VW Multivan T6 Test

VW T6 Multivan 2.0 TDI Comfortline: Test

Männertraum: Der VW Multivan im Alltagstest

Weil Männer nicht erwachsen, sondern nur ihre Spielzeuge größer werden, wollen sie irgendwann einen VW Bus. Wir haben getestet, ob der T6 im Alltag ein Traumauto ist.

  • VW T6 Multivan: ab 29.999 Euro
  • Der Kleinbus schlechthin
  • Basiert auf dem T5: Fahrwerk und Motoren sind aber neu
  • Der 204-PS-Diesel leistet und trinkt viel

Berlin – Wer sagt, Kleinbusse würden heute so bequem wie Pkw fahren, erzählt Quatsch. Nehmen wir den VW T6: Volkswagen hat viel für den Fahrkomfort getan. Stabilisatoren, Federn und Dämpfer des T5-Fahrwerks wurden für den Neuen intensiv überarbeitet. Dazu gibt es auf Wunsch sogar ein adaptives Fahrwerk mit Sport-Modus. Trotzdem poltert der Bulli ganz gerne mal.

Außerdem sollen Assistenzsysteme und ein Infotainment-Programm wie im Pkw den Fahrer vergessen lassen, dass er in einem Auto von VW Nutzfahrzeuge aus Hannover und nicht in einem Golf aus Wolfsburg sitzt. In unserem Test beantworten wir die Frage, ob das klappt. Gefragt haben wir uns aber vor allem, ob wir das überhaupt wollen?

Schließlich will man spüren, dass man in einem besonderen Fahrzeug sitzt. Klar, im Alltag streiten auf der Rückbank wahrscheinlich Deine drei Kinder. Aber wenn Du willst, dann ersetzt Du sie am Wochenende durch drei Kumpels und zwei Kisten Bier. Statt zur Schule geht es an den Strand, oder zum 24-Stunden-Rennen. Hotel braucht kein Mensch, Anhänger auch nicht, einfach einladen und los. Bulli fahren bedeutet potentielle Freiheit.
 

Karosserie/Platzangebot: Big is beautiful

Hinter den zwei drehbaren Einzelsitzen (Serie) und der Dreier-Rückbank gibt es je nach Position der Rückbank 535 bis 1.390 Liter Stauraum. Das klingt nicht berauschend für einen Bus, doch hier verschwinden nur die großen Dinge: Zelte, Campingstühle, Grill. Kleinkram passt in drei herausziehbare Fächer unter der Sitzbank, Fächer an den Sitzen, die vorderen Türen und überall auf den Boden. Die Grundfläche in unserem Multivan beträgt insgesamt 4,3 Quadratmeter – ein kleiner Abstellraum. Auf allen Sitzen haben Beine, Knie, Ellenbogen und Schultern genug Platz.

Eine zweite Schiebetür auf der linken Seite kostet 684 Euro extra, zeigte sich aber als äußerst praktisch. Wenn sie da ist, wird sie beim Ein- und Aussteigen oder Beladen häufig genutzt. Ebenfalls sinnvoll: die elektrische Heckklappe für 714 Euro, die unser Testwagen nicht hatte. Beim ständigen Be- und Entladen nervt die schwere Klappe schnell. Leider müssen zusätzlich mindestens die Parkpiepser vorn und hinten geordert werden (690 Euro). VW könnte außerdem über eine Lösung mit separat öffnender Heckscheibe nachdenken.

Ebenfalls wünschenswert wären für T6-Fahrer amerikanische Straßenverhältnisse – aus den 70ern circa. Ja, man kann den 5-Meter-Kasten auch im Alltag in der Stadt bewegen. Es sollte nur mehr Zeit für die Parkplatzsuche eingeplant werden. Selbst auf großen Plätzen muss man mit dem T6 einfach mehr kurbeln, suchen, aufpassen.
 

Interieur: Bulli statt Zelt

Dafür entschädigt das Bus-Gefühl. Die hohe Sitzposition, die Stellung des Lenkrads, der Platz im Innenraum - das entschleunigt (der Antrieb auch, aber dazu später mehr). Der Fahrer thront über den Dingen, seine Arme auf den am Sitz angebrachten Lehnen. Viel mehr braucht das heimliche Trucker-Herz nicht.

Lenkrad, Klimaregelung, Infotainment-Touchscreen, Schalter und Knöpfe, all das darf gern aus Golf, Passat und Co. stammen. Verarbeitung und Materialien stimmen auch hier, Lenkrad, und DSG-Hebel liegen gut in der Hand. Einzig die Armlehnen könnte VW etwas breiter ausführen, besser polstern und schicker vernähen.
Sitze, Tisch und die zugehörigen Schienen im hinteren Bereich sind ebenfalls robust verarbeitet. Das Gestühl lässt sich gut verschieben – sofern man drauf sitzt. Wenn man gerade daneben kniet und seine Zahnbürste sucht, wird es fummelig. Die hintere Sitzbank wird schnell und einfach zur Liegefläche für zwei Personen (Serie, zu dritt unbequem) umgeklappt, leider müssen dazu die Kopfstützen entfernt werden und liegen dann lose im Auto herum. Einzig die kleinen Abdeckungen und Plastikwannen unter der Sitzbank machen einen wabbeligen Eindruck und lassen sich zum Teil schlecht wieder einsetzen.
 

Infotainment: Zu klein, zu fummelig

Fummelig wird es beim Infotainment. In unserem T6 steckt das Navigationssystem "Discover Media Plus" für 1.802 Euro. Während der Fahrt sollte man darin aber lieber nichts „entdecken“. Der 6,33-Zoll-Touchscreen ist zu klein und zu weit vom Fahrer entfernt. Zur Bedienung muss der Fahrer genau hinschauen – und vertippt sich trotzdem. Enthalten sind digitaler Radioempfang, zwei USB-Anschlüsse, sechs Lautsprecher und: eine gut funktionierende Sprachsteuerung. Die kann allerdings nicht alles lösen. Und wer ungern mit seinem Auto spricht, hat Pech.

Das Koppeln des Smartphones klappt dafür schnell und unkompliziert. Musik-Streaming und das Telefonieren funktionieren tadellos. Apple-Nutzern wird außerdem CarPlay direkt angeboten. In der Natur des kleinen Bildschirms liegt, dass auch Kamerabilder der Rückfahrkamera zu klein dargestellt werden.
 

Assistenzsysteme: Kaum vorhanden

Wie weit Kleinbusse trotz allem noch von Pkw entfernt sind, merkt man bei den Assistenzsystemen. Viel ist es nicht, was VW im T6 anbietet. Das Wichtigste bleibt ein Abstandstempomat mit Notbremsfunktion, der je nach Ausstattungsvariante bis 160 oder 210 km/h funktioniert. Das System kostet in unserem Testwagen 654 Euro extra und macht seine Sache gut.

Der Rest ist überschaubar und teuer: es gibt einen Fernlichtassistenten (362 Euro), Parkpiepser mit Heckkamera für satte 969 Euro, eine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung (464 Euro) und einen Spurwechselassistenten (ab 416 Euro, elektrische Außenspiegel für 168 Euro notwendig). Der Bergabfahrassistent kostet zwar nur 96 Euro, ist aber nur bei Allrad-Modellen verfügbar.
 

Antrieb: Ausreichend aber durstig

Viele Multivan-Kunden fahren gerne flott, sagte uns Volkswagen-Nutzfahrzeug-Vorstand Eckhard Scholz bei der Fahrveranstaltung zum T6. Das scheint zu stimmen. Bei Spritmonitor liegt der Durchschnittsverbrauch für den 2,0-Liter-BiTurbodiesel mit DSG bei zehn Litern. Wir ließen es anscheinend ruhiger angehen. Mit Blue Motion Paket (tiefergelegtes Fahrwerk und rollwiderstandoptimierte Reifen für 90 Euro, nur in Kombination mit adaptivem Fahrwerk für 1.356 Euro) waren wir mit ca. 8,5 Litern auf 100 Kilometern unterwegs.

Mit 204 PS bietet der Motor zwar viel Leistung, so richtig rasen will man damit aber nicht. Beim Anfahren spürt man das typische DSG-Loch. Soll es schnell gehen, passiert zuerst nix und dann scharren die Vorderräder. Bis ca. 160 km/h hält der Bulli auf der Autobahn gut mit. Wer schneller als 190 km/h fahren will, muss den Dicken kräftig treten. Uns hat er dabei leidgetan. Schön: Der Motor bleibt zu jeder Zeit leise und ist kaum zu hören - wie gesagt, wir fuhren gerne ruhig.
 

Fahrwerk/Lenkung: Adaptive Dämpfer im Bulli

Ein Sport-Fahrwerk im Kleinbus braucht man nicht. Kann man aber haben. Volkswagen bietet für den T6 ein Dynamik-Fahrwerk mit 20-Millimeter-Tieferlegung für 303 Euro an. Außerdem gibt es eine verstärkte Variante (Federung und Dämpfung) für 208 Euro. In unserem Testwagen arbeitete das Standardfahrwerk – mit adaptiven Dämpfern für 1.356 Euro. Klar: Einen Sportwagen macht es aus dem T6 nicht, doch die Vielseitigkeit gefiel uns.

Im Comfort-Modus arbeitet das Fahrwerk extrem entspannt – für unseren Geschmack etwas zu schwammig. Am besten passte der normale Modus. Auch hier poltert der Bulli kaum und fährt sehr komfortabel, bietet aber ein direkteres Gefühl für die Straße. Den Sport-Modus wählt man, wenn es auf der Autobahn mal schneller gehen soll. Der T6 schaukelt dann bei hoher Geschwindigkeit in langgezogenen Kurven weniger und fühlt sich sicherer an. Andererseits: bei schlechtem Untergrund erinnert der sportliche Modus ein wenig an die poltrigen Tage im T5.
 

Ausstattung/Preis: Der hat sich gewaschen

Ab ca. 30.000 Euro bietet VW den T6 Multivan an. Das klingt eigentlich fair – dürfte aber kaum so auf der Straße existieren. Der kleinste Diesel leistet nur 84 PS und 220 Newtonmeter Drehmoment. Der 150-PS-Diesel mit 340 Newtonmetern sollte eine ausgeglichene Wahl sein, kostet aber schon 40.000 Euro. Unser 204-PS-Diesel mit Comfortline-Austattung bringt es auf 54.632 Euro. Und das ist noch nicht alles: Mit Sonderausstattung kostet der Wohlfühl-Bus happige 72.288 Euro.

Das liegt daran, dass VW, wie häufig, Sonderausstattungen aneinander koppelt. So steigt der Preis rasant in die Höhe. Ein Beispiel: Wer den großen Diesel kauft, muss auch Nappa-Leder-Sitze (3.575 Euro) nehmen. Dazu gehören wiederum das Discover-Navi (1.800 Euro) und das umfangreiche Original-Paket (3-Zonen-Klimaanlage, Parkpiepser, Nebelscheinwerfer usw.) für satte 3.575 Euro. Da muss VW nicht viele Assistenzsysteme (siehe oben) verkaufen.

Wir empfehlen nur noch die Alarmanlage mit Innenraumüberwachung und Abschleppschutz für 351 Euro. VW-Busse sind bei Autodieben beliebt.
 

Fazit: Meist bleibt der VW-Bus ein Traum

Ja, Männer dürfen weiter vom Bulli träumen. Vor allem, wenn sie auf dem Land wohnen und immer einen Parkplatz vor dem Haus haben.

Das eigentliche Problem am Traumauto VW-Bus ist altbekannt: Meistens bleibt es beim Traum. Der T6 ist einfach zu teuer. Und das gilt auch für gute gebrauchte Exemplare. Von Preisen unter ca. 30.000 Euro kann man auch hier nur träumen.
 

Technische Daten – VW T6 Multivan Comfortline 2.0 TDI

  • Motor: 2,0-Liter-BiTurbodiesel
  • Leistung: 204 PS; 150 kW (4.000 U/min)
  • Drehmoment: 450 Nm (1.400 – 2.400 U/min)
  • Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
  • 0-100 km/h: 9,9 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 203 km/h
  • Verbrauch: 6,3 l/100 km
  • CO2: 164 g/km
  • Testverbrauch: 8,5 bis 10,0 l/100 km
  • Länge: 5.006 mm
  • Breite: 1.904 mm (Mit Außenspiegeln: 2.297 mm)
  • Höhe: 1.970 mm
  • Radstand: 3.000 mm
  • Leergewicht (EU-Norm): 2.093 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.080 kg
  • Kofferraum: 535 bis 1.390 l
  • Basispreis: 54.632,90 Euro (diese Ausstattung/Motorisierung), Multivan ab 29.999,90 Euro
  • Preis Testwagen: 72.288,93 Euro
Text: Philipp Monse | Bildmaterial: MOTOR-TALK