E-Auto laden: Wo und wie schnell?

So geht der Ausbau der Ladeinfrastruktur voran

Damit E-Mobilität funktioniert, muss das Ladenetz engmaschig sein. Hier gibt es Fortschritte, doch in der Praxis auch viel Ärger. Das ist der Stand der Etnwicklung.

  • Veröffentlicht am 02/18/2021, 11:00 AM
Ladesäule für E-Autos
Quelle: Picture Alliance Die Ladeinfrastruktur muss mit den steigenden Neuzulassungen von Elektrofahrzeuge Schritt halten. Denn E-Autos erleben derzeit einen Verkaufsboom

Die Elektromobilität kommt voran in Deutschland. Die Zulassungszahlen reiner E-Mobile steigen vor allem dank staatlicher Förderung rapide. Doch damit Autofahrer im Alltag damit klarkommen, muss die Ladeinfrastruktur stimmen. Auch da tut sich was: Die Anbieter drücken aufs Tempo. Shell etwa verkündete kürzlich, Ubitricity kaufen zu wollen. Das Unternehmen will in Laternenmasten und Pollern Lademöglichkeiten einrichten. EnBW hat sogenannte „urbane Schnellladeparks“ angekündigt.

Die Parks sollen das Laden genau dort ermöglichen, wo die Elektroautos im Alltag ohnehin stehen, damit sich der Ladevorgang in den Alltag einfügt. Anders als Fahrer von Verbrennern fahren Fahrer von E-Autos nicht mal eben zum Tanken. Weil der Ladevorgang mehr Zeit in Anspruch nimmt. Geladen wird nebenbei, beim Einkaufen, bei der Arbeit oder wenn man zuhause ist.

15 bis 40 Prozent der Ladevorgänge im öffentlichen Raum

Unterschiedliche Erhebungen gehen davon aus, dass zwischen 15 und 40 Prozent der Ladevorgänge nicht zuhause stattfinden, sondern im öffentlichen Raum. Also auf Supermarkt-Parkplätzen, an Raststätten oder an öffentlichen Ladesäulen. EnBW will vor allem auf Raststätten und auf Parkplätzen Ladeparks mit Gleichstromsäulen errichten, die bis zu 300 kW Ladeleistung bieten. Ende Januar 2021 eröffnete Unternehmenschef Frank Mastiaux einen solchen Park am Einkaufszentrum Durlach Center in Karlsruhe. In der Heimatstadt des Unternehmens kann nun an sechs Ladesäulen mit insgesamt 12 Ladepunkten mit bis zu 300 kW geladen werden.

Ladezugang fürs E-Auto
Quelle: Picture alliance Ende Januar 2021 eröffnete EnBW einen Ladepark mit Schnellladesäulen am Einkaufszentrum Durlach Center in Karlsruhe

Dabei tun sich die potenziellen Betreiber von Ladestationen schwer mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur. So hatte kürzlich Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), an die Adresse von Wohnungs- und Energiewirtschaft sowie an die Mineralölindustrie gesagt, die Autoindustrie leiste ihren Beitrag zum Ausbau. Man brauche aber „ein Netz, das auch an den Autobahnen zur Verfügung steht.“

Mehr Elektroautos brauchen mehr Ladesäulen

Das Netz muss mit den steigenden Neuzulassungen von Elektrofahrzeuge Schritt halten. Denn während die E-Autos getrieben durch hohe staatliche Kaufprämien 2020 einen Verkaufsboom erleben, gilt das für das Ladenetz nur in Maßen. Anfang Dezember 2020 gab es nach Angaben des Energieverbandes BDEW rund 33.000 öffentliche Ladepunkte. Nur bei jedem zehnten davon handelt es sich allerdings um einen Schnelllader. Und in manchen Gegenden ist die Abdeckung zudem überaus schlecht. Dabei sind kurze Wege entscheidend für den Erfolg. Weiteres Ärgernis: Die Preismodelle sind oftmals intransparent. Das sorgt für unliebsame Überraschungen und Ärger bei Kunden.

EnBW sieht sich vorne in Sachen Ladeinfrastruktur. Nach eigenen Angaben hat der Energieversorger 2020 knapp die Hälfte aller Standorte für ultraschnelles Laden in Deutschland gebaut. Man betreibe mehr Schnellladestandorte als Tesla und Ionity zusammen. An jeder dritten Autobahnraststätte stünden inzwischen solche Ladesäulen der EnBW. Im Schnitt nehme man tägliche einen neuen Standort in Betrieb. Noch 2021 sollen es 1.000 in Deutschland werden. Dafür investiert das Unternehmen bis 2025 rund 100 Millionen Euro und setzt auf Partnerschaften mit Baumärkten und Drogeriemärkten.

Förderung fürs Schnellladenetz geplant

Die Bundesregierung will ebenfalls den Ausbau vorantreiben. Ziel ihres „Masterplans Ladeinfrastruktur“ ist ein flächendeckendes und kundenfreundliches Ladenetz, für das verschiedene Vorhaben in Arbeit sind.


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Das gefällt jedoch nicht allen. Die EnBW ist mit den Plänen für ein geplantes Schnellladegesetz nicht einverstanden. Ein staatliches Ausschreibungssystem soll den Ausbau von öffentlich zugänglichen Schnellladepunkten vorantrieben. Aus Sicht der EnBW benachteiligt eine Förderung jedoch Anbieter, die bereits Schnellladepunkte betreiben. Pläne der Bundesregierung die Förderung an Preisobergrenzen für Ladevorgänge zu koppeln sieht das Unternehmen ebenfalls kritisch, da es zu einem ruinösen Wettbewerb für die Bestandsinfrastruktur führen könne

Das Stromnetz muss vorbereitet werden

Weiterer Streitpunkt: Sollten dereinst Millionen von Elektroautos auf den Straßen rollen und abends gleichzeitig an den Haushaltssteckdosen und Wallboxen hängen, könnte dem Stromnetz die Überlastung drohen. Das geht nicht ohne Vorbereitung. Eine bessere Steuerung der Stromnetze muss also her.

E-Auto an Schnellladesäule
Quelle: picture alliance EnBW will vor allem auf Raststätten und auf Parkplätzen Ladeparks mit Säulen errichten, die bis zu 300 kW Ladeleistung bieten

Das Wirtschaftsministerium verfolgte die Idee, dass Stromanbieter Zwangsladepausen verordnen sollen, wenn eine Überlastung droht. Für den VDA käme eine solche „Spitzenglättung“ jedoch auf keinen Fall in Frage. Präsidentin Müller sagte in der “Welt am Sonntag”, dass das für die Kunden „leider Abschalten“ bedeute. Der Entwurf wurde zurückgezogen, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) habe ihn nicht gebilligt, hieß es. Altmeier ließ mitteilen, dass er „größten Wert“ darauf, die E-Mobilität schnell und für alle Beteiligten verlässlich hochlaufe.