Wenn die Einparhilfe ihren Dienst versagt

Einparkhilfe defekt: Was zu tun ist, wenn es nicht mehr piept

Viele Autofahrer können sich ein Leben ohne Einparkhilfe kaum noch vorstellen. Tatsächlich findet sich die Park Distance Control (PDC) heute in jedem zweiten seit 2014 neu zugelassenen Pkw. Das bedeutet aber auch, dass diese Autofahrer ihr Fahrzeug wahrscheinlich nie ohne Unterstützung der PDC eingeparkt haben. Fällt die Einparkhilfe plötzlich aus, fühlt sich manch einer schnell überfordert. Wir nennen mögliche Ursachen einer Fehlfunktion der PDC und sagen Dir, wie Fehler behoben werden können.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Im Winter kann es durch Schnee oder Dreck häufig zu Problemen mit der Einparkhilfe kommen.
Quelle: Hendrik Schmidt (picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa) Im Winter kann es durch Schnee oder Dreck häufig zu Problemen mit der Einparkhilfe kommen

Nie war Autofahren bequemer als heute. Viele Neufahrzeuge und längst nicht mehr nur die der Premium- oder Luxusklasse, sind teilweise bereits serienmäßig mit elektronischen Fahrassistenzsystemen wie Abstandswarner, Spurhalteassistent oder Notbremsassistent ausgerüstet.

Und vor allem die Einparkhilfe oder PDC ist beinahe schon so etwas wie ein guter alter Bekannter, der (wenn er funktioniert) immer da ist, wenn man ihn braucht. 

So intelligent die vor Elektronik beinahe berstenden Autos heute auch sein mögen, so anfällig für Probleme macht die Elektronik die Autos aber auch. Ein bekanntes Beispiel: Bei vielen Fahrzeugen (zum Beispiel von Opel oder BMW) treten immer wieder Probleme mit der Funktechnik des Autoschlüssels auf. Eine Türe, die sich hin und wieder nicht öffnen lässt, ist da noch das kleinste Ärgernis. Ein Sicherheitscode, der von Dieben abgegriffen wird und ein Auto, das dann gestohlen wird, ist ein deutlich größeres Problem.

Ist das Problem mit dem Sensor nicht sofort ersichtlich sein, solltest Du die weitere Fehlersuche einem Fachmann überlassen.
Quelle: Robert Guenther (picture alliance / dpa Themendienst) Ist das Problem mit dem Sensor nicht sofort ersichtlich sein, solltest Du die weitere Fehlersuche einem Fachmann überlassen

Einparkhilfe defekt: Auch Verschmutzung oder Eis können die PDC lahmlegen

Und auch die PDC ist nicht frei von kleinen Fehlern und größeren Problem, die sogar zum vollständigen Versagen der Einparkhilfe führen können.

Verschiedene Probleme können auftreten. So kann es passieren, dass ein Sensor oder gleich mehrere defekte Sensoren gar nicht mehr reagieren. Ebenso kann es auch zu einem Fehlalarm beim Einparken oder zu einem nervigen Dauer-Piepen nach dem Einlegen des Rückwärtsgangs kommen. Ärgerlich ist natürlich beides. Doch vor allem das Dauer-Piepen, das nach dem Einlegen des Rückwärtsgangs nicht mehr aufhört, wird schnell zu einer Belastung. Hört die PDC nicht mehr auf zu piepen, kann das letztendlich auch die Konzentration im Straßenverkehr beeinträchtigen.

Bevor Du vom Schlimmsten ausgehst, nämlich einem Defekt im System, solltest Du zunächst einmal überprüfen, ob die Ursache für ein Problem mit der Einparkhilfe nicht doch eher gering ist. So kann eine mögliche Verschmutzung eines Sensors, im Sommer zum Beispiel durch tote Insekten oder Staub, im Winter, weil sich eine Eis- oder Schneeschicht auf den Sensoren gebildet hat, die Funktion beeinträchtigen. Dann solltest Du den betroffenen Sensor vorsichtig reinigen.

Häufig reicht auch schon ein kleiner Parkrempler, um einen Sensor in beziehungsweise gleich hinter die Stoßstange zu drücken und ihn dabei zu beschädigen. Auch der Stecker am Sensor kann dabei Schaden nehmen. Das erkennst Du daran, dass ein Sensor nicht mehr exakt in der vorgesehenen Bohrung sitzt, sondern eben schon in beziehungsweise sogar schon hinter die Stoßstange gedrückt worden ist.

Die intelligente Elektronik der Einparkhilfen kann auch Probleme verursachen.
Quelle: Franziska Gabbert (picture alliance / dpa Themendienst) Die intelligente Elektronik der Einparkhilfen kann auch Probleme verursachen

Ist ein Sensor defekt, muss der Stoßfänger runter

Sind weder eine Verschmutzung noch ein Parkrempler die offensichtliche Ursache für den Fehler, gestaltet sich die Suche nach dem defekten Sensor (und sein nötiger Austausch) schon deutlich schwieriger. Zwangsläufig muss dann der Stoßfänger demontiert werden.

Sendet die PDC einen Dauerton aus, sollte zunächst aber untersucht werden, welche Sensoren funktionieren und welche nicht. Dafür begibst Du Dich hinter das Auto und horchst an jedem Sensor, ob dieser arbeitet. Du solltest eine Art Dauerklicken hören. Hörst Du dieses Klicken bei einem oder mehreren PDC Sensoren nicht, ist klar, dass diese Teile defekt sind und ausgetauscht werden müssen. 

Zunächst muss nun der Stoßfänger gelöst werden, ehe Du den Sensor reparieren kannst. Das kann je nach Modell und Hersteller recht aufwendig sein. Dafür muss zunächst das Kabel des Steuergerätes der PDC, das in der Regel im Kofferraum hinter einer der beiden Seitenwände verbaut ist, gelöst werden. Erst jetzt kann der Stoßfänger abgenommen werden. Weil der Stoßfänger für eine Person allein doch recht unhandlich ist, sollte man das immer zu zweit erledigen. Andernfalls kann es passieren, dass die Stoßstange aus der Hand rutscht und dabei beschädigt wird. In diesem Fall wären auch die intakten, funktionierenden Sensoren gefährdet.

Falsche Ausrichtung eines Sensors führt zur Fehlfunktion

Liegt der Stoßfänger frei, können die defekten PDC Sensoren nach hinten aus den Bohrungen heraus- und von ihren Steckern abgezogen werden. Die neuen Sensoren werden jetzt auf die Stecker aufgesetzt. Dabei ist unbedingt auf die Ausrichtung zu achten. Ein PDC Sensor, der nicht richtig platziert wird, funktioniert später nicht einwandfrei. Die Einparkhilfe wird dann – zum Beispiel nach dem Einlegen des Rückwärtsgangs – falsche Signale senden.

Bevor Du die neue Sensorplatte aufklebst, musst Du zunächst die Innenseite des Stoßfängers reinigen. Dabei entfernst Du vorsichtig alte Klebereste, Schmutz und Feuchtigkeit. Ist das geschehen, lässt Du die Stelle trocknen. Dann kannst Du die neue Sensorplatte mit Sensor vorsichtig aufsetzen, ohne sie schon jetzt fest anzudrücken. Nun überprüfst Du von der anderen Seite zunächst, ob der Sensor tatsächlich ganz exakt in der Bohrung sitzt. Ist das der Fall, kannst Du die Sensorplatte fest andrücken.

Einparkhilfe defekt: Auch YouTube und manches Forum im Netz können helfen

Hast Du das Kabel, das am Steuergerät angeschlossen werden soll, durch die Bohrung in der Karosserie geführt, kannst Du den Stoßfänger wieder aufsetzen und befestigen. Nun musst Du nur noch das Kabel zum Steuergerät führen und per Stecker anschließen – fertig!
Die Park Distance Control sollte nun wieder einwandfrei funktionieren. Funktioniert sie nicht, kann es sein, dass der Fehlerspeicher des Autos in einer Werkstatt noch gelöscht werden muss. Ein Tipp: Eine gut verständliche Anleitung zum Austausch eines PDC Sensors bietet das DIY Auto Reparatur Tutorial auf YouTube. Und auch das eine oder andere Forum im Internet kann hilfreich sein bei der Selbsthilfe.

Einparkhilfe defekt: Andere Ursachen

Natürlich ist es auch möglich, dass der Fehler einmal nicht bei den PDC Sensoren zu finden ist. So kann zum Beispiel auch das Steuergerät betroffen sein; auch ein Kabelbruch kann die Ursache einer Fehlfunktion sein. Ein Tipp: Die Fehlersuche, die über einen Sensorfehler hinausgeht, solltest Du besser von einem Fachmann erledigen lassen. Ebenso solltest Du einen Fachmann bitten, die betroffenen Geräte zu reparieren. Ein Grund liegt schon darin, dass die meisten Laien kaum Zugriff auf die entsprechenden Prüfgeräte haben. Die Kosten richten sich danach, was defekt ist – Sensor(en), Kabel oder Steuergerät – sowie nach dem Arbeitsaufwand. Der Austausch eines Sensors durch die Werkstatt sollte nicht mehr als 100 Euro kosten; muss das Steuergerät ausgetauscht werden, liegen die Preise höher.

Einparkhilfe defekt: PDC Sensor austauschen – So geht's

  • Betroffenen Sensor lokalisieren
  • Stoßfänger lösen
  • Kabel/Stecker vom Steuergerät lösen/abziehen
  • Stoßfänger abnehmen – möglichst nicht alleine
  • Defekten PDC Sensor nach hinten aus der Bohrung heraus- und Stecker abziehen
  • Neuen Sensor aufstecken, Ausrichtung beachten
  • Stelle, an der die Sensorplatte aufgeklebt werden soll, zunächst reinigen
  • Sensorplatte mit Sensor vorsichtig aufsetzen, noch nicht andrücken
  • Kontrollieren, ob der Sensor exakt in der Bohrung sitzt
  • Sensorplatte fest andrücken
  • Kabel durch die Karosseriebohrung führen
  • Stoßstange aufsetzen und festschrauben
  • Kabel per Stecker am Steuergerät anschließen
  • Gegebenenfalls Fehlerspeicher in einer Werkstatt löschen lassen