So wird das Rangieren mit dem Hänger zum Kinderspiel

Anhänger mit Einparkhilfe: Das musst Du wissen

Jeder, der es schon einmal probiert hat, weiß um die Schwierigkeiten des Fahrens und Rangierens mit einem Anhänger. Gerade beim Rückwärtseinparken scheint er ein Eigenleben zu entwickeln. Eine große Erleichterung beim Gespannfahren ist eine Park Distance Control (PDC) – also eine Einpark-/Rangierhilfe. Wir sagen Dir, was Du über Rangierhilfen für Anhänger wissen musst und wie sich eine Anhängerkupplung (AHK) auf die Einparkhilfe des Autos auswirkt.

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  • Veröffentlicht am 08/21/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:08 PM
Einparkhilfen können Dir die Autofahrt mit einem Anhänger deutlich erleichtern.
Quelle: Tobias Hase (dpa) Einparkhilfen können Dir die Autofahrt mit einem Anhänger deutlich erleichtern

Gespannfahren nennen es Fachleute, wenn ein Zugfahrzeug einen Anhänger zieht. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Pferdetransporter, einen Wohnwagen oder nur um einen offenen Lastenträger handelt. Ein Tipp: Wenn Du Dir ein neues Auto kaufen möchtest und weißt, dass Du viel mit Gespann unterwegs sein wirst, dann solltest Du gleich ab Werk eine Anhängerkupplung bestellen.

Vor allem wegen des ungewohnten Lenkverhaltens beim Gespannfahren werden das Rangieren und Einparken zu besonders kniffligen Angelegenheiten, die auch Einpark-Profis ins Schwitzen bringen können. Denn lenkst Du nach links, bewegt sich der Anhänger nach rechts; lenkst Du nach rechts, bewegt er sich nach links. 

Bevor du Hilfssysteme nachrüstest, solltest Du überprüfen, wie deine Anhängerkupplung auf die Systeme reagiert.
Quelle: Kai Remmers (picture alliance / dpa Themendienst) Bevor du Hilfssysteme nachrüstest, solltest Du überprüfen, wie deine Anhängerkupplung auf die Systeme reagiert

Einpark-/Rangierhilfe für Anhänger zum Nachrüsten

Einparken und Rangieren auch auf engstem Raum werden mit sogenannten Rangierhilfen einfacher. Manche Experten empfehlen eine Rückfahrkamera am Anhänger. Diese Kamera funktioniert so: Sie überträgt das Geschehen hinter dem Gespann auf einen Monitor im Auto. Dort sieht der Fahrer auch etwaige Hindernisse. Das bietet ihm ein Plus an Kontrolle gegenüber einer rein akustischen Einparkhilfe, die über Sensoren am Auto funktioniert. 

Ein Gespann besteht – der Name verrät es schon – aus zwei Fahrzeugen: einem Zugfahrzeug (zum Beispiel ein Auto) und einem Anhänger (zum Beispiel ein Wohnwagen). Wenn Du Dein Auto mit einer Rückfahrkamera nachrüsten willst, kann die Kombination ein Hindernis sein. Kabelgebundene Systeme scheiden für Gespanne aus, da die Kabel nicht zum und in den Zugwagen gelegt werden könnten. Das schreibt das Fachmagazin Caravaning.

Eine Alternative sind Funkkameras. Mit diesen kannst Du Dein Auto recht schnell und einfach nachrüsten. Die Spanne passender Produkte reicht von kleinen WiFi-Kennzeichenkameras (Smartphone erforderlich) bis hin zum professionellen Digitalfunksystem mit eigenem Monitor, der im Cockpit des Autos montiert wird.

Beide Einparkhilfen haben Vor- und Nachteile. Die Funkreichweite eines kleineren Systems kann wegen der Gespannlänge an seine Grenzen stoßen. Der Festbau eines Monitors kann sehr aufwendig sein. 

Unter Berücksichtigung von Montageaufwand, Signalübertragung und Bildqualität hat das Fachmagazin Caravaning verschiedene Systeme getestet. Das Ergebnis: „Je einfacher, desto besser“, so die Experten des Fachblattes. So überzeugen kleine, leichte Kennzeichenlösungen, etwa von Luis oder Dometic, nicht nur mit einfacher Montage, sondern bieten über das eigens generierte WiFi-Netz auch ein ausreichend gutes Bild. Preisleistungssieger ist das Modell T5 von Luis. Luis ist bislang der einzige Hersteller, der einen Kennzeichenrahmen mit integrierter Kamera anbietet. Die Kamera und die Sensoren müssen so nicht erst hinten am Kennzeichenhalter montiert werden. Der Preis liegt bei knapp 150 Euro. Systeme mit festeingebautem Monitor kosten mindestens das Doppelte.

Einparkhilfen für Anhänger kannst Du sowohl ab Werk als auch zum Nachrüsten bestellen.
Quelle: Soeren Stache (dpa) Einparkhilfen für Anhänger kannst Du sowohl ab Werk als auch zum Nachrüsten bestellen

Lösung ab Werk: Trailer Assist von Volkswagen

VW etwa bietet mit dem Assistenzsystem Trailer Assist eine Einpark- beziehungsweise Rangierhilfe für Gespannfahren bereits ab Werk an. Diese Rangierhilfe gibt es aber nicht serienmäßig und (noch) nicht für alle Modelle. Was taugt Trailer Assist? 

Der Werbespot, mit dem VW das System 2016 beworben hatte, war sehr erfolgreich und sorgte für viele Klicks im Netz. Im Clip rast ein Gespann aus Passat und Anhänger rückwärts und wie auf Schienen durch ein Parkhaus und durch die Straßen von Oslo. Tatsächlich aber zieht der Anhänger den Passat und das Gespann fährt vorwärts. VW hatte kurzerhand seinen Kleinwagen noch kleiner gemacht und um ihn herum den Aufbau eines Anhängers gesetzt. Dank verkleideter Plexiglaswände, die wie ein Einwegspiegel funktionieren, konnte der Fahrer alles sehen, aber selbst nicht gesehen werden. 

In der Realität beschränkt sich Trailer Assist auf seine Kernaufgabe, das Einparken. Ist die Einparkhilfe einmal angelernt – dazu muss man mit dem Gespann eine gewisse Strecke zurücklegen und vor allem viele Kurven fahren und häufig abbiegen –, sind vier verschiedene Winkel möglich, 30 Grad, 45 Grad, 60 Grad und 75 Grad. Über einen Knopf im Cockpit wird die Einparkhilfe aktiviert.

Auf das Display des Multimediasystems wird über eine Kamera das Geschehen hinter dem Zugfahrzeug übertragen. Die Steuerungselektronik gleicht den Knickwinkel des Anhängers mit dem über den Spiegelversteller angegebenen Fahrtrichtungswunsch ab und gibt ihn an die Lenkung weiter. Ein Problem besteht aber nach wie vor: Das Geschehen weiter hinten, also hinter dem Anhänger, bleibt auch bei Trailer Assist im Dunkeln. Eine etwaige Funkkamera am Anhänger sollte daher noch in das System eingebunden werden.

Einparkhilfe und Anhängerkupplung (AHK)

Wie reagieren die hinteren Sensoren eigentlich auf eine Anhängerkupplung? Kaum jemand könnte das besser beantworten als die Fachleute von MVG – Die Anhängerkupplung. Das Unternehmen ist seit vielen Jahrzehnten einer der größten Anbieter von Anhängerkupplungen und Elektrosätzen (E-Sätzen) wie der PDC. Einparkhilfe, Rangierhilfe, PDC, Sensoren und weitere Produkte muss das Unternehmen immer wieder den neuen Technologien der Automobile anpassen. 

Damit die hinteren Sensoren auf eine nachgerüstete AHK nicht reagieren und unablässig warnen, müsse man die Elektronik der AHK in die Bordelektronik des Fahrzeugs integrieren, so ein MVG-Sprecher. Die Integration der Elektronik der Anhängerkupplung in die Bordelektronik führt am besten eine Fachwerkstatt durch. Allerdings erlauben nicht alle Autohersteller den Zugriff auf die Bordelektronik.

Dann würde man die PDC-Abschaltung durch eine elektronische oder mechanische Anhängererkennung ermöglichen: Der mit der AHK gelieferte Elektrosatz könne via Steuermodul einen Anhänger über die angekoppelte Last der Anhängerbeleuchtung erkennen und die PDC-Abschaltung vornehmen. Der einfachste Weg sei allerdings ein mechanischer Mikroschalter in der Steckdose der Anhängerkupplung. Der werde umgelegt, sobald der Stecker des Anhängers mit der AHK gekoppelt sei. Die Stromzufuhr der PDC sei dann unterbrochen.

Anhänger mit Einparkhilfe

  • Nur via Funkkamera möglich
  • Funkkamera überträgt das Bild auf einen Monitor oder aufs Handy
  • Kleinere Systeme stoßen bei der Funkreichweite an ihre Grenzen
  • Bei größeren Systemen erfordert der Einbau des mitgelieferten Monitors viel Aufwand
  • Sieger im Vergleichstest des Fachmagazins Caravaning: Luis T5
  • Luis T5 wird mit Kennzeichenhalter mit integrierter Kamera geliefert

Rangierhilfen für Wohnwagen

Verschiedene Hersteller bieten Rangierhilfen für Wohnwagen an. Einer davon ist zum Beispiel Truma. Mit der Rangierhilfe parkst Du Deinen Wohnwagen oder Caravan im Urlaub recht schnell und einfach an der richtigen Position. Sie hilft auch beim Rangieren zwischen Hindernissen auf engem Raum.