Test: BMW 330e Plugin-Hybrid

Mittelklasse-Bayer mit Doppelherz

Prius weiß-blau

BMW fahren und Sprit sparen - eigentlich ein Widerspruch in sich. Doch mit dem 3er als Plug-in-Hybrid geht das. Einer Systemleistung von 252 PS steht ein Spritsparpotenzial von 2 Liter auf 100 km gegenüber. Kann das Spaß machen? Und wie!

 
 
16. Februar 2016

Ein ganz normaler 3er BMW. Sein Typenschild fällt erst auf den zweiten Blick auf. Nein, nicht „330i“ oder „330d“ steht rechts auf dem Heckdeckel, sondern „330e“. Wer als Passant gedankenverloren an diesem Auto vorübergeht, wird verblüfft stehenbleiben und den geparkten 3er argwöhnisch fixieren.

Erstmal Entwarnung: Nein, das ist kein Elektro-Dreier, jedenfalls nicht ausschließlich. Noch heißt das „e“ bei BMW, dass unter der Motorhaube nicht nur ein Vierzylinderbenziner mit 135 kW / 184 PS aus dem BMW 320i, sondern in Kombination mit der Achtgang-Automatik auch ein 88 PS starker Elektromotor arbeitet. Der Prius weiß-blau, es wurde auch mal Zeit.

Der 330e hat wie beim Toyota Prius, dem Urvater aller Hybridautos (zumindest derjenigen, die nennenswert Käufer fanden), drei Funktionen: Er dient umgepolt als Generator, um die Lichtmaschine zu entlasten. Er greift dem Benziner beim Beschleunigen höchst effektvoll unter die Arme. Und dann darf er auch auf eigene Faust den Mittelklasse-BMW antreiben. Naja, ein bisschen zumindest.

Bis zu 40 km Reichweite mit E-Motor

Dabei handelt es sich um immerhin 40 Kilometer, jedenfalls unter optimalen Bedingungen. Mehr benötigen BMW-Kunden anscheinend nicht. Immerhin ermöglicht eine solchermaßen gestraffte Reichweite auch eine flotte Ladezeit von knapp drei Stunden. Damit kann ein Pendler den Akku sogar während der Arbeit komplett volladen – sofern es eine Steckdose in Reichweite gibt.

Im Unterschied zum Familienvan BMW 225xe Active Tourer, wo das identische Elektromodul zusätzlich die Hinterachse antreibt, ist der 330e kein Allradler, sondern beide Motoren treiben gemeinsam ausschließlich die Hinterachse an.

„Die Gewichtsverteilung liegt fahrdynamisch günstig bei 49:51 Prozent“, erklärt Helmuth Wiesler, Projektmanager des BMW 330e, „insgesamt stehen nicht nur 252 PS, sondern auch 420 Nm Drehmoment zur Verfügung. Damit liegt der Hybride sogar auf dem Niveau des 340i.“

Elektromotor am Getriebe

Wer eine Wallbox kauft (das kostet natürlich mindestens 895 Euro extra), verkürzt den Aufladeprozess auf immerhin zwei Stunden. Das 7,6-kWh-Akkupaket befindet sich unter dem Kofferraumboden des 4,63 Meter langen Hybrid-3ers, wodurch das Volumen auf 370 statt 480 Liter reduziert wird.

Wer mehr Platz benötigt, kann die Rückbank wie gewohnt im Verhältnis 40:20:40 umklappen und so auch lange Gegenstände durchladen wie bei einem Standard-Dreier.

Gerade bei Modellen mit hellen Lackierungen nicht schön, aber notwendig: die zweite Tankklappe für den Elektrostecker im linken vorderen Kotflügel. Sonst weist von außen nichts auf das hybride Innenleben des Bayern hin.

Ab 120 km/h springt der Benziner an

Im normalen Fahrbetrieb ist der BMW 330e nach dem Start direkt im Auto-e-Modus nahezu geräuschlos mit seinem 88 PS starken Elektromotor unterwegs – im Max-e-Modus bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h.

Erst bei stärkerem Beschleunigen inklusiv Kickdown oder leerem Akkupaket schaltet sich das aufgeladene Zweiliter-Triebwerk feinfühlig abgestimmt hinzu und macht den 1,7 Tonnen schweren Viertürer so ambitionierten Sportler.

Die intelligente Bordelektronik wählt in Abstimmung mit der serienmäßigen Achtgang-Automatik dezent im Hintergrund den rechten Vortrieb; beeinflusst vom Fahrer, der über einen unscheinbaren Schalter am Getriebetunnel zwischen drei Fahrmodi wählen kann.

BMW-Kunden fahren nur 30 km am Tag

Hinter dem Steuer macht der 330e so viel Laune, wie man es sich von einem 3er BMW wünscht. Kein Wunder, denn die Gesamtleistung des Mittelklassemodells liegt bei 185 kW / 252 PS und mehr als kraftvollen 420 Nm. Nur beim starken Beschleunigen drängt sich der seelenlose Klang des Vierzylinder-Turbos gerade bei höheren Drehzahlen nervig in den Vordergrund.

Die rein elektrische Reichweite liegt bei sehr überschaubaren 40 Kilometern. „Unsere Kunden fahren täglich weniger als 30 Kilometer“, räumt Helmuth Wiesler ein, „unter der Woche kann man daher alle Fahrten elektrisch zurücklegen und wenn am Wochenende einmal längere Touren anstehen, gibt es mit dem 330e keinerlei Einschränkungen.“ Warum BMW-Kunden weniger fahren als der bundesdeutsche Durchschnitt, bleibt ein Rätsel. Der Benzintank fasst jedenfalls 41 Liter, das langt auch für eine schnelle Spritztour in die Berge.

1,7 Tonnen Leergewicht sind üppig

Der wie bei Plug-In-Hybriden üblicherweise günstig gerechnete Normverbrauch liegt bei ebenso spektakulär günstigen wie irrealen 1,9 Litern Super; gerade einmal 44 Gramm CO2 – vorausgesetzt, man hat abends in der heimischen Garage vollgeladen.

Während der Spurt 0 auf Tempo 100 in 6,1 Sekunden vonstatten geht, dann natürlich nur mit beiden Motoren, ist die Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h allemal ausreichend; aber im Vergleich zu gleichstarken Modellen überraschend gering.

Die üppige Motorleistung hilft, dass der BMW 330e sein üppiges Leergewicht von 1.735 Kilogramm (an dem auch der Akku schuld ist) weitgehend überspielen kann. Nur wer sehr dynamisch unterwegs ist, spürt das Übergewicht im Vergleich zu einem 330i.

Standheizung ist Serie im 330e

Beim Preis liegen BMW 330e und der ebenfalls 252 PS starke Benziner des 330i nahezu gleichauf. Der schlechter ausgestattete BMW 330i – mittlerweile ebenfalls nur noch mit einem aufgeladenen Vierzylinder unterwegs – startet bei 41.900 Euro; verbraucht jedoch mindestens 5,5 Liter Super.

Wer viel außerhalb der Innenstadt fährt, sollte daher bei einem sparsamen Diesel wie dem 318d / 320d bleiben. Angenehm: der BMW 330e verfügt zudem serienmäßig über eine Standheizung und -kühlung, die entweder sofort über eine Taste am Fahrzeugschlüssel, per Smartphone oder mittels eines Zwei-Wochen-Timers aktiviert werden kann.

BMW geht Schritt für Schritt den Weg zum Elektroauto: Der Elektromotor im 330e ist weit mehr als nur ein Flautenschieber für den großen Vierzylinder. Mehr Details vom 3er als Plug-in-Hybrid in der => Bildergalerie

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Der 3er ist eine unendliche Geschichte, inzwischen ist die 6. Generation der sportlichen Mittelklasse aus Bayern auf dem Automarkt. Bis der Hybrid 330e ab 3. März beim Händler steht, vergehen noch ein paar Wochen.

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Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff