Die Fiction des selbstfahrenden Autos

Autonomes Fahren: Sind Autos, die selber fahren, wirklich die Zukunft?

Aus Science-Fiction-Filmen kennst Du sie bereits und dank der voranschreitenden Technik werden sie bald Realität: selbstfahrende Autos. Aber wann ist es wirklich so weit? Wie weit sind die Hersteller beim Thema autonomes Fahren? Und worauf musst Du Dich als Autofahrer einstellen? Hier erfährst Du alles, was Du über autonomes Fahren wissen musst.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Beim „Cruising Chauffeur“ von Continental kann man zeitweise die Hände vom Lenker nehmen.
Quelle: dpa Beim „Cruising Chauffeur“ von Continental kann man zeitweise die Hände vom Lenkrad nehmen

Die Filmindustrie war schon immer gut darin, die Zukunft vorauszusagen. Ein ferngesteuerter 7er BMW für James Bond? Damals spektakulär, selbst für ein Bond-Auto. Ein autonomer Audi RSQ, in dem man bei einer Verfolgungsjagd kurzerhand den Autopiloten ausschaltet und das Steuer übernimmt? In dem Film „I, Robot“ von 2004 kein Problem – immerhin spielt er im Jahr 2030 und Roboter sind nicht nur im Auto Normalität. Heute leben wir in einer Zeit, die den filmischen Visionen der vergangenen Jahrzehnte immer näher kommt. Doch wie ist es wirklich mit dem autonomen Fahren? Kommt es tatsächlich? Und wenn ja, wann?

Auf einem Testgelände fährt ein fahrerloser, elektrisch angetriebener Kleinbus von Continental.
Quelle: dpa/picture alliance Auf einem Testgelände fährt ein fahrerloser, elektrisch angetriebener Kleinbus von Continental

Der Traum von der Automatisierung

Geht es nach Experten aus der Automobilindustrie, befinden wir uns auf direktem Weg in die autonome Zukunft. Rund 100 Jahre nach der Erfindung des Automobils stehen wir vor der größten Revolution der Branche. Elektromotoren sorgen für neue Formen des Antriebs – und selbstfahrende Autos für mehr Sicherheit. Denn für etwa 90 Prozent aller Unfälle ist der Mensch verantwortlich. Mithilfe von Sensoren, Kamera-, Radar- und Lidarsystemen hat die Technik – im Gegensatz zum Menschen – das komplette 360-Grad-Umfeld im Blick.

Sobald die Technik in den autonomen Autos ausgereift ist, könnten Unfälle also der Vergangenheit angehören. Autonome Fahrzeuge kommunizieren zudem untereinander – und zwar nicht nur per Blinker oder Bremsleuchte, sondern über das Internet der Dinge. Sie teilen untereinander Informationen über Stauenden hinter Kurven, sie errechnen die optimale Geschwindigkeit für einen flüssigen Verkehr und passen sich allesamt dieser an. Das vernetzte Fahren begünstigt nicht nur die Sicherheit der Insassen, sondern auch den Verkehrsfluss. Außerdem werden autonome Fahrzeuge nicht nur untereinander kommunizieren, sondern auch mit der Infrastruktur. So können sie etwa mithilfe der Informationen von Ampeln grüne Wellen errechnen. Staus werden sich damit reduzieren.

Tesla Model 3 bietet einen Autopiloten.
Quelle: dpa Tesla Model 3 bietet einen Autopiloten

Fünf Stufen bis zum selbstfahrenden Auto

Doch bis der Mensch am Steuer von einem Autopiloten ersetzt wird, dauert es noch lange. Und das hat einen simplen Grund: Im Schnitt sind Autos rund 20 Jahre im Einsatz. Es kostet also Zeit, bis sich neue Technologien durchsetzen. Das lässt sich aktuell am Beispiel der Elektroautos beobachten. Sie werden mehr – aber langsam. Ähnlich verhält es sich mit dem automatisierten Fahren. Es wird sich schrittweise entwickeln. Schon heute findest Du in Deinem Wagen automatisierte Assistenzsysteme. Am Ende der Entwicklung steht der fahrerlose Pkw ohne Lenkrad. Experten sprechen von fünf Levels bis zum autonomen Auto (siehe Infobox).

Komplett autonome Fahrzeuge auf Level 5, die keinen menschlichen Fahrer benötigen, werden ihnen zufolge ab 2040 auf den Straßen präsent sein. Ab 2020 werden hochautomatisierte Systeme auf Level 3 beispielsweise Fahraufgaben auf Autobahnen übernehmen können. Vollautomatisierte Level-4-Fahrzeuge, bei denen hinter dem Lenker schon eher ein Passagier als ein Fahrzeugführer sitzt, folgen 2030. In den nächsten Jahren steht uns damit ein gemischter Verkehr bevor. Da kann es auf der Autobahn passieren, dass der Fahrer des Fahrzeugs, das Du gerade überholst, nicht auf die Straße guckt, sondern in sein Buch. Bereits 2050 sollen Fahrzeuge ab Level 4 rund 70 Prozent des Gesamtbestands ausmachen.

Trendthema autonomes Fahren

Um den Trend nicht zu verpassen, stecken die Hersteller viele Ressourcen in die Entwicklung. Ob traditionelle Unternehmen wie Daimler, BMW oder Volkswagen, Automobilzulieferer wie Bosch oder Continental oder auch neue Player aus dem Silicon Valley wie etwa Apple oder Google – das selbstfahrende Auto ist das Trendthema Nummer eins. Überall werden Daten gesammelt, Testfahrten unternommen und Algorithmen entwickelt, um dem autonomen Fahren näherzukommen.

In Deutschland treiben die traditionellen Autobauer die Entwicklung voran. Seit April testet Volkswagen beispielsweise erstmals unter Realbedingungen auf öffentlichen Straßen im Hamburger Stadtverkehr. Dafür wurden fünf VW Golf zu Level-4-Fahrzeugen umgebaut, die auf einer neun Kilometer langen Strecke Daten sammeln. Noch sitzt hinter dem Steuer ein Mensch, der notfalls eingreift. Sukzessive werden auch die Ampeln integriert und mit Technik ausgestattet, die die sogenannte Car2X-Kommunikation, also die Kommunikation zwischen Ampel und Auto, erlaubt.

BMW stellte erst jüngst den BMW Vision iNext vor, ein futuristisches E-Auto, das bereits 2021 in Serie gehen soll. Der iNext ermöglicht automatisiertes Fahren auf Level 3, kann also auf Autobahnen Fahraufgaben übernehmen. In Zusammenarbeit mit den amerikanischen Unternehmen Aptiv und Lyft hat BMW bereits umgerüstete Modelle in Las Vegas als autonome Robotaxis auf die Straße geschickt. Schon heute kannst Du sie per App ordern und nutzen.

Autonome Autos werden Taxibranche revolutionieren

Im Test unter realen Bedingungen befindet sich auch der sogenannte „Cruising Chauffeur“, eine Entwicklung des Automobilzulieferers Continental. Das Level-3-System wird bereits rund um Frankfurt auf der A5 getestet. Mit etwas Glück kannst Du dort also bereits hochautomatisierte Pkw antreffen. Auch der deutsche Zulieferer ZF hat auf der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ein komplett fahrerloses Auto vorgestellt. Das zeigt, dass nicht nur klassische Autobauer die Forschung für sich entdeckt haben, sondern auch neue Player wie Zulieferer. 

Daimler kooperiert ebenfalls mit einem Zulieferer und hat zusammen mit Bosch angekündigt, in der zweiten Jahreshälfte 2019 im kalifornischen San José fahrerlose Shuttles anzubieten. Hier können Nutzer künftig das autonome Auto zukunftsnah erleben. Auch dort sitzt aber noch eine Person hinter dem Lenker, um im Notfall eingreifen zu können.

Doch zeigt das Projekt, wo das autonome Fahren in Zukunft genutzt werden wird. Ebenfalls von Mercedes-Benz stammt die autonome Studie „Vision Urbanetic“ auf Level 5. Sie ist für den Güter- und Personentransport vorgesehen. Einen menschlichen Fahrer gibt es hier nicht mehr. Gerade die Taxi- und Gütertransport-Branche darf sich also für die kommenden Jahrzehnte auf große Änderungen einstellen. Irgendwann wird es dort vermutlich keine Fahrzeugführer aus Fleisch und Blut mehr geben.

Level 2 ist erreicht

Tesla bietet schon jetzt einen sogenannten „Autopiloten“ an. Falls Du Dir etwa überlegst, ein Model 3 zu kaufen, solltest Du allerdings wissen, dass diese Bezeichnung missverständlich ist, denn dahinter verbergen sich lediglich technische Systeme auf Level 2. Mehr ist – vor allem in Deutschland – momentan noch nicht erlaubt. Per Software-Update sollen in Zukunft aber auch Funktionen bis zu Level 5 möglich sein. Wann es so weit ist, bleibt ungewiss.

Insgesamt kannst Du aber davon ausgehen, dass Du in den nächsten Jahren im Straßenverkehr vermehrt mit automatisierten Systemen konfrontiert wirst und Hersteller immer mehr Funktionen in ihren Neuwagen anbieten. Willst Du also autonom fahren, musst Du Dich Level für Level hocharbeiten. Schon heute kannst Du immerhin bei Level 2 einsteigen. Und wenn die Hersteller schnell genug entwickeln und die Gesetzgeber entsprechende Regeln festlegen, dann kannst auch Du schon bald so fahren, wie es noch vor 20 Jahren ausschließlich Helden der futuristischen Science-Fiction-Filme vorbehalten war.



Die fünf Level des autonomen Fahrens

  • Level 1: schon heute Realität. Mit Level 1 ist das assistierte Fahren gemeint. Hilfssysteme wie Tempomat oder Spurhalteassistent unterstützen den menschlichen Fahrer. Zu beachten ist, dass der Mensch immer die Kontrolle über das Fahrzeug behalten muss. Level 1 beginnt ab mindestens einem Assistenzsystem.
  • Level 2: das teilautomatisierte Fahren. In diesem Modus kann das Auto einige Funktionen komplett selbst übernehmen. Es hält die Spur und den Abstand und bremst und beschleunigt automatisch. Dafür werden innerhalb des Systems mindestens zwei Assistenzsysteme wie Notbrems- und Spurhalteassistent miteinander kombiniert. Das automatische Einparken ist bei einigen Autos mit Level-2-Funktion ebenfalls bereits möglich. Auch hier muss der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug behalten. Allerdings kann er kurz die Hände vom Steuer nehmen. Viele aktuelle Modelle verfügen bereits über Level-2-Funktionen.
  • Level 3: Hierbei handelt es sich um hochautomatisiertes Fahren. Unter bestimmten Bedingungen kann der  Wagen die Fahraufgaben komplett ohne Zutun des Fahrers übernehmen. In Deutschland gibt es für diese Stufe bereits festgelegte Regeln. So darf man im hochautomatisierten Modus die Hände vom Lenkrad nehmen, um Zeitung zu lesen. Wer im Falle eines Unfalls haftet, ist rechtlich allerdings noch nicht geklärt. Aber Achtung: Zwar darf man sich einen Moment zurücklehnen und Zeitung lesen, dennoch muss man jederzeit in der Lage sein, auf Aufforderung das Steuer zu übernehmen. Ein Mittagsschlaf ist also noch nicht möglich. Der aktuelle Audi A8 ist das erste Fahrzeug mit Level-3-Funktion. Der Staupilot lässt das Auto mit bis zu 60 km/h durch den stockenden Verkehr auf Autobahnen fahren. Zugelassen ist dieser in Deutschland allerdings noch nicht.
  • Level 4: Dieses Level nennt sich das vollautomatisierte Fahren. Hierbei kann der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug komplett abgeben. Er wird zum Passagier. Die Systeme sind in der Lage, alle Fahraufgaben durchzuführen. Dennoch muss der Fahrer in der Lage sein, das Steuer zu übernehmen. Unter bestimmten Verhältnissen, etwa bei fehlenden Fahrbahnmarkierungen, kann das Auto ein entsprechendes Signal absetzen. Dabei lässt es aber so viel Spielraum, dass es, falls der Fahrer das Steuer nicht direkt übernimmt, einen sicheren Ort ansteuert, wo es zum Stehen kommt. Ein Mittagsschlaf ist also erlaubt.
  • Level 5: das autonome Fahren. Gesteuert werden muss das selbstfahrende Auto nicht mehr, stattdessen gibt es nur noch Passagiere. Das Auto kann alle Fahraufgaben autonom übernehmen. Das betrifft auch komplexe Verkehrssituationen wie das Überqueren von Kreuzungen. Erstmals ist hier auch das Fahren ohne Insassen möglich, etwa wenn die Nutzer ihr Auto per App zu sich rufen. Ein Lenkrad wird es in vielen Level-5-Fahrzeugen nicht mehr geben.