Test: Kia Niro

Neuer Hybrid-Kia kommt im Herbst

Harmonische Zweier-Beziehung

Kia muss seinen Flottenverbrauch weiter senken. Ein kleines SUV mit Hybridantrieb soll dabei helfen. Bei ersten Testfahrten musste der Kia Niro mit seinem 141-PS-Antrieb jetzt zeigen, was er kann.

  • Kia hat mit dem Niro ein kleines Hybrid-SUV entwickelt
  • Elektro- und Verbrennungsmotor sind gut aufeinander abgestimmt
  • Das „Hybrid Utility Vehicle“ startet im September

Elektromotor spielt tatkräftig mit

Wie ein altes Ehepaar sollte ein Hybridantrieb sein. Wie ein glückliches. Harmonisch sollen Elektro- und Verbrennungsmotor zusammenarbeiten. Der eine übernimmt, wo der andere nicht mehr kann. Der andere unterstützt, damit der eine sich nicht verausgabt.

Toyota macht seit Jahren im Prius vor, wie das geht. Ansonsten scheint der klassische Vollhybrid fast ein wenig aus der Mode. Doch mit dem Kia Niro kommt Leben in die Sache. Denn einen Vollhybrid in einem kleinen SUV unterhalb der Kompaktklasse gibt es bislang noch nicht.

Kia geht gleich in die Vollen und nennt den Niro HUV statt SUV - „Hybrid Utility Vehicle“ (HUV). Der erste Eindruck rechtfertigt das durchaus. Ziemlich oft spielt der Elektromotor tatkräftig mit. Wer behutsam anfährt und mit vorsichtigem Gasfuß gleichmäßig dahinrollt, hört den Verbrenner nur selten. Selbst bei Tempo 100 auf der Autobahn surrt zuweilen nur der E-Motor, und der Verbrenner schweigt. Und wenn er sich meldet, hört man ihn kaum. Harmonisch greifen die beiden ineinander. Gut so.

Weniger wuchtig als der Sportage

Äußerlich sieht man dem Niro kaum an, dass Hybrid-Technik unter dem Blech sitzt. Dabei steht er auf der neuen Hybrid-Plattform von Kia und Hyundai. Auf ihr sollen künftig noch mehr „Eco-Fahrzeuge“ entstehen.

Äußerlich ähnelt der Niro dem Kia Sportage, mit 4,35 Meter ist er aber 12,5 Zentimeter kürzer. Auch die restlichen Abmessungen tragen zusammen mit dem zurückhaltenden Design dazu bei, dass der Niro nicht so wuchtig erscheint wie der Sportage.

Dafür wirkt er im Innenraum aber fast so solide. Die Materialien sind ordentlich, die Oberflächen fühlen sich gut an. Das ist vernünftiges Kompaktklasse-Niveau.

Harmonische Motoren-Kooperation

Aber auf zur Sparfahrt: Der Niro geht flott los und beschleunigt mit dem serienmäßigen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe angenehm gleichmäßig. Der Elektromotor überspielt offenbar die DSG-typische Anfahrschwäche gekonnt.

Bis zu 105 PS entwickelt der Vierzylinder, im Team mit dem E-Motor werden 141 PS Systemleistung daraus. 11,5 Sekunden vergehen bis Tempo 100, bei 162 km/h wird abgeregelt.

An Steigungen schiebt der E-Motor mit und sorgt für Kraft, wo der Verbrenner prinzipbedingt schwächelt. Kia lässt ihn nämlich im sogenannten Atkinson-Zyklus laufen. Toyota verfolgt im Prius die gleiche Strategie. Wie gesagt, nahtlos, ohne spürbares Rucken und kaum hörbar springt der Benziner an, wenn im Akku die Kraft zur Neige geht oder mehr Kraft benötigt wird.

Rekuperation mit Navigation

Damit der E-Motor so oft und effektiv wie möglich den Verbrenner entlasten kann, nutzt Kia auch Navigationsdaten fürs Ladeschema. Also rekuperiert der Niro bergab stärker, wenn kurz danach ein Hügel zu überwinden ist.

Umgekehrt fließt bergauf mehr Batteriestrom, wenn anschließend eine Talfahrt folgt. Der Fahrer bemerkt das allenfalls am Energiefluss-Schema im Display des Cockpits – und am niedrigen Verbrauch.

Knapp fünf Liter Realverbrauch

3,8 Liter gibt Kia für den sparsamsten Niro mit 16-Zoll-Felgen an. Auf der Testfahrt – gut 40 Kilometer in ruhigem Verkehr – ermittelte der Bordcomputer einen durchschnittlichen Benzinverbrauch von 5,1 Litern auf 100 Kilometer. Allerdings ohne dass wir uns zu besonderer Zurückhaltung gezwungen hätten.

Bei der sportlichen Niro-Variante mit 18-Zoll-Rädern, etwas mehr Ausstattung und entsprechend straffem Fahrwerk ließen wir es besonders ruhig angehen – und schafften auf derselben Etappe 4,5 Liter auf 100 Kilometer. Der Normverbrauch für den Sport-Niro liegt bei 4,4 Litern. Ein prima Wert also.

Preis noch nicht bekannt

Dabei punktet der Niro nicht nur mit geringem Verbrauch, sondern auch mit Komfort: Platz gibt es im Überfluss, hinten haben auch Mitfahrer mit langen Beinen eine angenehme Fahrt auf bequemen, nicht zu weichen Sitzen. Der lange Radstand von 2,70 Meter hilft. Das Kofferraumvolumen kann sich mit 427 bis 1.425 Litern bei umgeklappten Rücksitzen auch sehen lassen.

Es gibt die üblichen Sicherheitsassistenten, darunter eine Notbremse mit Fußgängererkennung, den Abstandstempomaten und sogar einen zuverlässig funktionierenden aktiven Spurhalteassistenten. Die Smartphone-Anbindung funktioniert per Apple Carplay oder Android Auto. Alles serienmäßig.

Die Preise für den Kia Niro starten bei 26.290 Euro. Der Sportage kostet mit dem etwa gleichstarken 132-PS-Benziner ab 19.990 Euro, ist aber größer. Allerdings fährt der Niro vorläufig in einer Marktnische: 2.000 Stück sollen im nächsten Jahr in Deutschland verkauft werden. Ab September wird der Niro beim Händler stehen.

Hybridautos bei mobile.de

Wer nicht so lange warten will: Bei mobile.de werden aktuell mehr als 7.400 Hybridautos verschiedener Marken zum Kauf angeboten, davon sind rund 860 neu.

Die überwiegende Mehrheit der avisierten Autos, nämlich rund 7.000 Stück, fährt mit einer Kombination aus Benzin- und Elektromotor. Diesel-Hybride sind bisher sehr selten.

Weiter filtern lässt sich die Liste mit einem Häkchen auf „fahrtauglich“ und der Auswahl zwölf Monate im Menü „HU mind. gültig“ (beide am Ende der Suchmaske) – dann bleiben 3.259 Hybridmodelle.

Hybridautos bei mobile.de

Text: Heiko Dilk
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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