Der Dacia Duster (interne Typbezeichnung SD) kam im Jahr 2010 auf den Markt und avancierte auf Anhieb zum Bestseller der rumänischen Renault-Tochter. Denn während die beiden Pkw-Modelle Logan und Sandero allzu sehr nach Billigauto aussahen, hielt mit dem kompakten Geländewagen ein Hauch von Lifestyle bei der Marke Einzug. Außerdem hat der Duster als Allradler ohne Allüren vom Boom der SUV profitiert und all jene Kunden angesprochen, die sich Konkurrenzmodelle wie den VW Tiguan oder den Nissan Qashqai nicht leisten konnten oder wollten.
Anfangs extrem spartanisch ausgestattet und auch für Geld und gute Worte nicht auf ein konkurrenzfähiges Niveau zu bekommen, erfüllt der Duster seit dem Facelift im Herbst 2013 zumindest die Grundanforderungen an Sicherheit, Komfort und Infotainment.
Stärken
konkurrenzlos niedriges Preisniveau
großzügiges Platzangebot
optionaler Allradantrieb
Schwächen
wenig Grund- und Optionsausstattung
eingeschränkte Sicherheitsausrüstung
mäßige Material- und Verarbeitungsqualität
Beta
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Der Duster gilt als absoluter Preisbrecher unter den SUV und wurde für diese Rolle in der Fachpresse sehr gelobt. Denn mit ihm sind Geländewagen auch für Normal- oder Wenigverdiener erschwinglich geworden. Dass Renault dafür bei Materialanmutung und Ausstattungsvielfalt sparen musste, hat man dem Autobauer gerne nachgesehen. Doch für die mäßige Sicherheitsausstattung gab es so viel Kritik, dass der Mutterkonzern Renault regelmäßig nachgerüstet hat.
Die Technik des Duster gilt als bewährt und solide. Allerdings haben die Entwickler offenbar auch Abstriche bei der Fahrkultur gemacht: Die Motoren sind ungehobelter und das Fahrwerk ist weniger ausgewogen als bei den teureren Konkurrenzmodellen.
Testberichte
ADAC Auto-Test
Testergebnis vom 5. Juli 2016
DACIA Duster dCi 110 FAP 4x4Fünftüriges SUv der unteren Mittelklasse (80 kW / 109 PS)
Dacia spart sich eine große Auswahl für den Duster und bietet lediglich je zwei Benziner und Diesel-Motoren an. Mit 1,2 bis 1,6 Litern Hubraum decken die Vierzylinder ein Leistungsspektrum von 90 bis 125 PS ab. Sie ermöglichen Geschwindigkeiten bis 177 km/h und verbrauchen im besten Fall nur 4,4 Liter. Wer beim Tanken noch mehr sparen will, kann auch eine Flüssiggas-Umrüstung bestellen. Wie es sich für einen Geländewagen gehört, bietet Dacia für immerhin drei der vier Motorvarianten einen Allradantrieb an.
je zwei Benziner und Diesel und eine Flüssiggas-Variante
Die Sicherheitsausstattung des Duster ist nur rudimentär: Viel mehr als vier Airbags und das ESP hat der Geländewagen nicht zu bieten – weder in der Serie noch als Option. Insbesondere bei Assistenzsystemen gibt Dacia damit ein sehr dürftiges Bild ab und fährt im Segment weit hinterher. Zu den wenigen Sicherheitsbausteinen jenseits der Pflichtausstattung zählen:
Bremsassistent
höhenverstellbare Kopfstützen im Fond
Bei der Sicherheit genügt der Duster mit vier Airbags und dem Schleuderschutz ESP lediglich den Minimalanforderungen. Nicht umsonst hat er beim Euro-NCAP-Crashtest nur drei Sterne bekommen. Die Maßnahmen beim Facelift waren kaum geeignet, diese Wertung nennenswert zu verbessern.
Im Gegensatz zu vielen anderen Autos selbst in niedrigeren Fahrzeugklassen ist die Sicherheit bei Dacia auch keine Frage der Zahlungsbereitschaft. Außer Nebelscheinwerfern und dem Allradantrieb bietet Dacia für den Duster keine weiteren Optionen, mit denen man den Schutz der Insassen erhöhen kann. Und bei den Assistenzsystemen hört es mit dem Tempomat auch schon auf.
Ausstattung
Mit Blick auf den konkurrenzlosen Kampfpreis von 10.690 Euro hat Dacia beim Duster in der Grundausstattung Essentiel auf alles verzichtet, was nicht unbedingt nötig ist. Damit wird der Duster zum vermutlich einzigen SUV, in dem man die Fenster noch von Hand öffnen und selbst ein Radio einbauen muss. Damit der Preisvorteil nicht durch unnötig viele Varianten wieder aufgezehrt wird, gibt es für den Duster Essentiel auch kaum Ausstattungsoptionen.
Mit jeder Stufe auf der Ausstattungsleiter steigt die Zahl der möglichen Extras. Doch selbst wenn die Preise so je nach Modell- und Motorvariante auf bis zu 18.490 Euro klettern und man noch einmal 1.000 Euro in alle verfügbaren Optionen investiert, muss "Deutschlands günstigster SUV" – so die Eigenwerbung des Herstellers – in vielen Punkten passen: Vor allem bei den Assistenzsystemen, bei Infotainment und Connectivity fährt er hinterher.
Zur Serienausstattung gehören:
Servolenkung
Kofferraumbeleuchtung
Schaltpunktanzeige
Dacia bietet den Duster in den vier Grundlinien Essentiel, Ambiance, Lauréate und Prestige an und ergänzt die Modellpalette regelmäßig mit Sonderserien, die modische Akzente setzen sollen. Die Ausstattung des Basismodells ist rudimentär und umfasst lediglich die nötigsten Sicherheitsmerkmale. Selbst elektrische Fensterheber, die geteilte Rückbank oder elektrisch verstellbare Außenspiegel sind nicht immer an Bord.
In den gehobenen Ausstattungsvarianten hat der Duster schon etwas mehr zu bieten, es gibt zumindest Standards wie ein Radio, eine Zentralverriegelung, die Klimaanlage, eine Sitzheizung oder Lederpolster. Was nicht serienmäßig ist, kann man einzeln oder in Paketen für "Funktion", "Komfort" oder "Look" dazu bestellen.
Mangelware sind beim Duster allerdings Assistenzsysteme und Infotainment-Lösungen. Hier beschränkt sich das Angebot auf das gesetzlich vorgeschriebene ESP und den Tempomaten auf der einen sowie ein Navigationssystem mit Bluetooth-Schnittstelle auf der anderen Seite. Eine automatische Abstandsregelung, Warnsysteme für den Toten Winkel oder eine Smartphone-Integration gibt es bei dem Modell nicht.
Was der Hersteller in Rumänien nicht bietet, kompensieren die Händler zumindest teilweise mit einem umfangreichen Programm an Zubehör, das nachträglich montiert wird. Dazu zählen neben Schutzleisten und Spoilern oder der Rückfahrkamera und den Parksensoren auch Kleinigkeiten wie ein Aschenbecher und ein Zigarettenanzünder.
SUV-Fahren ohne Statusallüren und Premium-Preise – mit diesem Ansatz hat es der Dacia Duster zum Erfolgsmodell für die Renault-Tochter aus Rumänien gebracht. Kühlen Rechnern bietet er im Grunde alles, was auch viel teurere Geländewagen zu bieten haben:
Viel Platz und 443 bis 1636 Liter Kofferraumvolumen.
Viel Platz und 443 bis 1636 Liter Kofferraumvolumen, die erhabene Sitzposition verbunden mit der besseren Rundumsicht und das gute Gefühl, dank Allradantrieb und erhöhter Bodenfreiheit auf unwegsamem Terrain weiter zu kommen als die anderen.
Kurz danach enden allerdings die Gemeinsamkeiten mit Konkurrenten wie dem Opel Mokka X, dem Nissan Qashqai oder dem VW Tiguan. Denn mit Blick auf möglichst geringe Kosten bei Entwicklung und Produktion sowie einen niedrigen Preis spart sich Dacia alle Extravaganzen.
Das gilt für das Design beim Auftritt ohne schillernde Anbauteile und beim Ambiente mit viel grauem, hartem Kunststoff genauso wie für die stark vereinfachte Ausstattung. Der Serientrimm ist dürftig und selbst in den gehobenen Varianten oder mit ein paar Optionen lässt der Duster zeitgemäße Extras und einige wichtige Assistenzsysteme vermissen. Wo selbst kleinere und nicht sehr viel teurere Geländewagen auf Hightech setzen und die Smartphone-Welt ins Cockpit holen, beschränkt sich der Duster auf einen Tempomat als einzigen Helfer und eine Bluetooth-Schnittstelle als Tribut an das Zeitalter der Connectivity.
Im gleichen Geist hat Dacia auch die Motorenpalette zusammengestellt. Bei je zwei Benzinern und zwei Dieseln, die eine Leistungsspanne von 90 bis 125 PS abdecken und Spitzengeschwindigkeiten bis gerade einmal 177 km/h ermöglichen, geht Vernunft vor Vergnügen. Aber der Duster meint es zumindest ernst mit seiner Rolle als Geländewagen: Drei von vier Aggregaten gibt es auch in Verbindung mit Allradantrieb.
Fazit zum Dacia Duster
Großen Eindruck schinden kann man mit dem Dacia Duster nicht. Doch wer sein Auto für sich und nicht für den Nachbarn kauft, kann kaum einen besseren Geländewagen in dieser Klasse finden. Das Fahrverhalten problemlos, die Motoren vernünftig, der Allradantrieb praktisch und die Platzverhältnisse großzügig – es ist kein Wunder, dass der Duster vom Start weg das meistverkaufte Dacia-Modell in Deutschland war.
Deutliche Abstriche muss man nur bei der Ausstattung akzeptieren: Einschränkungen bei der Materialanmutung kann man hinnehmen und beim Komfort darf man bei diesem Preis keine hohen Ansprüche stellen. Doch dass Dacia selbst gegen Aufpreis nur wenig zusätzliche Sicherheitsausstattung bietet, könnte manche Käufer abschrecken.