Alternativer Antrieb: Autogas

Kalt getankt und heiß verbraten

Propangas taugt zum Heizen – auf der Straße: Diese alternative Antriebsform wird im Ausland bereits seit Jahrzehnten genutzt. Sie bietet nicht weniger als: Tanken für die Hälfte

Autogas ist unter den alternativen Antriebsarten am weitesten verbreitet, derzeit fahren in Deutschland mehr als 300.000 Autogas-Verbraucher. Bei dem Kraftstoff handelt es sich um Flüssiggas, das bei der Erdölförderung als Nebenprodukt auftritt. Seine Hauptbestandteile sind Butan und Propan. Durch Kompression wird es verflüssigt – so erklärt sich auch die Bezeichnung LPG (Liquified Petroleum Gas). Verrückt: In Ländern wie Polen, Frankreich oder Argentinien wird es seit Jahrzehnten zum Antrieb von Autos verwendet.

Energiedichte von LPG ist etwas niedriger als bei Benzin

Getankt wird LPG wie Benzin. Doch es verbrennt erheblich sauberer, zugleich steigt der Verbrauch um bis zu 20 Prozent. Bis 2018 wird Autogas nur gering besteuert, aktuell ist es etwa halb so teuer wie Benzin. Viele Hersteller bieten Flüssiggas-Autos als Neuwagen an. Chevrolet hat sich auf LPG spezialisiert, jeder Typ ist auf Wunsch auch mit Autogasantrieb erhältlich. Der Kleinwagen Chevrolet Matiz 1.0 SX mit 67 PS verbraucht zum Beispiel im Schnitt rund acht Liter Propangas auf 100 Kilometer, das Auto kostet ab 13.000 Euro.

Deutsche Hersteller bieten neuerdings auch LPG-Antrieb an

Auch Mazda ist auf die Spar-Variante aufmerksam geworden und bietet zum Beispiel für das Mittelklassemodell Mazda 6 einen Umrüstsatz an, der inklusive Montage und drei Jahren Garantie um 2700 Euro kostet. Deutsche Hersteller sind bislang auffällig desinteressiert; eine Ausnahme macht Opel: Seit 2007 lassen sich Meriva, Corsa, Astra, Vectra und Zafira für ab 2600 Euro nachträglich umrüsten. Volkswagen geht inzwischen einen Schritt weiter und liefert den neuen Golf VI ab Werk in der Version BiFuel als LPG-Schlucker ab 21.150 Euro aus. Dann hat der kompakte Klassenbeste zwar nur 98 statt 102 PS (im Benzinmotor) und verbraucht 9,2 Liter Autogas statt 7,1 Liter Super, aber preislich bedeutet das weniger als 7 Euro für 100 Kilometer. Wie der Name BiFuel bereits sagt, läuft er notfalls auch mit Benzin.

Notfalls auch mit Normalbenzin fahrbar

Wer einen Gebrauchtwagen mit Ottomotor fährt, kann den Wagen auf eigene Faust umrüsten lassen. Ein Umrüstsatz enthält einen separaten Tank und zusätzliche Spritleitungen. Ein „Verdampfer“ sorgt analog zu Vergaser oder Einspritzanlage dafür, dass die Flüssig-Nahrung zurück in den dritten Aggregatzustand findet und als gasförmiges Luft-Propan-Gemisch für die Maschine erst verdaulich wird. Die konventionelle Kraftstoffanlage samt Benzintank bleibt angeschlossen, das Auto kann also anschließend sowohl mit LPG betrieben werden als auch mit Benzin.

Viele Fachbetriebe übernehmen Umrüstung

Das weiß leider auch das Finanzamt: Ein umgerüstetes Auto wird weiterhin nach Benzin-Satz besteuert; hier lässt sich also nichts sparen. Die Umrüstung selbst führen inzwischen viele freie Fachwerkstätten aus, sie kostet je nach Typ zwischen 1500 und 3000 Euro – man muss also etwa hunderttausend Kilometer fahren, bis sich die Investition rentiert. Wichtig: Die Zulassungsstelle verlangt ein Abgasgutachten, da die Umrüstung im Fahrzeugbrief eingetragen werden muss. Dort hinein sollten auch alle schauen, die einen auf LPG umgerüsteten Gebrauchtwagen erwerben wollen – ohne Eintragung lieber Finger weg! Allerdings vertragen nicht alle Motoren die Nachrüstung, hier sollte man zuvor Erkundigungen beim Hersteller, dem Umrüstungsbetrieb und den oft sehr aktiven Web-Communities (z. B. www.motor-talk.de) einholen.

Tankstellennetz flächendeckend vorhanden

Ist die Operation gelungen, findet sich Nachschub stets in erreichbarer Nähe: In Deutschland gibt es derzeit (Mitte 2010) knapp 6000 LPG-Tankstellen bei insgesamt etwa 14.500 Benzinstationen. Im europäischen Ausland sieht es zuweilen noch besser aus. Kleiner Wehrmutstropfen: Bei den Normen für Autogasautos ticken die Uhren noch etwas hinterher, so dass man unterwegs im Ausland auf nicht weniger als drei verschiedene Tankstutzen treffen kann. Daher sollten stets die passenden Adapter (gibt’s im Zubehörhandel) im Kofferraum sein.

Oldtimer werden plötzlich alltagstauglich

LPG erweist sich bei Klassikern mit großen Maschinen geradezu als Wunder-Droge: Ließen Oldie-Liebhaber ihre schluckfreudigen PS-Monster in letzter Zeit zumeist in der Garage, weil ein Wochenend-Ausflug mit dem automobilen Kulturgut beinahe so teuer kam wie eine Business-Class-Flugreise, wird mit Autogas (fast) alles wie früher. Die Modernisierung bleibt nach außen unsichtbar; nur die Auspuff-Fahne stinkt merklich weniger… Nachteil: Wer eine H-Zulassung hat, verliert sie durch den Einbau – denn das Klassiker-Kennzeichen gibt es nur für Originalzustand. Dann entfällt die steuerliche Begünstigung – Sammler und Liebhaber mit geringer Kilometerleistung haben also nichts von der Umrüstung.