dorfschmied im entlegenen Hochgebirge reparieren können, wenn die nächste Toyota-Vertragswerkstatt unerreichbar ist. Die Kunden verlangen daher anderes als komplizierte Leistungsverteilung, Lithium-Ionen-Akkus und überschaubare Drehmomente. Urgewalten nämlich – und zwar in den drei Karosserievarianten Single Cab, Extra Cab und Double Cab.


TT Automobile Thomas Engelhardt
Land Rover Defender

1948 läuft der erste Land Rover Defender vom Band. Für das Jahr 2020 legt Land Rover den Klassiker neu auf.


Im Gelände ein König


Diese Urgewalten beherrscht der Toyota Hilux, und zwar nicht nur in der Wüste, sondern auch beim Ritt durch das schwere Gelände eines fränkischen Steinbruchs. Da beweist der Hilux, warum die Stammkundschaft in Dschungel, Gebirge oder Wüste ihn zum zweiterfolgreichsten Toyota-Modell nach dem Corolla gemacht hat. Der Pickup kann, fein dosierbar mit sensibler Lenkung, Gas und Bremse bedient, durchaus mit hochkompetenten Geländewagen wie dem Land Rover Defender, der Mercedes G-Klasse oder dem hauseigenen Toyota Land Cruiser mithalten.
Dabei knarzt und knackt es vernehmlich im Leiterrahmen, deutlicher als in den elektronisch hochgerüsteten Konkurrenten für schweres Gelände und Szenekiez. Der Hilux hält sein Versprechen, ein Auto fürs Grobe zu sein, schon in der einfachsten „Duty“-Variante mit Basisdiesel (150 PS) und Allrad für weniger als 30.000 Euro. Wer ihn über Stock und Stein und Sand und Schlamm manövriert, spürt das deutlich. Massive Haltebügel an den passenden Stellen sorgen dafür, dass die Reisenden in der Doppelkabine auf ihren Plätzen bleiben. Im Topmodell Invincible sitzen sie dabei auf feinen Lederpolstern.  

Toyota HIlux Seitenansicht
Quelle: Toyota Dass es über Stock und Stein und Sand und Schlamm geht ist übrigens stets deutlich zu verspüren

Lifestyle? Nicht so ganz


Dass es nicht so einfach ist, einen rustikalen Burschen fein herauszuputzen, zeigt der Hilux im Innenraum. Hier kann er dem Lifestyle-Anspruch dann doch nicht so ganz genügen, den das imposante Gesicht mit seinen Bi-LED-Scheinwerfern, das gute Fahrverhalten oder die tiefschwarzen Aluräder des Invincible versprechen. Die Kunststoffe fassen sich hart und schlicht an, selbst das Lederlenkrad hinterlässt keinen allzu gediegenen Eindruck. Der Achtzoll-Touchscreen mit Funktionalitäten für Apple CarPlay und Android Auto befindet sich technisch zwar auf der Höhe der Zeit. Der Rest der Bedieninstrumente überrascht jedoch mit ergonomisch kurios verteilten Knöpfen und Tasten. Insbesondere die LCD-Uhr auf dem Armaturenbrett wirkt wie eine Reminiszenz an die 1980er Jahre und atmet weit weg vom aktuellen Zeitgeist. Vielleicht ist es aber gerade dieses leicht gestrige, was den Hilux auch im Großstadt-Dschungel zu einem besonderen Auto macht. Wenn man dort seine 5.33 Meter Länge manövrieren möchte.


Toyota Land Cruiser
Der Toyota Land Cruiser

Der Toyota Land Cruiser wird seit 1951 gebaut und genießt vor allem in Afrika, Lateinamerika und der arabischen Welt einen Ruf von Verlässlichkeit und Haltbarkeit.


Toyota Hilux Technische Daten
Länge 5,33 Meter
Breite 1,80 bis 1,86 Meter
Höhe 1,82 Meter
Radstand 3,09 Meter
Motor 2,4-l-Vierzylinder-Diesel
Leistung 150 PS
Drehmoment 400 Nm
Vmax 170 km/h
0-100 12,8 s
Verbrauch 7,1-6,5 l/100 km
CO2 186–171 g/km
Preis ab 26.529,20 Euro

Der Toyota Hilux in Bildern

  • Toyota HIlux Dreiviertel-Frontansicht im Gelände
    Quelle: Toyota Der traditionsreiche Pickup Toyota Hilux ist trotz umfangreicher Überarbeitung etwas aus der Zeit gefallen
  • Toyota HIlux Seitenansicht
    Quelle: Toyota Dass es über Stock und Stein und Sand und Schlamm geht ist übrigens stets deutlich zu verspüren
  • Toyota HIlux Dreiviertel-Frontansicht
    Quelle: Toyota Im schweren Gelände beweist der Hilux, warum gerade Abnehmer im Dschungel, Gebirge oder der Wüste auf den Toyota schwören
  • Toyota HIlux Dreiviertel-Heckansicht im Gelände
    Quelle: Toyota Der Hilux mag die Kampfsau geben; und auch dieses Versprechen hält er – im einfachsten „Duty“-Basisdiesel mit Allrad schon für weniger als 30.000 Euro
  • Toyota HIlux Dreiviertel-Frontansicht
    Quelle: Toyota Toyota wollte mit dem überarbeiteten Hilux zwei Modelle in einem zu erschaffen: Das seit Jahrzehnten bekannte Arbeitstier für den Schwerarbeiter und ein Lifestyle-Auto
  • Toyota HIlux Cockpit
    Quelle: Toyota Der Achtzoll-Touchscreen mit Apple CarPlay und Android Auto ist auf der Höhe der Zeit, der Rest der Bedienung nur bedingt
  • Toyota HIlux Dreiviertel-Frontansicht
    Quelle: Toyota Der Hilux liegt trotz Leiterrahmen, Starrachse und Blattfedern bei allen Geschwindigkeiten ruhig und durchaus handlich auf der Straße