Diese Klassiker werden wertvoller

Kaufberatung: Youngtimer mit Potenzial

Psst, der Preis steigt!

Jeder kennt sie, jeder hatte sie: die verpassten Gelegenheiten. Damit das nicht wieder passiert: Es gibt eine ganze Reihe von jungen Klassikern, die im Wert steigen werden, aber derzeit noch vergleichsweise günstig sind. mobile.de stellt Autos vor, die schon bald zu den verpassten Gelegenheiten zählen werden – wenn Sie jetzt nicht zugreifen!

16. Februar 2015

Ach, hätte ich doch nur… – ja, hätte man doch. Jeder kennt diese verpassten Gelegenheiten. Dabei muss man gar nicht auf die Liga der Supersportwagen schauen, die derzeit wieder mal durch absurd hohe Millionenpreise auf sich aufmerksam machen.

Gerade eben wurde ein Ferrari 250 GT SWB California Spyder in Paris für 14,2 Millionen versteigert, der sich zwar in beklagenswertem Zustand, aber dafür – quasi als Entschädigung – auch im Vorbesitz des Schauspielers Alain Delon befand (hat der den so verrotten lassen?).

Es ist nicht lange her, da gab es gute Golf GTI der ersten Generation für weit unter 4.000 Euro zu kaufen. Der aktuelle Kurs für das begehrte Pirelli-Sondermodell: 8.200 Euro (alle Preisangaben in diesem Artikel laut Classic Data für ein Fahrzeug im Zustand 2). Für das kultige Spielmobil hätte man die Hälfte des Kaufpreises sparen können, wenn man denn zugeschlagen hätte.
 

 
 

 

Ewige Suche nach der Faustformel

Woran erkennt man einen zukünftigen Klassiker, der ein Potenzial zur Wertsteigerung hat? Frank Wilke, der Geschäftsführer der Sachverständigen-Organisation Classic Analytics meint dazu: „Als grobe Faustformel trennt sich ab ungefähr 13 bis 17 Jahren die Spreu vom Weizen. Soll man sein Auto weiterfahren oder es verkaufen, weil die Reparaturen zu teuer werden? Entscheidend hierfür ist die emotionale Bindung des Besitzers oder Interessenten. Da haben meist Modelle etablierter Marken wie die Mercedes E-Klasse W124 einen Vorteil gegenüber beispielsweise einem Toyota Carina.“

Laut Wilke ist es auch entscheidend, dass sich ein Fankreis für das entsprechende Auto bildet. Ein Paradebeispiel hierfür sei der Ford Taunus mit dem Spitznamen „Knudsen“ nach dem damaligen Ford-Vorstandvorsitzenden Semon E. „Bunkie“ Knudsen. Die markante Nase des Taunus erinnert an amerikanische Autos.

Wertsteigernd wirkt sich nach Einschätzung Wilkes zudem die angebliche Spießigkeit des Youngtimers aus, was heute als kultig gelte. „Wichtig ist die Bauform eines Autos. Hier haben emotional aufgeladene Autos wie Coupés oder Cabrios eindeutige Vorteile gegenüber der Limousine.“

Mehr Leistung lohnt sich zumeist

Wenn möglich, sollte man zudem die Topmotorisierung wählen. Es gibt zwar Ausnahmen wie das „Chrommodell“ des oben erwähnten Alfa Romeo Alfetta GTV (siehe Bildergalerie), aber meistens ist die Topmotorisierung auch für die künftige Wertsteigerung entscheidend.

Als Beispiel mag die Mercedes S-Klasse der Baureihe W116 (1972 bis 1980) dienen. Während der 450 SEL mit 225 PS im Zustand 1 bis 2 zwischen 13 und 17.000 Euro liegt, ist das 286 PS starke Spitzenmodell mit dem Zusatz „6.9“ in identischem Zustand notiert bei Classic Analytics mit bis zu 38.000 Euro.

Größter Teil der Autokosten: Wertverlust

Die meisten Chancen auf eine Wertsteigerung bietet natürlich die Spezies der Sportwagen (aber auch andere Beispiele finden sich in unserer Bildergalerie). Offen, sportlich, von einer großen Marke – da kann man wie beim Alfa Romeo Alfetta GTV nicht viel falsch machen.

Der Vorgänger dieses Autos, der wunderhübsche „Bertone“, kommt ebenfalls aus dem Preiskeller und liegt aktuell bei 23.400 Euro. Die Alfetta bei 10.100 Euro. Da lässt sich mit fast 100%iger Sicherheit ein Schnäppchen machen.

Zwei sehr beliebte Fehler sollten Sie dabei aber unbedingt vermeiden.

Die Spekulation kann auch schiefgehen

Der erste Fehler: Ja, ihr Auto kann mit der Zeit mehr wert sein. Doch es ist bis auf ganz wenige Ausnahmen wie den oben erwähnten Ferrari kaum möglich, das rostigste Hobby der Welt hiermit komplett zu refinanzieren. Zwar ist der Wertverlust bei den Autokosten der dickste Posten, doch Ausgaben für Reparaturen, (rost- und gammelfreie) Unterbringung, Versicherung und Steuern werden den Wertzuwachs fast immer wieder auffressen – und mehr als das. Vor allem bei hochpreisigen Exoten oder Oberklasseautos von Mercedes und Porsche fressen die Wartungs- und Reparaturkosten oft den Zuwachs auf.

Mercedes ist ein gutes Beispiel für den zweiten Fehler. Man muss immer genau auf das jeweilige Modell schauen. Althergebrachte „Gewissheiten“ wie beispielsweise, dass die SL-Reihe von Mercedes in der Preisbewegung nur nach oben gehen kann, sind mit Vorsicht zu genießen.

Konkret: Der Klassik-Wertgutachter „Classic Data“ setzt die Wertentwicklung des SL der Baureihe R 129 (1989–2001) mittelfristig auf negativ. Von dem beliebten Alltags-Youngtimer werden einfach zu viele Exemplare aus den USA oder Japan reimportiert, das drückt die Preise.

Britische Autos generell schwierig

Das kann man ebenfalls beim Ford Mustang Coupé sehen, und sogar ein Ferrari Mondial befindet sich derzeit in der Abwärtsbewegung. Die meisten Profis sehen britische Autos generell als schwierig. Sind es nicht Rennsport-Ikonen oder Ausnahmen wie der Jaguar E-Type, dann gilt: Mit großen Preissprüngen ist eher selten zu rechnen.

Trotzdem: Es ist ein tolles Gefühl, wenn das Auto mehr wert wird. Eine rollende Geldanlage, die auch noch Spaß macht – das kann die Goldmünze im Banktresor nicht bieten.

Weitere Beispiele für Youngtimer mit Potenzial, die jetzt noch günstig sind, finden Sie in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund