Citroën Berlingo (Serie)

Alle Modelle mit Tests, Daten, Preisen und Kosten

Der Wandel vom Handwerkerauto zum Familien-Van verkörpert kaum ein Auto besser als der VW Caddy. Das erste Modell allerdings, das dieses Konzept populär machte, war neben dem baugleichen Peugeot Partner der Citroën Berlingo. Als der Hochdachkombi 1996 auf den Markt kam, war er ein Vorreiter und der Caddy noch ein Pritschenwagen. Mittlerweile ist das Modell zum Multifunktionsauto mit viel Stauraum und den Fahreigenschaften eines Pkw gereift, das mittels E-Motor sogar als Stromer zu haben ist. Und Tradition muss sein: Eine Handwerkerausführung als Nutzfahrzeug gibt es immer noch.

Daten

Daten

Aktuell ist der Berlingo Multispace mit zwei Benzinern (98 PS und 110 PS) sowie zwei Diesel-Motorisierungen (99 PS und 120 PS) zu haben. Gekoppelt an eine Start-Stopp-Automatik ist der schwächere Selbstzünder bei einem Normverbrauch von 4,1 Litern (CO2-Ausstoß: 109 g/km) der derzeitige Verbrauchsmeister. Die weniger genügsamen Diesel liegen aber auch bei nur 4,3 Litern Normverbrauch (CO2-Ausstoß: 113 g/km), während die Ottomotoren nach Norm 6,4 und 5,1 Liter (CO2-Ausstoß: 148 g/km und 119 g/km) benötigen. Schnellster Berlingo ist mit maximal 180 km/h der 1.2 Puretech mit 110 PS, gleichzeitig der einzige Dreizylinder im Programm. Je nach Sitzkonfiguration rangiert das Ladevolumen von 100 Litern als Siebensitzer bis 3000 Liter, wenn nur noch die Vordersitze an Bord sind. Die Zuladung beziffert sich auf 466 bis 791 Kilogramm, die maximale Anhängelast auf 1200 bis 1300 Kilogramm.  

  • sparsame Diesel
  • sehr großzügiges Platzangebot
  • optionaler Siebensitzer
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Test

Test

Mit seinem üppigen Platzangebot fällt der Berlingo sofort auf. Vor allem sein großes und variables Stauvolumen wird in den meisten Testberichten positiv hervorgehoben. Zu den weiteren Pluspunkten zählen das Pkw-ähnliche Handling – der Berlingo teilt sich die Plattform mit Citroëns Minivan C4 Picasso – und der Sitzkomfort. Die Fahreindrücke lassen sich zusammenfassen mit kultiviert agierenden Dieselmotoren, teils unkomfortablem Fahrwerk, mäßiger Übersichtlichkeit und einer verbesserungswürdigen Lenkung.

  • kultivierte Diesel
  • gutes Handling
  • beschränkte Übersichtlichkeit
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Preise

Preise

Die Pkw-Variante Multispace steht ab 17.850 Euro für den 1.6 Vti 95 mit 98 PS in der Preisliste. Darauf folgt der 1.6 BlueHDi 100 mit 99 PS, der mindestens 21.450 Euro kostet – 150 Euro weniger als der sparsame Dreizylinder 1.2 Puretech mit 110 PS. Der leistungsstärkste Diesel mit 120 PS und 300 Nm (1.6 BlueHDi 120) ist ab 23.850 Euro gelistet. Betriebs- und Fixkosten sind vergleichsweise niedrig, die Neuwagengarantie liegt allerdings bei nur zwei Jahren.

  • moderater Einstiegspreis
  • recht geringe laufende Kosten
  • nur zwei Jahre Garantie
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Beschreibung

Serienbeschreibung

Als der Berlingo auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover erstmals vorgestellt wurde, musste der Hersteller das Fahrzeugkonzept noch erklären – als Mischung aus Großraumlimousine oder Van auf der einen und Lieferwagen auf der anderen Seite. Das Ladevolumen des 4,11 Meter langen und 1,80 Meter hohen Autos wurde wie bei Gewerbekunden üblich noch in Kubikmetern angegeben. Und davon hatte der Franzose knapp drei zu bieten. Die Zuladung lag bei 800 Kilogramm und damit ebenfalls über dem gängigen Pkw-Niveau.


Vorderansicht - schräg
Anfangs musste der Hersteller das Fahrzeugkonzept noch erklären.
Seitenansicht

Damit war der Berlingo sowohl im gewerblichen wie privaten Bereich ideal für Kunden, für die der Nutzwert eines Autos im Vordergrund steht. Entsprechend schwächlich und unscheinbar waren die zwei Benziner mit 60 PS und 75 PS sowie die zwei Dieselmaschinen mit 61 PS und 71 PS unter der Fronthaube.

Handwerker sollten ebenso zufrieden sein wie Familien, für die Citroën neben der Basisausstattung mit Airbags, höhenverstellbarem Lenkrad und Gurtstraffer ab 1997 auch die stärkere und komfortablere Variante Multispace auf den Markt brachte, die statt der beiden Hecktüren eine Heckklappe sowie ein optionales elektrisches Faltdach bekam. ABS, Klimaanlage und elektrische Fensterheber gab es von Anfang an als Extras auch für die Handwerkerausführung, die auf Rückbank und hintere Seitenfenster verzichtete und nur mit zwei Vordersitzen ausgeliefert wurde.

 

Der Berlingo wird elektrifiziert 

Der ab Spätsommer 1997 verfügbare Multispace mit dem 90 PS starken 1.8i-Benziner war mit maximal 160 km/h der bis dahin schnellste Berlingo. Während das konventionell angetriebene Familienauto rund 26.500 Euro kostete, konnten Kunden ab 1998 gut 1000 Euro drauflegen und erhielten dafür den elektrifizierten Berlingo Electrique. Allerdings ohne Batterie, die zusätzlich geleast werden musste.

 

Damit brachte Citroën früh ein E-Auto in einem Marktsegment, in dem der Elektroantrieb auch heute noch sinnvoll erscheint, ohne auf das für die Langstrecke nach wie vor bestehende Reichweitenproblem zu stoßen: bei den Handwerkerautos. Der Electrique von 1998 kam auf einen Aktionsradius von rund 70 bis 120 Kilometern und war maximal 95 km/h schnell. Seine Nutzlast war aufgrund der schweren Batterien jedoch auf 500 Kilogramm beschränkt.

Einen Schritt weiter in Richtung Familienauto machte der französische Hochdachkombi 1999 mit Merkmalen wie einer seitlichen Schiebetür, in Teilen umklappbarer Rückbank sowie Isofix-Befestigungsösen für zwei Kindersitze, die ins Programm aufgenommen wurden. Der Multispace konnte später auch mit Schiebetüren an beiden Seiten bestellt werden.

 

Zweitauflage erst nach zwölf Jahren

Weiter ging diese Entwicklung mit dem ersten Facelift seit Markteinführung, das 2002 neben einer neu gestalteten Frontpartie mit größeren Scheinwerfern ein Cockpit ähnlich dem des Kleinwagen C3 sowie Seitenairbags und mehr Sitzkomfort bot. Teilweise waren auch Armlehnen vorn und Klapptische an den Rückenlehnen der Vordersitze verfügbar. Das Motorenangebot bekam etwas mehr Leistung, bestand aber nach wie vor aus zwei Dieseln mit 70 PS und 90 PS sowie zwei Benzinern mit 75 PS und 109 PS.

Ganze zwölf Jahre nach der Premiere und damit weit später als bei Pkw üblich brachte Citroën erst 2008 die Zweitauflage des Berlingo zu den Händlern. Der Generationswechsel bedeutete ein Längenwachstum auf 4,38 Meter, dazu ging das Modell auch etwas in die Breite. 

Die Pkw-Version erhielt zur Abgrenzung vom Nutzfahrzeug vorübergehend den Beinamen Tepee und im Fond statt der konventionellen Rückbank gegen Aufpreis drei einzeln verschieb- und herausnehmbare Sitze. Auch eine Outdoor-Variante, schon zuvor erhältlich, wurde wieder aufgelegt, die an einen Allradantrieb gekoppelt allerdings nicht auf allen Märkten verfügbar war.

 

ESP und FAP jetzt Standard

Das Ladevolumen gab Citroën mit 642 bis 3000 Litern an, die Ladelänge mit 1,8 Metern bis 3,0 Metern. Gewerbekunden wurden mit Volumina von bis zu 3,7 Kubikmetern gelockt. Es gebe genug Stauraum für zwei Euro-Paletten, hieß es damals.

Komfort, Praxistauglichkeit und Sicherheit sollte der Berlingo durch ein optionales Glasdach, Staufächern im Wagendach sowie einem Pkw-ähnlichen Innenraum mit vier serienmäßigen Airbags steigern. Auch ein Berganfahrassistent sowie ESP in den meisten Versionen war jetzt immer an Bord, ebenso wie ein Rußpartikelfilter (FAP) für die Diesel. Motortechnisch bestand das Angebot nun nur noch aus 1,6-Liter-Maschinen, wobei der Benziner 98 PS oder 120 PS, der Diesel 99 PS oder 120 PS leisteten.

Letztere Version war mit 173 Kilometern pro Stunde und 5,6 Litern Verbrauch (CO2-Ausstoß: 147 g/km) auch zugleich das schnellste und sparsamste Modell der Baureihe – bis 2009 zunächst für die Nutzfahrzeugvariante eine „Airdream“-Ausführung mit 90-PS-Diesel in den Handel kam, der nur noch 5,3 Liter (CO2-Ausstoß: 140 g/km) verbrauchen sollte. Im Folgejahr wurde auch wieder eine Elektroversion vorgestellt, die 2014 in den Verkauf ging, mittlerweile aber nicht mehr verfügbar ist.

Modellpflegemaßnahmen erhielt der ebenfalls immer komfortabler gewordene Berlingo II im Jahr 2012, als vor allem Heck- und Frontleuchten modernisiert wurden, sowie 2015, als zum Genfer Salon neue Ausstattungsmerkmale wie ein sieben Zoll messender Touchscreen für Navigation und Infotainment, Einparksensoren vorn, ein Notbremsassistent für den Stadtverkehr sowie eine Rückfahrkamera präsentiert wurden. Mittlerweile ist der Berlingo Multispace auch als Siebensitzer mit zweiter Rückbank zu haben sowie mit Smartphone-Konnektivität. Die Motoren wurden ebenso überarbeitet, leisten aktuell von 75 bis 120 PS und erfüllen die Euro-6-Norm. Die sparsamste Version gibt Citroën mit 4,1 Litern (CO2-Ausstoß: 109 g/km) an.