Test: VW Amarok Facelift

Facelift für den Pick-up von VW Nutzfahrzeuge

Bergsteigen im Amarok

Neue Motoren machen den VW Amarok souveräner – im Gelände und auf der Straße. Erste Fahrt im VW Pick-up mit V6-Motor.

  • Der VW Amarok erhält ein Facelift
  • An Bord: Ein neuer V6-Turbodiesel in drei Leistungsstufen
  • Der Verkauf startet im September

Fast unangestrengt bergauf

Die Hangsteigung vor uns misst ungefähr 45 Grad. Vom Auto aus gesehen wirkt er riesig, innerlich treten alle an Bord einen Schritt zurück. Doch während die Besatzung still zweifelt, rollt der VW Amarok unangestrengt hinauf, im ersten Gang mit lässigen 2.000 Touren.

Dabei hat er sogar noch Reserven. VW Nutzfahrzeuge sagt, diesen Kraftakt schafft er sogar mit einer Tonne Ladung. Ein Redakteur und ein Fotograf entlocken ihm da höchstens ein müdes Schmunzeln.

Seine Kraft verdankt der Amarok dem neuen Motor, der nach dem Facelift im Pick-up arbeitet: Die alten Vierzylinder gibt es nicht mehr. Sie werden durch einen V6-Turbodiesel von Audi ersetzt.

Drei Leistungsstärken

Das neue Aggregat mit drei Litern Hubraum ist in drei Leistungsstärken verfügbar: 163, 204 und 224 PS. Das heißt, schon das Einstiegsmodell hat zukünftig 41 PS mehr als der alte Basismotor mit vier Zylindern.

Die Homologation läuft noch, daher sind über die Leistungskurve bisher nur Einzelheiten aus der Topmotorisierung bekannt: 550 Newtonmeter Drehmoment mobilisiert der V6, das sind 130 Newtonmeter mehr als beim stärksten Vierzylinder.

Und dieser Motor ist nicht nur kräftiger, er wurde laut VW Nutzfahrzeuge auch auf „Robustheit und Langlebigkeit“ optimiert. Dafür gab es neue Zylinderköpfe, Kolben und eine größere Ölwanne.

Achtgang-Automatik

Die Kraft der sechs Zylinder bringt serienmäßig eine Achtgang-Wandlerautomatik auf die Straße – und natürlich ebenso gut auf Matsch, Sand und Geröll. Denn der Allradantrieb (bei kleineren Motoren: zuschaltbarer Allrad mit Untersetzung) zieht den schweren Amarok zuverlässig überall durch. Und nicht nur ihn: Bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast schafft der stärkste Motor.

Unter dem Blech bleibt viel Bewährtes. Ein Leiterrahmen mit Blattfedern an der Hinterachse kennzeichnet den Amarok unmissverständlich als echtes Nutzfahrzeug.

Sein traditionelles Fahrwerk federt etwas straffer als das von großen SUV, und die Abmessungen der Kabine lassen den hinteren Passagieren etwas weniger Platz. Dafür ist die Ladefläche geräumig, es passt eine ganze Europalette drauf.

Bis zu 193 km/h auf Asphalt

Aber es geht um mehr als den nackten Nutzen. Der Amarok startet im September 2016 als Top-Modell Aventura. Das bekommt Ledersitze, Navi und 20-Zoll-Reifen serienmäßig – etwas mehr Lifestyle für den Pick-up. Mattlackierung ist gegen Aufpreis ebenfalls erhältlich.

Zu diesen zivilen Attributen passen die Fahrleistungen auf Asphalt: Das Topmodell erreicht laut Hersteller bis zu 193 km/h. Beim Beschleunigen nimmt sich der V6 einen Wimpernschlag extra Zeit. Steht der Ladedruck, schiebt die Maschine kräftig an.

Den Normverbrauch für diese Motorisierung gibt VWN mit 7,6 Litern auf 100 Kilometer an. Bei unserer Testfahrt pendelte sich der Durst des stärksten Amarok bei knapp zehn Litern ein. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h wird noch nicht kommuniziert.

Mit sperrigen Aufbauten über der Ladefläche oder optionalen Lampen auf dem Dach des Fahrerhauses steigt natürlich der Verbrauch, das Maximaltempo sinkt. Zusätzliche Fernlichter verwirbeln die Luft, das kommt akustisch als Flattern im Innenraum an – auch das sind Details, die das Nutzfahrzeug erkennen lassen.

Offroad ist sein Element

Wieder im Gelände bewegt sich der Amarok merklich in seinem Element. Rahmen und Karosserie kassieren selbst Querverschränkungen, wenn ein Hinterrad komplett in der Luft hängt, ohne Knarzen oder Knirschen. Der Pick-up bleibt stoisch, steif und verwindet sich nicht merklich.

Auf hügeligem Terrain hilft seinem Fahrer der Offroad-Modus: Die Software bremst bei Talfahrten automatisch und verhindert bergauf unbeabsichtigtes Zurückrollen. Außerdem gibt es optional ein Sperrdifferenzial.

Für den Ausflug ins Weglose empfiehlt VW Nutzfahrzeuge allerdings kleine Felgen: 18-Zöller statt der großen 20-Zoll-Räder.

Marktstart & Preise

In der Ausstattungslinie Aventura kostet der Amarok 55.365 Euro. Im 2. Quartal 2017 folgt die Basisversion mit Doppelkabine und 163 PS für 30.607 Euro – das sind 1.119 Euro mehr, als die Version mit 140 PS in der gleichen Karosserieausführung kostete. Nicht zu viel für 23 Zusatz-PS – und zwei Extra-Zylinder.

Amarok bei mobile.de

Der VW Amarok kam 2010 auf den Markt, die Kunden konnten seitdem zwischen einem Vierzylinder-Turbodiesel in drei Leistungsstufen (122, 163 und 180 PS) sowie einem Turbobenziner mit 160 PS wählen. 

Bei mobile.de sind aktuell mehr als 1.700 Amarok im Angebot, neu und gebraucht. Davon ist nur eine Handvoll mit Benzinmotor ausgestattet. Etwa 90 Prozent des Bestands verfügt über Allradantrieb.

Ab rund 12.000 Euro beginnt der Preis für einen gebrauchten Amarok – dafür erhält man ein Fahrzeug aus den ersten beiden Baujahren mit mehr als 130.000 Kilometer Laufleistung:

Amarok bei mobile.de

Text: Constantin Bergander
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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