Wo? Wann? Wie oft?

Bremsflüssigkeit im Auto: Funktion, Nachfüllen und Wechsel

Neben Öl ist Bremsflüssigkeit die wichtigste Flüssigkeit im Auto. Warum? Weil sie der Sicherheit dient. Deshalb solltest Du sie regelmäßig checken.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 03/17/2020, 6:38 PM
Zwei Mechaniker inspizieren die Bremsanlage eines Porsche.
Quelle: dpa / Picture Alliance Mit handwerklichem Geschick kannst Du die Bremsflüssigkeit selbst wechseln. Da es sich um ein sicherheitsrelevantes Bauteil handelt, raten wir von einem eigenhändigen Wechsel ab

Braunschwarz statt hellgelb. Wenn im Bremsflüssigkeits-Ausgleichsbehälter eine dunkle Flüssigkeit schwappt, solltest Du dringend handeln. Die Flüssigkeit in Deinem Auto ist in so einem Fall bereits sehr alt und muss umgehend gewechselt werden.



Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch und zieht im Lauf der Zeit Wasser an. Das minimiert die Bremsleistung und führt möglicherweise zu Korrosion im Bremssystem wie zum Beispiel an den Leitungen oder an der mechanischen Bremse am Rad. Im schlimmsten Fall kann ein zu hoher Wasseranteil in dem speziellen Fluid zum Ausfall der Bremse führen, zum Beispiel wenn bei einer langen Abfahrt mit Dauerbremse das Wasser bei starker Hitze im Bremssystem verdampft.


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Da sich Luft komprimieren lässt, tritt der Autofahrer in so einem Fall ein oder zwei Mal ins Leere, bevor die Bremse wieder packt. Das ist bei allen Geschwindigkeiten sehr gefährlich und muss unter allen Umständen verhindert werden. Frische Flüssigkeit erkennst Du daran, dass sie klar bis hellgelb ist. Meist hängt am Bremsflüssigkeitsbehälter auch ein Schildchen mit dem Hinweis, wann die Flüssigkeit zuletzt gewechselt wurde.

Wozu wird die Bremsflüssigkeit gebraucht?

Die Bremsflüssigkeit im Auto dient der Bremsanlage zur Übertragung der Kräfte vom Fuß auf die Bremse. In der Regel passiert das über Bremspedal, Bremsgeber, Bremskraftverstärker, Bremsleitung und Bremsbelag. Die drücken bei einer Bremsung die Beläge gegen die Bremsscheibe. Die Flüssigkeit überträgt im Bremssystem die Kräfte. Ist sie zu alt, kann sich in Extremsituationen die Kraft nicht übertragen. Ein zu geringer Füllstand in der Bremsanlage pumpt Luft ins Leitungssystem und kann keine Bremskraft mehr übertragen. Deshalb solltest Du die Bremsanlage regelmäßig kontrollieren und das Fluid regelmäßig wechseln lassen.

Der Ausgleichsbehälter für die Bremsflüssigkeit ist schwarz mit einem gelben Aufdruck versehen.
Quelle: dpa / Picture Alliance Wenn Du ein altes Auto fährst, solltest Du die Flüssigkeit alle zwei Jahre wechseln, und das ganz unabhängig von der Fahrleistung des Autos

Wie oft sollte die Bremsflüssigkeit gewechselt werden?

Die meisten Hersteller geben für ihre Modelle regelmäßige Wechsel für die Bremsflüssigkeit vor, anders als beim Bremsbelag. Wenn Du ein altes Auto fährst, solltest Du die Flüssigkeit alle zwei Jahre wechseln, ganz unabhängig von der Fahrleistung des Autos. Wenn Du die Flüssigkeit seltener wechseln solltest, solltest Du die Flüssigkeit alle paar Monate prüfen. Dafür reicht oft schon ein Blick unter die Motorhaube auf den Ausgleichsbehälter. So bemerkst Du schnell, ob die Flüssigkeit im Bremsflüssigkeitsbehälter unterhalb des vorgeschriebenen Minimums liegt und kannst den Ausgleichbehälter mit Bremsflüssigkeit auffüllen.


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Kannst Du die Bremsflüssigkeit selbst wechseln?

Mit handwerklichem Geschick kannst Du die Bremsflüssigkeit selbst wechseln. Da es sich um ein sicherheitsrelevantes Bauteil handelt, raten wir allerdings von einem eigenhändigen Wechsel ab. Fahre stattdessen besser in eine gute Werkstatt. Der Wechsel der Flüssigkeit der Bremsanlage dauert etwa eine halbe Stunde und kostet nicht viel Geld. 

InNahaufnahme ist ein messgerät zur Überprüfung des Wasseranteils in der Bremsflüssigkeit zu sehen,.
Quelle: dpa / Picture Alliance Mit einem elektronischen Bremsflüssigkeitstester lässt sich der ungefähre Wassergehalt in der Bremsflüssigkeit messen

Warum die Bremsflüssigkeit unbedingt ein Profi wechseln sollte

Auch wenn Du Dich mit Autos auskennst und Du gerne daran schraubst: Beim Wechsel der alten Bremsflüssigkeit gibt es ein paar gute Gründe, um zur Werkstatt zu fahren.

  • Grund 1: Sicherheit. Die Bremse ist das Bauteil, das am meisten Sicherheit bietet. Funktioniert es nicht richtig, bringst Du Dich und andere in Gefahr.
  • Grund 2. Gesundheit. Das Fluid der Bremsanlage ist giftig, ätzend und muss entsprechend behandelt werden. Beim Wechsel muss die alte Flüssigkeit direkt aufgefangen werden. Die alte Bremsflüssigkeit gehört anschließend fachgerecht entsorgt.
  • Grund 3. Übersichtlichkeit. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Fluids, die geläufigsten Flüssigkeiten sind DOT 3, DOT 4, DOT 5 und DOT 5.1. Diese DOT-Klassen unterscheiden sich beim Siedepunkt sowie bei der Kälteviskosität. Du musst genau wissen, welche Flüssigkeit für Dein Auto vorgeschrieben und zugelassen ist. Mischen solltest Du die unterschiedlichen Sorten nicht. Bietet der Hersteller mehrere Freigaben für unterschiedliche DOT-Klassen, wähle bei einer Neufüllung die höchstmögliche Klasse. Sie ist temperaturbeständiger und weniger wasseranziehend als eine niedrigere Klasse.
  • Grund 4. Sorgfältiges Arbeiten. Beim Wechsel der Bremsflüssigkeit darf keine Luft ins System gelangen. Schon die kleinste Luftblase lässt sich komprimieren und verhindert eine kraftvolle Bremsung. Deshalb muss beim Bremsflüssigkeitswechsel sorgfältig gearbeitet werden.
  • Grund 5. Komplette Bremskontrolle. Eine Fachwerkstatt wird neben dem Bremsflüssigkeitswechsel auch die komplette Bremse kontrollieren. Sind die Scheiben oder die Bremsbeläge abgefahren, erhältst Du von der Werkstatt in der Regel eine Info.
  • Grund 6. Bequem und günstig. Während Du womöglich ein paar Stunden an dem Auto bastelst, gelingt der Flüssigkeitswechsel mit speziellen Werkzeugen in einer halben Stunde. Deshalb sind die Kosten des Wechsels der Bremsflüssigkeit vergleichsweise niedrig. Je nach Marke, Modell und Volumen der Bremsleitung kostet der Wechsel zwischen 40 und 100 Euro. Das ist gut investiertes Geld für sichere Autofahrten.