Das musst Du jetzt zur Auto-Kaufprämie wissen

Corona: Staatliche Zuschüsse für Neu- und Gebrauchtwagen

Die Politik kündigt eine Entscheidung zu Corona-Kaufprämien für Autos bis Juni 2020 an. Im Gespräch: 3.000 bis 4.000 Euro. Das musst Du jetzt wissen.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 05/07/2020, 01:49 PM
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Quelle: dpa/Picture Alliance Um die Wirtschaft in der Corona-Krise wieder anzukurbeln, denkt die Politik offenbar über eine Auto-Kaufprämie nach

Kommen Corona-Auto-Kaufprämien? Mit staatlichen Fördergeldern könnte die Bundesregierung die Nachfrage nach Autos in Gang bringen und den Absatz der Autoindustrie in den kommenden Monaten stärken. Erhoffter Effekt: In Deutschlands Schlüsselindustrie könnte die Wertschöpfungskette wieder anspringen und so die Konjunktur gestützt werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Gespräch: 3.000 Euro für Benziner und Diesel
  • Im Gespräch: 4.000 Euro für E-Autos zusätzlich zur E-Auto-Prämie
  • Auch Prämien für junge Gebrauchtwagen gefordert
  • Entscheidung Anfang Juni 2020
  • Kritik von Umweltverbänden

Corona-Prämie: Wie viel Geld gibt es?

Zur geplanten Höhe und Ausgestaltung der Corona-Kaufprämie gibt es noch keine konkreten Informationen. Zu erwarten ist, dass es eine Staffelung je nach Schadstoff- und CO2-Ausstoß geben wird. Die Ministerpräsidenten Stephan Weil, Markus Söder und Winfried Kretschmann (Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg) haben einen konkreten Vorschlag unterbreitet. Demnach könnte die Prämie wie folgt ausgestaltet werden:

  • Es gibt 3.000 Euro Zuschuss beim Kauf eines Autos mit Benzin- oder Dieselmotor.
  • Plug-in-Hybride, Elektroautos und Wasserstoff-Modelle könnten mit 4.000 Euro gefördert werden.
  • Die Prämie gelte zusätzlich zur bestehenden Prämie auf Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Modelle.


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Elektro-Vorführwagen

Vorführwagen werden von Händlern meist zur Ausstellung oder für Probefahrten genutzt.


Wann kommt die Corona-Prämie für Autos?

Bei einem „Autogipfel“ sprechen Vertreter der Bundesregierung sowie Vertreter der Automobilbranche am 5. Mai 2020 über Konjunkturmaßnahmen für die Automobilbranche. Im Anschluss an die Konferenz haben Regierungsvertreter angekündigt, Anfang Juni über Kaufanreize für Autos entscheiden zu wollen.

Es ist zu erwarten, dass an diesem Zeitplan festgehalten wird und schon in wenigen Wochen eine Entscheidung über die Prämie fällt. Sonst droht weiterer Schaden. Darauf weist die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, Hildegard Müller, hin: Es müsse zeitnah entschieden werden, damit es „eine Klarheit im Markt“ gebe. Andernfalls würden Verbraucher nicht nur wegen der Corona-Krise verunsichert, sondern auch in der Frage, ob sich das Warten auf die Prämie lohnt.



Welche Autos werden gefördert?

Noch gibt es keine Beschlüsse darüber, welche Autos konkret gefördert werden. Zu erwarten ist eine Staffelung der Corona-Kaufprämie nach ökologischen Kriterien. Denkbar ist zudem eine Staffelung der Kaufzuschüsse nach Neuwagen und Gebrauchtwagen.

Dabei dürfte es vor allem um junge Gebrauchtwagen gehen: Die Regierung strebt einen „Modernisierungsbeitrag in Richtung innovativer Fahrzeugtechnologien“ an, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg haben vorgeschlagen: Zu fördernde Fahrzeuge müssen mindestens die Schadstoffklasse Euro 6d-TEMP erfüllen. Sie gilt ohnehin seit 1. September 2019 für Neuwagen.

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Quelle: Picture Alliance VW-Autohaus in Wolfsburg: Nach der Zwangsschließung stehen bei vielen Autohändlern die Höfe voll. Gleichzeitig fahren die Hersteller die Produktion wieder an

Die Automobilbranche wünscht sich explizit eine Förderung, die nicht auf Elektroautos begrenzt ist, sondern moderne Benziner und Diesel einschließt. Deren Anteil am Gesamtmarkt betrug im Jahr 2019 mehr als 90 Prozent.

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat darüber hinaus eine Prämie für Gebrauchtwagen ins Spiel gebracht: Gestaffelt solle es Prämien zwischen 2.000 und 4.000 Euro für jeden Kauf eines Autos ab Schadstoffklasse 6 geben, sagte er dem „Handelsblatt“. Junge Gebrauchtwagen sind das größte Segment im Automarkt und für den Autohandel von großer Bedeutung. Auch Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, bezeichnete eine Prämie für den Kauf von Jahreswagen als „angesagt“.

Wer fordert die Kaufprämie?

Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg haben bereits im April eine Kaufprämie für Autos ins Gespräch gebracht, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern. In diesen Bundesländern befinden sich die Zentralen der deutschen Automobilkonzerne Volkswagen, BMW und Daimler.

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Quelle: Picture Alliance "Autominister": Die Ministerpräsidenten von Niedersachen (Stephan Weil, l.), Bayern (Markus Söder, m.) und Baden-Württemberg (Winfried Kretschmann, r.) haben einen gemeinsamen Vorschlag für eine Auto-Kaufprämie unterbreitet

Auch die Autobranche selbst hatte solche Prämien nach dem Vorbild der „Abwrackprämie“ von 2009 vorgeschlagen. Damals hatte der Staat jeden Autokauf mit 2.500 Euro bezuschusst, wenn parallel ein altes Auto verschrottet wurde. Ziel war, nach der Finanzkrise die Konjunktur zu beleben.

BMW-Vorstandschef Oliver Zipse hat eine „Innovationsprämie“ vorgeschlagen: Diese könne als „Konjunkturmaßnahme die Wirtschaft ankurbeln“. Außerdem werde den Autofahrern damit der „Umstieg auf klimaschonende Technologien" erleichtert. Dies kombiniere eine „wirtschaftliche Erholung mit wirksamem Klimaschutz“.


VW Golf 8
Der VW Golf VIII

Die Speerspitze der Zulassungsstatistik: Der Bestseller aus Wolfsburg geht in die achte Generation.


Warum soll die Autoindustrie speziell gefördert werden?

Die Automobilindustrie wird häufig als „Schlüsselindustrie“ bezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht laut Regierungssprecher Steffen Seibert eine „besondere Bedeutung der Automobilindustrie für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland".

Der Grund: Keine andere Einzelindustrie beeinflusst in Deutschland so viele und lange Wertschöpfungsketten. Rund 800.000 Beschäftigte arbeiten direkt in der Automobilindustrie, davon etwa 300.000 bei Zulieferern. Die Automobilwirtschaft steht für rund ein Viertel des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie.

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Quelle: Picture Alliance EU-Label zur Kraftstoffeffizienz: Zu jedem verkauften Auto gehört es heute zwingend dazu

Ökonomen schätzen, dass mindestens 1,8 Millionen Arbeitsplätze und bis zu 10 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung unmittelbar an der Autoindustrie hängen. Dazu zählen Zulieferer, die nicht direkt der Branche zuzurechnen sind – etwa im Textilbereich und in der Chemie. Ebenso Hersteller von Werkzeugen und Maschinen und der Handel, aber auch ein Teil der Digital- und Kreativwirtschaft. Viele Kommunen, in denen Automobilunternehmen angesiedelt sind, bestreiten zudem einen Großteil ihrer Gewerbesteuereinnahmen aus den Zahlungen der Branche.

Mit einer Kaufprämie könnte dieser Wertschöpfungskreislauf wieder ans Laufen gebracht werden: Autohändler bekommen Bewegung in ihre prall gefüllten Höfe. Hersteller, die ihre Werke wieder anlaufen lassen, produzieren nicht auf Halde. Zulieferer erhalten neue Aufträge.


Benziner mit Euro 6

Fahrzeuge mit aktueller Schadstoffnorm tragen dazu bei, die Luftbelastung zu senken.


Warum wird die Corona-Prämie für Autos kritisiert?

Umweltschützer und Umweltpolitiker verschiedener Parteien lehnen es ab, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zu fördern. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) bezeichnet mögliche Kaufanreize für Autos als „Anti-Innovationsprämie“. Die Befürchtung: Kaufanreize für Autos könnten ein Rückschritt auf dem Weg zu einer umweltfreundlichen Mobilität sein. Daher fordern Umweltschützer Investitionen, die auf ökologische Verkehrsträger ausgerichtet sind. Etwa in die Bahn und den öffentlichen Nahverkehr. Mehr Autos zu finanzieren, sei nicht mit den Klimazielen vereinbar, so etwa „Fridays for Future“.


Auto kaufenCOVID-19