Viel mehr als heiße Luft

Mehr als ein flüchtiger Bekannter: Mit Erdgas wird Fahren günstig. Allerdings ist das Tankstellennetz noch dünn, die Reichweite der Erdgasautos bisher relativ gering.

18. März 2009

Gleich an zweiter Stelle im Bio-Regal kommt Erdgas. Im Gegensatz zu LPG wird es tatsächlich gasförmig getankt und auch so gelagert. Das stellt den einzigen gravierenden Nachteil dar: Da zur Aufbewahrung ebenso schwere wie Raum füllende Druckflaschen an Bord mitgeführt werden müssen, ist die Reichweite noch sehr begrenzt. Dafür fährt man mit dem rollenden Flaschenkind konkurrenzlos günstig – und das überzeugt immer mehr Autofahrer: Aktuell sind bereits rund 70.000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland gemeldet. Ein kleiner Club im Vergleich zu Italien, wo dank reicher Erdgas-Vorkommen bereits eine halbe Million Autos mit dem flüchtigen Kraftstoff unterwegs sind. Das erfreut vor allem Italien-Urlauber, denn hinterm Brenner ist das Tankstellennetz wesentlich dichter.

Kfz-Steuer erheblich günstiger

Viele Hersteller bieten fahrbereite Erdgas-Neuwagen an. Die Umrüstung eines Gebrauchtfahrzeuges lohnt sich dagegen kaum, da die Kraftstoffanlage wesentlich höheren Anforderungen an die Dichtigkeit genügen muss. Erdgas kostet derzeit weniger als einen Euro pro Kilogramm, was etwa einem Liter entspricht. Da es überdies eine höhere Energiedichte hat als Benzin, fährt man ungefähr zum halben Preis. Weil der Kraftstoff sehr sauber verbrennt, ist dieser Antrieb äußerst umweltfreundlich – das hat den Vorteil, dass die Kfz-Steuer beachtlich niedrig liegt. Außerdem lassen sich bis zu 15 Prozent an Versicherungsprämien einsparen.

Höhere Preise für neue Erdgasautos

Nur der höhere Einstiegspreis trübt die Kauflaune, denn für ein Erdgasauto muss man stets mehr hinlegen als für das konventionelle Pendant. So kostet der Minivan Dobló von Fiat ab 17.940 Euro, der Doblò 1.3 JTG Multijet 16V mit vergleichbaren Fahrleistungen schlägt nur mit 14.890 Euro zu Buche. Noch gravierender ist dies Missverhältnis in der Oberklasse: So bot Mercedes bis zum aktuellen Modellwechsel die Limousine E 200 mit Kompressor ab 38.318 Euro an, verlangte aber für den E 200 NGT (steht für Natural Gas Technology) satte 44.755 Euro. Ab 2010 wird die neue E-Klasse wieder mit Erdgasantrieb erhältlich sein, der Preis steht noch nicht fest.

Energieversorger bieten Förderung an

Tröstlich für den Umweltfreund dagegen, dass viele Energieversorger Kunden beim Kauf eines Erdgasautos unterstützen. So fördern die Stadtwerke Aachen die Anschaffung mit einem Tankgutschein im Wert von 500 Kilogramm Erdgas. In Berlin bezuschusst der lokale Gaslieferant den Autokauf mit 333 Euro, in Bochum dürfen Privatkunden sechs Monate kostenlos an den örtlichen Erdgas-Tankstellen tanken. Weitere Förder-Angebote sind bei der Initiative Erdgas als Kraftstoff (IEK) zu finden. Apropos finden: Vor der Anschaffung sollte man ausfindig machen, ob es in der Nachbarschaft überhaupt eine Tankmöglichkeit gibt, z.B. unter http://www.erdgasfahrzeuge.de/regional.html.

Tanken mit Druckschlauch und 200 Bar

Denn leider gibt es aktuell erst rund 870 Erdgastankstellen in Deutschland (Stand: 2010), das verlangt auf Langstrecken gute Planung (zum Beispiel über www.tankstellenfinder.de). Viele moderne Navigationsgeräte bieten inzwischen eine ausgefeilte Tankstellen-Suchoption an. Zu finden sind Erdgastankstellen am Logo einer Zapfsäule mit der Abkürzung „CNG“, das steht für Compressed Natural Gas. Tanken ist etwas anders als bei konventionellen Kraftstoffen: Der Druckschlauch muss fest am Tankstutzen verankert sein, damit das Gas mit 200 Bar in die Flasche gepresst werden kann. Meist geht es genauso schnell wie mit regulärem Sprit, bei schwächeren Kompressoren kann die Befüllung auch schon mal etwas länger dauern.

Pack’ Dir den Turbo in den Tank

Bisher waren Erdgasautos zwar aufgrund der spezifischen Eigenschaften des Treibstoffs relativ schwach in der Beschleunigung – doch jetzt haben Hersteller wie Volkswagen und Opel das Problem behoben, indem sie den Motor mit Turbolader und zusätzlich Kompressor ausstatteten. Die Fahrleistungen des Opel Zafira 1.6 CNG Ecoflex Turbo oder des VW Passat TSI Ecofuel mit Turbo und Kompressor sprechen für sich: Der Passat erreicht in knapp zehn Sekunden 100 km/h, verbraucht aber nur 4,6 Kilogramm Gas auf 100 Kilometer. Seine Maschine leistet 150 PS, das reicht für 210 km/h. Der Inhalt der Gasflaschen soll den Passat bis zu 450 Kilometer weit bringen, verspricht VW. Der Preis beginnt bei 29.975 Euro für die Limousine, der Kombi ist 1150 Euro teurer. Der Opel-Van, lediglich vom Turbo angefeuert, fährt mit ebenfalls 150 PS bis zu 200 km/h schnell und verbraucht 5,3 Kilogramm auf 100 Kilometer. Für den Familien-Transporter, der mit Erdgas eine Reichweite von 370 Kilometern haben soll, wird ein Preis ab 25.430 Euro berechnet.