Carsharing: Der neue Trend

Carsharing: Der neue Trend

Autos teilen nach Bedarf

Carsharing liegt im Trend. Die Autohersteller reagieren mit eigenen Verleihmodellen. Und schleusen nebenbei ihre E-Autos auf die Straße.

Was haben sie damals gespottet, die großen Automagazine, als das Thema „Carsharing“ aufkam. „Auto teilen“ – wer will denn so etwas? Ende der 1980er Jahre war das. Damals war das Auto noch des Deutschen liebstes Kind. Und das verlieh oder teilte man nicht – schon gar nicht mit Fremden.

Schnee von gestern. Inzwischen gilt in Großstädten: Ein Auto? Gern, aber nur, wenn ich grad eines brauche. Nach Angaben des Bundesverbands CarSharing legte die Zahl der Autoteiler in Deutschland 2011 um 20 Prozent auf 190.000 zu. Weltweit sind es längst zig Millionen.

Die großen Autohersteller reagieren. In ihren Zukunftsszenarien ist der Besitz eines Autos nicht mehr das oberste Ziel der Nutzer. Verzichten wollen (und sollen) dennoch die Wenigsten auf diese individuelle Form der Mobilität.

 

 
 

Auto abgreifen im Vorbeigehen

Also teilen. Daimler startete zu diesem Zweck bereits 2009 seinen Dienst car2go, anfangs in übersichtlichen Städten wie Ulm, inzwischen weltweit. BMW und Volkswagen zogen 2011 nach mit DriveNow und Quicar. Ein Jahr zuvor präsentierte Peugeot sein Mobilitätskonzept „Mu by Peugeot“.

Allesamt stellen eine Alternative zum klassischen Mietwagengeschäft dar. Und bedienen sich dabei der Learnings aus dem klassischen Carsharing – 70 Prozent der Fahrzeuge sind Klein- und Kompaktwagen, meist mit ein oder zwei Personen besetzt – und der Segnungen moderner Technik.

Einsteigen per Chipcard, Centbeträge pro Minute berechnen, Auto überall im Stadt- bzw. „Geschäftsgebiet“ abstellen – fertig. Ein einfacheres Mietmodell ist kaum denkbar. Die Rechnung kommt nach jeder Fahrt per E-Mail, gebucht wird online oder per Smartphone. Die passende App hat inzwischen jeder Anbieter im Programm. Eine interaktive Karte zeigt, wo das nächste freie Fahrzeug steht.

Citroën setzt auf reines E-Auto-Sharing

Daimler bietet car2go mittlerweile in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Kanada und den Vereinigten Staaten an. Citroën baut in Berlin derweil die erste rein elektrisch fahrende Fahrzeugflotte namens Multicity Carsharing auf.

Registrierte Nutzer erhalten eine persönliche Kundenkarte und können die verfügbaren Citroën C-Zero jederzeit reservieren, benutzen und innerhalb des Berliner Rings stehen lassen. Parkkosten fallen nicht an – so das Auto ordnungsgemäß abgestellt wurde.

Interessant wird die Konkurrenzsituation zwischen den ÖPNV-Anbietern (Öffentlicher Personen-Nahverkehr) und den Autoherstellern. Wer bietet das bessere – umfassendere, günstigere – Angebot?

Die Bahn macht auf der Straße mobil

Mittelfristig dürfte es auf ein Miteinander hinauslaufen. Erste Kooperationen gibt es bereits: Die Deutsche Bahn arbeitet unter anderem eng mit Citroën zusammen, mit Smart und mit Mini.

Die Bahn-Tochter „Flinkster – Mein Carsharing“ hat lokal in Berlin unter anderem diverse „Mini E“ im Angebot. Bundesweit stromert künftig der Citroën C-Zero in e-Flinkster-Diensten über die Straßen. Mehr als 140 Städte sind bereits Teil des Netzes.

Ein Ansatz eint alle Angebote großer Konzerne wie Daimler, PSA (Peugeot & Citroën) oder eben Deutsche Bahn: Oft braucht man ein Auto nur ein paar Stunden, vielleicht sogar nur 20 bis 45 Minuten. Warum also einen ganzen Tag lang mieten – wie es bislang gängige Praxis ist bei Autovermietern?

Carsharer buchen spontan

Minutengenaue Abrechnung wie beim Telefonieren ist die Lösung. Und höchstmögliche Flexibilität. 90 Prozent aller Fahrten werden weniger als 24 Stunden vor Fahrtantritt gebucht, so die Erfahrungen von Carsharing-Anbieter Greenwheels.

Zwei Euro die Stunde kostet Mitglieder dort ein Kompaktwagen, drei Euro ein Van – wenn sie zuvor ein „JahresAbo“ abschließen zum Monatspreis von fünf Euro, sonst ist es teurer. Obendrauf kommen 0,27 bzw. 0,36 Euro pro gefahrenem Kilometer.

Bis zu 50 Euro werden Neukunden gutgeschrieben, die ein Jahresabo abschließen und eine Monatskarte der bislang 13 Kooperationspartner wie Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) oder Rheinbahn Düsseldorf besitzen. Nach diesem Muster verfahren nahezu alle der rund 110 Carsharing-Organisationen in rund 300 deutschen Städten und Gemeinden.

Dafür klappt die Zusammenarbeit mit ÖPNV-Anbietern wie Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) oder Rheinbahn Düsseldorf: Bis zu 50 Euro werden Neukunden gutgeschrieben, die ein Jahresabo abschließen und eine Monatskarte der bislang 13 Kooperationspartner besitzen. Nach diesem Muster verfahren nahezu alle der rund 110 Carsharing-Organisationen in rund 300 deutschen Städten und Gemeinden.

Bundesweites Netzwerk

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) zum Beispiel kooperiert unter anderem mit cambio CarSharing. 1.500 Autos stehen den 47.000 cambio-Kunden an 450 Stationen in 15 deutschen und 22 belgischen Städten zur Verfügung. In mehr als 40 weiteren Städten kämen Fahrzeuge von CarSharing-Partnern hinzu.

Beim Bahn-Angebot e-Flinkster sparen HVV-Kunden die Anmeldegebühr von 50 Euro. Die Registrierung läuft online, anschließend zeigt man Führerschein, Personalausweis und HVV-Jahresabo-Ticket am Servicepoint der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof vor und erhält seine Flinkster-Kundenkarte. Mit der kann man dann einen der Smart fortwo electric drive öffnen, die im nahe gelegenen Parkhaus am Hauptbahnhof auf Autoteiler warten.

„Der Trend zu Carsharing und anderen Mobilitätsangeboten lässt den Wunsch nach dem eigenen Auto nicht mehr so wichtig erscheinen“, geht aus einer Auswertung des Car Centers Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen hervor. Die Urbanisierung läuft, Großstädte werden immer dichter besiedelt. Der Trend zu weniger Autos werde sich in Zukunft noch verstärken, heißt es weiter.

Gewinner könnten die E-Fahrzeuge sein: „Der Schlüssel zur Elektromobilität ist die Neugierde der Autofahrer“, sagt CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer. Stehen E-Carsharing-Autos erst einmal für ein paar Cent pro Minute an jeder Ecke, dürften sich die Vorbehalte gegen diese Technik rasch in Luft auflösen. Lautlos und emissionsfrei.

Mehr dazu in der Bildergalerie – und in Teil 2 und Teil 3 des Carsharing-Specials.

Text: rb/fayvels büro