Gängige Betrugsmasche

Tachomanipulation erkennen

Du willst herausfinden, wie Du Tachomanipulationen erkennen kannst? Dann lies hier, worauf Du beim Gebrauchtwagenkauf achten solltest.

  • Emeli Schmidt
  • Veröffentlicht am 25.11.2021, 14:42
Detailansicht eines PKW-Armaturenbrettes mit Tachometer und Drehzahlmesser
Quelle: Unsplash 2017 wurde erstmals eine EU-weite Verordnung erlassen, nach der Kilometerstände bei Neuwagen durch technische Lösungen geschützt werden sollen

Warum ist die Tachomanipulation bei Gebrauchtwagen ein Problem?

Die Laufleistung und somit der Kilometerstand sind wichtig, wenn es darum geht, den Verkaufswert eines Gebrauchtwagens zu ermitteln. Denn je mehr Kilometer das Auto gefahren ist, desto mehr Abnutzungserscheinungen weist es auf. Und diese wirken sich auf den Wert des Gebrauchtwagens aus. Das Problem: Betrüger manipulieren Tachos, sodass der angezeigte Kilometerstand niedriger als die tatsächliche Laufleistung ist. Mit dieser gängigen Betrugsmasche beim Autokauf wollen sie den Verkaufspreis erhöhen.

Laut polizeilicher Angaben liegt bei circa jedem dritten Gebrauchtwagen eine Tachomanipulation vor. Die strafrechtliche Verfolgung ist allerdings schwierig, da die Rechtslage europaweit nicht eindeutig ist – denn in nur wenigen EU-Ländern wie Deutschland oder Frankreich ist die Manipulation von Kilometerständen eine Straftat. Und das, obwohl 2017 eine EU-Verordnung zum Schutz vor Tachomanipulationen verabschiedet wurde.

Diese besagt: Der Kilometerstand soll seit September 2017 bei neuen Fahrzeugmodellen und seit September 2018 bei allen Neuwagen durch technische Lösungen geschützt werden. Laut ADAC greift diese Verordnung aber noch nicht – denn der Verkehrsclub hat bei einem Stichprobentest herausgefunden, dass eine Tachomanipulation auch bei neuen Fahrzeugen weiterhin möglich ist. Dafür benötigt es nur im Internet frei erhältliche Soft- und Hardware wie ein Tachomanipulationsgerät.

Was sind die Folgen einer Tachomanipulation?

Durch Tachomanipulationen entsteht ein hoher wirtschaftlicher Schaden – nach Expertenschätzungen beträgt dieser in Deutschland rund sechs Milliarden Euro pro Jahr. Denn durchschnittlich zahlen Gebrauchtwagenkäufer aufgrund einer Tachomanipulation 3.000 Euro mehr als das Auto eigentlich wert ist. Zudem stellt ein manipulierter Kilometerstand ein Sicherheitsrisiko dar – zum Beispiel, wenn Käufer nicht korrekt über Serviceintervalle nach Kilometerständen informiert sind. Dann kann es zu der falschen Annahme kommen, dass der Austausch von bestimmten Fahrzeugteilen nach Kilometerstand, wie dem Zahnriemen oder der Bremsbeläge, noch Zeit hat – und das Unfallrisiko steigt.

Auch wenn Wechselintervalle aufgrund einer Tachomanipulation überschritten werden, kann das zu einer Gefahr im Straßenverkehr werden. Der Grund: Viele Autoteile müssen regelmäßig nach Laufleistung ausgetauscht werden. Sind beispielsweise die Bremsbeläge zu stark abgenutzt, arbeiten sie nicht mehr richtig. Daher empfiehlt der ZDK, Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, Bremsbeläge jährlich überprüfen zu lassen – und zwar unabhängig vom Kilometerstand. Auch kann eine Überschreitung des Wechselintervalls teure Folgekosten verursachen. Reißt beispielsweise der Zahnriemen, droht ein kapitaler Motorschaden. Denn dabei werden meist auch wichtige Ventile und Kolben beschädigt.

 Ein TÜV-Mitarbeiter bringt eine Plakette auf dem Nummernschild eines Elektroautos an
Quelle: TÜV Rheinland AG HU- Und TÜV-Berichte liefern wichtige Hinweise zur Wartungs- und Reparaturgeschichte eines Wagens

Wie kann ich eine Tachomanipulation erkennen und nachweisen?

Eine Tachomanipulation ist schwer nachweisbar – oft selbst für Fachwerkstätten und Sachverständige. Aber keine Sorge: Auch Laien können etwas tun, um festzustellen, ob der Kilometerstand manipuliert wurde. Denn es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Tachomanipulation zu erkennen.

So erkennt man eine Tachomanipulation

  • Scheckheft: Kontrolliere die Angaben im Scheckheft auf Unstimmigkeiten. Das Auto ist durchschnittlich 12.000 Kilometer pro Jahr gefahren – in einem Jahr aber deutlich weniger? Das kann entweder darauf hindeuten, dass das Auto in einem Jahr einfach nur seltener genutzt wurde. Oder aber, dass der Tacho manipuliert wurde. Hake in diesem Fall beim Verkäufer nach, warum die Laufleistung abweicht. Sieht das Scheckheft zu neu aus und alle Unterschriften und Daten haben die gleiche Handschrift, handelt es sich wahrscheinlich um eine Fälschung.
  • Berichte: Überprüfe auch die HU- und TÜV-Berichte sowie Wartungs- und Reparaturberichte auf eventuelle Auffälligkeiten. Diese Berichte sind nicht vorhanden? Dann nimm Kontakt zur zuständigen Werkstatt auf. Sie speichert alle notwendigen Daten wie die Reparaturhistorie und Kilometerstände digital. So kannst Du den letzten dokumentierten Kilometerstand nachvollziehen und Unstimmigkeiten durch eine mögliche Tachomanipulation aufdecken.
  • Aufkleber: Überprüfe auch Aufkleber im Motorraum, die Hinweise auf Inspektionen, Kilometerstand und das jeweilige Datum der durchgeführten Kontrolle liefern. Auf der Ölwechsel-Plakette steht, dass der nächste Ölwechsel bei 160.000 Kilometern fällig ist – doch das Auto hat angeblich erst eine Laufleistung von 100.000 Kilometern? Das ist auffällig und kann auf eine Tachomanipulation hindeuten. Denn ein Ölwechsel ist nach spätestens 40.000 Kilometern fällig.

Überprüfung des Allgemeinzustandes des Fahrzeugs

Der allgemeine Fahrzeug-Zustand kann auch Hinweise auf die Laufleistung geben. Autos mit einer hohen Kilometerzahl haben auch einen höheren Verschleiß. Der zeigt sich oft an abgenutzten Pedalgummis oder dem Schaltsack. Diese Teile lassen sich aber leicht austauschen. Sehen sie für einen Gebrauchtwagen sehr neu aus, kann das darauf hindeuten, dass sie kürzlich erneuert wurden – das spricht aber nicht zwangsläufig für eine Tachomanipulation.

Anhaltspunkte für eine eventuelle Tachomanipulation:

  • abgenutzte Polster
  • Gebrauchsspuren am Lenkrad bei einer niedrigen Laufleistung

Ist das Sitzpolster durchgesessen oder das Lenkrad abgegriffen, deutet das auf eine häufige Benutzung hin. Weist der Kilometerstand dennoch eine geringe Laufleistung auf, ist das ein Zeichen für eine Tachomanipulation.


Ein Schlüsselbund mit einem Autoschlüssel hängt an einem bunten Schlüsselbrett
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Wie Du Dich beim Gebrauchtwagenkauf absicherst

Bestehe als Angabe im Kaufvertrag auf „tatsächliche Laufleistung“ und nicht auf „Kilometerstand laut Tacho“, um Dich abzusichern. Denn: Letztere Angabe ist weitestgehend unverbindlich und gibt keinen Aufschluss über die tatsächliche Laufleistung des Gebrauchtwagens. Ebenso kannst Du einen Gebrauchtwagen-Check bei einem Sachverständigen oder in einem Prüfzentrum durchführen und dort den Kilometerstand prüfen lassen. Eine weitere Möglichkeit, um Dich beim Gebrauchtwagenkauf abzusichern: Kontaktiere den Vorbesitzer und erfrage den Kilometerstand beim Verkauf. Die Angaben zum Vorbesitzer findest Du im Fahrzeugbrief, der Zulassungsbescheinigung Teil 2.

Ein Automechaniker untersucht den Motorraum eines PKWs
Quelle: TÜV Rheinland AG Im Zweifelsfall den Profi fragen: In Fachwerkstätten können Wartungsintervall-Speicher ausgelesen werden

Tachomanipulation beim Werkstatttermin überprüfen lassen

Du bezweifelst, dass der Kilometerstand Deines Autos korrekt ist? Dann lasse ihn in einer Fachwerkstatt überprüfen. Profis können zudem den Wartungsintervall-Speicher auslesen. Manche Autohersteller hinterlegen diese Daten auch im Zündschlüssel – eine Tatsache, die Hacker bei der Tachomanipulation oft vergessen. In diesem Fall fliegt der Betrug bei der Prüfung in einer Fachwerkstatt auf.

Besteht ein Verdacht auf Manipulation, kann die Werkstatt auch das Produktionsdatum von Tacho und anderen Steuergeräten ermitteln. Sind diese jünger als das Produktionsdatum des Fahrzeugs, wurden sie nachträglich ausgetauscht. In diesem Fall muss der Vorbesitzer belegen können, dass die Fahrzeugteile aufgrund eines Defekts ausgetauscht wurden. Das kann er nicht beweisen? Dann erhärtet sich der Verdacht auf eine Tachomanipulation.

Was kann ich bei einem Betrug tun?

Ist der Tacho nachweislich niedriger als die tatsächliche Laufleistung, liegt ein sogenannter Sachmangel im Sinne von § 434 BGB vor. In diesem Fall hast Du im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung die Möglichkeit vom Kaufvertrag zurücktreten. Bei Gebrauchtwagen beträgt diese Gewährleistung zwölf Monate. Anschließend kannst Du vom Verkäufer fordern, den Kaufpreis zurückzuzahlen und bei einer nachgewiesenen Tachomanipulation auch Schadensersatz verlangen.

Ein Beispiel: Du hast ein gebrauchtes Auto für 10.000 Euro gekauft, dessen Laufleistung der Verkäufer mit 100.000 Kilometern angegeben hat. Nach dem Kauf stellt sich heraus, dass der echte Kilometerstand 200.000 Kilometer beträgt. In diesem Fall hat das Fahrzeug dann nur einen Wert von 5.000 Euro und Dir steht ein Schadensersatz über die Differenz zu.

Ist die Frist der gesetzlichen Gewährleistung abgelaufen, ist es schwerer, den Betrugsversuch durch eine Tachomanipulation nachzuweisen. Die Verjährungsfrist für Betrug beträgt fünf Jahre. In dieser Zeit hatte das Auto mehrere Vorbesitzer? Dann ist es leider beinahe unmöglich, einen Täuschungsversuch nachzuweisen, da jeder Vorbesitzer tatverdächtig sein kann. Wenn Du eine Tachomanipulation vermutest, solltest Du Dich daher am besten in den ersten sechs Monaten nach Kauf auf die gesetzliche Gewährleistung berufen. Denn in dieser Zeit steht der Verkäufer in der Beweispflicht, dass beim Verkauf kein Sachmangel bestand.

Wie wird der Kilometerstand manipuliert?

Profis können einen Tacho innerhalb weniger Minuten manipulieren. Bei älteren Fahrzeugmodellen wird der Kilometerstand auf der Kilometerwalze beispielsweise mechanisch mit einer Bohrmaschine zurückgedreht oder gänzlich ausgetauscht und stattdessen ein Tacho mit niedriger Laufleistung eingesetzt. Bei neueren Autos kann die Tachomanipulation dagegen elektronisch vorgenommen werden. Dieses Vorgehen ist schwerer nachweisbar als ein Austausch des Tachometers, denn es hinterlässt keine offensichtlichen Spuren am Fahrzeug. Ein weiteres Problem: Die Tachomanipulationsgeräte und die benötigte Software sind frei erhältlich und leicht bedienbar. So haben Betrüger leichtes Spiel.

Doch Tachos werden nicht nur vor dem Verkauf eines Gebrauchtwagens frisiert – auch während der Nutzung werden Kilometerstände manipuliert – zum Beispiel, wenn die Werkstatt die falschen Daten der Fahrzeughistorie übernimmt. Die Folge: Die Laufleistung des Fahrzeugs erscheint niedriger. Neben Gebrauchtwagenkäufern sind daher beispielsweise auch Leasingfirmen von Tachomanipulationen betroffen, die um die vereinbarte Laufleistung betrogen werden.