mobile.de: Hybridantrieb

Hybridantriebe - die Brückentechnologie

Sparen hoch zwei

Die Deutschen lieben den Diesel. Jetzt haben sie einen Grund mehr: Als Seniorpartner im Hybridauto zeigt er sich von seiner sparsamsten Seite.

So richtig warm geworden sind die deutschen Autofahrer mit dem klassischen Hybrid-Antrieb bislang nicht. Exakt 47.642 Hybridautos gibt es in Deutschland (Stand: 01.01.2012). Gemessen am Gesamtbestand von 584.253 Fahrzeugen mit alternativem Antrieb (primär Gas) sind das gerade einmal acht Prozent.

Hauptmanko: Hybridautos sind in der Regel deutlich teurer als vergleichbare Diesel. Außerhalb geschlossener Ortschaften verkehrt sich zudem der Verbrauchsvorteil ins Gegenteil. Schuld ist das Mehrgewicht für den zweiten Motor im Gebälk.

Die meisten Hybrid-Modelle, egal von welchem Hersteller, zielen daher primär auf den von Emissionsauflagen dominierten US-Markt. So erklärt es sich, dass zum Beispiel Audi, BMW, Daimler und VW im ersten Schritt schwere SUV mit der Doppelantriebstechnik ausgerüstet haben, des Amis liebstes Vehikel.

Der Diesel ist als Hybrid voll in seinem Element

Die Kaufzurückhaltung deutscher Kunden könnte aber bald ein Ende haben: Jetzt gibt es auch die vor allem von Langstreckenfahren über alles geliebten Dieselfahrzeuge als Full-Hybrid-Variante. Sparen hoch zwei, könnte die simple Formel dafür lauten.

Wie die Benzin-Voll-Hybriden fahren Full-Hybrid-Diesel in der Stadt weitgehend elektrisch, also emissionsfrei. Außerorts spielen sie dann die klassischen Trümpfe von modernen Turbodieselmotoren aus: kleiner Verbrauch, großer Bums beim Tritt aufs Pedal.

Die Strategen von Peugeot haben die neue Kombi als Erste umgesetzt. Und bauen sie jetzt sukzessive in immer mehr Modelle des PSA-Konzerns (Peugeot und Citroën) ein.

Auf den Diesel-Hybrid-Pionier 3008 HYbrid4 folgen der Citroën DS5 und das neue Peugeot-Topmodell 508 RXH, das ab März 2012 für 41.900 vorfährt – inklusive Vollausstattung (Head-up-Display, Panorama-Glasdach, Navi).

CO2-Emissionen auf Kleinstwagen-Niveau

Wie im Crossover 3008 HYbrid4 stemmt bei DS5 und 508 RXH ein zwei Liter großer Selbstzünder 163 PS auf die Vorderachse. An den Hinterrädern macht sich derweil ein bis zu 37 PS starker Elektromotor zu schaffen. Ergibt in Summe maximal 200 PS.

Im Duett bescheren die beiden Antriebe den Lifestyle-Mobilen vier angetriebene Räder. Den Sprint auf 100 km/h erledigt der 191 km/h schnelle 3008 „HY4“ in 8,5 Sekunden – bei kombinierten CO2-Emissionen von lediglich 104 bis 99 Gramm pro Kilometer. Beim 508 RXH betragen sie 107 g/km.

Ein paar Kilometer rein elektrisch

Im Mittel begnügt sich die PSA-Hybride mit 4,1 bis 3,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Selbst der kleinste Diesel-Pkw auf dem Markt, der Zweisitzer Smart fortwo cdi, schluckt laut EU-Norm lediglich einen halben Liter weniger.

Rein elektrisch kommen die PSA-Hybride zumindest ein paar Kilometer voran, mit zurückhaltendem Gasfuß. Die nächste Generation wird das noch etwas besser können – und an der Steckdose tanken können. Auch hier also der Trend zum Plug-in-Hybriden. Mit Verbräuchen von zwei Liter Diesel auf 100 Kilometer, verspricht Peugeot.

Diesel und Hybrid, eine Hochzeit im Himmel? Auch andere Hersteller finden das interessant.

Volvo bringt seinen Mittelklasse-Kombi als Diesel-Hybrid

Schon auf der IAA 2011 groß angekündigt, wird Volvo seinen ersten Diesel-Hybrid im März 2012 auf dem Genfer Autosalon präsentieren. Der sparsame Schwede macht zwei Schritte auf einmal: Schon das Debüt wurde als Plug-In-Hybrid konzipiert, der an jeder Netzsteckdose aufgeladen werden kann.

Der Mittelklasse-Kombi V60 ist an sich schon kraftvoll motorisiert: Aus 2,4 Litern Hubraum, verteilt auf fünf Zylinder, werden mit Turbo-Verstärkung 215 PS mobilisiert – die gehen auf die Vorderachse.

Hinzu kommt ein nicht minder energischer Elektromotor, der seine 70 PS auf die Hinterachse wuchtet. Macht vier angetriebene Räder mit 285 PS Systemleistung. Die Kosten beim Fahren sollen um 60 Prozent niedriger sein als beim konventionellen V60.

Der Volvo ist schon ein halbes Elektroauto

Vor allem aber ist der Doppelherz-V60 schon ein halbes Elektroauto, denn bis zu 50 Kilometer können die Insassen ausschließlich mit Batterieantrieb zurücklegen. Volvo errechnet so einen Kraftstoffverbrauch von 1,9 Litern auf 100 km nach EU-Norm.

Wie das geht? Durch die Kombination von Stadtverkehrs- und Überland-Zyklus. Während bei der Messfahrt in der City ausschließlich die E-Maschine läuft, arbeiten bei Fernfahrten Diesel- und E-Antrieb im Team.

Erst ab 90 km/h (und bei leerer Batterie) schaltet sich der Verbrennungsmotor zu und zieht dann bis auf 200 km/h hoch. Dabei steigt der Verbrauch dann allerdings auf über zehn Liter je 100 km – und holt den Hybrid-Volvo zurück auf den Boden der Verbrauchs-Tatsachen.

Ende 2012 soll der schwedische Kombi in Deutschland auf den Markt kommen – vorerst in der Topausstattung zu einem Preis von etwa 57.000 Euro. Das sind rund 5.000 Euro mehr, als der vergleichbar starke Diesel kostet.

Daimler nimmt sich der Technik ebenfalls an

Der Diesel-Pionier hat inzwischen auch geschaltet: Daimler stellte auf der Detroit Motor Show Anfang 2012 das erste Mercedes-Modell mit Diesel-Hybrid-Antrieb vor. Im E 300 BlueTec Hybrid hilft eine 27 PS kleine E-Maschine dem 204 PS starken Vierzylinder-Diesel auf die Sprünge.

Das soll den Verbrauch auf 4,2 Liter je 100 km drücken. Die Hybrid-Diesel-Limo hat Mercedes-Benz vorerst nur für den europäischen Markt vorgesehen, da in den USA Dieselantrieb bei Pkw nach wie vor wenig (bis gar nicht) populär ist.

Auch in der M-Klasse soll zukünftig ein kleiner Elektromotor für zusätzliches Temperament sorgen. Wie beim S 400 Hybrid unterstützt der Elektromotor einen Vierzylinder-Diesel mit 2,5 Litern Hubraum. Wann das Diesel-Hybrid-SUV auf den Markt kommt, lassen die Schwaben noch offen.

Doppelte Leistung für schweres Gelände

Land Rover experimentiert ebenfalls mit der Kombination Selbstzünder und Elektromotor. Auf dem Genfer Salon 2011 stellten die Briten einen fetten Range Rover Sport mit V6-Turbodiesel vor, dessen 190 PS von einem bis zu 48 PS starken Elektromotor verstärkt werden.

Ein Prototyp noch, aber vielversprechend: 3,8 Liter auf 100 Kilometer, so hat Land Rover ausgerechnet, beträgt der Durchschnittsverbrauch. Bleibt abzuwarten, ob die Traditionsmarke ernst macht.

Andere gehen bereits einen Schritt weiter.

=> zu Teil 3

Text: Ralf Bielefeldt