Ethanol als Treibstoff

Mais für den Kolben

Pflanzenalkohol bringt den Motor in Stimmung, und Ökos dürften dank 100 Prozent Bio im Sprit ebenfalls frohlocken. Leider hat sich das in der Industrie kaum herumgesprochen.

23. Juli 2009

Was so exotisch klingt, ist in Brasilien seit mehr als 30 Jahren ganz alltäglich: Dort fahren inzwischen zwei Drittel aller Autos mit Pflanzenalkohol, E85 genannt. Die Abkürzung steht für Ethanol, das zu 85 Prozent aus Pflanzen, zum Beispiel Zuckerrohr, Mais oder Weizen, aber auch aus Kompost gewonnen wird. Die restlichen 15 Prozent sind Superbenzin, das beigemischt wird, um die Kaltstart-Fähigkeit zu verbessern.

Somit ist E85 nahezu CO2-neutral, besitzt aber in etwa die Eigenschaften und den Wirkungsgrad von Benzin. Der Preis liegt dagegen ungefähr auf Höhe des aktuellen Dieselpreises – dank einer vollständigen (!) Mineralölsteuerbefreiung bis 2015. Auch der geringe Aufwand für eine Umrüstung konventioneller Ottomotoren spricht für E85, es müssen lediglich Spritleitungen und Dichtungen gegen den recht aggressiven Pflanzenalkohol geschützt werden. Dieser Eingriff kostet zumeist weniger als 500 Euro.

Moralische Bedenken gegen E85

Einige Hersteller wie Saab, Ford oder Volvo bieten sogar ab Werk optimierte Fahrzeuge wie den Saab 9-3 2.0t Biopower an, der ab 30.350 Euro kostet – die zugrunde liegende Benziner-Limousine ist für einen Tausender weniger zu haben. Argumente für E85 sind sicherlich Preis und Leistungsvermögen. Dagegen spricht allerdings, dass eine flächendeckende Versorgung nicht wirklich vorhanden ist: Bei derzeit um 250 Tankstellen in Deutschland kann von einem Netz kaum die Rede sein. Nur wenig besser sieht es in Schweden aus, dem erklärten Ethanol-Förderland in Europa – dort gibt es etwa 800 Stationen. Überdies gerieten die Hersteller von E85 in der Vergangenheit in den Verdacht, Regenwald in Südamerika für neue Plantagen zu roden. Auch der Umstand, dass Lebensmittelpreise weltweit steigen, weil immer mehr Ackerflächen für Biotreibstoffe verwendet werden, macht diesen Sprit zumindest fragwürdig.

Der Synthetik-Sprit aus dem Labor: GtL

Bau’ Dir Deinen Kraftstoff selbst: Wer zum ersten Mal von GtL hört, wird an ein Märchen denken. Doch die Frankenstein-Methode funktioniert zumindest bei Sprit. Erfunden wurde sie bereits vor fast 90 Jahren in Deutschland, damals sollten aus Steinkohle flüssige Kohlenwasserstoffe gewonnen werden. Heute wird von allem Erdgas verflüssigt (Gas to Liquid) – das Endprodukt ist ein Stoff, der dem Diesel sehr ähnlich ist, aber im Gegensatz zu Mineralöl-Derivaten nahezu rein; ohne Schwefel oder Stickstoff. GtL wird unter anderem in Arabien, Malaysia und Südafrika bereits in größerem Stil hergestellt, weitere Anlagen sind in Planung. Doch vorläufig wird der synthetische Kraftstoff nicht am Markt verfügbar sein. Ähnlich verhält es sich mit Verfahren, die flüssige Kraftstoffe aus Biomasse, zum Beispiel Holzresten oder Ernte-Abfall, gewinnen sollen. Die BtL (Biomass to Liquid) genannten Substanzen besitzen attraktive Eigenschaften, doch diese Industrie ist noch am Anfang.

Zukunftsmusik: Wasserstoff und Elektroantrieb

Zu den Exoten gehören bisher Wasserstoff als Energieträger zur Verwendung in Brennstoffzellen oder reiner Elektroantrieb. Wasserstoff- oder Elektro-Autos, die den gleichen Komfort hinsichtlich Reichweite und Ladekapazitäten bieten wie konventionell betriebene Fahrzeuge, sind bisher nicht am Markt erhältlich. Allerdings wird mit Prototypen bereits fleißig experimentiert. Nach Einschätzung des Hightech-Konzerns Siemens wird es noch zehn Jahre dauern, bis der Siegeszug der Elektroautos beginnt.