Macht die Autobatterie (fast) unsterblich

So bleibt der Akku auch bei Frost fit

Es lebe die Batterie!

Der Winter enthüllt schonungslos die größte Schwachstelle im Auto: die Batterie. Ein wenig Frost genügt, und angeschlagene Stromspeicher hauchen ihr kurzes Leben ganz aus. Doch warum halten einige Batterien länger als andere? Und was kann man tun, um die Akku-Lebensdauer zu verlängern?

29. Januar 2015

Dieser Zweite Weihnachtsfeiertag hatte es in sich: Allein der ADAC musste dank des Wintereinbruchs an diesem und den folgenden vier Tagen zu 77.538 Pannen ausrücken – das waren 67,3 Prozent mehr im Vorjahreszeitraum. Der Hauptgrund waren defekte Batterien.

Die erheblich niedrigen Temperaturen im Winter sorgen dafür, dass die Batterie langsamer geladen wird und weniger Leistung bereitstellen kann. Hinzu kommt ein steigender Strombedarf: Motor und Öle sind kälter und damit erheblich schwergängiger.

Hinzu kommen Verbraucher, die in der kalten Jahreszeit Hochkonjunktur haben: beheizbare Heckscheibe, Sitzheizung, Gebläse und Co. fressen einen großen Teil Stroms, den die Lichtmaschine erzeugt. Effekt: Insbesondere bei Stop-and-go-Fahrten erreicht weniger Ladeleistung bei der Batterie an. Sie erschöpft schneller, altert schneller, ist schneller am Ende.

 

 
 

 

Tod durch inneren Kurzschluss

Müssen wir uns damit abfinden? Zum Glück nicht: Es gibt Mittel und Wege, eine Batterie im Winter fit zu halten. Dazu hilft es, einen Blick auf ihre Funktionsweise zu werfen. Eine klassische Auto-Batterie besteht aus einem Kunststoffgehäuse, darin liegen Bleiplatten sowie eine umgebende Flüssigkeit. Diese Bleiplatten sind die Elektroden, sie stehen in einer Mischung aus Batteriesäure und destilliertem Wasser.

Mit der Zeit – und besonders häufig bei entladenen Batterien– bilden sich an der Oberfläche der Bleielektroden sogenannte Bleisulfat-Kristalle. Diesen Vorgang nennt der Fachmann „Sulfatierung“. Die Batterie „altert“ dabei, denn die aktive Oberfläche der Elektroden verringert sich und kann weniger Energie speichern bzw. abgeben.

Die Batterie hat schließlich kaum noch Leistung und kann den Motor nicht mehr starten. Im Extremfall können sich die Bleisulfat-Kristalle sogar lösen und am Boden des Kunststoffgehäuses eine Schicht bilden. Steigt diese so hoch, dass sie die Elektroden berührt, stirbt die Batterie durch einen inneren Kurzschluss.

Gute Pflege verdoppelt das Alter

Um die Lebensdauer zu verlängern muss diese Sulfatierung verhindert oder zumindest verlangsamt werden. Das erreicht man bei wenig genutzten Batterien durch regelmäßiges Auf- und Entladen. Hierfür gibt es für weit unter 100 Euro Ladegeräte und „Batterietrainer“ im Zubehörhandel, zum Beispiel bei eBay. Eine ausreichende Flüssigkeitsmenge innerhalb der Batterie ist ebenfalls wichtig. Sinkt der Flüssigkeitsstand nahe der Minimum-Markierung, muss mit destilliertem Wasser nachgefüllt werden.

Vier weitere Batterie-Tipps zur Pflege von Dr. Eberhard Meissner, Batterieexperte bei Johnson Controls (Varta-Autobatterien):

  • Ihre Batterie sollte regelmäßig getestet werden. Fragen Sie in Ihrer Werkstatt nach einem Batteriecheck – oft ist dieser kostenfrei.
  • Säubern Sie die Batteriepole und das Kunststoffgehäuse mit einem Antistatik-Tuch. Denn Feuchtigkeit und Schmutz zwischen den Polen können die Autobatterie entladen.
  • Stellen Sie sicher, dass eine gute elektrische Verbindung zwischen den Polklemmen besteht, und ziehen Sie diese wenn notwendig fester.
  • Um eine Entladung der Batterie verhindern, fahren Sie regelmäßig längere Strecken mit Ihrem Auto, also mindestens 30 Kilometer Fernstraße oder Autobahn. Auf kurzen Strecken mit vielen Ampelstopps wird die Batterie nämlich nicht vollständig aufgeladen, was das Ausfallrisiko erhöht. Stromfresser wie Heckscheibenheizung, Sitzheizung und Belüftung entziehen dem Stromspeicher insbesondere im Leerlauf (Ampel, Stau) viel Energie.

Megapulse reanimiert ausgefallene Akkus

Eine weitere Möglichkeit zur Lebensverlängerung ist – angeblich – das sogenannte Pulsen. Einer der Anbieter von Pulsern ist Novitec, das Produkt heißt Megapulse. Der Megapulse ist ein Kästchen von etwa der Größe einer Zigarettenschachtel. Es kostet rund 70 Euro – also etwa so viel wie eine gute Pkw-Batterie – und wird einfach zwischen Plus-und Minuspol der Batterie angeschlossen (siehe Bildergalerie).

Laut Hersteller sendet der Megapulse permanent gleichmäßige, hochfrequente Stromimpulse in die Batterie, so dass sich die schädlichen Bleikristalle zurückbilden. Sogar für tot erklärte Batterien sollen auf diese Weise wiederbelebt werden können, die Lebensdauer einer normalen Autobatterie auf 20 Jahre und mehr verlängert werden.

Klaus Krüger, Gründer von Novitec: „Bleiakkumulatoren haben von jeher eine relativ kurze Lebenszeit und damit hat sich der Kunde weitestgehend abgefunden. Doch der Megapulse kann die Lebenszeit von Bleiakkumulatoren drastisch verlängern und somit helfen, zigtausende Tonnen Blei einzusparen.“

Zauberkästchen oder Mogelpackung?

Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein – und erinnert an Wundermittelchen zum Spritsparen, die immer wieder angeboten und ebenso regelmäßig als fauler Zauber entlarvt werden. Fällt auch der Megapulse in diese Kategorie? Zauberkästchen oder Mogelpackung?

Der ADAC „sieht keinen eindeutigen Nachweis für einen positiven Effekt der Pulser“, wie ein Fachmann des Clubs gegenüber mobile.de bekräftigt. Doch eine Studie der Technischen Universität Wien aus dem Jahr 2001 kommt zum gegenteiligen Ergebnis: Die Wissenschaftler testeten rund 80 Autobatterien, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden: mittlere Schädigung sowie starke Schädigung.

Der Megapulse konnte alle Batterien wiederbeleben: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei sämtlichen bepulsten Altbatterien […] die Ladefähigkeit zurückgewonnen wird“. Unterschiedlich war nur die Dauer des Pulsens in beiden Kategorien, bis sich die Ladefähigkeit wiederhergestellt hatte. Die mittelstark geschädigten Batterien brauchten sieben Tage bis zur Regeneration, die stark geschädigten 14 Tage. Aber nach dem Pulsen waren laut TU Wien alle Batterien startklar.

Im Kfz-Bereich noch ein Geheimtipp

In der Batterie-Industrie dagegen hat man für den Megapulse nur Schweigen übrig. Auch die Nachfrage an Hersteller, ob sie denn nicht wüssten, ob ein Pulser ihren Produkten etwas Gutes tue, führte zu keiner Stellungnahme gegenüber mobile.de.

Der Gedanke liegt nah: Zehn Millionen verkaufte Batterien sind eben auch ein großes Geschäft, und der Megapulse ist der natürliche Feind dieses Geschäftes.

Der Megapulse ist im Kfz-Bereich noch ein Geheimtipp. Recht gut kennt man ihn dagegen im Wohnwagen- und Bootsbereich – also dort, wo Energiespeicher lange ungenutzt vor sich hin stehen. Das Kästchen steht folglich auch vielfach in Elektronik-Fachgeschäften und bei Schiffsausrüstern im Regal – aber nirgendwo dort, wo es Autobatterien gibt.

Verdreifachung der Akku-Lebensdauer

Immerhin kann Novitec selbst positive Kundenreferenzen vorweisen. Beispielsweise die der bayerischen Spedition Bierbichler. In den rund 30 Kühl-LKW des Rosenheimer Feinkost-Lieferanten überlebten die Fahrzeugbatterien aufgrund des intensiven Stromverbrauchs bislang maximal zwei Jahre.

Bedingt durch den täglichen, intensiven Einsatz der Ladebordwand, der Kofferinnenbeleuchtung, sowie aller anderen elektrischen Verbraucher des Nutzfahrzeuges wie Klimaanlage, Beleuchtung, Sitzheizung ist die Belastung der Fahrzeugbatterien insbesondere in den Wintermonaten enorm, berichtet das Unternehmen. Aber: „Die Benutzung des Megapulse allein hat die Lebensdauer unseres sehr batterieintensiven Betriebs in etwa verdoppelt“, schwärmt Bierbichler.

Die von Novitec gegebene Empfehlung der regelmäßigen Ergänzungsladung zusätzlich zum Megapulse hat die Spedition nach bisherigen Erfahrungen nun veranlasst, von einer mehr als dreifachen Batterie-Lebensdauer auszugehen. Ein starkes Argument für ein Unternehmen, das mit jedem Cent rechnen muss.

Wie sieht der Megapulser aus; und wie wird er genutzt? Hinweise finden Sie in der Bildergalerie.

Text: Portal-Manufaktur / Stephan Hellmund