Tipps und Checkliste für den Gebrauchtwagenkauf

Autokauf: Was beachten? Tipps & Checkliste

Von der Finanzierung über die Probefahrt bis zur Vertragsunterzeichnung: Diese Punkte sollte man beim Autokauf beachten.

  • Veröffentlicht am 24.10.2019, 11:06
  • Aktualisiert am 23.06.2022, 08:25
Blick in ein Autohaus mit einem schwarzen BMW im Vordergrund.
Quelle: PexelsGanz gleich, ob Du mit einem Gebrauchten oder einem Neuwagen liebäugelst – begutachte das Auto unter besten Bedingungen. Das heißt: tagsüber und bei gutem Wetter.

Überlegungen vor dem Autokauf 

Ein tolles Modell im Top-Zustand und zum guten Preis: So sieht ein geglückter Autokauf aus. Bis es so weit ist, gibt es einiges zu beachten. Im ersten Schritt sollte jeder Kaufinteressent seine Finanzen ehrlich überprüfen. Neben der Kaufsumme fallen für ein Auto nämlich folgende Unterhaltskosten an:

Sobald klar ist, wie viel Geld Du für Dein Auto ausgeben kannst, steht die Frage nach der Finanzierung im Raum: Barkauf, Leasing oder Kauf auf Raten? Informiere Dich gründlich zu diesen Fragen beim Autokauf, denn jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile.

Im nächsten Schritt prüfst Du Deine eigenen Anforderungen:

  • Welche Marken kommen infrage?
  • Welche Ausstattung benötigst Du oder wünschst Du Dir?
  • Soll es ein Kleinwagen, eine Limousine oder ein Kombi werden?

Auch die Antriebsart spielt eine wichtige Rolle. Beachte bei Deiner Wahl die Fördermöglichkeiten für umweltfreundliche Antriebsarten. Dank staatlicher Zuschüsse kann man bei neuen oder jungen gebrauchten E-Autos und Plug-in-Hybriden zurzeit eine Menge Geld sparen. Sind all diese Punkte geklärt, beginnt die Suche nach dem passenden Modell.

Wo kann man am besten ein Auto kaufen?

Für einen Autokauf gibt es grundsätzlich zwei Anlaufstellen: Händler und Privatpersonen. Händler sind gesetzlich verpflichtet, eine Gewährleistung auf das Fahrzeug zu geben – das ist ein Vorteil, wenn kurz nach dem Kauf Mängel am Fahrzeug sichtbar werden sollten. Gebrauchtwagenhändler können die gesetzliche Sachmängelhaftung auf ein Jahr verkürzen, aber nicht vollkommen ausschließen. Manche Händler geben darüber hinaus noch zusätzliche Garantien.

Achtung: Manche Gebrauchtwagenhändler versuchen, die Sachmängelhaftung zu umgehen – und zwar, indem sie das Auto „im Auftrag des Vorbesitzers“ verkaufen. In diesem Fall muss der Händler eine schriftliche Einverständniserklärung des Vorbesitzers vorlegen können. Fehlt diese, verzichte lieber auf den Kauf. Unseriös sind Zusätze wie „für den Export“ oder „für Gewerbetreibende“.

Autohändler bieten außerdem oft an, den alten Wagen in Zahlung zu nehmen: Das ist praktisch und schont den Geldbeutel. Trotzdem müssen Käufer damit rechnen, dass sie beim Händler mehr zahlen als beim Privatkauf. Denn der Händler übernimmt für den Verkäufer zahlreiche Dienstleistungen und gibt die Kosten hierfür an den Käufer weiter. Der Autokauf von privat ist darum in der Regel günstiger. Er ist auch mit mehr Aufwand und einem höheren Risiko verbunden. Denn private Verkäufer dürfen die Gewährleistung im Vertrag ausschließen.

Ein junger Mann poliert einen grauen Pkw, der vor einer Wand mit Graffiti steht.
Gebrauchtwagen kaufen

Von der Besichtigung bis zur Vertragsunterzeichnung: Wer einen Gebrauchten kaufen will, sollte diese zehn Punkte beachten.

Wie läuft ein Autokauf ab?

Ein Autokauf läuft in der Regel in sechs Schritten ab:

  • Besichtigung
  • Probefahrt
  • Sichtung von Vergleichsangeboten
  • Finanzierung
  • Preisverhandlung
  • Vertragsunterzeichnung

Wer ein Auto kaufen möchte, meldet zunächst beim Verkäufer telefonisch oder per E-Mail sein Interesse an. Interessent und Verkäufer vereinbaren einen Termin für die Besichtigung und für die Probefahrt. Achte darauf, dass beides tagsüber und bei trockenem Wetter stattfindet. Denn nur bei Tageslicht lassen sich auch kleine Lackschäden erkennen. Nimm einen ausgedruckten Probefahrtvertrag mit und lass ihn vom Verkäufer ausfüllen und unterschreiben. Wichtig ist, dass eine Versicherungsbestätigung und die Höhe der Selbstbeteiligung vermerkt sind. Hiermit sicherst Du Dich ab, falls Du bei der Probefahrt einen Unfall verursachst. Kontrolliere den Wagen vor der Probefahrt außerdem auf sichtbare Mängel und halte sie schriftlich fest. Damit schützt Du Dich vor möglichen Forderungen nach der Fahrt. Ebenfalls wichtig: Überprüfe alle Fahrzeugpapiere auf Vollständigkeit und Korrektheit.

Ein autoaffiner Beifahrer ist bei der Probefahrt Gold wert. Er gibt wichtiges Feedback und notiert alles, was ihm während der Fahrt auffällt – etwa Störgeräusche, Probleme mit der Lenkung oder defekte Klappen. Beachte: Eine aussagekräftige Probefahrt dauert mindestens 45 Minuten und führt sowohl durch die Stadt als auch über Landstraßen und Autobahn. Nur so kannst Du das Fahrzeug mit verschiedenen Geschwindigkeiten testen. Beschleunigen, hart bremsen, Kurven fahren – all das gehört zu einer gelungenen Probefahrt dazu. Fahre auch auf kaputten Straßen oder Kopfsteinpflaster. Klappern oder Poltern können Hinweise für Schäden am Fahrwerk liefern. Tipp: Seitenfenster runterlassen, Lüftung und Radio ausstellen. So hörst Du schneller, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

Die Probefahrt und die Besichtigung verliefen zufriedenstellend? Das ist schon mal gut. Lass Dich trotzdem nicht dazu hinreißen, vorschnell einen Kaufvertrag zu unterschreiben. Du solltest Dir zum Vergleich weitere Angebote für dasselbe Modell anschauen. So kannst Du sichergehen, dass der Preis für Dein Wunschauto wirklich gerechtfertigt ist. Bevor Du Dich endgültig entscheidest, kläre die Finanzierungkonditionen ab. Frage beim Händler auch nach eventuellen Rabatten. Bei der Preisverhandlung selbst bleibst Du bestimmt, aber freundlich – weitere Tipps hierzu findest Du bei mobile.de. Zuletzt geht es an die Vertragsunterzeichnung. Unser Tipp: Nutze bei einem Kauf von privat den Muster-Kaufvertrag für Pkw von mobile.de.

Sicherheit beim Autokauf: Eine Person übergibt einer anderen Geld und erhält im Gegenzug Fahrzeugpapiere und Autoschlüssel.
So schützt Du Dich vor Betrug

Auch wenn meistens alles glattläuft: Betrugsversuche beim Autoverkauf kommen leider vor. So schützen sich Autokäufer vor Tricks.

Die wichtigsten Tipps zum Autokauf

Die meisten Händler und Privatverkäufer sind seriös. Ein vertrauenswürdiger Händler muss ungefragt über Unfälle – ausgenommen Bagatellschäden – und selbst durchgeführte Reparaturen am Wagen informieren. Bei Privatpersonen ist das anders. Sie müssen erst auf Nachfrage über Unfälle aufklären. Autoverkäufer werben gerne mit „unfallfreien“ Fahrzeugen. Mach Dich im Vorfeld schlau, was „Unfallfreiheit“ bedeutet und wie Du reparierte Lack- oder Blechschäden erkennen kannst.

Hilfreich ist es, wenn Du selbst in der Lage bist, Manipulationen am Fahrzeug zu erkennen. So kannst Du Dich vor Betrugsversuchen schützen. Der TÜV weist zum Beispiel darauf hin, dass bei jedem dritten Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert wird. Informiere Dich darüber, wie Du Tachomanipulation erkennst. Wirbt ein Verkäufer mit dem Stichwort „scheckheftgepflegt“ bedeutet das, dass der Vorbesitzer alle vom Hersteller vorgeschriebenen Wartungen und Inspektionen lückenlos durchgeführt hat.

Überprüfe, ob dies der Fall ist. Entspricht der tatsächliche Zustand des Fahrzeugs nicht der dokumentierten Scheckheftpflege, liegt ein Sachmangel vor. Beim Händler greift dann die gesetzliche Gewährleistungspflicht. Das heißt, dass der Händler den Mangel beheben muss. Wichtig: Hierfür musst Du den Mangel rechtzeitig melden, also innerhalb eines Jahres. Nach Ablauf von sechs Monaten musst Du den Sachmangel allerdings selbst nachweisen.

Worauf achten beim Autokauf? Mit unseren Tipps zum Autokauf bist Du vor bösen Überraschungen sicher.

Vor der Probefahrt

  • Kauf lieber kein Auto, dass Du nicht persönlich Probe gefahren bist.
  • Unterschreibe niemals Unterlagen vor der Besichtigung und mache keine mündlichen oder schriftlichen Zusicherungen – auch nicht per E-Mail oder am Telefon.
  • Lass Dir sämtliche Fahrzeugpapiere zeigen, wie zum Beispiel die Zulassungsbescheinigung Teil 1 und Zulassungsbescheinigung Teil 2, alle Rechnungen, Quittungen und HU-Protokolle.

Bei der Besichtigung 

  • Begutachte das Auto unter besten Bedingungen, also am Tage und bei gutem Wetter.
  • Nimm immer jemanden zum Termin mit. Engagiere im Zweifel einen Fachmann, der das Auto genau unter die Lupe nimmt, zum Beispiel vom ADAC.
  • Überprüfe die Angaben im Kaufvertrag: Halter und Verkäufer sollten identisch sein. Ist das nicht der Fall, lass Dir eine Vollmacht vom Verkäufer zeigen.
  • Sei aufmerksam, falls der Verkäufer Dich beim Check des Fahrzeugs versucht abzulenken.
  • „Das ist bei dem Modell immer so“: Nimm solche allgemeinen Aussagen nicht einfach hin.
  • ​​„Ich habe weitere Interessenten, Sie müssen sich schnell entscheiden.” Versucht der Verkäufer, Dich so unter Druck zu setzen, solltest Du das Gespräch abbrechen.

Bei der Vertragsunterzeichnung

  • Lass alle mündlichen Zusicherungen (etwa zum Kilometerstand oder Unfallfreiheit) schriftlich im Kaufvertrag festhalten.
  • Lass Dir den Personalausweis des Verkäufers zeigen und notiere die Nummer im Kaufvertrag.
  • Nimm zur Übergabe des Wagens einen Zeugen mit.
  • Lass Dich nicht auf ein Treffen an einer dunklen Raststätte oder an einsamen Orten ein.
  • Achte bei der Übergabe darauf, dass es sich tatsächlich um das Auto handelt, welches Du im Inserat gesehen hast und Probe gefahren bist.

Abgehakt: Unsere Checkliste zum Autokauf

Kannst Du die folgenden Fragen beim Autokauf mit „Ja“ beantworten, ist Dein Wunschwagen in einem guten, gepflegten Zustand. Unser Tipp: Drucke Dir die Checkliste zum Autokauf aus und nimm sie zum Besichtigungstermin mit.

Unterlagen und Fahrzeugpapiere

  • Sind die Fahrzeugpapiere vollständig?
  • Steht eine geringe Anzahl an Vorbesitzern in der Zulassungsbescheinigung Teil 2? (Bei vielen Vorbesitzern oder kurzem Besitz nach Gründen fragen.)
  • Wurden alle empfohlenen Serviceintervalle eingehalten?
  • Kann der Verkäufer Wartungen nachweisen?
  • Ist eine gültige TÜV-Plakette vorhanden?
  • Stimmt die Fahrgestellnummer mit den Angaben in den Unterlagen überein?

Sichtkontrolle außen

  • Sind weder Kratzer noch Dellen, matte Stellen, Farbunterschiede oder Lackspritzer zu sehen? (Hinweise auf Unfallschäden)
  • Ist das Reifenprofil ausreichend tief? (Sommerreifen: mindestens 3 Millimeter, Winterreifen: mindestens 4 Millimeter)
  • Funktionieren Scheinwerfer und Leuchten einwandfrei?
  • Sind die Scheibenwischer intakt?
  • Sind die Radläufe ohne Rost?
  • Sind die Gummidichtungen in Ordnung?
  • Sind die Bremsscheiben frei von Rost und Feuchtigkeit?
  • Sind die Unterseiten von Türen und Heckklappe rostfrei?
  • Ist die Windschutzscheibe frei von Kratzern, Rissen und Steinschlag?
  • Ist der Auspuff intakt und macht bei laufendem Motor keine komischen Geräusche?

Motorraum 

  • Gibt es keine Anzeichen für Ölverlust?
  • Sind die Dichtungen intakt?
  • Stimmt das Niveau von Öl, Bremsflüssigkeit und Kühlwasser?
  • Bei Elektroautos: Ist das Hochvoltkabel in Ordnung?
  • Sind keine rostigen Stellen zu sehen?

Blick unters Auto

  • Sind die Gummimanschetten von Lenkung und Antriebswelle in Ordnung?
  • Sind keine rostigen oder reparierten Stellen erkennbar?
  • Ist kein Ölverlust an Motor, Getriebe und Stoßdämpfern sichtbar?
  • Sind Radaufhängung und Fahrwerk unbeschädigt?
  • Ist die Kraftstoff- und Bremsanlage frei von Feuchtigkeit?

Innenraum

  • Sind die Bodenbeläge trocken?
  • Ist kein muffiger Geruch wahrnehmbar? (Hinweis auf undichte Stellen in der Karosserie)
  • Funktionieren Belüftung und Heizung?
  • Passt der Zustand von Sitzen und Lenkrad zum Tachostand?
  • Passt der Tachostand zum Gesamteindruck des Wagens und zu den Angaben auf Ölwechsel-Anhängern?
  • Sind die Spaltmaße bei Türen, Hauben und Klappen gleichmäßig? (Große Abstände zwischen einzelnen Bauteilen deuten auf einen Unfall hin.)
  • Sehen die Schrauben an Türen, Motorhaube und Kotflügel weder abgenutzt noch zu neu aus? (Hinweis auf Reparatur nach einem Unfall)
  • Stimmt das Herstellungsdatum auf den Scheiben überein mit dem Datum in der Erstzulassung?
  • Lassen sich die Spiegel problemlos verstellen?
  • Lassen sich die Scheiben öffnen und schließen?
  • Rollen sich die Gurte korrekt ein?

Fahrkomfort

  • Sind die Bedienfelder gut erreichbar?
  • Reicht das Platzangebot?
  • Lässt sich das Auto gut rangieren?
  • Ist der Kofferraum ausreichend groß?
  • Passt das Auto in die Tiefgarage?

Übergabe

  • Ist der Kaufvertrag vollständig, sind alle besprochenen Inhalte enthalten?
  • Wurden die Schlüssel übergeben?
  • Sind alle Papiere vollständig? (Zulassungsbescheinigung Teil I, Zulassungsbescheinigung Teil II, CoC-Papiere, Handbuch. Gegebenenfalls: Scheckheft, letzte HU-Bescheinigungen, Wartungs- und Reparaturrechnungen, Allgemeine Betriebserlaubnis. Falls relevant: ABE + Baugenehmigung für Anbauteile)
  • Ist das Fahrzeug im vereinbarten Zustand?
  • Sind Reserverad, Wagenheber, Warndreieck und Verbandkasten vorhanden?

Du weißt nun, was es beim Autokauf zu beachten gilt. Sind alle Fragen zum Autokauf zu Deiner Zufriedenheit geklärt, steht der Vertragsunterzeichnung nichts mehr im Wege. Wir wünschen Dir viel Freude mit Deinem neuen Wagen und jederzeit eine gute Fahrt!